34. Seraphim, E. Th.:


Erste Bauern in der Warburger Börde - Linienbandkeramiker bei Hohenwepel/ Großeneder. Fundgut, Rohstoffe und Wirtschaftsraum.

Meschede, W.: Orts- und Flurnamen Westfalens als Bezeichnungen prähistorischer Natur- und Kulturraumelemente. Ergebnisse einer Analyse mit Richard Festers paläolinguistischer Methode. 2006, 142 Seiten (18,90 €)

Band 34 Band 34

Die Warburger Börde ist aufgrund der Lössböden eine der fruchtbarsten Landschaften Westfalens. Deshalb verwundert es nicht, dass sich hier bereits die ersten Bauern Mitteleuropas vor mehr als 7000 Jahren niederließen. Zwei ihrer Siedlungen am westlichen Rand der Warburger Bördelagen beiderseits des Ederbaches zwischen Hohenwepel und Peckelsheim bei Borgentreich-Großeneder (Kreis Höxter). Von diesen beiden Fundplätzen sammelte Ernst Theodor Seraphim in fast 30 Jahren etwa 7000 Steinartefakte. In diesem Band beschäftigt er sich vor allem mit derArt und der Herkunft der benutzten Steinmaterialien. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass die meisten Geräte nicht aus Steinen aus der unmittelbaren Umgebung der Siedlung hergestellt wurden. Für etwa 85 Prozent ihrer Feuersteingeräte, zum Beispiel für Klingen, Schaber, Kratzer oder Bohrer, verwendeten die Steinzeitbauern eingehandelten Feuerstein. Die nächstgelegenen Vorkommen dieses Feuersteins mit der nötigen Qualität sind an der Weser zwischender Porta Westfalica und Hameln zu finden. Einen noch weiteren Weg haben oft allgemein als „Felsgestein“ bezeichnete Rohstoffe beziehungsweise die daraus gefertigten großen Werkzeuge wie Dechsel und Flachhacken zurückgelegt. So befinden sich Lagerstätten für den feinkörnigen Hornblendeschiefer in den Sudeten, den Westkarpaten und im Hohen Balkan nördlich von Sofia. Während die Warburger Bauern ihre Dechsel und Flachhacken nur dann aus lokalen Gesteinen fertigten, wenn die Lieferung des wertvollen, weit verhandelten Hornblendeschiefers ausgeblieben war, stellten sie Geräte wie Schleif- und Wetzsteine oder Mahlsteine meist aus den Gesteinen der näheren Umgebung her. 

In dem Beitrag von Winfried Meschede werden die in westfälischen Orts- und Flurnamen enthaltenen, von R. Fester (1962) in „Die Sprache der Eiszeit“ erstmals vorgestellten Urwörter BA(L), KALL, TAG, TAL, OS und ACQ – einschließlich ihrer lautgesetzlich begründbaren Varianten (u. a. Lautstellentausch-Formen (Lstf.) wie z. B. AB statt BA) – als Sprachfossilien gedeutet, die Aufschluss über präzise Bezeichnungen von vorgeschichtlichen Natur und Kulturraumelementen geben. Dabei hat z. B. ACQ, das in den westfälischen Namen AKfeld (bei WAdersloh), EICKelborn, ICKern, BelECKE und EXter steckt – genauso wie in der Lstf. TitiCACAsee – als einziges Urwort nur eine Bedeutung, und zwar WASser. Die anderen Urwörter haben jeweils – wie chinesische Wörter heute noch – auch bei gleicher Lautform (als Homophone) mehrere, nur aus dem Zusammenhang erschließbare Bedeutungen. Diese stellt der Autor in seinem Beitrag an zahlreichen Ortsbezeichnungen ausführlich vor.