Vortrag "Zentrale Orte und Verkehrswege im Kreis Olpe - Ein Rückblick auf 1000 Jahre"

von Günther Becker

Es ist ein Wagnis, in einem Vortrag von einer halben Stunde Rückblick zu halten auf 1000 Jahre zentrale Orte und Verkehrswege. Man könnte mit diesem Thema – wenn man wollte - ein dickes Buch füllen.
Notgedrungen werde ich deshalb vieles verkürzen und vereinfachen müssen. Worauf es mir ankommt, ist Ihnen deutlich zu machen, wie stark Entscheidungen, Zustände und Vorgänge einer fernen Vergangenheit, selbst der mittelalterlichen, bis in unsere Gegenwart in der Raumorganisation prägend fortwirken.
Im Zentrum stehen dabei die Zentralen Orte und unlösbar damit verbunden die Verkehrswege der Vergangenheit und der Gegenwart.
Unter „Zentralen Orten“ verstehe ich dabei solche Orte, die kirchliche Mittelpunkte oder bzw. und Verwaltungszentrum für ein mehr oder weniger großes Umland sind.
Abb. 1: Höhenschichten und Gemeindegrößenklassen Abb. 1: Höhenschichten und Gemeindegrößenklassen

Werfen wir zur Orientierung vorweg einen Blick auf eine Höhenschichtenkarte des Olper Kreisgebietes, mit seinen 711 km³ der kleinste Kreis in NRW. Ein „Kreis auf Krücken“ hieß es seinerzeit in der Diskussion um seine Kommunale Neugliederung im Jahr 1969. Heute beneidet man ihn angesichts seiner industriellen Leistungsstärke und seiner niedrigen Arbeitslosenzahl von rund 5 % oder noch weniger.

Wenn wir auf die Karte schauen, stellen wir fest, daß das Kreisgebiet bis auf einen längeren Abschnitt zwischen dem Biggesee und Merinerzhagen von Höhenschwellen umgeben ist. Im Norden ist es der Ebbe-Homert-Rücken, im Süden sind es die westlichen Rothaarhöhen. Der Kreis Olpe deckt sich damit fast ganz mit einer natürlichen Landschaftseinheit des Sauerlandes, für die in der geographischen Landeskunde die Bezeichnung Südsauerland oder auch Olper Land benutzt wird.

Die Kreisgrenze folgt ringsum weitgehend den Wasserscheiden. Entwässert wird das Kreisgebiet vom Gewässernetz der Lenne auf ihrem Abschnitt zwischen Lenne und Rönkhausen. Längster Nebenfluß ist die Bigge. Der Kreis Olpe hat 7 Kommunen, darunter 3 Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern: Olpe, Attendorn und Lennestadt u. mit Drolshagen eine Stadt von gut 12.000 Einw. Die 3 Gemeinden sind Finnentrop, Kirchhundem und Wenden

Abb. 2: Die kirchliche Organisation des kölnischen Westfalen 800 - 950 Abb. 2: Die kirchliche Organisation des kölnischen Westfalen 800 - 950

800 – 1200: Zentrale Orte und Fernwege im Südsauerland im frühen und hohen Mittelalter

Blicken wir zurück in das Ende des vorletzten Jahrtausends, in die Zeit um 800 bis ins 10. Jahrhundert, also in die Zeit Karls des Großen, seiner Nachfolger und des beginnenden Deutschen Reiches.

Im Sauerland ist es die Zeit einer ersten großen Rodungswelle, mit der unter dem Druck einer stetigen Bevölkerungszunahme eine große Zahl der heutigen Siedlungen entstanden ist. Zum Abklingen kam die Rodungstätigkeit erst im 12. Jahrhundert.
Die von dem Landeshistoriker Albert K. Hömberg entworfene Karte soll uns eine Vorstellung von wichtigen räumlichen Gegebenheiten im Hellweggebiet und im Sauerland in der Zeit von 800 bis 1000 vermitteln. Die gerasterten Flächen stellen die vermutlichen damaligen Waldgebiete dar, die weißen Flächen die um 950 bestehenden Siedlungsräume. Im Südsauerland sind es vornehmlich die Kalksenken von Attendorn und Elspe, die Täler um Olpe und die Hundemmulde.
Doch worauf kommt es mir bei dieser Karte an? Da sind zunächst einmal die damaligen Fernstraßen, unter denen man sich reine Naturwege in der Art heutiger unbefestigter Feldwege vorstellen muß. Der bedeutendste Fernweg in unserem Bereich war die sogenannte Heidenstraße (auf der Karte die rote Linie), die in den letzten Jahren als Wander- und Pilgerweg reaktiviert worden ist. Sie verlief mit einer erstaunlichen Geradlinigkeit von Köln über Meinerzhagen und Attendorn nach Korbach und weiter nach Kassel.

An ihr entstanden um 800 in der Zeit der Christianisierung der Sachsen unter Karl dem Großen die ersten kirchlichen Zentren des südlichen und südöstlichen Sauerlandes: Attendorn an einer Furt der Heidenstraße über die Bigge, 25 km weiter östlich Wormbach und in der Medebacher Bucht Medebach. Man bezeichnet diese ersten Kirchorte, die Mittelpunkte ausgedehnter Pfarrbezirke waren, auch als Urpfarrorte.

Schon in karolingischer Zeit erhielt ebenfalls das obere Biggegebiet in Olpe seinen kirchlichen Mittelpunkt, dessen Geschichte vermutlich mit einer dem hl. Martin geweihten Eigenkirche eines fränkischen Oberhofes beginnt. Auch hier haben wir es mit einer Flußübergangslage zu tun, denn in Olpe querte ein bedeutender Fernweg die Bigge. Im Volksmund später als Römerweg bezeichnet, verband er Bonn mit Paderborn.

Im Osten des Kreises lag an der Heidenstraße und einem Abzweig des Römerwegs Elspe. Auch hier gab es schon früh ein Gotteshaus, das – so die gängige Vermutung – zu einem dortigen Königshof gehörte.

Abb. 3: Entwicklung der Pfarrorganisation im Mittelalter nach A. K. Hömberg Abb. 3: Entwicklung der Pfarrorganisation im Mittelalter nach A. K. Hömberg

Betrachten wir den weiteren Ausbau der Kirchenorganisation bis um 1300, hier wiederum in einer Darstellung Hömbergs. Sie zeigt, daß in den Urpfarrbezirken der Missionszeit in den folgenden Jahrhunderten durch Abpfarrungen von einer älteren Pfarrei neue kleinere Pfarrsprengel entstanden, notwendig geworden durch eine ständige Bevölkerungszunahme und neu Siedlungen. Ihre Zentralorte seien hier genannt, weil ihre Namen uns im 19. Jahrhundert in den Namen der politischen Gemeinde wiederbegegnen.

Im Westen des Kreises: Helden – Drolshagen - Wenden
Im Osten: Schliprüthen Schönholthausen – Oedingen Kirchveischede – Rahrbach – Kirchhundem Oberhundem - Lenne

Als Stätten des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes waren die Kirchorte Kommunikationszentren für die Pfarreingesessenen, auch Orte lokalen Handels und teils auch Gerichtssitze. Sprechender Ausdruck dafür, wie sehr die Pfarrzugehörigkeit auch eine kommunikative Zugehörigkeit war, sind die oft von Kirchspiel zu Kirchspiel wechselnden Feinheiten in der plattdeutschen Mundart.

Abb. 4: Historische Fernstraßen im Nordostrheinischen Schiefergebirge nach Herbert Nicke Abb. 4: Historische Fernstraßen im Nordostrheinischen Schiefergebirge nach Herbert Nicke

Wir sehen hier eine großräumige Darstellung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Fernstraßen im nordöstlichen Rheinischen Schiefergebirge aus dem Buch „Vergessene Wege“ von Herbert Nicke.

Auf den ersten Blick fällt die Geradlinigkeit der Fernwege auf, erklärbar durch das Bestreben, zwischen entfernt liegenden Zentralorten eine möglichst kurze Verbindung herzustellen.

Von besonderer Bedeutung für die Raumentwicklung waren solche Stellen, an denen sich zwei Fernwege oder auch mehrere an einem Flußübergang kreuzten. Im heutigen Kreisgebiet war das an drei Stellen der Fall:

- einmal in Olpe, wo sich der Römerweg mit einer alten Straße, der sog. Eisenstraße, von Siegen über Meinerzhagen zum westlichen Hellweg kreuzte,

- dann Attendorn an einem Straßenkreuz der Heidenstraße mit einem Weg von Siegen nach Plettenberg und weiter nach Soest,

- und schließlich das uns noch beschäftigende Straßenkreuz an der Lennefurt beim heutigen Grevenbrück, wo gleich mehrere Wege aufeinandertrafen.

Abb. 5: Die Städtegründungen Erzbischofs Engelbert von Berg (1216 – 1225) Abb. 5: Die Städtegründungen Erzbischofs Engelbert von Berg (1216 – 1225)

1200 – 1500: Städtegründungen und Territorialisierung politischer Herrschaft im südlichen Sauerland

Wie sehr die Heidenstraße so etwas war wie – modern gesprochen – eine „Entwicklungsachse“ - , zeigt sich erneut ab dem 13. Jahrhundert.

Wir kommen damit in eine Zeit, in der im südlichen Westfalen die politisch Mächtigen wie die Erzbischöfe von Köln, die Grafen von Altena-Mark oder auch die Arnsberger Grafen danach strebten, festumgrenzte Gebietsherrschaften zu bilden, sogenannte Territorien.

Solche scharf umgrenzten Territorien, in denen ein Landesherr flächendeckend alle staatlichen Hoheitsrechte besaß, gab es in Südwestfalen im 13. Jahrhundert noch nicht. Herrschaft bedeutete damals Herrschaft weltlicher und kirchlicher Herren über verstreut liegenden Grundbesitz und die ihrer Rechtsgewalt unterstehenden Leute. Historiker sprechen auch von Personenverbänden.

Wie aber schafft man es, bei einer solchen Gemengelage von Herrschaftsrechten ein räumlich geschlossenes Herrschaftsgebiet zu machen?

Der Kölner Erzbischof Engelbert von Berg griff dabei zu einem neuen Mittel, indem er im südlichen und östlichen Westfalen befestigte Stützpunkte in Gestalt von Städten und Burgen anlegte.

Die rechtliche Handhabe dafür bot ihm das Herzogsamt über Sachsen und Engern, das Kaiser Friedrich Barbarossa 1180 nach dem Sturz des Sachsenherzogs Heinrichs des Löwen den Kölner Erzbischöfen, den kirchlichen Oberherren des südlichen Westfalen, verliehen hatte. Daß Bischöfe Reichsämter übernahmen, war seit der Reichskirchenreform Ottos I. nichts Ungewöhnliches.

In den 9 Jahren seiner Amtstätigkeit von 1216 bis zu seiner Ermordung 1225 gründete Erzbischof Engelbert nicht weniger als 12 Städte im Raum zwischen Herford im Norden und Siegen im Süden. Damit legte er das Fundament für das spätere kurkölnische Herzogtum Westfalen. Im südlichen Sauerland ließ er 1222 an der Heidenstraße Attendorn befestigen und verlieh ihm die Stadtrechte Soests. Die Bedingungen, die Engelbert hier vorfand, waren ideal. Attendorn war nicht nur ein wichtiger alter Pfarrort, sondern hatte sich an der Heidenstraße auch zu einem Marktort mit Fernhandelsbeziehungen entwickelt, wobei Eisenwaren und Tuche die Haupthandelsgüter waren. Schon vor der Stadterhebung gab es hier eine kölnische Münzstätte und ein für die niedere Gerichtsbarkeit zuständiges Gogericht.

Auf der Karte sehen Sie an der Heidenstraße die Stadt Attendorn und in der Nähe die Symbole für die Waldenburg, den Mittelpunkt einer sich über das Biggegebiet hinaus erstreckenden Großgrundherrschaft, und die von Engelbert errichtete Burg Schnellenberg.

8 km östlich von Attendorn stand auf einem Bergvorsprung oberhalb der Wegekreuzung von Grevenbrück die Burg Förde, Sitz der Edelherren von Gevore, auf die ich gleich zu sprechen komme.

Abb. 6: Historische Stätten und Wege im Südsauerland Abb. 6: Historische Stätten und Wege im Südsauerland

Auf dieser Karte können wir uns die spätmittelalterlichen Verhältnisse im heutigen Olper Kreisgebiet näher vor Augen führen.

Dazu drei für die Raumentwicklung um den Biggefluß wichtige Jahreszahlen:

- 1248 - 26 Jahre nach der Stadterhebung Attendorns - kaufte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden von der Gräfin Mechthildis von Sayn die Burg und die Herrschaft Waldenburg und hatte damit praktisch das Biggegebiet in Besitz.

- 1311 erhob Erzbischof und Kurfürst Heinrich von Virneburg das Dorf Olpe am Biggeübergang des Römerwegs und seiner Kreuzung mit der Straße Siegen-Schwelm zur Stadt und stärkte damit seine militärische Position an der oberen Bigge.

- 1477 schließlich erhielt als Tor ins obere Biggegebiet der Kirchort Drolshagen, damals bekannt durch seinen Eisenhandel, städtische Rechte.

Mit Drolshagen gab es im späten 15. Jahrhundert im Westen des jetzigen Kreisgebietes drei befestigte Orte mit städtischen Rechten.

Doch wie sah es im Osten im Lennegebiet aus? Hier konnte sich im Mittelalter keine Stadt entwickeln, obwohl es am Lenneübergang von Grevenbrück dafür gute Chancen gab.

Abb. 7: Straßenkreuzung bei Grevenbrück auf einer Karte aus der Zeit um 1750 Abb. 7: Straßenkreuzung bei Grevenbrück auf einer Karte aus der Zeit um 1750

Nach Hömberg war er „einer der wichtigsten Verkehrsmittelpunkte des Sauerlandes“, hier zu sehen auf einem Ausschnitt aus einer Karte aus dem 18. Jh. Von ihm strahlten in alle Richtungen wichtige Fernwege aus: nach Bonn und Köln, nach Soest und Arnsberg, nach Paderborn und Kassel. Unmittelbar oberhalb stand auf einem Bergsporn zwischen den Tälern der Lenne und Veischede in der Nachbarschaft fruchtbarer Feldfluren der Elsper Kalksenke eine wichtige Burg.
Spätestens seit der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts saßen auf ihr die Edelherren von Gevore. Als Inhaber hoheitlicher Rechte verwalteten sie einen Grafschaftsbezirk, der sich von Meinerzhagen über das südliche Sauerland nach Osten bis zum Kahlen Asten erstreckte. Zu ihren Aufgaben und Rechten gehörten u. a. die Hochgerichtsbarkeit, d. h. das Recht, über Kapitalverbrechen zu richten, die Aufsicht über die unter königlichem Schutz stehenden Fernstraßen, die Erhebung von Steuern und Abgaben sowie der Schutz der ihrer Herrschaft unterstehenden freien Bauern.

Auch die Freigrafschaft Gevore war kein flächendeckendes Gebiet, sondern sozusagen durchlöchert von fremden Grundherrschaften und Gerichtsrechten.

Just in der Zeit, als unter Erzbischof Engelbert im Sauerland die ersten Städte gegründet wurden, gab zwischen 1220 und 1225 der Edelherr Dietrich von Gevore die Burg beim heutigen Grevenbrück auf und siedelte auf eine neue Burg über, die er 9 km oberhalb im waldreichen Veischedetal auf einer Felshöhe über seinem Herrenhof Billenstein errichtet hatte.

Was ihn zu seinem Wohnsitzwechsel bewogen hat, ist unbekannt. Man kann darüber nur spekulieren. Doch dafür ist hier nicht der Ort und die Zeit.

Für uns bleibt das Faktum, daß damit jede Chance für die Entstehung einer Stadt an der Lennefurt und damit im heutigen östlichen Olper Kreisgebiet dahin war.

Was hier hätte geschehen können, aber nicht geschah, passierte in Bilstein. Hier entwickelte sich schnell auf dem Talboden zu Füßen der Burg eine kleine Ansiedlung, ein sog. „Suburbium“.

Abb. 8: Bilstein um 1730. Zeichnung von Roidkin Abb. 8: Bilstein um 1730. Zeichnung von Roidkin

Sehen wir uns Bilstein auf einer um 1730 entstandenen Zeichnung des flämischen Zeichners Roidkin an! - die Burg – das Suburbium (Burgflecken) auf 2,5 ha – die Mauer um die Freiheit

Wahrscheinlich noch unter den um 1365 ausgestorbenen Edelherren von Gevore-Bilstein erhielt Bilstein die Rechte einer Freiheit und hatte damit eine aus Bürgermeister und Rat bestehende Selbstverwaltung, war aber schon von seiner Größe her keine Stadt im vollen Sinne des Wortes.

Auch als die Grafen von der Mark die Herrschaft Bilstein übernahmen, blieb Bilstein Verwaltungssitz für das Amt Bilstein. Daran änderten auch die Kölner Erzbischöfe und Kurfürsten nichts, nachdem Erzbischof Dietrich von Moers in der Soester Fehde 1444/45 die Burgen Bilstein (1445) und Fredeburg erobert hatte. Die damit verbundenen Herrschaften gliederte er als letzten Schlußstein dem Herzogtum Westfalen ein, das damit seine endgültige Gestalt erhielt.

Für mehr als dreieinhalb Jahrhunderte bis zur Säkularisierung der geistlichen Fürstentümer im Jahr 1802 stand nun das ganze kurkölnische Sauerland kirchlich wie weltlich unter der Herrschaft des Kölner Krummstabs.

1556 wurde Bilstein Hauptverwaltungssitz für das gesamte heutige Kreisgebiet, nachdem Friedrich von Fürstenberg als Pfandleiher der dauernd mit Geldproblemen kämpfenden Kölner Kurfürsten zum Drosten, d. h. Amtmann, der beiden kurkölnischen Ämter Bilstein und Waldenburg ernannt worden war, zwei Jahre später auch des Amtes Fredeburg. Bis 1812 blieb das Amt des Drosten in der Hand der Familie von Fürstenberg.

Abb. 9: Administrative Gliederung im Süden des Herzogtums Westfalen 1802 am Ende der kurkölnischen Zeit Abb. 9: Administrative Gliederung im Süden des Herzogtums Westfalen 1802 am Ende der kurkölnischen Zeit

Die Karte zeigt die administrative Gliederung im Süden des Herzogtums Westfalen 1802, also am Ende der kurkölnischen Zeit.

Danach gliederte sich das heutige Kreisgebiet Olpe in:
- das aus der mittelalterlichen Herrschaft Waldenburg hervorgegangene kurkölnische Amt Waldenburg und
- das Amt Bilstein.

Für beide Ämter war, wie gesagt, Bilstein Sitz der gemeinsamen Verwaltung. Während das Amt Bilstein nicht weiter untergliedert ist, besteht das Amt Waldenburg aus mehreren Gerichtsbezirken:
- einmal dem Gogericht Attendorn mit dem Sitz in Attendorn
- dem Patrimonialgericht Lenhausen, das mit dem Haus Lenhausen der Grafen von Plettenberg verbunden war,
- und im Süden aus den Gerichten Olpe, Drolshagen und Wenden, für die in der späteren kölnischen Zeit der Gerichtssitz Olpe zuständig war.

Zum Amt Fredeburg gehörten im Norden das Gericht Schliprüthen und die kleine Herrschaft Oedingen.

Mit einem Punkt sind die meist schon genannten dörflichen Kirchorte um 1800 gekennzeichnet, auf die ich gleich noch zurückkomme.

Bekannt sind uns auch die auf dem Kartenausschnitt verzeichneten überregionalen Wege.

Abb. 10: Justizämter im Jahr 1812 Abb. 10: Justizämter im Jahr 1812

1800 – 1950: Der Kreis Olpe im Industrie- und Eisenbahnzeitalter

Durch den Reichsdeputationshauptschluß von Regensburg von 1803 wurde das Herzogtum Westfalen dem Landgrafen und späteren Großherzog von Hessen-Darmstadt zugesprochen, der es allerdings bereits 1802 durch seine Truppen besetzen ließ. Die hessische Zeit endete schon 1816 nach nur 14 Jahren mit der Übernahme des Herzogtums Westfalen durch das Königreich Preußen. In diesen knapp anderthalb Jahrzehnten bewies Hessen einen ziemlichen Reformeifer. Dazu gehörte auch die Reform der Verwaltung. So teilte es 1807 das Herzogtum Westfalen in 18 Justizämter auf. In unserm Gebiet waren es drei:

- das mit dem kurkölnischen Amt Bilstein deckungsgleiche Justizamt Bilstein
- und im Westen die Justizämter Attendorn und Olpe.

Damit sind auch die damals führenden Zentralorte genannt. Sie waren nicht nur Sitz der jeweiligen Amtsverwaltung, sondern auch Gerichtssitz und hier konzentrierten sich auch gewisse Dienstleistungen, wie die der Rechtshilfe oder der Gesundheitsfürsorge.

Abb. 11: Der Kreis Bilstein 1819 Abb. 11: Der Kreis Bilstein 1819

Wie ich schon sagte, übernahm 1816 das Königreich Preußen das Herzogtum Westfalen und gliederte es in den neugebildeten Regierungsbezirk Arnsberg der 1815 geschaffenen Provinz Westfalen ein. Im Januar 1817 wurde der Regierungsbezirk Arnsberg in Kreise eingeteilt, unter ihnen auch der Kreis Bilstein.
Übrigens umfaßte der Kreis Bilstein, wie die Karte zeigt, mit Schönholthausen einen Teil der heutigen zum Kreis Olpe gehörenden Gemeinde Finnentrop.
Aus dem jahrhundertelangen Amtssitz Bilstein wurde nun ein zentral im Kreisgebiet gelegener Kreisort und Landratssitz. Dieser Ehre erfreute sich Bilstein allerdings nur für knapp 2 Jahre.

Nach einer Entscheidung des preußischen Innenministers wurde zum 1. Januar 1819 statt Bilstein Olpe Kreisstadt, die es bis heute geblieben ist.

Warum wurde Bilstein aufgegeben? Es wird berichtet, daß 1818 eine Kreisrevision stattfand und die sie vornehmenden Beamten in Bilstein kein angemessenes Quartier gefunden hätten. Entscheidend dürfte aber die Kleinheit des Ortes gewesen sein. 1817 zählte er gerade 36 Wohnhäuser, während das allerdings dezentral im Kreis liegende Olpe mit 243 Wohnhäusern und 1611 Einwohner der größte Ort des Kreises war, vor Attendorn mit 220 Häusern und 1231 Bewohnern.

Abb. 12: Luftbild Bilstein um 1970 Abb. 12: Luftbild Bilstein um 1970

Das Foto verdeutlicht die geringen Ausdehnungsmöglichkeiten Bilsteins, die es als dauerhaften Kreisort ungeeignet erscheinen ließen.

kommunale Gliederung Abb. 13: Die kommunale Gliederung von 1843/44 bis 1969

1841 wurde für die Provinz Westfalen eine neue Landgemeindeordnung verkündet, die eine Neugliederung der Kommunalverwaltung vorsah. Im Kreis Olpe wurde sie 1843/44 durchgeführt. Dabei wurden 6 Amtsbezirke – d.h. Gemeindeverbände - gebildet. Im Westen des Kreises waren es die Ämter Attendorn, Olpe, Drolshagen und Wenden, im Osten die Ämter Bilstein und Kirchhundem. Die Abgrenzung der auf der Karte zu sehenden amtsangehörigen Gemeinden folgte exakt den damaligen, jahrhundertealten Kirchspielsgrenzen. Namengebend für die Gemeinde war der jeweilige Pfarrort.

Abb. 14: Verkehrsstraßen um 1800 Abb. 14: Verkehrsstraßen um 1800
Wenden wir uns kurz dem Verkehrssystem um 1800 zu. Die Karte „Verkehrsstraßen um 1800“ läßt auf den ersten Blick erkennen, daß es sich nicht nennenswert von dem des Mittelalters und der frühen Neuzeit unterscheidet. Immerhin gab es mit der sogenannten Frankfurt-Holland-Chaussee (Siegen-Olpe-Meinerzhagen) bereits eine Straße mit festem Unterbau.
Abb. 15: Bezirks- und Staatsstraßen im südlichen Westfalen um 1880 Abb. 15: Bezirks- und Staatsstraßen im südlichen Westfalen um 1880

Um 1880 sieht das Straßennetz ganz anders aus. Jetzt haben wir es mit befestigten Straßen zu tun, die in ihrem Verlauf durchgehend Tälern folgen und meist Vorläufer heutiger Bundesstraßen sind. Von besonderer Bedeutung war die in den 1820er Jahren als Militärstraße zwischen den preußischen Festungen Minden und Koblenz gebaute Minden-Koblenzer Chaussee, die von Olpe bis Lippstadt mit der heutigen B 55 identisch ist. Straßenkreuzungen gibt es in Olpe, Grevenbrück und Altenhundem.

Abb. 16: Verkehrslinien 1951 Abb. 16: Verkehrslinien 1951

Machen wir einen Sprung in die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Das Straßensystem hat sich nur insofern verändert, als gegenüber der Karte von 1880 eine Reihe von Nahverbindungsstraßen hinzugekommen ist. Als neue Verkehrswege gibt es jetzt Eisenbahnlinien, die sich in ihrem Verlauf wie die Straßen an Täler halten (auf der Karte mit der Farbe „rot“ kenntlich gemacht).

Die älteste Bahnlinie ist die Ruhr-Sieg-Bahn von Hagen nach Siegen über Finnentrop und Altenhundem, die 1861 eröffnet wurde. Zwischen1874 und 1914 folgten weitere Bahnstrecken, darunter die durch das Biggetal und eine durch das obere Lennetal.

Von besonderer Wichtigkeit für die Siedlungs- und Raumentwicklung war – wie sich zeigen wird – die Ruhr-Sieg-Bahn. An ihr wurde Altenhundem zum Eisenbahnknotenpunkt. Und Grevenbrück und Finnentrop verdanken ihre Existenz und ihren raschen Aufstieg überhaupt erst der Einrichtung der beiden gleichnamigen Bahnhöfe.

Abb. 17: Bevölkerungsbewegung 1818 - 1933 im Altkreis Olpe Abb. 17: Bevölkerungsbewegung 1818 - 1933 im Altkreis Olpe

Die vier Karten zeigen die Bevölkerungsbewegung im Altkreis Olpe im Zeitraum von 1818 bis 1933. Die in verschiedenen Größenpunkten wiedergegebene Bevölkerungszunahme ist die Summe aus dem örtlichen Geburtenüberschuß und dem Wanderungsgewinn durch vorher anderswo lebende Personen.

Abb. 18: Industriestandorte im Kreis Olpe 1870 Abb. 18: Industriestandorte im Kreis Olpe 1870

Man braucht zu dieser Karte nicht viel zu sagen. Sie zeigt, daß es die Industriebetriebe in den Tälern der Lenne und der Bigge sind, auf die die starke Zuwanderung im Zeitraum 1843 bis 1875 in Olpe, Attendorn und im Hundem-Lenne-Gebiet zurückzuführen ist.

Abb. 19: Bevölkerungsbewegung 1930 bis 1950 Abb. 19: Bevölkerungsbewegung 1930 bis 1950

Die Karte zeigt, daß in den zwei Jahrzehnten von 1930 bis 1950, in die der Zweite Weltkrieg fällt, wie schon in den vorausgegangenen drei Jahrzehnten die stärkste Bevölkerungszunahme die Städte Olpe und Attendorn und Orte im Hundem-Lenne-Gebiet zu verzeichnen hatten, was hier in einem erheblichen Größenwachstum der betreffenden Siedlungen seinen sichtbaren Ausdruck fand.

Abb. 20: Industriestandorte 1951 Abb. 20: Industriestandorte 1951
Die Karte zeigt, daß es primär die Industriebetriebe sind, denen die starke Zuwanderung nach Attendorn und Olpe und ins Lennetal nach Altenhundem, Meggen und Grevenbrück zuzuschreiben ist.
Abb. 21: Ämter und Behörden Abb. 21: Ämter und Behörden
Daß die genannten Orte auch Konzentrationspunkte öffentlicher Dienstleistungen sind, zeigt diese Karte.
Abb. 22: Bevölkerungsverteilung nach Wohnplätzen 1950 Abb. 22: Bevölkerungsverteilung nach Wohnplätzen 1950

Von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart - Der Kreis Olpe im Zeitalter moderner Raumordnung und Landesentwicklung

Wir haben die Mitte des letzten Jahrhunderts erreicht, die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und des sog. „Wirtschaftswunders“.

Die Karte zeigt uns die Bevölkerungsverteilung nach Wohnplätzen im Jahr 1950 und gleichzeitig die damaligen Gemeindegrenzen.

Im Westen haben Olpe und Attendorn die höchste Einwohnerzahl, erst mit großem Abstand folgen die Stadt Drolshagen und einige Dörfer im Wendener Land. Deutlich wird auf dieser Karte auch, wie sehr das Gebiet um die mittlere und obere Bigge ein Weiler-Kleindorf-Gebiet ist, während im Wendener und Bilsteiner Land die Dorfsiedlung dominiert. (Der Biggesee existierte zu dieser Zeit noch nicht.) Im Osten des Kreises haben wir ein Siedlungsband von Grevenbrück über Maumke und Meggen bis Altenhundem.

Man muß in diesem Gebiet die Gemeindegrenzen beachten. Die vier genannten Orte gehören zu drei politischen Gemeinden in zwei Ämtern:

- Grevenbrück und Maumke zur Gemeinde Grevenbrück und dem Amt Bilstein
- Meggen zur Gemeinde Elspe und zum Amt Bilstein
- Altenhundem zur Gemeinde Kirchhundem und zum Amt Kirchhundem

Das ist eine ins Auge springende Diskrepanz zwischen politischer Raumgliederung einerseits und siedlungs- und wirtschaftsräumlichen Realitäten andererseits. Eine solche Situation rief nach einer Zusammenarbeit der genannten Kommunen und nach einer Bereinigung und Lösung. Hinzu kam, daß die statistischen Daten zeigten, daß der Ostkreis in seiner wirtschaftlichen und demographischen Entwicklung deutlich hinter dem Westkreis zurückgeblieben war.

Die Notwendigkeit einer gemeinde- und amtsübergreifenden Zusammenarbeit in Fragen der öffentlichen Daseinsvorsorge lag auf der Hand.

Diese Erkenntnis führt ab 1964 zu konkreten Überlegungen, Stellungnahmen und Planungen bei der Olper Kreisverwaltung, dem RP und beim Innenminister.

Abb. 23: Planungsgebiet „Lennestadt“ (1966) Abb. 23: Planungsgebiet „Lennestadt“ (1966)

Aus dieser Zeit stammt diese Karte „Planungsgebiet ‚Lennestadt’“ von 1966.

Zu diesem Zeitpunkt war noch daran gedacht, im Osten des Kreises einen neuen leistungsstarken Zentralort zu schaffen, der aus den vier Orten Altenhundem, Meggen, Maumke und Halberbracht bestehen sollte, erweitert um die Orte des oberen Lennetals.

Abb. 24: Luftbild Lennestadt aus den 1960 er Jahren Abb. 24: Luftbild Lennestadt aus den 1960 er Jahren
Gut zu sehen ist im Vordergrund das Verdichtungsband im Lennetal.
Abb. 25: Kommunale Neugliederung vor und nach den Gebietsreformen von 1969 und 1975 Abb. 25: Kommunale Neugliederung vor und nach den Gebietsreformen von 1969 und 1975
Endgültige Klarheit über den Zuschnitt der geplanten Stadt „Lennestadt“ und die damit notwendig gewordene Neugliederung im Ostteil des Kreises Olpe gab es mit der Verabschiedung des „Gesetzes zur Neugliederung des Landkreises Olpe“ am 10. Juni 1969. Bereits am 1. Juli trat es in Kraft.

Mit ihm wurde der Kreis Olpe um das Gebiet des früheren Amtes Serkenrode aus dem Kreis Meschede erweitert. Aus 20 Gemeinden des Kreises Olpe und 3 Gemeinden des Kreises Meschede wurden 7 neue amtsfreie Gemeinden gebildet, darunter die Stadt Lennestadt.

Ihren Abschluß fand die Gebietsreform in Südwestfalen 1975 mit dem Inkrafttreten des Sauerland/Paderborn-Gesetzes. Mit ihr wurde die 1969 belassene Gemeinde Lenne der Stadt Schmallenberg zugeschlagen. Kleine Gebietsabtretungen gab es an der Nordgrenze des Kreises.

Wir sehen, daß im Westteil die alten Ämter Olpe, Drolshagen und Wenden von 1843/44 deckungsgleich mit den gleichnamigen neuen Gemeinden sind. Die neue Stadt Attendorn mußte aus dem alten Amtsbezirk Attendorn Heggen an Finnentrop abgeben und Oberveischede an Olpe. Auch im Ostteil kam es infolge der Bildung der Stadt Lennestadt zu stärkeren Grenzänderungen.
Abb. 26: Ausschnitt aus der Karte „Landesentwicklungsplan I/II NRW – Raum- und Siedlungsstruktur“ vom 1. 5. 1979 Abb. 26: Ausschnitt aus der Karte „Landesentwicklungsplan I/II NRW – Raum- und Siedlungsstruktur“ vom 1. 5. 1979

Welche Aufgaben den neuen Kommunen zugedacht waren, zeigt der Ausschnitt aus einer Karte des „Landesentwicklungsplans I/II NRW – Raum- und Siedlungsstruktur“ vom 1. 5. 1979.

Danach sollen die Städte Olpe, Attendorn und Lennestadt die Aufgaben eines Mittelzentrums im Mittelbreich wahrnehmen, die anderen vier Gemeinden (Dreiecke) die Aufgaben von Grundzentren für die Grundversorgung der Bevölkerung im Nahbereich.

Außer in Lennestadt war mit der Neugliederung von 1969 auch klar, daß eine Gemeinde nach dem jeweiligen Verwaltungs- und Versorgungszentrum benannt werden sollte.

In Lennestadt gab es jedoch keinen Ort dieses Namens, denn der Name Lennestadt ist eine aus der Planungszeit gebliebene Namensschöpfung.

Bis 1974 blieb es hier strittig und ungeklärt, wo die neue Stadtverwaltung dauerhaft ihren Sitz haben sollte. Zunächst war sie noch im alten Amtshaus des Amtes Bilstein in Grevenbrück untergebracht, so daß sich Grevenbrück Hoffnungen machte, auch Hauptsiedlungsschwerpunkt der Stadt zu werden. Doch der RP in Arnsberg zog da nicht mit und entschied zugunsten des Verkehrsknotenpunktes Altenhundem, weil dort bereits für ein Mittelzentrum spezifische Einrichtungen vorhanden waren, die die Nachbargemeinde Kirchhundem mitbedienten, wie das Altenhundemer Krankenhaus und das dortige Gymnasium. So wurde das Rathaus von Lennestadt in Altenhundem gebaut und 1984 bezogen.

Abb. 27: Zentralörtliche Gliederung und Verkehrsnetz Abb. 27: Zentralörtliche Gliederung und Verkehrsnetz

Wir sind am Schluß der Darstellung eines 1200jährigen Raumbildungsprozesses im Südsauerland angekommen. Das Ergebnis zeigt die Karte „Zentralörtliche Gliederung und Verkehrsnetz“ aus dem Kreis-Olpe-Band der von der Geographischen Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe herausgegebenen Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“.

Wir sehen hier wieder das Städtedreieck Olpe – Attendorn – Lennestadt, die drei Mittelzentren, eines für das obere Biggegebiet, eines für das untere und Lennestadt für das Hundem-Lenne-Gebiet. Alle drei haben inzwischen mehr als 25.000 Einw., wobei die jüngste der drei Städte - Lennestadt – mit rund 27.600 Einwohner die größte Kommune des Kreises ist.

Noch nicht erwähnt worden sind die beiden Autobahnen im Südwesten des Kreisgebietes:
- die A 45, die auf 23 km durch den Kreis Olpe führt und 1971 für den Verkehr freigegeben wurde, und
- die A 4 Köln-Olpe, die 1976 eröffnet wurde und inzwischen eine Fortsetzung und Anbindung an die Hüttentalstraße bei Kreuztal gefunden hat.

Von den positiven Auswirkungen der beiden Autobahnen, die sich bei Olpe kreuzen, profitiert vor allem der Südwesten des Kreises, dessen Standortbedingungen sich mit ihnen wesentlich verbessert haben.

Fazit

Ich komme zum Schluß und ziehe ein Fazit.

Wir haben im Schnellgang einen Raumbildungsprozeß von 1200 Jahren vor unseren Augen passieren lassen. Was ich zeigen wollte, ist, daß die heutige zentralörtliche Raumorganisation der westlichen Kreishälfte auf der kirchlichen Raumorganisation des Mittelalters und der frühen Gründung von drei kurkölnischen Städten beruht und damit das Biggegebiet ein Raum starker beharrender Kräfte ist.

Ganz anders im Ostteil des Kreises. Hier ist es bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts nie zur Gründung einer Stadt gekommen, obwohl es dafür durchaus eine Chance gab, die jedoch – wie wir gehört haben - durch die unerklärliche Verlegung eines bedeutenden Burgsitzes von einer erstrangigen Wegekreuzung an der Lenne in ein abgelegenes Seitental verspielt wurde.

Erst die Veränderungen durch die wirtschafts- und siedlungsräumliche Entwicklung im Eisenbahnzeitalter haben hier an der Verkehrsachse des Lennetals zwischen Altenhundem und Grevenbrück ein Siedlungsband entstehen lassen, das den Kernraum einer leistungsfähigen Stadt bilden konnte, die dann per Gesetz 1969 mit der Stadt Lennestadt auch Wirklichkeit wurde.

Unter den Kulturgeographen der 2. Hälfte des 19. Jhs. haben besonders Hermann Overbeck und Peter Schöller wiederholt betont, daß eine Verknüpfung der Zentralitätsforschung vor allem mit der Geschichte vielfältige und aufschlußreiche Ergebnisse erbringen kann. Ich hoffe, daß auch meine Ausführungen diese Feststellung bestätigen konnten.

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