Prof. em. Dr. Heinz Heineberg - Vorsitzender der Geographischen Kommission für Westfalen

Die Geographische Kommission für Westfalen (GeKo) ist in der bestehenden Form einzigartig in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde bereits 1936 als eine Vereinigung von Fachvertretern der Geographie vom ehemaligen Provinzialverband Westfalen gegründet; heute ist sie der Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen- Lippe (LWL) zugeordnet. Anlass zur Gründung der Kommission war das Bestreben des Provinzialverbandes, die Geographie als wesentliches Arbeits- und Forschungsgebiet in die Kulturraumforschung und Landeskunde Westfalens einzubinden sowie finanziell durch Sach- und Personalmittel zu fördern. Die Geographische Kommission für Westfalen ist eine Mitgliedervereinigung, in die nach dem Akademieprinzip landeskundlich ausgewiesene und engagierte Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus Wissenschaft, Schule, Praxis, Verwaltung und heimatkundlichen Organisationen gewählt werden; zur Zeit sind es 103 Mitglieder. Hinzu kommen für einzelne Forschungs- und Veröffentlichungsprojekte zahlreiche weitere externe Fachspezialisten bzw. Autoren aus der Geographie und benachbarten Fächern. 
Auf ihrer Jahrestagung in Münster am 15. Dezember 2006 begeht die Geographische Kommission für Westfalen das 70. Jahr ihres Bestehens. Dies war der Anlass, in der vorliegenden Schrift mit einer Reihe von Beiträgen zur Arbeit der Geographischen Kommission für Westfalen eine Art Zwischenbilanz ihres Wirkens und ihrer Leistungen zur Information einer breiten Öffentlichkeit zu ziehen. Dabei soll jedoch nicht die gesamte „Kommissionsgeschichte“ dargestellt und gewürdigt werden, sondern es stehen vor allem die jüngeren Projekte und Arbeiten im Mittelpunkt. Darüber informiert der erste Beitrag dieses Sammelbandes von H. Heineberg und K. Temlitz mit dem Titel „Westfalen in der geographischen Landeskunde. Eine Zwischenbilanz zur 70-Jahr-Feier der Geographischen Kommission für Westfalen“.
Am Ende dieses Jubiläumsjahres muss sich die Geographische Kommission für Westfalen leider von ihrem langjährigen Geschäftsführer und Wissenschaftlichen Referenten, Herrn Prof. Dr. Klaus Temlitz, wegen der Erreichung der Altersgrenze trennen. Prof. Temlitz kann zugleich auf eine lange Forschungs- und Lehrtätigkeit mit den Schwerpunkten der Landeskunde Nordwestdeutschlands bzw. Westfalens und der Stadtgeographie zurückblicken. Aufgrund der herausragenden Qualifikation als vielfältig beschäftigter Wissenschaftskoordinator sowie als ebenso engagierter Wissenschaftler in der westfälischen Landeskunde und Stadtforschung erschien es dem Vorsitzenden der Geographischen Kommission, Heinz Heineberg, mehr als gerechtfertigt, das (bisherige) Lebenswerk von Prof. Dr. Klaus Temlitz in einem eigenen Beitrag mit dem Titel „Prof. Dr. Klaus Temlitz. Würdigung als Wissenschaftskoordinator und westfälischer Landeskundler“ nachzuzeichnen und persönlich zu bewerten. Dabei sollte auch die Person Klaus Temlitz nicht zu kurz kommen.
Unter den Schriftenreihen und sonstigen Veröffentlichungsprojekten der GeKo nimmt die Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“ wegen ihrer besonders aufwändigen Ausstattung und ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit eine besondere Stellung ein (vgl. dazu den Beitrag von Rudolf Grothues und Alois Mayr in diesem Band). Die Bände sind i. Allg. für einzelne Kreise und kreisfreie Städte konzipiert, die sowohl in einleitenden landeskundlichen Beiträgen wie vor allem auch nach den einzelnen Städten und Gemeinden behandelt werden. Bislang konnten seit Gründung der Reihe im Jahre 1994 10 Bände vorgelegt werden.
Zu den „Flaggschiff-Projekten“ der Geographischen Kommission für Westfalen zählt auch der „Geographisch- landeskundliche Atlas von Westfalen“, der in diesem Band von dem langjährigen Vorstandsmitglied und Leiter der Atlaskommission der GeKo, Herrn Prof. Dr. Julius Werner, hinsichtlich seiner Entstehungsgeschichte, seiner Hauptmerkmale, der laufenden sowie zukünftigen Arbeiten, zugleich anhand ausgewählter Kartenbeispiele (Ausschnitte), anschaulich charakterisiert wird. 
Ein weiteres – vor allem auch zukunftsträchtiges – Projekt, das von der Geographischen Kommission für Westfalen initiiert wurde, ist der „Kulturatlas Westfalen“. Dieses Werk, das zunächst im Jahre 2000 als sehr informative Datensammlung zum kulturellen Leben in den Städten und Gemeinden Westfalens erschien und seit 2002 als umfangreiches Informationsangebot auch im Internet zur Verfügung steht, wird in Kooperation zwischen der Geographischen Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial-Versicherungen gefördert. Zurzeit ist eine neue Buchversion in Druckvorbereitung, die als attraktive kompakte Gesamtschau wichtige Merkmale der Kultur Westfalens beinhaltet.
Im letzten Teil des vorliegenden Bandes informiert ein – weitgehend kommentiertes und reichhaltig bebildertes – Literaturverzeichnis, zusammengestellt von Rudolf Grothues, Hans-Uwe Schütz und Markus Wieneke, über die gesamten Veröffentlichungen in den (seit 1949) erschienenen Schriftenreihen (Westfälische Geographische Studien / Spieker – Landeskundliche Beiträge und Berichte / Siedlung und Landschaft in Westfalen / Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Reihe B: Westfalen / Städte und Gemeinden in Westfalen), im Geographisch-landeskundlichen Atlas von Westfalen, über den Kulturatlas sowie auch über das bislang in unregelmäßiger Reihenfolge publizierte offizielle Mitteilungsorgan der GeKo, genannt GeKo-Aktuell.
Ich bedanke mich hiermit im Namen der Geographischen Kommission für Westfalen, ihres Fachvorstandes und ihrer zahlreichen Mitglieder herzlich bei allen – meist ehrenamtlichen – Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kommission, insbesondere auch in ihrer Geschäftsstelle, die die zahlreichen Forschungsvorhaben, Veröffentlichungen, Jahrestagungen (meist mit Exkursionen verbunden) und sonstigen Aktivitäten der GeKo bislang engagiert mitgetragen und in vielfältiger Weise unterstützt haben.

Last but not least – geht mein besonderer Dank an die Kulturabteilung des Landschaftsverbandes Westfalen (LWL), namentlich an den Herrn Landesrat für Kultur Prof. Dr. Karl Teppe, für die Förderung der wissenschaftlichen geographisch-landeskundlichen Arbeiten. Die Geographische Kommission für Westfalen ist davon überzeugt, dass diese zur Identitätsstiftung von Westfalen bzw. des Verwaltungsgebietes des LWL, Westfalen-Lippe, mit beitragen. Herrn Landesrat Teppe danke ich persönlich auch sehr herzlich für sein Grußwort mit der so wohlwollenden Würdigung der Leistungen der Geographischen Kommission für Westfalen.
Mein herzlicher Dank gilt auch dem derzeitigen Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Geographie, Herrn Kollegen Prof. Dr. Paul Reuber, der in seinem Grußwort in diesem Band insbesondere auch die langjährigen fruchtbaren wissenschaftlichen Synergieeffekte zwischen der Arbeit der Geographischen Kommission für Westfalen und dem Institut für Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster betont. Die GeKo pflegt darüber hinaus aber auch – allein bereits durch ihre Mitglieder - intensive wissenschaftliche Kontakte mit anderen Hochschulstandorten Westfalens und darüber hinaus.
Ich wünsche diesem Band eine weite Verbreitung und ein besonderes Interesse an der geographisch-landeskundlichen Forschung der Geographischen Kommission für Westfalen im LWL für die Region Westfalen-Lippe.

Münster, im November 2006 

 

Erschienen in: Heineberg, H. u. K. Temlitz (Hg.): Geographische Landeskunde für Westfalen-Lippe. 70 Jahre Geographische Kommission für Westfalen. Eine Zwischenbilanz. Münster (=Siedlung und Landschaft in Westfalen 36, S. XI-XII)

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