Prof. Dr. Klaus Temlitz

Würdigung als Wissenschaftskoordinator und westfälischer Landeskundler

von Heinz Heineberg (3. Teil)

Die Zeit als Wissenschaftskoordinator und westfälischer Landeskundler in der Geographischen Kommission für Westfalen

Angesichts der breiten geographischen, zugleich interdisziplinären, dabei vor allem auch landeskundlichen Interessen auf der Grundlage einer fundierten und offenbar vielseitig motivierenden akademischen Ausbildung in Münster und Zürich war es aus heutiger Sicht nicht verwunderlich, dass Dr. Klaus Temlitz am 1. November 1977 die in der Geographischen Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe frei gewordene Stelle eines Wissenschaftlichen Referenten und Geschäftsführers nicht nur übernehmen, sondern auch in sehr qualifizierter Form bekleiden konnte. Man muss allerdings wissen, dass sich Klaus Temlitz zum einen im Vorfeld der Ernennung in der Konkurrenz von nicht weniger als rd. 40 Bewerberinnen und Bewerbern in einem offiziellen Auswahlverfahren – unter Mitbeurteilung durch die Verwaltung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe - als sodann Erstplatzierter behaupten musste. Zum anderen war der Einstieg in die Tätigkeit der Geschäftsführung und das Wissenschaftliche Referat der Geographischen Kommission durch die vorherige lange Amtszeit der Vorgängerin Frau Dr. Elisabeth Bertelsmeier, die diese Funktionen seit 1953 inne hatte und mit dem damaligen Vorsitzenden Prof. Dr. Müller-Wille (seit 1947) ein sehr „eingespieltes Team“ bildete, nicht gerade leicht, zumal Frau Bertelsmeier eine nicht unkritische, durchaus beherrschende und über ihre Amtszeit hinaus auch gerne mitwirkende Persönlichkeit war. Bemerkenswert ist, dass das Verhältnis zwischen Frau Dr. Bertelsmeier und Herrn Dr. Temlitz in den Folgejahren ein durchaus kollegiales mit gegenseitiger Toleranz war. Frau Bertelsmeier, die im Jahre 2003 im Alter von 91 Jahren verstorben ist, hat sich bis Mitte der 1980er Jahre, d. h. vor allem während der Zeit des Vorsitzes unter Prof. Müller-Wille (bis 1983) und in den ersten Jahren der nachfolgenden Phase unter dem Vorsitzenden Prof. Dr. Alois Mayr, noch an der Redaktion einiger geographischer Schriften der Geographischen Kommission für Westfalen hilfreich beteiligt.

Klaus Temlitz als Exkursionsleiter Klaus Temlitz als Exkursionsleiter

Die Amtsübernahme war auch insofern für den jungen Akademiker Dr. Temlitz eine Herausforderung, als auf ihn eine ganze Reihe neuer Verwaltungs-, Organisations- und auch wissenschaftlicher Aufgaben zukam, die sich zudem im Laufe der Zeit bis zur Gegenwart erheblich ausgeweitet und intensiviert haben. Dieses Aufgabenspektrum der Geographischen Kommission für Westfalen, das auch in dem Beitrag H. Heineberg/K. Temlitz in diesem Band – insbesondere auch im Rahmen der Entwicklung der Geographischen Kommission – angesprochen wird, umfasste bzw. umfasst zahlreiche Aufgabenbereiche. Dazu zählen die Geschäftsführung, und zwar in enger Kooperation mit dem ehrenamtlich tätigen Fachvorstand der GeKo, insbesondere mit dem Vorsitzenden, und der häufige Kontakt mit einer großen Mitgliederzahl aus Universitäten, Schule, Praxis, Verwaltung, heimatkundlichen Organisationen etc. Die Geschäftsführung schließt eine Vielzahl weiterer Verwaltungs-, Koordinations- und Betreuungsaufgaben ein, – von dem allgemeinen Schriftverkehr, der Betreuung der vom Fachvorstand mit entwickelten bzw. von diesem initiierten wissenschaftlichen Arbeitsprogramme, dem Personaleinsatz der Geschäftsstelle einschließlich der fachwissenschaftlichen und praxisorientierten Ausbildung von Volontären, der Vorbereitung der Jahrestagungen mit dem Tagungsprogramm und der Organisation von Exkursionen, der Leitung der Bibliothek und Sammlungen der Geographischen Kommission bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit und Haushaltsführung der GeKo. Zu diesen und zahlreichen weiteren Verpflichtungen, die von Herrn Prof. Temlitz in großer Eigenverantwortlichkeit ausgeführt wurden, kam eine Vielzahl von Aufgaben eines Wissenschaftlichen Referenten. Dazu gehören die Schriftleitung und Mitherausgeberschaft der zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen der Geographischen Kommission. Hinzu kommen bzw. kamen die maßgebliche Mitarbeit an der Konzeption neuer Veröffentlichungsprogramme sowie auch eigene landeskundliche Forschungsaufgaben mit einem breiten inhaltlichen Spektrum – von den Naturraumgrundlagen (u. a. Relief, Klima, Boden, Vegetation) über Kultur- und Wirtschaftsuntersuchungen (u. a. Städte und Gemeinden) bis hin zu komplexeren regionalgeographischen Fragestellungen in Bezug auf Westfalen. Alle diese Funktionen haben sich bis zur Gegenwart deutlich vervielfacht, und zwar aufgrund der im Laufe der Zeit immer größeren Themen- und Publikationsvielfalt des Forschungs- und Veröffentlichungsprogramms, der ganz erheblich angewachsenen Zahl der Mitglieder (von rd. 40 im Jahre 1983 auf heute 103), der gewachsenen Öffentlichkeitsarbeit der GeKo etc. Sie wären sicherlich kaum zu erfüllen gewesen, wenn die Tätigkeit als wissenschaftlicher Referent und Redakteur nicht seit dem Jahre 2001 deutlich arbeitsteilig entlastet worden wäre durch einen zweiten Wissenschaftlichen Referenten der Geographischen Kommission für Westfalen, den (im Jahre 2006 promovierten) Dr. Rudolf Grothues. Herr Grothues hat vor allem maßgeblich und hauptamtlich die Redaktion und wissenschaftliche Betreuung der für eine breite Öffentlichkeit bestimmten Schriftenreihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“, der sog. Kreisbeschreibungen, übernommen. Diese zweite Referentenstelle war jedoch leider verbunden mit dem Verlust einer zweiten Kartographenstelle, die zuvor von der Dipl.-Ing. Frau Claudia Schroer bekleidet worden war. Ihr Wechsel zum Institut für Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität ermöglichte den – aufgrund der permanenten Arbeitsfülle im Wissenschaftlichen Referat und der Geschäftsführung beantragten – Stellentausch.

Betrachtet man etwas genauer die wissenschaftlichen und redaktionellen Leistungen von Prof. Dr. Klaus Temlitz in Bezug auf das Veröffentlichungsprogramm der Geographischen Kommission für Westfalen, und zwar zunächst die Buchpublikationen - auch in der zeitlichen Entwicklung - , wird das oben Gesagte deutlicher. So sind von der derzeit ältesten Schriftenreihe der Geographischen Kommission für Westfalen, den 1949 von Müller-Wille ins Leben gerufenen „Westfälischen Geographischen Studien“, seit 1985 allein 15 Bände (Bde. 41-55) unter der Schriftleitung von K. Temlitz betreut worden. Dazu zählen die redaktionelle und wissenschaftliche Betreuung (gemeinsam mit E. Bertelsmeier) der mit über 500 Seiten sehr umfangreichen Festschrift zur 50-Jahr-Feier der Geographischen Kommission für Westfalen mit dem Titel „Erträge geographisch-landeskundlicher Forschung in Westfalen“ (Bd. 42) ebenso wie etwa das 1993 in 2. Aufl. erschienene, gemeinsam mit Prof. Dr. A. Mayr und Dr. Friedrich-Carl Schulze-Rhonhoff (damaliger Leiter der Volkshochschule Münster) herausgegebene, für eine breite interessierte Öffentlichkeit konzipierte Werk „Münster und seine Partnerstädte“. In dieser Schriftenreihe erschienen etwa auch zwei sog. Tagungsbände, und zwar über „Nachhaltige Raumentwicklung im Sauerland“ (Bd. 47) zur Jahrestagung in Schmallenberg 1997 und mit dem Thema „Münsterland – Osnabrücker Land/Emsland – Twente. Entwicklungspotentiale und grenzübergreifende Kooperation in europäischer Perspektive“ (Bd. 48) zu der Jahrestagung der GeKo in Münster und Osnabrück mit Exkursionen bis in den Raum Twente im Jahre 1998. Beide wurden mit herausgegeben von Klaus Temlitz.

Ähnlich war es zuvor mit Jahrestagungen unter dem früheren Vorsitz von Prof. Dr. A. Mayr. So beteiligte sich K. Temlitz maßgeblich an der Redaktion und Mitherausgabe von allein sechs, inhaltlich ebenfalls vor allem auf Teilregionen Westfalens oder benachbarter Räume ausgerichteten Tagungsbänden, die anlässlich der Tagungen der Geographischen Kommission in Dortmund (1985), Vechta (1987), Olpe (1989), Paderborn (1991), Münster (1993) und Bielefeld (1995) in der Schriftenreihe „Spieker – Landeskundliche Beiträge und Berichte“ erschienen sind, und zwar z. T. als sehr voluminöse Werke.

Natürlich gehen alle die genannten Tagungsbände, die mit ihren zahlreichen Einzelbeiträgen wichtige Bausteine für eine differenzierte landeskundliche Betrachtung Westfalens darstellen, nicht allein auf das Konto des Wiss. Referenten und Geschäftsführers K. Temlitz, denn sie entstanden in enger Kooperation mit dem jeweiligen Vorsitzenden, teilweise auch in Kooperation mit weiteren Mitherausgebern – wie im Falle der Jahrestagung in Olpe (1989) zusammen mit dem im Sauerland sehr landeskundigen Kommissionsmitglied Günter Becker. Auf Klaus Temlitz und den übrigen Mitarbeitern der GeKo, insbesondere die Kartographen, ruhte jedoch ein ganz erheblicher Teil der Veröffentlichungsarbeit.

Entsprechendes gilt auch für die dritte Schriftenreihe „Siedlung und Landschaft in Westfalen. Landeskundliche Karten und Hefte“, die seit 1955 im Selbstverlag der GeKo geführt wird. Unter der Schriftleitung und teilweise mit eigenen Beiträgen von Klaus Temlitz entstanden seit 1985 (Bd. 16) bis 2006 (Bd. 36) insgesamt 21 Bände; die Reihe hat sich bislang sowohl Einzelthemen wie auch Teilregionen Westfalens und darüber hinaus der Darstellung der Arbeiten der Geographischen Kommission anlässlich der 60-Jahr-Feier in Hamm (1996) sowie in Münster (2006) gewidmet.

Nach außen hin noch deutlicher wird die landeskundlichwissenschaftliche Mitwirkung von Klaus Temlitz an Schriftenreihen der GeKo durch die bereits in 10 Bänden erschienene Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“ (vgl. den Beitrag von R. Grothues und A. Mayr). Zwar wurden deren Entstehen und Konzeption ganz maßgeblich von dem früheren Vorsitzenden Prof. Alois Mayr initiiert und zudem ganz vorzüglich hauptamtlich von Dipl.-Geogr. Rudolf Grothues betreut sowie von der kartographischen Abteilung der GeKo (Dipl.-Ing. Horst Pohlmann) ebenso vorbildlich gestaltet, allerdings hatte Klaus Temlitz durch seine Mitherausgeberschaft an allen Bänden sowie durch Beteiligung an der Schriftleitung erheblichen Anteil an den Publikationen dieses sog. Flaggschiff-Projektes der Geographischen Kommission für Westfalen.

Zu dieser m. E. herausragenden Kategorie landeskundlicher Produkte der GeKo zählt auch der „Geographischlandeskundliche Atlas von Westfalen“, der – noch ursprünglich unter W. Müller-Wille geplant – mit der ersten Lieferung erst unter dem Vorsitz von Alois Mayr im Jahre 1985 ins Leben gerufen wurde (vgl. den Beitrag von J. Werner). Die Herausgabe dieses großformatigen Atlaswerkes mit großen Hauptkarten sowie kleineren Nebenkarten und Textbeiheften oder neuerdings auch textlichen Erläuterungen auf einzelnen Karten ermöglicht(e) eine systematische geographisch-landeskundliche Erforschung Westfalens, an der sich Klaus Temlitz mit seiner regionalgeographischen und kartographischen Kompetenz (als langjähriges Mitglied und zeitweiliges Vorstandsmitglied des Ortsvereins Münster der Deutschen Gesellschaft für Kartographie) von Anfang an in besonderem Maße beteiligt hat. Nach dem Weggang von Alois Mayr auf einen Lehrstuhl in Leipzig und als neuer Direktor des Instituts für Länderkunde in Leipzig hat ab 1996 das Kommissions- und Vorstandsmitglied Prof. Julius Werner dankenswerterweise die Leitung der Atlaskommission der GeKo übernommen, an der neben Klaus Temlitz auch der Vorsitzende (H. Heineberg), der zweite Wiss. Referent, Dr. R. Grothues, und der Kartograph, Dipl.-Ing. Horst Pohlmann, der GeKo sowie als Kommissionsmitglieder Prof. Dr. H. F. Gorki und Dr. W. Herzog mitwirken. Zu den engagiertesten und ideenreichsten Mitgliedern der Atlaskommission zählte stets Klaus Temlitz, der auch zahlreiche der Atlas-Themakarten selbst entworfen und Textbeihefte verfasst hat. Selbstverständlich wurde dieses Projekt in ganz starkem Maße nur ermöglicht durch die Qualifikation unserer Kartographen (in den letzten Jahren allein Dipl.-Ing. H. Pohlmann, zuvor auch Frau Dipl.-Ing. C. Schroer, Dipl.- Ing. Th. Kaling sowie von 1950-1990 B. Fistarol). Der in Deutschland einmalige landeskundliche Atlas findet eine breite Anwendung in der Politik, in Schulen, in der Praxis und in der weiteren Öffentlichkeit.

Die Geographische Kommission für Westfalen lebt nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft, sondern hat sich – vor allem in den vergangenen zwei Jahrzehnten – verstärkt einer noch gezielteren Öffentlichkeitsarbeit gewidmet, um landeskundlich relevante Fragestellungen, Publikationen oder auch Jahrestagungen einer noch größeren Zahl von landeskundlich Interessierten in Westfalen-Lippe zu vermitteln. Dazu hat bislang die in erheblichem Maße von Klaus Temlitz initiierte und redaktionell betreute kleine Reihe „GeKo Aktuell“ mit beigetragen, die seit 1997 in jeweils hoher Auflage über Produkte der GeKo sowie auch durch regionalgeographisch orientierte Beiträge von Kommissionsmitgliedern über besondere Spezifika Westfalens informiert.

Auch der im Jahre 2000 von der Geographischen Kommission für Westfalen – durch gemeinsame Förderung seitens des LWL und die Kulturstiftung der „Provinzial. Westfälische Provinzial-Versicherungen“ finanzierte – voluminöse Band „Kulturatlas Westfalen-Lippe“ ist in erheblichem Maße konzeptionell sowie hinsichtlich der Koordination und wissenschaftlich-landeskundlichen Betreuung ein „Werk“ von Klaus Temlitz. Der voluminöse Band, der auf mehr als 600 reich illustrierten Seiten über das kulturelle Leben in allen 231 Städten und Gemeinden von Westfalen-Lippe informiert, ist seit 2002 zu einer benutzerfreundlichen Online-Version für das Internet weiterentwickelt worden. Dies wiederum geschah maßgeblich und sehr erfolgreich durch Dipl.-Geogr. Stefan Althaus, dabei allerdings häufig in enger Kooperation mit Klaus Temlitz. Eine aktuelle, neu gestaltete und um Themenrouten erweiterte Buchversion des Kulturatlas, redigiert von St. Althaus und weiteren Mitarbeitern, ist derzeit in Druckvorbereitung.

Der für diesen Beitrag zur Verfügung stehende Raum lässt es nicht zu, auch sämtliche der im Literaturverzeichnis aufgeführten, zum erheblichen Teil auch außerhalb des Veröffentlichungsprogramms der GeKo erschienenen landeskundlichen und allgemein-geographischen (vor allem stadtgeographischen) Forschungsbeiträge von Prof. Temlitz im Einzelnen zu würdigen. Das breite Publikationsspektrum war - zusammen mit seiner jahrzehntelangen qualifizierten Lehre am Institut für Geographie sowie den Verdiensten seiner praktischen Tätigkeit in der Landeskunde bzw. angewandten Regionalen Geographie – eine entscheidende Voraussetzung für die Ernennung von Dr. Klaus Temlitz zum Honorarprofessor im Fachbereich Geowissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität im Jahre 2002. Einer der externen Fachgutachter urteilte über die Qualifikation von Dr. Temlitz u. a. wie folgt: „Die Forschungsfelder von Dr. Temlitz decken sich weitgehend mit seinen Lehrgebieten. Er hat sich immer mit Erfolg bemüht, keine antiquierte geographische Landeskunde zu betreiben, sondern Beiträge zur modernen Regionalgeographie zu leisten. Hier kam ihm seine breite Qualifikation und Interessenlage zugute, die von der Geologie bzw. Paläogeographie über die Siedlungs- und Stadtgeographie bis zur Raumplanung einerseits, andererseits bis zur historisch-geographisch orientierten Kulturraumforschung führte. So finden sich unter seinen Veröffentlichungen bemerkenswerte Beiträge zur naturräumlichen Gliederung, zur Verteilung von Land und Meer in früheren Abschnitten der Erdgeschichte, zu Stadtregionen und Urbanisierungsprozessen, zu Wirkungsgefügen und Raumprägungen, zur Abgrenzung von Kulturräumen, zu Grenzregionen und zu Leitbildern für die Raumordnung. Bei aller Betonung der Bedeutung von Gegenwart und Zukunft vernachlässigt Dr. Temlitz nie die genetisch bedeutsamen Hintergründe und Leitlinien, die von der Vergangenheit in die Gegenwart und häufig auch von dort in die Zukunft führen. Wir haben es bei seinen Forschungen mit einer überzeugenden regionalgeographischen Verbindung von anthropogeographischen, historisch-geographischen, physiogeographischen, landschaftsökologischen und planerischen Ansätzen zu tun. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch seine Veröffentlichungen zur Wissenschaftsgeschichte, zur thematischen Kartographie und zur interdisziplinären Kulturraumforschung“ (Zitat mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Klaus Fehn, ehem. Lehrstuhlinhaber an der Universität Bonn und einer der renommiertesten Vertreter der Historischen Geographie in Deutschland). Die vielseitigen organisatorischen und wissenschaftlichen Verdienste bei seiner langjährigen Arbeit als Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Referent der Geographischen Kommission für Westfalen haben mich schon vor rund zwei Jahren auf die Idee gebracht, Herrn Temlitz bei seiner Verabschiedung ein besonderes Werk als Festgabe zu seinem 65. Geburtstag und damit zu seinem offiziellen Ausscheiden aus seinem geliebten Amt zu widmen, das weitgehend seinen landeskundlich-regionalgeographischen Interessen entsprechen sollte. Es durfte keine Festschrift im engeren Sinne sein, da diese von K. Temlitz nach eigenen Aussagen nur ungern akzeptiert worden wäre. Es handelt sich nun um das – glücklicherweise noch gerade rechtzeitig vor unserer diesjährigen Jahrestagung in Münster gedruckte – Buch aus unserem neuen Projekt „WESTFALEN REGIONAL“ als besondere Festgabe.
Die hinter dem genannten Projekt stehende Idee war ursprünglich – zunächst mit angeregt durch die heute häufiger im Internet zu findenden sog. regionalen Informationssysteme –, eine moderne, zugleich für die breite regional und lokal interessierte Öffentlichkeit konzipierte Landeskunde von Westfalen-Lippe zu kreieren, die zunächst als Folgelieferung im Internet veröffentlicht werden sollte. Als dieses Projekt vor zwei Jahren auf der Jahrestagung der GeKo in Gütersloh vorgestellt wurde, entstand der Eindruck, dass ein Internet-Projekt (zumindest damals) noch nicht auf allgemeine Gegenliebe stieß. In Abstimmung mit dem Fachvorstand und der Geschäftsstelle wurde daraufhin zunächst eine Buchproduktion angestrebt, die nach deren Veröffentlichung später in Einzelkapiteln sowie um neue Beiträge erweitert und aktualisiert auch ins Internet gestellt werden soll. Der Plan der Buchveröffentlichung von „WESTFALEN REGIONAL“ ließ sich jedoch auf Anhieb nicht so leicht oder schnell realisieren wie anfänglich gehofft. Doch je näher die Termine des 65. Geburtstags von Prof. Temlitz und der nachfolgenden Jahrestagung rückten, umso rascher gelang es, dieses landeskundliche Werk zu realisieren, wenngleich der Druck erst kurz vor der Tagung möglich war. Es waren nicht zuletzt das landeskundliche Renommee und die Persönlichkeit von Prof. Dr. Klaus Temlitz, die viele Weggefährten und Mitglieder der Geographischen Kommission für Westfalen zur Mitarbeit anregten. Darüber hinaus ist es gelungen, eine ebenso große Zahl externer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, die sich aus der Perspektive unterschiedlichster wissenschaftlicher Interessen, Berufsfelder und Anwendungsbereiche für die Regional- und Lokalentwicklung in Westfalen-Lippe engagieren. Durch dieses neue, weit über die bisherige Mitgliedschaft der GeKo hinausreichende Netzwerk von Landeskundlern im weitesten Sinne ist eine Plattform für regionales und lokales Arbeiten in Westfalen-Lippe entstanden, deren erste Hauptergebnisse nunmehr als voluminöses Werk mit einem „bunten Blumenstrauß“ von 146 Einzelbeiträgen, einem Glossar, Literaturverzeichnis und einer CD-ROM mit allen Medien des Bandes vorliegen. Über die Konzeption und Zielsetzung des Projektes „WESTFALEN REGIONAL“ und der ersten Buchveröffentlichung informiert im Einzelnen der Einführungsbeitrag in dem Band.

Ich freue mich besonders darüber, dass ich das Werk „WESTFALEN REGIONAL“ anlässlich der Jahrestagung der Geographischen Kommission für Westfalen am 15.12.2006 als Festgabe an Prof. Dr. Klaus Temlitz mit herzlichen Glückwünschen zu seinem 65. Geburtstag sowie als besonderen Ausdruck der Würdigung seiner großen Verdienste als Geschäftsführer der GeKo und Landeskundler für Westfalen-Lippe überreichen kann. Dass der Band die besondere Aufmerksamkeit des Jubilars findet, ist mir seit längerem durch seine engagierte Mitarbeit als Autor und redaktioneller Mitbetreuer des Projektes „WESTFALEN REGIONAL“ deutlich geworden. Die Geographische Kommission für Westfalen mit ihrem Fachvorstand und der großen Zahl ihrer insgesamt 103 ehrenamtlichen Mitglieder wünscht Herrn Prof. Dr. Klaus Temlitz alles Gute für die persönliche Zukunft im (Un-)Ruhestand. Dass uns Klaus Temlitz aufgrund seiner besonderen Interessen und Kompetenz auch in Zukunft, nunmehr als „ordentliches Mitglied“ der GeKo, weiterhin als landeskundlicher Autor und Berater zur Verfügung steht, - dessen bin ich mir sehr sicher.

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Erschienen in: Heineberg, H. u. K. Temlitz (Hg.): Geographische Landeskunde für Westfalen-Lippe. 70 Jahre Geographische Kommission für Westfalen. Eine Zwischenbilanz. Münster (=Siedlung und Landschaft in Westfalen 36, S. 17-24)

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