Kulturatlas Westfalen

Westfalens kulturelle Vielfalt auf einen Blick

von Stefan Althaus

Geographische Kommission für Westfalen (Hg.)(2007²): Kulturatlas Westfalen. Sämtliche 231 Städte und Gemeinden in Westfalen; Museen, Galerien, Theater, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten u.v.m. Münster, Aschendorff.
ISBN: 978-3-402-15565-3

Die neue Buchauflage 2007

Häufige Nachfragen nach einer gedruckten Ausgabe des Kulturatlas Westfalen sowie die ungebrochene Beliebtheit des klassischen Mediums Buch haben Anfang 2006 zu dem Entschluss geführt, nach sechs Jahren eine neue Buchauflage zu veröffentlichen. Im handlichen Format (17x24 cm) und auf neun wesentliche Kategorien gegenüber der Internetversion reduziert, präsentiert das im März 2007 erschienene Buch folgende Bereiche:

 

Die Abbildung zeigt das Titelbild des neuen Kulturatlas Westfalen
  • Museen, Sammlungen
  • Theater
  • Galerien, Ausstellungsräume
  • Feste, Märkte
  • Planetarien, Sternwarten
  • Zoos, Tierparks
  • Botanische Gärten
  • Sehenswürdigkeiten
  • Routen

Ergänzt wird das Buch durch ein Glossar sowie eine ca. 60x75 cm große Faltkarte „Westfalen“. Die Konzeption des Buches bietet eine attraktive, kompakte und in ihrer Form einmalige Gesamtschau für den Kulturraum Westfalen mit über 3200 Einträgen und rund 600 Abbildungen. 

Zur Rezension in der Zeitschrift "Heimatpflege in Westfalen" 2/2007

 

Die Entwicklung des „Kulturatlas Westfalen"

Mit dem Versand der ersten Fragebögen an die 231 Städte und Gemeinden sowie 18 Kreise in Westfalen durch die Geographische Kommission für Westfalen begann im Jahre 1999 die Realisierung des Projektes „Kulturatlas Westfalen-Lippe“.

Die Abbildung zeigt die erste Ausgabe des Kulturatlas von 2000 Erste Buchausgabe des Kulturatlas Westfalen (2000)

Die erste Buchversion

In Kooperation zwischen der Geographischen Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL und der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial-Versicherungen erschien im Juni 2000 erstmals das Buch „Kulturatlas Westfalen-Lippe“. Über 600 Seiten geballte Information zum kulturellen Leben in den Städten und Gemeinden Westfalens mit rund 5 500 Einträgen stellten die größte Datensammlung dieser Art für den westfälischen Raum dar. Der als Handbuch und Nachschlagewerk angelegte Kulturatlas sollte nicht nur das engagiert von kommunaler und privater Seite entfaltete und geförderte kulturelle Spektrum in Westfalen aufzeigen, sondern auch dazu beitragen, die insgesamt große Vielfalt besser wahrzunehmen, aktive oder passive Teilnahmemöglichkeiten zu erschließen sowie die kulturellen Aktivitäten der Region auch nach außen bekannter zu machen. Die Dokumentation richtete sich vor allem an kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger, aber auch an Kulturveranstalter und -vermittler, die für Aufführungen, Ausstellungen oder Tagungen geeignete Stätten oder einen optimalen Rahmen suchen, wie ihn z. B. ein bestimmtes Festival oder Motto-Stadtfest bieten kann.
Die 1999/2000 in der Geschäftsstelle der Geographischen Kommission für Westfalen durchgeführte Erstellung des Kulturatlas machte eine umfangreiche Primärerhebung nötig, da über die kulturellen Institutionen und Initiativen für den Gesamtraum Westfalen noch keine einheitliche Datenerfassung vorlag. Die Datenerfassung wurde bereits in der Anfangszeit des Kulturatlasses durch den heutigen Projektleiter Dipl.-Geograph Stefan Althaus koordiniert, der damals als wissenschaftlicher Volontär bei der Geographischen Kommission für Westfalen tätig war.

Zur Bestandsaufnahme erhielten alle westfälischen Städte und Gemeinden vorstrukturierte Fragebögen zu Kulturanbietern in solchen Bereichen, die eine Kulturlandschaft im Wesentlichen kennzeichnen. Der Rücklauf der Erhebungsbögen betrug 97 %, d. h. nur bei sechs von 231 Städten/Gemeinden unterblieb eine Rücksendung der Bögen. Nach Übernahme der Einträge in die Datenbank wurde für jede Stadt/Gemeinde ein erster systematisch strukturierter Ausdruck gefertigt, der anschließend als sog. Gemeindeblatt den einzelnen Kommunen zur Durchsicht und Korrektur zuging. Gleichzeitig erfolgten in der Geschäftstelle der Geographischen Kommission für Westfalen ergänzende Recherchen bei Dienststellen, im Internet oder in einschlägigen Handbüchern. Diese Zusatzerhebungen betrafen vor allem fragliche Angaben und eine Vervollständigung von Einträgen, wobei u. a. die Geschäftsstelle des Westfälischen Heimatbundes und das Museumsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe wesentliche Beiträge liefern konnten. Zur Wiedergabe aller Einträge im Kulturatlas selbst wurde des Weiteren eine für alle Städte und Gemeinden durchgehende und vergleichbare Systematik entwickelt mit folgendem Raster: Kategorien, Sparten, Namen der Einrichtungen, Adressen und Zusatzinformationen (u. a. Veranstaltungsorte, Ausstellungsschwerpunkte, Veranstaltungsschwerpunkte, Projekte, regelmäßige Veranstaltungen, Ensemblegröße, Raumangebot/Plätze, Führungen, behindertengerechte Publikumsflächen, besondere Angebote, Öffnungszeiten, Typ, Ziel, Vergabebedingungen und -formen, Dotierung, übergeordnete Institution, Datum, Periode, Gründungsjahr). Der Kulturatlas wurde als Ergebnis der intensiven Recherchearbeiten Anfang 2000 nach dem Ordnungsprinzip der alphabetischen Reihenfolge der Städte und Gemeinden erstellt. Über die alphabetische Gliederung hinaus erhielten die Kommunen eine Zuordnung zu den kulturräumlichen Landschaften Westfalens. Ergänzt wurde der Kulturatlas durch zehn Karten, die die in der Region zahlreich vorhandenen, für den Fremdenverkehr und Kulturtourismus sehr interessanten Sehenswürdigkeiten und Denkmäler in Auswahl wiedergeben. Die benannten Objekte besitzen einen hohen Zeugniswert für die westfälische Landesgeschichte, für historische Städte, Dörfer und Herrensitze, für regionale Baustile und -materialien sowie für die Entwicklung von Arbeits- und Produktionsverhältnissen und sollten daher schon in der ersten Ausgabe des Kulturatlas Westfalen Berücksichtigung finden.

 

Zur Rezension in der Zeitschrift "Westfalenspiegel" 3/2000

Kulturatlas im Internet

Auf der ersten Buchversion basierend, steht der Kulturatlas Westfalen seit März 2002 als umfangreiches Informationsangebot zum kulturellen Leben in Westfalen auch im Internet zur Verfügung. Parallel zu einer erneuten umfangreichen Datenerhebung bzw. –aktualisierung bei den Kommunen wurde ein, dem Medium Internet angepasstes Konzept für den Kulturatlas erarbeitet. Beschränkte der vorhandene Buchumfang noch die Datenfülle, so bot die digitale Version praktisch unbegrenzten Raum für Erweiterungen, die dem Anspruch des Kulturatlas dienen, die kulturelle Vielfalt so breit wie möglich darzustellen (aktuelle Gliederung). Neben den Angeboten und Stätten der „hohen Kultur“ möchte der Kulturatlas Westfalen auch eine Plattform für das vielfältige kulturelle Wirken der Bürgerinnen und Bürger in ihren Gemeinden bieten. Heimat- und Musikvereine, Kunst- und Kulturkreise bilden in vielen Gemeinden die „Basis“ kulturellen Lebens und tragen somit ganz wesentlich zum Bild einer Region bei. Der Kulturatlas Westfalen soll im Internet von dieser Vielfalt ein Abbild sein. Vor allem der Bereich der Musik konnte über die Buchversion hinaus wesentlich erweitert werden. Bei der großen Datenfülle spielt die Möglichkeit einer effektiven Recherche für die NutzerInnen eine entscheidende Rolle. Die Datenrecherche im Kulturatlas Westfalen ist zum einen möglich über eine Auswahl unter den 231 Städten und Gemeinden in alphabetischer Reihenfolge („Suche von A-Z“ in Anlehnung an die Buchversion). Zum anderen kann der Nutzer über eine gezielte Suche nach Institutionsnamen und/oder Ortsteilen auch Einrichtungen direkt ermitteln, unterhalb der administrativen Ebene der Kommunen recherchieren sowie Kategorien und Institutionsarten gezielt auswählen. Mit den unterschiedlichen Recherchemöglichkeiten lassen sich sehr individuelle Ergebnisgruppen bzw. einzelne Einträge schnell erreichen. Eine bequeme Druckoption für die Rechercheergebnisse sowie ein integriertes Routenprogramm zur Darstellung des individuellen Anfahrtsweges runden die bestehenden Möglichkeiten im Kulturatlas Westfalen ab. Ein wichtiges Element der Internetversion sind Online-Fragebögen zur Meldung neuer Einträge oder Korrektur vorhandener Daten. Mit dieser Funktion ist es jedem Nutzer möglich, Einrichtungen oder Veranstaltungen im Kulturatlas Westfalen zu präsentieren, wobei alle Angaben redaktionell bearbeitet und kontrolliert werden. Die Redaktionsarbeit sichert in allen Phasen der Entwicklung des Kulturatlas den hohen Qualitätsanspruch, der für ein Werk dieser inhaltlichen und räumlichen Bandbreite notwendig ist.
 

Zur Rezension in "Städte- und Gemeindebund NRW", Jg. 55, Nr. 5

Westfalenkarten

Rund zwei Jahre nach der erfolgreichen Einführung des Kulturatlas Westfalen im Internet ging im Juli 2004 ein erster Relaunch (Neugestaltung) an den Start. Der neue Internetauftritt erhielt sowohl inhaltlich als auch funktional umfangreiche Ergänzungen. Mit anfänglich rund 400 Objekten wurde der Bereich der kulturhistorischen und landeskundlichen Sehenswürdigkeiten in den Kulturatlas aufgenommen. Aktuell werden fast 1000 Sehenswürdigkeiten beschrieben, wobei diese Zahl in Zukunft noch deutlich gesteigert werden soll.

 

Dem Begriff Kulturatlas Rechnung tragend, wurde in 2004 ebenfalls eine interaktive Auswahlfunktion auf Basis einer Karte des westfälischen Raumes integriert. Hier hat der Kulturatlas im Internet die bereits erwähnte kartographische Ergänzung der Buchversion aufgenommen und interaktiv nutzbar gemacht. Mit Hilfe von interaktiven  Karten in unterschiedlichen Maßstäben und mit variablen Inhalten können individuelle Inhalte ausgewählt und Funktionen angewandt werden. Die Entwicklung von einem ausschließlich Datenbank-basierenden, textorientierten System zu einem GIS-basierenden, kartenorientierten Kulturatlas Westfalen erforderte sowohl auf Seiten der Geographischen Kommission als auch beim IT-Zentrum des LWL umfangreiche „Pionierarbeit“ im Hinblick auf die Auswahl und Einrichtung eines effektiven Gesamtsystems. Basis dieser funktionalen Erweiterung ist die einfache Markup-Sprache SVG (Scalable Vector Graphics). Dieses Grafikformat stellt für die Möglichkeiten interaktiver kartographischer Darstellungen und Nutzungen im World Wide Web einen enormen Qualitätssprung dar. Die Vektorgrafiken lassen sich ohne einen Verlust in der Darstellungsqualität frei skalieren und bieten einen wesentlichen Vorteil gegenüber Pixel-basierten Grafikformaten. Der Kulturatlas Westfalen erhielt durch die neue Darstellungstechnik sowie erweiterte Inhalte diverse attraktive Möglichkeiten der Datenpräsentation. Über die in der Karte vorhandenen Namen der Städte und Gemeinden sowie Ortsteile gelangen die NutzerInnen zu den jeweiligen Einträgen entsprechend einer erweiterten Gliederung des Kulturatlas Westfalen. Darüber hinaus bieten interaktive Kartensymbole den direkten Zugang zu einer Fülle von Datensätzen des Kulturatlas Westfalen. Beispielhaft sind hier Symbole für die Standorte von Sehenswürdigkeiten, Museen oder Freilichtbühnen zu nennen.
Seit April 2005 bietet der Kulturatlas Westfalen als weitere Ergänzung beeindruckende, interaktive 360°-Panoramen verschiedener historischer Stadt- und Ortskerne. Das Angebot an solchen Panoramen wird in Zukunft weiter ausgebaut. Ebenfalls seit 2005 bietet die Aufnahme von Routen mit unterschiedlichsten Inhalten (z. B. Literatur- und andere Themenrouten, Rad- und Wanderrouten) in den Kulturatlas Westfalen Anregungen für Ausflüge in die kulturräumlichen Landschaften Westfalens. Hierbei werden in Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Kommissionen und Einrichtungen der Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe thematische Routenvorschläge erstellt. Den Anfang machte eine Kooperation mit der Literaturkommission für Westfalen für drei Routen, die auf den Spuren bekannter und weniger bekannter westfälischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller wandeln.

Kooperation des Kulturatlas Westfalen

Die Kooperation mit den kulturellen Einrichtungen des LWL spielt für den Kulturatlas Westfalen eine zentrale Rolle, um die fachlichen Kompetenzen der verschiedenen Akteure für die vielschichtigen Themen, mit denen sich der Kulturatlas befasst, nutzbar zu machen. Im Folgenden werden die (neben der Literaturkommission) wichtigsten, noch nicht angesprochenen Kooperationen – auch mit Akteuren außerhalb des LWL - kurz skizziert:

  • Das LWL-Medienzentrum für Westfalen unterstützt den Kulturatlas bei der Auswahl, Erstellung und Bereitstellung von Fotos sowohl für die Internetversion als auch für die neue Buchversion (s. o.).
  • Das LWL-Amt für Denkmalpflege stellt die zentrale Denkmal-Datenbank KlaraWeb für Recherchearbeiten zur Verfügung und berät bei der Auswahl der Sehenswürdigkeiten.
  • Das LWL-Amt für Landschafts- u. Baukultur stellt Daten für die Parks und Gärten in Ostwestfalen-Lippe zur Verfügung.
  • Mit dem Internetportal „Westfälische Geschichte“ des LWL- Instituts für Regionalgeschichte besteht eine gegenseitige Verlinkung. Hierdurch werden die Inhalte beider Portale Kulturatlas Westfalen und Internetportal „Westfälische Geschichte“ für übergreifende Recherchen sinnvoll miteinander verknüpft.
  • Der Westfälische Heimatbund stellt dem Kulturatlas laufend die aktualisierten Daten zu den Heimatvereinen u. Heimatpflegern seines eigenen Internet-Portals zu Verfügung. Sein Wanderwegenetz im Münsterland nutzend, erstellt der Westfälische Heimatbund ebenfalls Routenbeschreibungen für den Kulturatlas Westfalen.
  • Das LWL-Museumsamt für Westfalen steht dem Kulturatlas bei Fragen zur westfälischen Museumslandschaft beratend zur Seite.
  • Die Volkskundliche Kommission für Westfalen erarbeitet thematische Routenvorschläge für den Kulturatlas.
  • Das Kulturinformationssystem Ruhrgebiet (KIR) steht nach eigenem Relaunch in 2005 für eine erweiterte Zusammenarbeit zur Verfügung.
  • Das Internetportal „Marktplatz Münsterland“ nutzt in eingeschränkter Form die Kulturatlas-Einträge des Münsterlandes und verlinkt für weitergehende Informationen auf den Kulturatlas Westfalen.

Zukunft des Kulturatlas Westfalen

Seit dem Start des Internetangebotes im Jahre 2002 haben sich die Zugriffszahlen mehr als verdreifacht. Die erfolgreiche Internetversion des Kulturatlas Westfalen wird auch in Zukunft weitere Ergänzungen und Anpassungen erfahren. Wichtige Aspekte werden hierbei die Realisierung eines barrierefreien Angebotes entsprechend den gesetzlichen Vorgaben sowie ein Ausbau interaktiver Elemente sein. Multimediale Inhalte wie Fotos, Film- u. Tondokumente, aber auch Literaturhinweise und erweiterte Informationstexte werden neben einer Steigerung der Eintragszahlen (u.a. im Bereich der Sehenswürdigkeiten) und intensiver Verlinkung mit an-deren, thematisch verwandten Internetangeboten weitere zukünftige Entwicklungsstufen des Kulturatlas Westfalen sein. Der Zugang über eine interaktive Karte, wie sie der Kulturatlas Westfalen in einmaliger Form besitzt, bietet eine hervorragende Möglichkeit, Westfalen als Gesamtregion, aber auch in seinen Teilräumen und Zusammenhängen virtuell erlebbar zu machen und zugleich Zeugnis abzulegen von der unglaublichen kulturellen Vielfalt in Westfalen und den zahlreichen kulturellen Aktivitäten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe für die Bürgerinnen und Bürger Westfalens. Jenseits der recht abstrakten Gliederung Westfalens nach administrativen Grenzen trägt die im Internet mit dem Kulturatlas Westfalen gebotene abwechslungsreiche Gesamtschau ihren Teil bei zu einer Identitätsbildung in Westfalen.

Der Kulturatlas ist über den Aschendorff-Verlag oder den Buchhandel zu beziehen. 
ISBN 978-3-402-15565-3

 

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