Presseinformation

Geographische Kommission für Westfalen im LWL

Münster, 03.04.2009

Intensivtierhaltung verursacht Umweltschäden

LWL-Buch über Zusammenhänge von Boden, Luft, Wasser und Wald in Westfalen


Westfalen (lwl). Brisante Erkenntnisse über die Umweltauswirkungen der nordwestdeutschen Landwirtschaft liefert die Veröffentlichung "Luft - Boden - Wasser - Wald: Geoökologische und ökologiedidaktische Untersuchungen in Westfalen". Prof. Dr. Jürgen Lethmate hat das Buch in der Reihe "Westfälische Geographische Studien" der Geographischen Kommission für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) herausgegeben.

"Dieses Buch regt zum dauerhaften ökologischen Denken an und schärft das Bewusstsein für die lokalen und globalen Systemzusammenhänge zwischen Mensch und Umwelt. Auf 260 Seiten werden ökologische Wechselwirkungen in den Ökosystemen Westfalens fachwissenschaftlich und fachdidaktisch fundiert dargestellt und mit zahlreichen Fotos, Abbildungen, Tabellen, Grafiken und Diagrammen veranschaulicht", so Prof. Dr. Lethmate, Mitglied der Geographischen Kommission für Westfalen.

Das Westfälische Münsterland weist extrem hohe Stickstoffemissionen und -immissionen auf, heißt es in dem Buch. Hier sowie im niedersächsischen Oldenburger Münsterland sind die deutschlandweit höchsten Schweinebestände zu finden. Im Regierungsbezirk Münster leben rund 2,6 Millionen Einwohner und 3,5 Millionen Schweine. Die Intensivtierhaltung verursacht in der Region und indirekt auch über den Futtermittelimport besonders starke Umweltschäden. "Die Düngung der Felder mit zu viel Gülle belastet Luft, Böden, Gewässer und Wälder. Das Kraftfutter für die Masttierhaltung wird mit importiertem Soja- und Palmölschrot angereichert, was die Ökosysteme und auch die Sozialsysteme in Brasilien und Indonesien stark beeinträchtigt", nennt Prof. Dr. Jürgen Lethmate vom Institut für Didaktik der Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster einige Folgen der Intensivtierhaltung.

Die hohen Stickstoffbelastungen der Luft, der Wälder, des Wassers, des Regens, der Pflanzen und der Flüsse im nordwestdeutschen Raum haben Lethmate und Dr. Joachim Gehrmann vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW wissenschaftlich analysiert und bewertet. Beide Autoren untersuchen die Umweltmedien Luft-Boden-Wasser nicht isoliert, sondern gemeinsam und in Wechselbeziehung zur gesamten Umwelt sowie zu menschlichen Handlungssystemen.

Sieben Kapitel widmen sich unterschiedlichen ökologischen Themen wie der Entwicklung der Luftschadstoffkonzentration, der Versauerung und der Nährstoffanreichung in Böden, Grundwasser und Wäldern sowie der zu starken Nährstoffanreicherung in westfälischen Oberflächengewässern und ihrem Mündungsgebiet, der Nordsee. Regionale Analyseergebnisse von Quell-, Regen-, Grundwasser- und Fließgewässerproben sowie Boden- und Vegetationsanalysen im Teutoburger Wald, im münsterländischen Trinkwasserschutzgebiet der Hohen Ward und im übrigen Münsterland belegen die hohe Stickstoffbelastung der heimischen Ökosysteme. Die lokalen Fallbeispiele bieten Anregungen für einen problem- und handlungsorientierten ökologischen Schulunterricht.

Weitere Themen des Buches sind die Unterschiede konventioneller und ökologischer Tierhaltung, das neue Leitbild nachhaltiger Fleischproduktion, Fragen der artgerechten Tierhaltung, Auswirkungen des Fleischkonsums auf die Preisentwicklung und die Gesundheit sowie globale Abhängigkeiten durch den Import von Futtermitteln aus Brasilien und Indonesien. Wie diese Zusammenhänge im Biologie- und Geographieunterricht der Schulen vermittelt werden können, wird didaktisch ausführlich analysiert.

Jürgen Lethmate (Herausgeber.):
Luft - Boden - Wasser - Wald:
Geoökologische und ökologiedidaktische Untersuchungen in Westfalen.
Westfälische Geographische Studien 57, 2009,
260 Seiten, ISBN: 978-3-402-15567-7, Preis: 19,80 Euro
Kontakt: Rudolf Grothues, Telefon: 0251-591-3014, E-Mail: rudolf.grothues@lwl.org