Würdigung zur Verleihung des Förderpreises für westfälische Landeskunde an Herrn Studiendirektor i. R. Günther Becker

von Prof. em. Dr. Heinz Heineberg, Münster, Vorsitzender der Geographischen Kommission für Westfalen (GeKo) im LWL

Sehr geehrte Frau Landesrätin Dr. Rüschoff-Thale, sehr geehrter Herr Landrat Beckehoff, sehr geehrte Frau Becker, lieber Herr Becker, meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist mir eine große Freude, als Vorsitzender der Geographischen Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe Herrn Günther Becker meinen herzlichen Glückwunsch zu der heutigen ehrenvollen Verleihung des Förderpreises für westfälische Landeskunde aussprechen zu können. Ich gratuliere Ihnen, lieber Herr Becker, zugleich im Namen des Fachvorstandes und der Geschäftsstelle der Geographischen Kommission für Westfalen mit Sitz in Münster sowie auch unserer übrigen über 100 ehrenamtlich tätigen Kommissionsmitglieder aus ganz Westfalen, die sich ähnlich wie Sie für die westfälische Landeskunde einsetzen. Diesen genannten Institutionen und Persönlichkeiten sind sie als nunmehr 31-jähriges Mitglied der Geographischen Kommission für Westfalen bestens bekannt, und Ihre landeskundlichen Leistungen werden hoch geschätzt. Und nicht zuletzt deshalb ist heute ein große Zahl an Mitgliedern unserer Kommission aus den verschiedensten Fachdisziplinen, d. h. aus Verwaltung, Schule, Universitäten etc., nach Olpe zu Ihrer Ehre angereist.
Ich bedanke mich bei Ihnen, sehr geehrter Herr Landrat Beckehoff, herzlich dafür, dass die Feierstunde hier im Kreishaus des Kreises Olpe stattfinden kann.

Nach der offiziellen Verleihung des Förderpreises durch unsere LWL-Kulturdezernentin und dem Grußwort des Herrn Landrates ist es nun meine Aufgabe, den Jubilar vor allem aus der Perspektive der geographischen Landeskunde Westfalens zu würdigen. Dieser angenehmen Pflicht komme ich natürlich sehr gerne nach, zumal der Vorschlag zur diesjährigen Verleihung des Förderpreises für westfälische Landeskunde an Herrn Günther Becker in allen beteiligten Gremien auf eine außerordentlich positive Zustimmung gestoßen ist; dies gilt für den Vorstand der Geographischen Kommission für Westfalen, die fachlichen Bewertungen durch zwei in der westfälischen Landeskunde erfahrene wissenschaftliche Gutachter, für die darauf folgende Abstimmung im Rat für Westfälische Landeskunde bis hin zur Entscheidung im Kulturausschuss des LWL. Die bereits von Frau Dr. Rüschoff-Thale genannten Bedingungen für die Verleihung des Preises erfüllen Sie, lieber Herr Becker, in geradezu idealtypischer Weise.

Ich kann im Folgenden nicht auf alle biographischen Daten von Herrn Günther Becker eingehen und seine herausragenden fachlichen Leistungen in Bezug auf die westfälische Landeskunde auch nur unvollständig würdigen, denn diese sind so vielgestaltig und umfassend, dass dazu die protokollarisch vorgegebene Zeit bei weitem nicht ausreichen würde. So war und ist Herr Becker nicht nur Autor zahlreicher, inzwischen von weit mehr als 250 eigenen landeskundlich relevanten Schriften, d. h. von Monographien, Sammelbänden, längeren Aufsätzen und zahlreichen kleineren Artikeln in landes- und heimatkundlichen Reihen, Fachzeitschriften etc., sondern auch von mehr als 900 Buchrezensionen. Der enorme Umfang an Veröffentlichungen im Bereich der westfälischen Landeskunde ist z. B. nachzuvollziehen durch eine umfassende Bibliographie, die anlässlich des 65. Geburtstages von Herrn Becker von Heinz Quellmalz für den Zeitraum 1957 bis 1996 in den Quellen und Beiträgen des Stadtarchivs Olpe, Band 5, veröffentlicht wurde . Seitdem hat Herr Becker allein zwischen 1997 und 2006 mehr als 30 weitere Artikel sowie 175 Rezensionen in Zeitschriften etc. verfasst. Einer der beiden wissenschaftlichen Fachgutachter für die Vergabe des Förderpreises hat in seiner Bewertung treffend formuliert, dass (ich zitiere) „Günther Becker vom Umfang her ein Œuvre vorgelegt (hat), das auch gestandenen Wissenschaftlern mit einem spezifischen landeskundlichen bzw. regionalgeographischen Hintergrund zur Ehre gereichen würde“.

Über Herrn Becker liegen allein 13 Biographien vor, in denen vor allem auch das bereits von Herrn Landrat Beckehoff herausgestellte langjährige verantwortungsvolle Wirken von Günther Becker in zahlreichen Ehrenämtern, vor allem in der Heimatpflege von Lennestadt und des Kreises Olpe, gewürdigt werden . Die jüngste Würdigung insbesondere seines heimatkundlichen Schaffens aus Anlass der heutigen Preisverleihung erschien ganz aktuell in den „Heimatstimmen des Kreises Olpe“, verfasst von Burkhard Reißner im Namen des Kreisheimatbundes, dessen Mitbegründer Günther Becker war und dem er zwischen 1980 und 2003 als Geschäftsführer vorstand .

Vor allem wegen seiner herausragenden langjährigen heimatpflegerischen Leistungen für das Sauerland und speziell für den Kreis Olpe und seine Städte und Gemeinden hat Herr Becker bereits gewichtige Ehrungen erfahren, die bereits in den Grußworten gewürdigt wurden – d. h. von der Verleihung des Verdienstordens am Bande der Bundesrepublik Deutschland (1996) bis zur Auszeichnung mit dem Kulturpreis des Kreises Olpe (1997) .

Ich möchte nun in meiner Laudatio vor allem einige Stationen und bemerkenswerte persönliche Ereignisse im Lebens- und vor allem auch Studienweg von Herrn Becker beleuchten und in einen Zusammenhang mit seinen landeskundlichen Interessen und Beiträgen stellen. Dies ist in den vorliegenden Biographien nur teilweise angedeutet worden; ich habe auch erst kürzlich in mehreren persönlichen Gesprächen mit Herrn Becker neue Einblicke in seinen Lebensweg erhalten. Mein Ziel ist es, zumindest ansatzweise erklären zu wollen, wie das so beeindruckende, mit großer Kontinuität und heimatkundlicher Leidenschaft entstandene Œuvre von Günther Becker zustande gekommen ist, welche wissenschaftlichen Schwerpunkte er verfolgt und welche aktuellen Herausforderungen und Perspektiven sich der Jubilar für seine Arbeiten weiterhin setzt.

Für Günther Becker selbst, der am 21. Mai 1931 in Altenhundem geboren ist und somit in Kürze seinen 77. Geburtstag feiern wird, ist es rückblickend selbst wichtig, dass er sein Leben lang (ich zitiere) „immer neugierig“ war, aber zugleich auch „pingelig“ gewesen ist. Diese persönlichen Anlagen, die sich mit weiteren Attributen wie Beharrlichkeit und Verlässlichkeit paaren, waren bzw. sind stets beste Voraussetzungen für kontinuierliches wissenschaftliches Forschen. Dabei ist Günther Becker entsprechend seinen Neigungen kein ausgeprägter „Einzelkämpfer“, sondern immer auf integrative Zusammenarbeit, Kommunikation und Kooperation bzw. auf Teamarbeit bedacht. Hinzu kommt sein bereits früh – nach eigener Erinnerung schon in der Volksschule im damaligen heimatkundlichen Unterricht gewecktes – ausgeprägtes Natur-, Kultur- und Umweltinteresse, was sich bis heute in seinem fächerübergreifenden, interdisziplinären Denken ausdrückt.

In der Gymnasialzeit in Attendorn interessierte sich Günther Becker vor allem für die Fächer Deutsch und Religion, in den ersten sechs Jahren auch für das Fach Erdkunde, wenngleich letzteres als „Paukfach“ mit den damals üblichen, häufig eintönigen sog. länderkundlichen Durchgängen nicht allen Schülern Freude bereitete. Günther Becker erinnert sich jedoch noch gern an diesen – aus heutiger didaktischer Sicht eher antiquierten – Erdkundeunterricht; denn er hat viele Sachverhalte vom Heimatraum bis hin zu geographischen Strukturen einzelner Kontinente und Landschaftszonen der Erde regelrecht gepaukt, diese auch auf späteren Reisen zusammen mit seiner Frau persönlich kennen gelernt und hat damit bis heute viele globale Kenntnisse in seinem ohnehin breiten Allgemeinwissen parat.

Zu den glücklichen Gegebenheiten in der persönlichen Lebensgeschichte von Herrn Becker zählte auch die Studienzeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster zwischen 1952 und 1957. Aufgrund der genannten schulischen Interessen verwundert es nicht, dass Günther Becker das Studium der Germanistik und Theologie sowie als drittes Fach Geschichte, mit dem Ziel Lehrer zu werden, begann. In Münster lernte er rasch vor allem zwei Hochschullehrer schätzen, die auch seine späteren wissenschaftlichen bzw. heimatkundlichen Interessen mitgeprägt haben, und zwar den Germanisten Prof. Dr. William Foerste, der u. a. Spezialist für Namenkunde war, sowie den ebenso renommierten Landesgeschichtler Professor Dr. Albert K. Hömberg, der sich speziell auch für die frühe Siedlungsgeschichte, Orts- und Flurnamen im Sauerland interessierte und dessen Vorlesungen, wie diejenigen von Foerste, auf hohem Niveau standen. Hinzu kam ein dritter für Günther Becker prägender akademischer Lehrer, und zwar des Faches Geographie. Denn damals war es üblich, neben den engeren gewählten Studienfächern im Rahmen des sog. Studium Generale und darüber hinaus auch Vorlesungen anderer Disziplinen zu besuchen. So folgte Becker der Anregung einer Kommilitonin, sich doch auch mal die länderkundliche Nordamerika-Vorlesung des Landeskundlers Prof. Dr. Wilhelm Müller-Wille, meines eigenen Amtsvorgängers auf dem Geographie-Lehrstuhl in Münster, anzuhören. Der junge Student Günther Becker war spontan von der Persönlichkeit, den didaktischen Fähigkeiten und der länderkundlichen Betrachtungsweise Müller-Willes beeindruckt. Prof. Müller-Wille war vor allem für die geographische Landeskunde Westfalens der damals wohl herausragendste Experte mit einer historisch-geographisch geprägten Denkweise, die Becker sehr entgegen kam. Günther Becker studierte fortan auch das Fach Geographie – anstelle von Theologie. Das große Interesse an dem neuen Studienfach Geographie zeigte sich für den Studenten Becker auch darin, dass er alsbald Vorsitzender der Geographischen Fachschaft in Münster wurde, womit er nicht nur seine fachlichen, sondern auch seine ausgeprägten organisatorischen und sozialen Kompetenzen einbringen konnte. Günther Becker schrieb im Jahre 1957 seine Staatsexamensarbeit unter Müller-Willes Betreuung über das Thema „Siedlung und Flur im östlichen Olper Land“; damit begann vor gut fünf Jahrzehnten die Forschungsleidenschaft für seinen Heimatraum, die ihn bis heute nicht mehr losgelassen hat. Der akademische Lehrer Müller-Wille schätzte den Geographen Becker sehr, was sich u. a. darin zeigte, dass Müller-Wille später (1977) Günther Becker zur Wahl als neues Mitglied der Geographischen Kommission für Westfalen vorschlug; der Ordinarius war damals der langjährige Vorsitzende der Geographischen Kommission. Besonders mitgeprägt wurde der Lebensweg von Günther Becker auch durch den bereits genannten akademischen Lehrer Prof. Hömberg, der Becker nicht nur mehrfach zu sich nach Hause einlud, um mit ihm dort über Fragen zur Siedlungsgeschichte des Sauerlandes zu diskutieren, sondern ihn zugleich zu weiteren Forschungen ermunterte und Becker dem damaligen Schriftleiter der Olper „Heimatstimmen“, Norbert Scheele, zur Mitarbeit empfahl. Nach seinem Staatsexamen, d. h. zwischen 1957 und 1961, als Günther Becker zunächst noch Referendar in Warendorf und Bochum sowie ab 1959 für eineinhalb Jahre Studienassessor in Herne war, veröffentlichte Becker in den „Heimatstimmen“ 17 Folgen über Wüstungen, d. h. über aufgegebene Siedlungen, Fluren etc., im Südsauerland.

Auch eine andere, ganz besonders wichtige persönliche Folge seines Studiums in Münster soll an dieser Stelle ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Wie der Zufall es wollte, lebte Günther Becker als Student in Münster zusammen mit anderen Kommilitonen rund drei Jahre in einer eher ländlichen Idylle am nördlichen Stadtrand auf einem Bauernhof an der Gasselstiege. Dabei lernte er die Bauerstochter Caecilia Rohkamp kennen und lieben; 1960 heiratete Günther Becker Caecilia Rohkamp, die ein Jahr später mit ihrem Ehemann nach Altenhundem zog, wo Günther Becker ab dem 1. April 1961 als Lehrer am Gymnasium mit der Fakultas für die Fächer Deutsch und Erdkunde tätig wurde. 1962 wurde er zum Studienrat, 1968 zum Oberstudienrat und 1972 zum Studiendirektor ernannt. Ohne die stete Unterstützung und das große Verständnis seiner Frau wären die folgenden jahrzehntelangen beruflichen und vor allem die sich ständig ausweitenden außerberuflichen ehrenamtlichen Verpflichtungen im Rahmen der Heimatkunde und Heimatpflege von Herrn Becker wohl kaum zu leisten gewesen.

So wurde Günther Becker bereits in den 1960er Jahren neben seiner schulischen Tätigkeit zu einer Vielzahl landes- und ortskundlicher Publikationen quasi vor Ort aufgefordert, z. B. - im Jahre 1963 zur Mitgestaltung einer Festschrift für die Sparkasse des Amtes Kirchhundem, für die er die Geschichte der Sparkasse im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklung des Amtes Kirchhundem gründlichst recherchierte , - oder die Verfassung von Wanderführern für die Jugendherbergen Oberhundem (1963) und Bilstein (1968) ; hinzu kam - die Veröffentlichung einer ganzen Serie von Ortsgeschichten (über Heinsberg 1968 , Bilstein 1975 , Lennestadt-Kirchveischede 1976 , die Geschichte des Dorfes Bonzel 1979 , des Dorfes Saalhausen in der Stadt Lennestadt 1981 oder etwa des Dorfes und Kirchspiels Rhode 1982 etc. etc.).

Diese und andere Publikationen, die Günther Becker zum Teil auch mit weiteren Autoren in Teamarbeit verfasste, ließen seinen Bekanntheitsgrad als kompetenter und engagierter Heimatkundler in der Region rasch weiter anwachsen. Früh wurde auch das organisatorische, integrative und gestaltende Profil von Günther Becker erkannt. Dies führte dazu, dass er bereits 1965 zum Ortsheimatpfleger von Altenhundem ernannt wurde. Die darauf folgenden langjährigen Aktivitäten als Stadtheimatpfleger von Lennestadt (ab 1973), als Kreisheimatpfleger des Kreises Olpe (1977-2003), als Mitbegründer und Geschäftsführer des Kreisheimatbundes Olpe e. V. (1980-2003), seine ebenfalls langjährige Tätigkeit als Redaktionsleiter der „Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe“ (1978-1994), verschiedene weitere Ehrenämter in Gremien der Kultur-, Heimat- und Landschaftspflege Westfalens und speziell des Sauerlandes, z. B. seit 1963 als gewähltes Mitglied der Fachstelle „Geographische Landeskunde“ des Westfälischen Heimatbundes oder seit 1978 als korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen, wurden bereits großenteils von meinen Vorrednern herausgestellt oder in den Biographien über Günther Becker eingehend gewürdigt.

In den zahlreichen Schriften Günther Beckers – vermutlich auch in seinem heutigen Fachvortrag - wird sein wissenschaftlicher landes- und heimatkundlicher Ansatz deutlich, und zwar die profunde Analyse und Beschreibung raumrelevanter Sachverhalte, vor allem der Orts- oder Siedlungsentwicklung, aber etwa auch von wirtschafts- und sozialgeographischen Themen, - und dies im historischen Kontext jeweils von den Ursprüngen bis zur Gegenwart sowie auch in größeren landeskundlichen oder regionalen Zusammenhängen. Kennzeichnend für Beckers Arbeiten sind auch stets intensive Archivrecherchen, was er vor allem als Historiker gelernt hat. Dazu reist Günther Becker z. B. häufig nach Münster, wo er seinen dortigen Zweitwohnsitz nicht nur für die familiären Bindungen in der Stadt, sondern auch zugleich deren oberzentrale Einrichtungen, z. B. das Staatsarchiv oder die Universitätsbibliothek, nutzt.

Beckers fächerübergreifende interdisziplinäre Denkweise, mit der immer wieder seine früh angelegten Studieninteressen in der Landes- und Ortsgeschichte sowie in Erdkunde bzw. geographischer Landeskunde kombiniert zum Ausdruck kommen, ist gepaart mit einer ausgeprägten Neigung zur Visualisierung räumlicher Strukturen und Gegebenheiten in thematischen Karten. Herr Becker profitiert bezüglich dieser Fähigkeiten nicht nur von seiner Geographieausbildung und dreijährigen Tätigkeit als Lehrer an der Pädagogischen Hochschule in Münster (zwischen 1969 und 1972), sondern vor allem auch von seinem langjährigen Erdkundeunterricht am Gymnasium, der ja ebenfalls stark vom Medieneinsatz geprägt war bzw. ist. Es zeigen sich aber auch deutliche Einflüsse seines früheren akademischen Lehrers in der westfälischen Landesgeschichte, d. h. von Prof. Hömberg, der – was damals für Historiker eher ungewöhnlich war – auch selbst immer wieder Karten minutiös entworfen hat. Günther Becker hat in seinen Publikationen ebenfalls eine Vielzahl eigener handgezeichneter kartographischer Darstellungen, vor allem über das Südsauerland, veröffentlicht.

Schließlich kamen ihm mit all seinen zahlreichen Publikationen, bei den umfangreichen redaktionellen Tätigkeiten als Herausgeber und Schriftleiter sowie auch in der praktischen Arbeit und Vertretung der Heimatpflege die rhetorische und publizistische Begabung und Qualifikation als studierter Germanist zu Gute.

Ich möchte nun paradigmatisch zwei größere Werke der Geographischen Kommission für Westfalen charakterisieren, die von Günther Becker mit herausgegeben und maßgeblich thematisch und inhaltlich mitgestaltet wurden. In diesen beiden, vor allem auch für den Kreis Olpe relevanten Schriften, deren Titel bereits in dem Grußwort der Kulturdezernentin Frau Dr. Rüschoff-Thale genannt wurden, kommen die ausgeprägte interdisziplinäre Denkweise von Herrn Becker in der Landes-, Regional- und Ortsforschung und die weiteren genannten Attribute in besonders eindrucksvoller Weise zur Geltung.
Titelbild Band Spieker 33: „Sauerland – Siegerland – Wittgensteiner Land“ Band Spieker 33: „Sauerland – Siegerland – Wittgensteiner Land“
Der erste, mit seinen rd. 360 Seiten recht voluminöse Band mit dem Titel „Sauerland – Siegerland – Wittgensteiner Land“, der anlässlich der Jahrestagung der Geographischen Kommission für Westfalen in Olpe 1989 von der Geographischen Kommission für Westfalen veröffentlicht wurde , war eine großartige Teamarbeit mit insgesamt 24 Beiträgen als wichtige Bausteine zu einer Landeskunde Südwestfalens. Das Werk wurde von Günther Becker zusammen mit dem früheren Vorsitzenden der Geographischen Kommission für Westfalen, Prof. Dr. Alois Mayr, und dem ehemaligen Geschäftsführer und Wiss. Referenten der Geographischen Kommission, Prof. Dr. Klaus Temlitz, betreut und herausgegeben; Herr Prof. Temlitz ist auch heute hier anwesend, Herr Prof. Mayr, der Ihnen, lieber Herr Becker, seine besten Grüße und persönliche Glückwünsche übermitteln lässt, konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Olpe kommen. Die thematische Spannweite dieses Bandes reicht von der Landesnatur über die Siedlungsgenese in Dörfern und Städten (u. a. mit einem historisch-geographischen Beitrag von Günther Becker über „Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt“) , die Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd, die kultur- und wirtschaftsräumlichen Strukturen und Verflechtungen bis hin zum Erholungspotenzial und den Fremdenverkehr sowie zur Regionalentwicklung und Regionalplanung. Quasi gekrönt wird dieser landeskundliche Sammelband durch den Einleitungsbeitrag von Günther Becker selbst, in dem er in einem historischen, allein mit 81 Fußnoten minutiös quellenbelegten Beitrag die unterschiedlichen Landschaftsbezeichnungen für das Sauerland vom Mittelalter bis zur Gegenwart – von Surlandia über Suderland oder Surland, Südergebirge oder Süderbergland bis zum jüngeren Namen Sauerland – ausführlich belegt, erläutert und als Regionalbegriffe auch in die geographische Landeskunde einordnet.
Der Kreis Olpe Band "Der Kreis Olpe" in der Reihe "Städte und Gemeinden in Westfalen"
Ein im Kreis Olpe wahrscheinlich noch wesentlich bekannteres Werk mit dem Titel „Der Kreis Olpe“ aus der Reihe Städte und Gemeinden in Westfalen der Geographischen Kommission für Westfalen wurde von Günther Becker, Prof. Dr. Klaus Temlitz, Prof. Dr. Peter Weber – heute mit seiner Gattin Iris Weber ebenfalls hier anwesend – und mir selbst 1998 herausgegeben . Das Werk wurde hier im Kreishaus im Beisein des damaligen Landrates Hanspeter Klein, des früheren Oberkreisdirektors Frank Beckehoff sowie der Repräsentanten aller Städte und Gemeinden des Kreises Olpe der Öffentlichkeit vorgestellt. Dieser u. a. auch reich mit Medien ausgestattete Band wurde ganz maßgeblich von Günther Becker mit gestaltet, nicht zuletzt durch seine profunde historisch-landeskundliche Einführung in den Kreis Olpe – von der Entwicklung des Naturraumes über die historische Siedlungsentwicklung bis zum Kulturlandschaftswandel im Zeichen staatlicher Planung . Hinzu kommen seine ebenso fundierten Gemeindebeiträge über Finnentrop , Kirchhundem und Lennestadt , in denen ebenfalls der historisch-genetische Ansatz im wissenschaftlichen Forschen mit der Verklammerung historischer und geographischer Sachverhalte in ganz charakteristischer Weise zum Ausdruck kommt.
Will man die herausragende landeskundliche Gesamtleistung Günther Beckers würdigen bzw. zusammenfassen, so darf man diese nicht nur auf den Kreis Olpe bzw. das südliche Sauerland beschränken, wofür Becker zweifelsohne – wie einer der beiden Fachgutachter formulierte – „als wichtigster Experte und Kenner regionalgeographischer (…) Forschung angesehen werden (kann)“; der gleiche Gutachter hat darüber hinaus zu Recht herausgestellt, dass (Zitat) „Günther Beckers Wirken“ „immer wieder in unterschiedlichen Gremien von dieser Position auch in die gesamte landeskundliche und regionalgeographische Forschung für Westfalen hineingewirkt (hat)“. Auch für den zweiten, mit der Landeskunde Westfalens ebenfalls bestens vertrauten Fachgutachter zählt Günther Becker (ich zitiere) „zu den namhaftesten außeruniversitären Vertretern der regionalgeographischen Forschung in Westfalen“.

Diese in nunmehr über fünf Jahrzehnten geleistete, außerordentlich beeindruckende ehrenamtliche landes-, regional- und ortskundliche Arbeit hat Herr Becker allerdings keineswegs abgeschlossen. Denn Günther Becker ist in ungebrochener Leidenschaft voller aktueller Beschäftigungen und Zukunftspläne. So will er bis zum nächsten Monat Mai einen Originärbeitrag zur Siedlungsgeschichte des Repetals bis zur Urkatasteraufnahme für einen Band „Repetal“ in der Schriftenreihe der Stadt Attendorn fertig stellen; Günther Becker bearbeitet und redigiert auch zugleich ein Historisches Ortslexikon der Ortschaften der Stadt Olpe für den Bd. 2 des Buchprojektes „Olpe. Geschichte von Stadt und Land“. Hinzu kommen ein in Arbeit befindlicher Beitrag über den geographischen Raum für das Buchprojekt „Das Herzogtum Westfalen“, hrsg. von Prof. Dr. Harm Klueting und – darauf hofft vor allem die Geographische Kommission für Westfalen – mittelfristig auch noch aktuelle Beiträge für das geographisch-landeskundliche Online-Dokumentationssystem der Geographischen Kommission für Westfalen mit dem Titel „Westfalen regional“ (www.westfalen-regional.de).

Lieber Herr Becker, Sie haben durch ihr unermüdliches ehrenamtliches wissenschaftliches und heimatpflegerisches Wirken für den Landesteil Westfalen, die Region Sauerland und den Kreis Olpe mit seinen Städten und Gemeinden - und dies mit großer Kontinuität und Vielseitigkeit über viele Jahrzehnte hinweg – in fachlicher und auch in sozialer Hinsicht große Spuren hinterlassen, die auch den jüngeren Generationen als Vorbild dienen können. Die Bedeutung älterer Engagierter, dem Gemeinwohl verpflichteter Bürger in unserer Gesellschaft, z. B. im Rahmen der Kultur, der Heimatpflege oder etwa in Wissenschaft und Forschung, wird von der Politik, in der Planung und nicht zuletzt auch in der Wissenschaft – jüngst auch im Rahmen der aktuellen Diskussionen um den sog. demographischen Wandel und die demographische Alterung - allgemein mehr und mehr erkannt bzw. anerkannt. Dies lässt sich an einer Vielzahl von z. T. liebenswürdigen Bezeichnungen für die heutige und zukünftige aktive ältere Generation ablesen, wie z. B. „Best Ager“, „Golden Ager“, „Golden Oldies“, „Best Age 65plus“, „Silvergeneration“ oder „Woopies“ als Abkürzung für „Well-off old people“. Vielleicht treffen aber alle diese Bezeichnungen für Sie, lieber Herr Becker, noch längst nicht zu, denn ihre stete Freude an der Arbeit – sowohl beruflich als auch ehrenamtlich – hat sie geistig und physisch auffällig jung erhalten. Und wir können in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sicherlich noch viel Einsatz und Schaffenskraft von Ihnen erwarten. An letzterem hat sicherlich auch Ihre Gattin Caecilia einen entscheidenden Anteil. Dies möchte ich mit einem kleinen Blumenstrauß für Ihre liebe Frau symbolisch betonen oder besser gesagt: belohnen, denn Ihre Gattin hat sich durch Ihre jahrzehntelange liebevolle Unterstützung ebenfalls für die westfälische Landeskunde verdient gemacht.

Nun sind wir alle sehr gespannt auf den Vortrag von Herrn Becker.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!