Städte und Gemeinden in Westfalen - Konzeption und Gestaltung der Buchreihe

Von Rudolf Grothues und Alois Mayr

Vorbemerkungen

Selbstverwaltete Gemeinden sind innerhalb des Systems administrativer Gebietskörperschaften elementare Bausteine der demokratischen Verwaltung. Sie bestehen in der Regel aus mehreren Siedlungen bzw. Ortsteilen und tragen mit wachsender Größe oder Ausstattung häufig das Epitheton ornans „Stadt”. Städte heben sich aus der Zahl sonstiger Gemeinden dadurch heraus, dass sie – zumeist bereits im Mittelalter – vom Landesherrn einen förmlichen Rechtstitel verliehen bekommen haben, der damals mit bedeutsamen wirtschaftlichen Privilegien verbunden war (z. B. Abhalten von Märkten, Stapelung von Waren, Münzprägungen usw.). Durch die deutsche Gemeindeordnung von 1935 und deren Nachfolger kam es zu einer Aufhebung der Rechtsunterschiede zwischen Städten und Nichtstädten, so dass das Stadtrecht seither ein inhaltsleerer Titel geworden ist, als Statussymbol allerdings weiterhin wirkt. Eine Sondersituation liegt für die kreisfreien Städte vor, die rangmäßig den Kreisen gleichgestellt sind.

Es würde zu weit führen, auf die vielfältigen Ansätze und Elemente des Stadtbegriffes bzw. nichtstädtischer Siedlungen einzugehen (vgl. dazu HEINEBERG 2001, S. 23– 26), aber es erscheint notwendig darauf hinzuweisen, dass es eine große Spannbreite von Städte- und Gemeindetypen gibt, deren Ausprägung auf den unterschiedlichsten Voraussetzungen beruht (Institut für Länderkunde 2002). Zur Erfassung, Darstellung und Bewertung von Siedlungen sind vielfältige Ansätze und Methoden entwickelt worden, die in landeskundlichen Darstellungen, kartographischen Dokumentationen mit erläuternden Texten und Spezialabhandlungen ihren Niederschlag gefunden haben. Tendenzen zur Standardisierung bzw. zur Anwendung fest gefügter Schemata sind dabei um so größer, je größer der Betrachtungsraum ist.

Im folgenden Beitrag wird über ein Projekt der Stadtforschung und -darstellung im Landesteil Westfalen des Landes Nordrhein-Westfalen berichtet, den es nach Aufhebung der ehemaligen preußischen Provinzen de jure gar nicht mehr gibt. Bearbeiter und Herausgeber des vorzustellenden Werkes ist die Geographische Kommission des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), einem Kommunalverband in Nordrhein-Westfalen. Die Kommission ist eine nach dem Prinzip wissenschaftlicher Akademien arbeitende regionale Forschungseinrichtung mit einer vier feste Mitarbeiter zählenden Geschäftsstelle und über 100 zugewählten Mitgliedern. Sie sind hauptberuflich an Hochschulen, Schulen und in der Berufspraxis sowie ehrenamtlich in der Landesforschung tätig (vgl. BERTELSMEIER/MAYR 1986, TEMLITZ/MAYR 1996 und Selbstdarstellung der Geographischen Kommission).

In diesem Beitrag werden:

  1. die Vorgeschichte der Reihe,
  2. die Abfolge der Bände,
  3. die inhaltliche Gestaltung der Veröffentlichungen nach ihren einzelnen Bestandteilen (Hauptteil) sowie
  4. die Stellung und Rezeption des Werkes behandelt.

1. Vorgeschichte der Reihe

In den 1960er und 1970er Jahren erschienen in den „Berichten zur deutschen Landeskunde” unter Leitung von Prof. Dr. Emil Meynen, des Direktors der damaligen Bundesanstalt für Landeskunde und Raumordnung, sog. geographisch-landeskundliche Stadtkurzbeschreibungen, z. B. 1961 für Nordrhein, 1965 für Westfalen und in den folgenden Jahren für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Schleswig-Holstein und Bayern. Das Ziel, die gesamte alte Bundesrepublik fächendeckend zu bearbeiten, wurde nicht erreicht.

Für Westfalen wurden im Zusammenwirken mit der Geographischen Kommission (Vorsitz: Prof. Dr. Wilhelm Müller-Wille) alle 175 Stadtgemeinden nach einheitlichen Vorgaben beschrieben, wobei entsprechend der Größe der Stadt der Umfang zwischen einer halben Seite und fünf Seiten schwankte. Mit dem zum 35. Deutschen Geographentag in Bochum 1965 vorgelegten Themenband der „Berichte zur deutschen Landeskunde” wurde eine große Bedarfslücke geschlossen. Trotz der umfangmäßigen Beschränkungen und trotz des völligen Fehlens kartographischer Abbildungen fand das Werk Anerkennung und entwickelte sich zu einem oft benutzten Nachschlagewerk. Für die Städte des Landesteils Lippe erarbeitete H.-F. GORKI eine umfangreichere Darstellung mit kartographischer Ausstattung (GORKI 1966).

Die Verwaltungsgebietsreform der Jahre 1968–1976 führte in Nordrhein-Westfalen wie in den anderen Bundesländern zu großen Veränderungen der kommunalen Gebietsstrukturen (vgl. zusammenfassend MAYR 1990): Nur 139 von ehemals 175 Städten Westfalens blieben bei meist deutlich vergrößertem Gebietszuschnitt selbständig, 35 wurden in andere Städte eingegliedert, und 18 neuen Großgemeinden wurde von der Landesregierung das Stadtrecht neu verliehen.

Als Einrichtung, die regionale Dienstleistungen für die Gesellschaft erbringt, beschloss die Geographische Kommission im Jahre 1985, die inzwischen 20 Jahre alten Stadtkurzbeschreibungen durch neue Stadtmonographien zu ersetzen. Diese sollten den aktuellen administrativen, städtebaulichen und funktionellen Gegebenheiten Rechnung tragen und zusätzlich Karten enthalten. Mit diesem Beschluss startete die Geographische Kommission ein zweites Großprojekt neben dem bereits ab 1983 begonnenen Geographisch-landeskundlichen Atlas von Westfalen (vgl. TEMLITZ 1991). Erfreulicherweise konnten 1987 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zwei Diplom-Geographen als wissenschaftliche Volontäre und ein kartographischer Zeichner befristet für das Projekt angestellt werden.

Nach Übertragung der Urheberrechte des Werkes an die Geographische Kommission nahm ein aus dem Kreis der Mitglieder bestimmtes vorbereitendes Gremium seine Arbeit auf und legte der Mitgliederversammlung ein Konzept sowie eine fast vollständige Liste von Autoren für die Stadtbeschreibungen vor. Dabei wurden bevorzugt – sofern interessiert – bisherige Autoren aus der Veröffentlichung von 1965, sodann Mitglieder und Mitarbeiter der Kommission einschließlich der Volontäre sowie externe Sachverständige berücksichtigt, die alle ehrenamtlich tätig sind.

Zwischen Städten und nichtstädtischen Siedlungen gibt es bekanntlich ein Stadt-Land-Kontinuum. Auf Vorschlag des Vorstands der Kommission beschloss die Mitgliederversammlung, für die Neuausgabe nicht nur die Städte zu berücksichtigen, sondern nunmehr auch die bereits in einer Minderzahl befindlichen nichtstädtischen Gemeinden, die auf Grund ihrer neuen Gebietsgrößen und Einwohnerzahlen, ihrer strukturellen und funktionellen Charakteristika heute nicht mehr so weit von städtischen Gemeinden differieren, als dass ihre Nichtberücksichtigung noch zu rechtfertigen wäre. Dieser Beschluss machte die Erstellung von 231 Stadt- bzw. Gemeindebeschreibungen notwendig.

Abb.1: Westfalen und seine Regionen Abb.1: Westfalen und seine Regionen

In seinen Arbeitsbesprechungen kam das vorbereitende Gremium überein, die Neubearbeitung, nunmehr unter dem Titel „Die Städte und Gemeinden in Westfalen”, durch thematisch angereicherte Auszüge aus amtlichen topographischen Karten und durch Funktionskartierungen der Innenstadt- oder Ortskernbereiche zu veranschaulichen; außerdem sollten die jeweiligen Artikel – anders als 1965 – durch Ausführungen zum Stand der kommunalen Entwicklungsplanung, der Landschaftsplanung, der Stellung in der Landesentwicklungsplanung sowie durch Literaturhinweise und Angaben über die Existenz kommunaler Statistiken und anderer Veröffentlichungen erweitert werden. Zu diesem Zweck versandte die Kommission an alle westfälischen Städte und Gemeinden ein Informationsschreiben mit der Bitte um Überlassung einschlägiger Unterlagen. Erbeten wurden Verzeichnisse oder – soweit möglich – je ein Exemplar behördlicherseits erstellter, angeregter oder bekannter Veröffentlichungen zur Bevölkerungs-, Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsstruktur, zu Raumordnung, Naturraum und Ökologie, zu Bauleit- und Landschaftsplanung sowie statistische Unterlagen und ein Stadtplan. Das freundlicherweise von den Gemeinden überwiegend zur Verfügung gestellte Material wurde in der Geschäftsstelle durch die Mitarbeiter einer Überprüfung auf Vollständigkeit unterzogen, inventarisiert und anschließend den Autoren für ihre Artikel zur Verfügung gestellt. Bei der Frage nach der regionalen Gliederung des Werkes und seiner Aufteilung in Bände entschied man sich zuerst für eine Erscheinungsfolge mit vier Bänden und größeren Regionen, nämlich

  • „Westfälisches Ruhrgebiet” mit 36 Gemeinden, darunter etlichen Großstädten,
  •  „Münsterland” mit 66 Gemeinden,
  •  „Ostwestfalen-Lippe” mit 70 Gemeinden und
  •  „Südwestfalen (Sauerland, Siegerland, Wittgensteiner Land)” mit 59 Gemeinden (vgl. Abb. 1).

Dieses Konzept der Veröffentlichung von vier umfangreicheren Regionalbänden war jedoch aus arbeitsökonomischen Gründen nicht realistisch, da die Zahl der Autoren, die auf einen gemeinsamen Zeitnenner hätten gebracht werden müssen, einfach zu groß war. So wurde der Beschluss gefasst, kleinere Darstellungseinheiten zu wählen, und zwar die 18 Kreise und 9 kreisfreien Städte, die den – amtlich nicht existierenden – Landesteil Westfalen bilden bzw. die dem Landschaftsverband Westfalen- Lippe angehören. Eine gemeinsame Behandlung benachbarter, funktional eng verbundener Verwaltungseinheiten sollte möglich sein. Die Mitgliederversammlung der Geographischen Kommission legte ferner fest, dass die Bände allgemein verständlich sein sollten und dass auf eine enge Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gebietskörperschaften besonderer Wert zu legen sei (z. B. durch Korrekturlesung der einzelnen Beiträge durch die Gemeinden, was keineswegs als Eingriff in die wissenschaftliche Unabhängigkeit empfunden wird, sondern sich sehr bewährt hat). Schließlich wurde beschlossen, dass möglichst pro Jahr ein Band erscheinen sollte und dass, um einschlägige Erfahrungen zu sammeln, mit einem komplizierteren Band begonnen werden sollte; dabei fiel die Wahl auf den Kreis Steinfurt im Münsterland, dem 24 Städte und Gemeinden angehören.

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Abb.2: Regionale Verteilung der Bände Abb.2: Regionale Verteilung der Bände

2. Abfolge der Bände

Ende 1994 erschien dann der erste Band „Der Kreis Steinfurt”, von dem die Erstauflage (1 400 Exempl.) sowie ein Nachdruck (600) jeweils innerhalb weniger Wochen vergriffen waren; im Sommer 1995 konnte der Band „Kreis Siegen-Wittgenstein” der Öffentlichkeit vorgestellt werden (Abb. 2). Der dritte Band, „Der Kreis Höxter”, folgte zur 60-Jahr-Feier der Geographischen Kommission im Herbst 1996. Seither sind sieben weitere Bände erschienen: „Der Kreis Paderborn”, „Der Kreis Olpe”, „Der Hochsauerlandkreis” und „Der Kreis Coesfeld”. 2002 folgte ein Band über den Kreis Recklinghausen und die kreisfreien Städte Bottrop und Gelsenkirchen, zusammengefasst in einem Band „Die Emscher-Lippe-Region”. Anfang 2004 konnte mit dem „Kreis Borken” ein weiterer Kreis des Münsterlandes fertig gestellt werden. 2005 folgte dann der „Der Märkische Kreis”, der einer der Kerne der industriellen Entwicklung des Bundeslandes NRW darstellt. Alle Bände wurden seither in einer Auflage von je rd. 1 500 Exemplaren gedruckt. Für Anfang 2007 ist „Der Kreis Gütersloh” in der Bearbeitung, und für die nächsten Jahre sind der Kreis Warendorf sowie die kreisfreie Stadt Münster in der Planung.

Alle Bände werden, fast schon traditionell, im Beisein zahlreicher Repräsentanten der lokalen Verwaltungen und der Politik in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Die immer aufwändigere Ausstattung (zusätzliche Fotos, Abbildungen und Karten), aber auch die umfangreicheren Beiträge zum Kreisgebiet und zu den einzelnen Kommunen führten zu einer deutlichen Zunahme des Seitenumfangs. Hier werden aber zukünftig beschränkende Maßnahmen ergriffen werden müssen, da die zunehmenden Umfänge eine dem Leser entgegenkommende Preisgestaltung gefährden.

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Abb. 3: Die Emscher-Lippe-Region Abb. 3: Die Emscher-Lippe-Region

3. Inhaltliche Gestaltung

Der Kulturauftrag des LWL, und in diesem Fall der Geographischen Kommission für Westfalen, beinhaltet u. a., landeskundlich-geographische Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit in allgemeinverständlicher Form näher zu bringen. Dabei wird natürlich nicht auf eine fachliche Fundierung der Beiträge und der kartographischen Darstellungen verzichtet.

Anhand einiger Erläuterungen und Abbildungen aus den veröffentlichten Kreisbänden sollen die Konzeption und der Aufbau der Reihe etwas deutlicher werden.

Die Grundkonzeption wird durch die Veröffentlichung von Kreisbänden und ein Titelbild der Innenstadt der jeweiligen Kreisstadt jeweils deutlich unterstrichen. Nur in Ausnahmefällen, wie z. B. bei einer deutlich bipolaren Struktur im Kreis (vgl. Siegen-Wittgenstein) oder bei einer regionalen Zusammenfassung (Emscher-Lippe- Region), wurde bisher davon abgewichen (Abb. 3).

Abb.4 und 5: Übersichtskarte im Innendeckel; Kommunale Neugliederung Abb.4 und 5: Übersichtskarte im Innendeckel; Kommunale Neugliederung

3.1 Einführungsbeiträge (Kreisbeschreibungen)

Jeder Band wird mit einer Übersichtskarte des Kreisgebietes eröffnet (Abb. 4), aus der die administrative Gliederung sowie die Lage der Städte und größerer Ortsteile hervorgehen. Sie soll jederzeit eine grobe Orientierung ermöglichen. 
Es folgt ein Grußwort des Landrates bzw. der Oberbürgermeister. Schon während des gesamten Erarbeitungsprozesses ist eine intensive Zusammenarbeit mit der Kreis-, aber auch den Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen wichtig. Sie sind nicht nur wesentliche Käufer der Veröffentlichungen, sondern sie finanzieren über die Kreisumlage den Landschaftsverband und damit auch das Veröffentlichungswerk. Es folgt ein Vorwort der Herausgeber, in dem u. a. die Vorgeschichte, wie sie oben erläutert wurde, dargestellt wird.
Mit den letzten Bänden der Reihe hat sich eine Trennung der Einleitung in einen physio- und einen anthropogeographischen Teil verfestigt. Diese Aufteilung verlagert die Verantwortung auf zwei Autoren und ermöglicht dem Leser eine Konzentration auf die ihn interessierenden Schwerpunkte.
Mittlerweile gibt es ein Repertoire von Standardkarten in den jeweiligen Einleitungsbeiträgen, wie eine Höhenschichtenkarte, zumeist in Verbindung mit der Lage der Gemeinden nach Größenklassen.
Ein weiterer standardisierter Bestandteil ist natürlich ein Überblick über die Kommunalstruktur vor und nach der Verwaltungsgebietsreform. Hier finden auch die Gemeinden ihre kartographische Darstellung, die damals nach Zusammenschluss bzw. Eingemeindung aufgelöst wurden (Abb. 5).
Wichtig zur allgemeinen Einordnung des jeweiligen Kreises und seiner Kommunen ist ein Überblick zur zentralörtlichen Gliederung (nach dem Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen von 1995) und zur Verkehrsinfrastruktur des Raumes. Je nach Beitragsschwerpunkt enthält jeder Einleitungsbeitrag auch eine Karte der naturräumlichen Gliederung. Sie zählt jedoch nicht zum Standard. Auch die Auswahl der Grundlage obliegt dem Autor und den von ihm gesetzten Schwerpunkten.
Ergänzt werden die Einleitungsbeiträge durch die grafische Darstellung weiterer Sachverhalte wie z. B. Bevölkerungsentwicklung, Wanderungsverflechtungen, Pendlerverhalten u.v.m.
Abgeschlossen wird der einleitende Überblick über die Region durch eine statistische Übersicht, zumeist mit Informationen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen und der Bundesagentur für Arbeit. Diese Daten dienen vor allem dem Vergleich der Kommunen untereinander.
Am Ende der Einleitung sind das Kreiswappen und die Wappen der Städte und Gemeinden abgedruckt (Abb. 6). In einem Zeitalter, in dem viele Organisationen und Institutionen mit modernen Logos in die Öffentlichkeit gehen, sollten die historischen Hintergründe der amtlichen Wappen nicht verloren gehen. Diese Seiten werden immer mit besonders großem Interesse wahrgenommen, erläutern doch die wenigen, aber konzentrierten Sätze einer Wappenbeschreibung oft wichtige und symbolträchtige Aspekte der eigenen Stadtgeschichte.
Innerhalb der zehn erschienenen Bände hat sich allein der Umfang der einleitenden Beiträge (Kreisbeschreibungen) etwa verzehnfacht. Die Zahl der in den Text eingebundenen Abbildungen und Fotos ist deutlich gestiegen. Umfangserweiterung und zunehmende Visualisierung unterstreichen den Stellenwert der Einführungsbeiträge bei den Kreisbänden.
Eine differenzierte Einleitung und Einordnung in den überregionalen Raum ist auch für das Verständnis der einzelnen Kommunen bedeutsam. Trotzdem wird eine weitere Ausdehnung der Einleitungsbeiträge nicht verfolgt, um eine Gewichtung des Bandes zu Gunsten der einzelnen Kommunen beizubehalten, ja sogar wieder zu verstärken.

Abb. 6 u.7 Abb. 6 und 7: Wappen und deren Erläuterung; Erste Seite einer Stadtbeschreibung

3.2 Gemeindebeschreibungen (Gliederungselemente, Ausstattung)

Der Hauptteil des Bandes umfasst die Einzeldarstellungen der Städte und Gemeinden im Kreisgebiet. Dabei liegt jedem Beitrag folgendes Gliederungsschema zu Grunde:

  1. Lage und Entwicklung: Geogr. Lage, Verkehrsnetz, Siedlungs-, Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung
  2. Gefüge und Ausstattung: Funktionale Gliederung, Neubau- und Sanierungsgebiete, wirtschaftliche Situation, Infrastruktureinrichtungen
  3. Perspektiven und Planung: Aktuelle Ziele, Bau- und Planungsmaßnahmen.

Unterschiedliche Autoren bedeuten aber auch verschiedenartige Sichtweisen, Schwerpunkte oder Reihenfolgen innerhalb der drei Themenbereiche. Diese Vorgehensweise wird auch bewusst belassen. Daneben werden zahlreiche Anregungen der Gemeindeverwaltungen aufgenommen, denen vor Drucklegung ein Ausdruck zum Gegenlesen zugesandt wird. Dabei handelt es sich um sachliche Richtigstellungen, Aktualisierungen und weitere Anregungen. Aber es gab und gibt von Seiten der Verwaltungen, zumeist in Person der Bürgermeister oder Amtsleiter, so gut wie keine Beanstandungen an den inhaltlichen Aussagen. Es wurde auch nie auf kritische Ausführungen oder Bewertungen Einfluss ausgeübt. Die Textbeiträge beginnen stets mit einem Luftbild der Stadt, meist der Innenstadt oder des Ortskerns (Abb. 7). Zwar ist es manchmal recht aufwändig, ein aktuelles Bild zu finden, doch konnte bisher dieses Gestaltungselement immer beibehalten werden. Im Laufe der Jahre sind der Geschäftsstelle der Geographischen Kommmission auch Fotografen bekannt, die – zumeist nebenberuflich – Befliegungen durchführen. Das Seitenlayout ist zweispaltig mit einer zusätzlichen schmalen Informationsspalte im Außenbereich. In dieser Spalte finden statistische Zusatzinformationen ihren Platz. Außerdem wird dadurch eine hohe Variabilität in den Foto- und Abbildungsbreiten ermöglicht: diese können nicht nur eine Breite von einer oder zwei Spalten haben, sondern jeweils auch über die Breite der Zusatzspalte hinweggreifen.
Im Text werden immer wieder weitere Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten oder interessanten Gebäuden eingefügt. Dabei handelt es sich zumeist um Objekte, die im Text Erwähnung finden, gleichzeitig aber auch einen hohen Wiedererkennungswert vor allem für die Einwohner der Region besitzen.
Die Wiedergabe statistischer Informationen in Form von Kartogrammen oder Diagrammen gehört mittlerweile zum Standard (z. B. Einwohnerentwicklung, Beschäftigtenstruktur u. a.). Auch zahlreiche weitere Abbildungen, entweder durch den Autor erstellt oder aus anderen Veröffentlichungen übernommen, finden ihren Platz, wie z. B. historische Karten. Seit dem letzten Band (Der Märkische Kreis) werden rot abgesetzte Übersichten eingefügt, die zusätzliche Informationen zum Text – zumeist durch Aufzählungen – beinhalten.
 

Abb. 8: Karte I: Übersicht über die Kommune Abb. 8: Karte I: Übersicht über die Kommune

3.3 Gemeindekarten

Zu jedem Beitrag gehören mindestens zwei thematische Farbkarten mit einer Generallegende, die am Ende des Buches auszuklappen ist und dadurch die Handhabung und Vergleichbarkeit der Beiträge deutlich erleichtert. Dabei handelt es sich zunächst um eine Karte I im Maßstab 1:50.000 oder 1:75.000 (Abb. 8), die von den Kreiskarten des Landesvermessungsamtes NRW übernommen wird. Sie zeigt das Gesamtareal der Kommune mit eingezeichneten Naturschutzgebieten, Gewerbegebieten, öffentlichen Einrichtungen, Freizeitobjekten sowie mit Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten, die in einer Zusatzlegende erläutert werden.

Die zweite Karte wird auf der Basis der Deutschen Grundkarte 1:5.000 (DGK 5) entwickelt, eventuell findet eine Verkleinerung auf 1:7.000 oder 1:7.500 statt (Abb. 9). Die Entscheidung darüber hängt von der Größe der Kommune bzw. ihrem Innenstadtzuschnitt ab. Karte II zeigt einen Ausschnitt der Kernstadt bzw. des Kernortes. Zu übernommenen Informationen aus dem Flächennutzungsplan werden dann weitere Eintragungen zur Art der baulichen Nutzung eingezeichnet, wie Wohn-, Misch- und Gewerbegebiete sowie Grün- und Wasserflächen, öffentliche Gebäude, aber auch Fußgängerzonen, Hauptverkehrsstraßen und Geschäftsbereiche. Bei Gemeinden, in denen durch die kommunale Neugliederung zwei oder gar drei Altgemeinden mit gleich starken Zentren oder einem bedeutsamen Nebenzentrum zusammengeschlossen wurden, werden zwei oder sogar drei Innenstadt-Karten erarbeitet (z. B. Stadt Steinfurt mit Burgsteinfurt und Borghorst). Die letztendliche Auswahl von Funktionen und Objekten erfolgt durch Begehung und Kartierung durch die Autoren.

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Abb. 9: Karte II: Innenstadtausschnitt Abb. 9: Karte II: Innenstadtausschnitt

4. Stellung und Rezeption des Werkes

Die Geographische Kommission für Westfalen ist davon überzeugt, dass sie mit dieser vorgestellten Reihe eine einzigartige Konzeption entwickelt hat. Obschon aus Gemeindebeschreibungen entwickelt, besteht das Werk auf Grund seiner Gliederung praktisch auch aus Kreisbeschreibungen. Jeder Band hat – wie erwähnt – ein Geleitwort des zuständigen Oberkreisdirektors (solange es dieses Amt in NRW noch gab), des Landrats, Oberbürgermeisters oder mehrerer kommunaler Funktionsträger. Jeder Kreisband wird zudem in der jeweiligen Kreisstadt mit Einladungen an Repräsentanten aller Gemeinden öffentlich präsentiert.

Mit der schrittweisen Fertigstellung der geographisch-kartographischen Dokumentation über die Städte und Gemeinden in Westfalen-Lippe verbindet sich der Wunsch der Kommission, Bürgern und Politikern dieses Landesteils und weiteren Interessenten ein landeskundliches Informationswerk vorzulegen, das vielfältig und mit Gewinn genutzt werden kann. Das Werk soll zugleich einen Beitrag zur Förderung der regionalen Identität der Bewohner leisten. Besondere Probleme bei der Erstellung sind die Sicherung der Aktualität, vergleichbare Standards und die kartographische Umsetzung der von Kommissionsmitgliedern und externen Autoren angefertigten Entwürfe.

Der Absatz der Bände ist sehr erfreulich. Die Erstauflage des ersten Bandes über den Kreis Steinfurt mit 1 400 Exemplaren war binnen weniger Wochen ausverkauft, ebenso der Zweitdruck mit 600 Exemplaren. Auch die folgenden Bände mit in der Regel einer Auflage von 1 500 Exemplaren waren bzw. sind gut nachgefragt, und auch die Kreisbände Siegen-Wittgenstein und Höxter sind bereits vergriffen. Für die zuerst erschienenen Bände sind Neuauflagen angeregt worden. Hier werden die Herausgeber zukünftig einen Ausgleich schaffen müssen zwischen den Kreisen, die noch auf eine Veröffentlichung warten, und den anderen Kreisen, die eine Neuauflage erwarten.

Die Bücher der Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen” werden komplett auf den Rechnern der Geschäftsstelle hergestellt: Textlayout, Herstellung der Abbildungen, Scannen der Fotomaterialien und Zeichnen der thematischen Karten. Sämtliche Dateien werden sowohl als Original sowie als PDF-Datei auf DVD gebrannt und an die Druckerei weitergeleitet. Kleinere Änderungen können noch mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten bis kurz vor Drucklegung übermittelt werden. Die Daten werden dann direkt auf die Druckplatte übertragen. Das bisherige Ausbelichten, d. h. die Herstellung von Lithos, erübrigt sich damit. Um diesen Stand der Drucktechnik zu erreichen, hat der LWL in den letzten Jahren einige Investitionen in die technische Ausstattung der Geschäftsstelle und in ihr Personal getätigt.

Ernsthaft gefährdet war die Fortführung des Projektes, als eine ersatzweise für die ausgelaufene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme 1993 genehmigte Stelle eines projektbezogenen wissenschaftlichen Mitarbeiters (Zeitstelle) mit drei Jahren zeitlich äußerst knapp bemessen wurde und auszulaufen drohte. Erfreulicherweise konnte 1996 mit dem Landschaftsverband eine Lösung dergestalt gefunden werden, dass das Werk als vom Landschaftsverband gefördertes Drittmittelprojekt am Institut für Geographie der Universität Münster weitergeführt wurde. Schließlich war es 2001 möglich, dass die Geographische Kommission bei Verzicht auf ihre zweite Kartographenstelle die feste Stelle eines zweiten wissenschaftlichen Mitarbeiters erhielt, dessen Aufgabe vorrangig die Betreuung der Fortführung des Werkes „Städte und Gemeinden in Westfalen” ist.

Wichtig ist, dass Bürgermeister und Kommunalpolitiker das Werk sehr schätzen und dass die Landräte mit Nachdruck darum bitten, dass nun aber bald ihr Kreis an der Reihe sei. Diese Bitte ist regelmäßig mit dem Versprechen verbunden, den Fortgang des Werkes nach besten Kräften zu unterstützen. Als schönstes Ergebnis ist anzusehen, dass es mit Hilfe dieses Werkes gelungen ist, das Interesse an Landeskunde und lokaler geographischer Stadt- und Gemeindeforschung nachdrücklich zu fördern. Dabei trägt gerade diese Reihe dazu bei, die regional und lokal vorhandenen Kenntnisse der Kommissionsmitglieder und vieler interessierter Autoren aus der Region zu veröffentlichen und zu archivieren, um sie damit auch zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Zusammenfassend zeichnet sich die Reihe durch folgende Kriterien aus:

  • Allgemeinverständlichkeit
  • Anschaulichkeit
  • sachliche und wissenschaftliche
  • Aktualität
  • regelmäßiges Erscheinen (i. d. R. 1 Band pro Jahr)
  • kostengünstige Herstellung
  • ehrenamtliche Autoren
  • hohe Akzeptanz bei Verwaltungen
  • hohe Akzeptanz im politischen Bereich
  • Beitrag zur Förderung der regionalen Identität

 

Die Öffentlichkeit honoriert diese Eigenschaften durch die erfreulich hohe Zahl von verkauften bzw. sogar ausverkauften Bänden. Für die Geographische Kommission für Westfalen ist das Anreiz genug, die Reihe weiter voranzutreiben und weiterzuentwickeln.

Literatur zu diesem Beitrag

Erschienen in: Heineberg, H. u. K. Temlitz (Hg.): Geographische Landeskunde für Westfalen-Lippe. 70 Jahre Geographische Kommission für Westfalen. Eine Zwischenbilanz. Münster. (=Siedlung und Landschaft in Westfalen 36, S. 33-41)

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