Begrüßung der Landesrätin, Frau Dr. Rüschoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin, anlässlich der Verleihung des Förderpreises für westfälische Landeskunde am 22. April 2008 im Kreishaus Olpe

- Es gilt nur das gesprochene Wort -

„Ausdauer wird früher oder später belohnt – meistens aber später“, sagte Wilhelm Busch.

Ich freue mich sehr, sehr geehrter Herr Becker, dass der LWL heute ihre langjährige Ausdauer in der Landeskundlichen Forschung belohnt und möchte Sie und Ihre Frau zu dieser Feierstunde herzlich begrüßen.

Zudem freue ich mich, dass Herr Professor Heineberg und Herr Landrat Beckehoff heute anwesend sind und dass wir hier im Kreishaus Olpe zu Gast sein zu dürfen. Vielen Dank dafür!

Sehr geehrte Vertreter der Landschaftsversammlung, meine Damen, meine Herren; Ihnen allen danke ich für Ihr Kommen! Sie zeigen damit Ihr Interesse an der Arbeit und den Leistungen unseres Preisträgers Günther Becker. Diese Leistungen zeichnet der LWL heute aus, weil uns die westfälische Landeskunde am Herzen liegt und wir uns dafür einsetzen.

Zu einer der wichtigen Aufgaben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zählt zweifellos die Kulturarbeit. Museen, Kulturdienste und die landeskundliche Forschung bilden dabei das kulturelle Netzwerk des LWL – mit dem erklärten Ziel, Kultur auch abseits der großen Zentren darzustellen und zu fördern.

Sei es in den 17 LWL-Museen, die Industriekultur, Volkskunde, Archäologie, Kunst und vieles mehr an den unterschiedlichsten Standorten bieten. Sei es durch die Kulturdienste, wie das LWL-Medienzentrum für Westfalen, das als Partner der Schulen und außerschulischen Bildungseinrichtungen westfalenweit eine große Bandbreite von Bildungsmitteln bereit hält. Sei es durch die landeskundliche Forschung, die Er-gebnisse wie die viel gelobte Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“ der Geographischen Kommission hervorbringt, auf die ich später noch zurück kommen werde.

Aber die Voraussetzung und die Grundlage für diese Ergebnisse ist die landeskundliche Forschung. Sie wird beim LWL durch die sechs wissenschaftlichen Kommissionen und das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte getragen. Die Kommissionen forschen in den Wissenschaftsgebieten der Archäologie, der Geographie, der Geschichte, der Literatur, der Mundart- und Namenforschung sowie der Volkskunde.

Sie decken damit den immer größer werdenden Bedarf nach Informationen und Wissen über regionale Geschichte und Kultur in unserer Gesellschaft ab. Diese Grundlagenforschung ist wichtig, denn sie schärft das Bewusstsein für geschichtliche und räumliche Zusammenhänge. In unserer schnelllebigen Zeit ist die Kenntnis um die Kulturlandschaft, in der man lebt mit ihren historisch gewachsenen Eigenarten wichtiger denn je. Dieses Wissen gibt den Menschen Orientierung in der Gegenwart und hilft, Entscheidungen für die Zukunft zu fällen.

Die Kommissionen sind bestrebt, ihre Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Weise, zugleich aber wissenschaftlich solide, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein aktuelles Beispiel, wie die Öffentlichkeit von der landeskundlichen Forschung profitiert, ist die Eröffnung des Jakobspilgerweges in Ascheberg-Herbern vor zwei Wochen. Die Altertumskommission des LWL hat sechs Jahre lang die Lage der ehemaligen Pilgerwege in Westfalen erforscht, um den aktuellen Wanderweg für die breite Öffentlichkeit wieder herzustellen und in Form eines Wanderführers zugänglich zu machen. Ein weiteres Beispiel ist das Internetportal der Westfälischen Literatur. Von der Literaturkommission konzipiert präsentiert es zeitgemäß und ansprechend mit vielen Ton- und Filmsequenzen die Literatur dieser Region vom 15. Jahrhundert bis heute.

Doch bei allem professionellen Engagement, das der LWL für Westfalen bietet: Die Landesforschung in Westfalen lebt von dem ehrenamtlichen Einsatz zahlreicher Forscherinnen und Forscher. Sie arbeiten nicht nur in den wissenschaftlichen Kommissionen, sondern auch in zahlreichen Geschichts- und Heimatvereinen. Sie betreiben die Forschung vor Ort, beschäftigen sich mit der Geschichte oder geographischen Gegebenheiten ihrer Heimat und liefern so wichtige Erkenntnisse für das Gesamtbild westfälischer Landeskunde. In den Kommissionen sind derzeit rd. 380 Fachleute aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten tätig. Sie bilden ein dichtes, wissenschaftliches Netzwerk. Dieses Netzwerk ist einzigartig und zahlreiche andere Regionen beneiden uns darum!

Wie unterstützt der LWL nun diese ehrenamtlichen Forscherinnen und Forscher?

Durch Vortragsveranstaltungen und Tagungen, die die Kultureinrichtungen des LWL organisieren. Diese bieten den Forscherinnen und Forschern eine Plattform sowie die Möglichkeit des wissenschaftlichen Austausches. Durch die Möglichkeit, umfangreichere landeskundliche Publikationen in den Schriftenreihen der Kommissionen zu veröffentlichen. Durch die Gewährung von Druckkostenzuschüssen für kleinere Publikationen. Aber, den persönlichen Einsatz dieser ehrenamtlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können wir gar nicht hoch genug einschätzen. Auch ein Förderpreis kann diesen Einsatz nur symbolisch aufwiegen.

An welche Personen vergeben wir nun diesen Förderpreis für Westfälische Landeskunde? Er wird an Menschen vergeben, die nicht an einer Universität tätig sind. Menschen, die ehrenamtlich, also in ihrer Freizeit, Landesforschung betreiben. Er soll diejenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen, die ohne den ideellen und materiellen Rückhalt eines wissenschaftlichen Institutes tätig sind, die aber dennoch herausragende Ergebnisse in der landeskundlichen Forschung erzie-len.

Ich freue mich ganz besonders, dass wir in diesem Jahr mit Herrn Günther Becker einen außerordentlich engagierten und anerkannten Landeskundler mit diesem Preis ehren können. Herr Becker ist nicht nur korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission, sondern auch Mitglied der Geographischen Kommission, deren Vorsitzender, Prof. Dr. Heinz Heineberg, gleich das wissenschaftliche Werk des Preisträgers eingehender würdigen wird.

Welche Leistungen in der Landeskundlichen Forschung verbinden wir nun mit Günther Becker? Ich möchte hier aus der großen Vielzahl landeskundlicher Publikationen von Herrn Becker nur ein Werk besonders hervorheben: In der eben erwähnten Reihe: „Städte und Gemeinden in Westfalen“ – einem Leuchtturmprojekt der Geographischen Kommission – widmet sich Band 5 dem Kreis Olpe. Diesen Band hat Herr Becker durch drei Stadtbeiträge und einen ausführlichen historisch-landeskundlichen Einführungsbeitrag wesentlich mitgestaltet. Der Band wurde übrigens vor fast 10 Jahren genau in diesen Räumlichkeiten an Sie, Herr Landrat Beckehoff, in Ihrer damaligen Funktion als Oberkreisdirektor überreicht.

Herr Becker, Sie haben sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich und unermüdlich durch Ihre wissenschaftlichen Forschungen, Diskussionsbeiträgen und Rezensionen in der landeskundlichen Forschung Westfalens eingebracht. Für das südliche Sauerland und vor allem für den Kreis Olpe zählen Sie zu den wichtigsten Experten und Kennern regionalgeographischer Geschichte und Forschung. Durch Ihre Publikationen fördern Sie das Bewusstsein für regionale Identität.

Deshalb, sehr geehrter Herr Becker, verleiht der LWL Ihnen heute seinen Förderpreis für westfälische Landeskunde.

Herr Becker, mir wurde berichtet, dass Sie ein Familienmensch sind, und dass Sie besonders traurig waren, dass Ihre beiden Neffen, Peter aus Köln und Rolf, aus Hamburg, heute nicht dabei sein können. Aber einige andere Mitglieder Ihrer Familie sind heute anwesend, unter anderem Ihr Bruder und seine Ehefrau. Bevor ich nun zur Überreichung der Urkunde komme, möchte ich auch einen herzlichen Dank an Ihre Frau Caecilia aussprechen, die Sie bei Ihrer ehrenamtlichen Arbeit immer unterstützt hat. Und auch im Alter von, das darf ich sicherlich sagen, 76 Jahren sind Sie immer noch in der landeskundlichen Forschung aktiv. Ich hoffe, dass Sie diese Forschungen noch lange mit dem Sie auszeichnenden besonderen Engagement betreiben können.

Ich bedanke mich nochmals im Namen des LWL ganz herzlich für Ihren herausragenden Einsatz und möchte Ihnen nun die Urkunde und den Preis überreichen.