Die Jahrestagung mit Mitgliederversammlung der Geographischen Kommission findet in diesem Jahr am 11. und 12. Oktober 2013 in Minden statt. Unter dem Titel "Wesentliches an Weser und Wasser" werden insbesondere nachhaltige Planungen und Entwicklungen rund um die Städte und Häfen am Mittellandkanal im Vordergrund stehen. Beginnen wird die Tagung am Freitag, 15.00 Uhr, mit einer Stadtführung durch die Mindener Innenstadt. Es folgen zwei Vorträge zu den Themen "Stadtentwicklung" und "Weiterentwicklung des Wasserstraßenkreuzes". Abends findet dann die interne Mitgliederversammlung statt. Am Samstag wird die Region auf einer Busexkursion erkundet. Nach einer Schleusenbesichtigung in Minden geht es nach Lübbecke. Auch hier stehen die Themen Stadt- und Wirtschaftsentwicklung im Vordergrund. Abschließend ist ein Besuch des Nabu-Erlebniszentrums Moorhuus geplant.
Ein ausführlicher Programmablauf sowie die Anmeldemöglichkeiten werden zeitnah veröffentlicht.
Schieder-Schwalenberg (lwl) Wer aufmerksam durch die Wälder und Wiesen in Ostlippe streift, entdeckt abseits heutiger Asphaltstraßen an vielen Stellen Hohlkehlen oder andere Spuren im Gelände, die auf ältere Wegeführungen hinweisen. Tatsächlich gab es bis 1813 in Lippe keine Straßen, sondern nur unbefestigte Naturwege, auf denen sich der gesamte nationale und lokale Verkehr bewegte. Wichtige Handelsrouten durchquerten die Region, darunter ein Abzweig des berühmten Hellwegs von Paderborn nach Magdeburg oder die aus Frankfurt kommende Bremer Straße, deren Benennung schon auf ihr Ziel hinweist. Das Reisen auf diesen alten Trassen war ein mühsames Geschäft. Reisewagen und Karren quälten sich die Berge hinauf und herunter und gruben mit der Zeit tiefe Rinnen, so genannte Hohlwege ins Gelände. Auch Regen, Schnee und Wind waren dem Zustand der Trassen nicht gerade zuträglich. Erst nach Ende der napoleonischen Kriegen vor 200 Jahren konnte die lippische Regierung daran gehen, die Wege zu Chausseen auszubauen und das Straßennetz anzulegen, auf dem wir auch heute noch unterwegs sind. In Archiven finden sich zahlreiche Zeugnisse, die von dem Zustand des damaligen Wegesystems zeugen. Berichte über schwere Unfälle oder zerbrochene Räder, unpassierbare Stellen und dadurch notwendige Umwege, Befehle zur Ausbesserung von Wegeabschnitten, Beschwerden über unangebrachte Wegezölle und vieles mehr lassen die Verkehrsgeschichte lebendig werden.
Willy Gerking hat diese Zeitzeugenberichte zum Sprechen gebracht. Er hat für die Region um die Städte Barntrup, Blomberg, Schieder-Schwalenberg und Lügde in Archiven und auf historischen Karten nach Hinweisen auf alte Wegeführungen gesucht und diese im Gelände wieder aufgespürt. Per GPS und mit zahlreichen Fotos hat der Heimatforscher die heute noch sichtbaren Wegerelikte dokumentiert. „Das ist einzigartig und eine herausragende Leistung der Grundlagenforschung“, lobte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale, die eigens nach Schieder gekommen war, um die Publikation gemeinsam mit dem Autor vorzustellen.
Die Geographische Kommission und die Altertumskommission für Westfalen, zwei landeskundliche Forschungseinrichtungen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), haben die historisch-geographische Arbeit von Willy Gerking herausgegeben. „Die Wege in Ostlippe haben unsere Kommissionen regelrecht zusammengeführt und ein echtes Gemeinschaftsprodukt entstehen lassen“, freut sich Dr. Aurelia Dickers, Vorsitzende der Altertumskommission. Ausgestattet mit über einhundert Fotos, alten Karten und neuen, von der Geographischen Kommission speziell für den Band angefertigten Plänen ist ein spannendes Buch entstanden, das seine Leser geradezu dazu einlädt, die alten Wege selbst wiederzuentdecken.
Hintergrund
Autor Willy Gerking ist seit 1986 Mitglied der Altertumskommission für Westfalen. Der gebürtige Lügder erforscht kulturgeschichtliche Phänomene seiner Heimatregion. Folgt man den Einträgen der Lippischen Landesbibliothek (Detmold), sind bereits über 120 Beiträge zu vielfältigen Themen aus den Bereichen Archäologie und Geschichte in Ostlippe von ihm verfasst worden. Er erweist sich damit als herausragender Kenner regionalgeschichtlicher Besonderheiten.
Gestatten, Geographische Kommission für Westfalen, über 70 Jahre alt und doch stets jung geblieben. Die Geographische Kommission (GeKo) – eine der sechs landeskundlichen Kommissionen für Westfalen im Landschaftsverband Westfalen-Lippe – feierte im Dezember vergangenen Jahres ihr 75-jähriges Bestehen. Mit der nun erschienenen Schrift zum Festakt „Am Puls der Zeit – 75 Jahre Geographische Kommission für Westfalen“ liefert sie ein Portrait ihrer aktuellen Forschungsleistungen und -ziele. Die Themen, denen sich die GeKo zuwendet, sind vielfältig: mit „Gebiet und Identität“, „Naturraum“ und „Gesellschaft und Politik“ sind nur wenige genannt. Innerhalb dieser Schwerpunkte sind die Erarbeitung, Diskussion und Publikation über Raumstrukturen, Potenziale und Gefährdungen ein großes Anliegen der GeKo. In drei Sektionen mit insgesamt 21 Beiträgen wird aufgezeigt, wie geographische Landesforschung up to date aussehen kann. In den Grußworten und Vorträgen der 75-Jahr-Feier – Sektion I – werden (u. a. von Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Prof. Dr. Harald Zepp und Dr. Thomas Hauff) die Geschichte, Grundlagen, Spektren und Perspektiven der jahrzehntelangen Forschungsarbeit der GeKo reflektiert, aber auch mit würdigenden Worten honoriert. Als ein wesentliches Merkmal der Arbeitsweise der GeKo seit den 1990er Jahren stellte Klaus Temlitz, Vorsitzender der GeKo, die Wahrung der Balance zwischen „verantwortlicher Wissenschaft und gesellschaftlicher Dienstleistung“ heraus. Die Einbindung Westfalens in den globalen Zusammenhang ist ein vorrangiges, notwendig gewordenes Ziel der GeKo. In der zweiten Sektion stellt sie ihren „Beitrag zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung“ vor. Karl-Heinz Otto erörtert vier globale „Entwicklungsdimensionen“ von Nachhaltigkeit (Umwelt, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik) und erläutert, was die Geographie zu Themen wie „Feinstaubbelastung“ und „Klimawandel“ beitragen kann. Auch die nachhaltige Gesellschafts- (demographischer Wandel) sowie Raumentwicklung (Strukturwandel) sind Gegenstand dieser Sektion. Einen Überblick über „Entwicklung und Stand der größeren Print- und Internet-Projekte“ bietet die letzte Sektion. Präsentiert werden die Reihe „Städte und Gemeinden in Westfalen“, der „Geographisch-landeskundliche Atlas von Westfalen“ sowie das zunächst als Buchversion vorgelegte und als Web-Version fortgeführte Projekt „WESTFALEN REGIONAL“. Die von Rudolf Grothues zusammengestellten Informationen über die Mitglieder und Tagungen der GeKo sowie eine Liste der GeKo-Mitglieder runden die Publikation ab. Alle Themen sind auf 134 Seiten – nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Abbildungen – verständlich, anschaulich und nachvollziehbar aufbereitet worden. Die von Rudolf Grothues, Karl-Heinz Otto und Klaus Temlitz herausgegebene Veröffentlichung ist als 38. Band der Reihe „Siedlung und Landschaft in Westfalen“ im Verlag „Aschendorff“ erschienen. Sie ist im Buchhandel für 11,90 Euro (ISBN: 978-3-402-14832-7) erhältlich.
Quelle: Heimatpflege in Westfalen, 25. Jahrg., 6/2012
Münster/Westfalen (lwl). Der Landesteil Westfalen-Lippe ist in den Erdkunde-Lehrbüchern gegenüber dem Rheinland eklatant unterrepräsentiert. Das ergab eine Untersuchung von 59, in NRW für die weiterführenden Schulen zugelassenen Erdkunde-Lehrwerken. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat die Untersuchung bei seiner Geographischen Kommission in Auftrag gegeben.
"Seit Jahren hat sich der Eindruck verstärkt, dass Westfalen - überspitzt formuliert - als vorindustrielles Agrarland und allenfalls als beschauliche Freizeit- und Tourismusregion wahrgenommen wird", sagte Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), am Freitag (25.5.) in Münster. Der Verdacht, dass diese verzerrte Darstellung der Region Westfalen schon in Schulbüchern angelegt ist, habe sich leider bestätigt.
Vorbild Bayern: Ministerium soll Kriterienkatalog ergänzen
Kirsch weiter: "Wir müssen alles dafür tun, dass Westfalen zutreffend dargestellt wird und auch unserem Landesteil der ihm gebührende Platz in den Schulbüchern eingeräumt wird. Die Region Westfalen steht mit anderen Regionen in Deutschland und in Europa im Wettbewerb. Wir können uns ein falsches Bild nicht erlauben."
Er habe darum der NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann vorgeschlagen, das ministerielle Genehmigungsverfahren für neue Lehrwerke zu ergänzen. "Ein weiteres Kriterium für neue Schulbücher könnte lauten: Die beiden Landesteile Nordrhein-Westfalens müssen bei den verwendeten Raumbeispielen quantitativ und qualitativ angemessen berücksichtigt werden", so der LWL-Chef. Es gebe zum Beispiel in Bayern, das mit seinen Landesteilen als Beispiel dienen könne, ein solches Kriterium zur Beurteilung von Lernmitteln.
Die Untersuchung
59 Lehrbücher für die Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie für die Gymnasien wurden untersucht, die zu Beginn des Schuljahres 2011/12 im "Verzeichnis der zugelassenen Lernmittel" des NRW-Schulministeriums im Fach Erdkunde aufgeführt waren. "Natürlich finden sich in vielen Lehrbüchern Kapitel, in denen es um nordrhein-westfälische Räume geht. Wenn man diejenigen Lehrbuchkapitel zählt, die jeweils nur Westfalen-Lippe oder nur dem Rheinland zuzuordnen sind, so zeigt sich ein eindeutiges Ungleichgewicht zugunsten des Rheinlandes", sagte Peter Wittkampf, Autor der Untersuchung und bis 2011 Erdkunde-Fachberater bei der Bezirksregierung Münster.
Besonders deutlich werde das Ungleichgewicht zwischen den Landesteilen bei Erdkundebüchern für die Sekundarstufe I des Gymnasiums und für die Sekundarstufe II: Hier seien von insgesamt 105 Beispielen, die entweder im Rheinland oder in Westfalen spielen, 76 dem Rheinland gewidmet (72 Prozent), nur 29 behandeln Themen aus Westfalen-Lippe (28 Prozent). Wenn man nicht die Anzahl der Kapitel, sondern die Summe der entsprechenden Buchseiten, die entweder das Rheinland oder Westfalen behandeln, zugrunde lege, laute das Verhältnis sogar 75 zu 25 Prozent zugunsten des Rheinlandes, in der Sekundarstufe II 90 zu 10 Prozent.
Wittkampf: "Diese Diskrepanzen betreffen eine große Anzahl von Schülern, denn im Landesteil Westfalen-Lippe besuchten im Schuljahr 2010/11 über 273.000 Schülerinnen und Schüler ein Gymnasium, davon über 152.000 in der Sekundarstufe I. Alle diese Schüler lernen also relativ wenig über ihren eigenen Landesteil."
"Rheinländer leben in der Stadt, Westfalen auf dem Land"
Neben der Frage, wie häufig Westfalen-Lippe in den Raumbeispielen vorkommt, sei auch wichtig, wie und mit welchen Merkmalen dieser Landesteil dargestellt werde, fuhr der ehemalige Studiendirektor an einem Gymnasium fort. Bei einigen Unterthemen würden das Rheinland und Westfalen-Lippe gleichgewichtig behandelt, etwa bei den "Methodenübungen" ("Vom Luftbild zur Karte", "Karten lesen" usw.) und in den Kapiteln zum wirtschaftlichen Strukturwandel.
Sehr ungleichgewichtig würden die Beispiele dagegen bei anderen Unterthemen gewählt: Wenn es um "die Stadt" gehe, werde dies zu 82 Prozent am Rheinland dargestellt. Zum "Leben in Dorf oder Kleinstadt" wählten die Bücher dagegen in 90 Prozent aller Fälle Raumbeispiele aus Westfalen-Lippe. LWL-Direktor Kirsch: "Schüler müssen - jedenfalls aus ihren Büchern - den Eindruck gewinnen: Rheinländer leben in der Stadt, Westfalen auf dem Land." Typische Kapitelüberschriften lauteten "Leben in der Stadt (Raumbeispiel: Köln)" und "Wohnen auf dem Land (Raumbeispiel: Menne bei Warburg)".
Beim Stichwort "Industrie" entfielen in den Büchern auf Westfalen-Lippe 31 Prozent der Beispiele, obwohl es in Westfalen-Lippe sowohl mehr Betriebe als auch mehr Beschäftigte im "verarbeitenden Gewerbe" gebe als im Rheinland. Energiewirtschaft finde für die Schüler nur im Rheinland statt, obwohl in NRW tatsächlich etwa 45 Prozent des Stroms in Westfalen-Lippe erzeugt werde.
Zu den Ursachen für die Ungleichgewichte äußerte Wittkampf eine Vermutung: "Dass für bestimmte Themen so häufig Beispiele aus bestimmten Teilregionen in den Lehrwerken erscheinen, mag an den Schulbuchautoren und den Schulbuchverlagen liegen. Die Verlage verfügen in der Regel über fertig ausgearbeitete Bausteine, die sie auch in neu konzipierten Lehrbüchern wieder verwenden."
LWL bietet Hilfe an
LWL-Direktor Kirsch bot dem Schulministerium in Düsseldorf Hilfe an und verwies auf eine Reihe von Angeboten, die der LWL und andere Organisationen wie der Westfälische Heimatbund oder die Westfalen-Initiative zur besseren Information von Schülern, Lehrern und Lehrbuchautoren bereithielten. So biete das Projekt "Westfalen regional" im Internet (http://www.westfalen-regional.de) anschauliche, im Erdkundeunterricht sehr gut verwendbare Beiträge aus Westfalen zu allen wichtigen Bereichen der Geographie. Eine weitere Internetplattform (http://www.paedagogischer-stadtplan.de) habe gutes Material zu den Themen "Natur und Umwelt" sowie "Wirtschaft und Verkehr" erarbeitet.
Der zwölfte Band der Reihe »Städte und Gemeinden in Westfalen« der Geographischen Kommission für Westfalen befasst sich mit der kreisfreien Stadt Münster (zur Bestellung). In über 50 Beiträgen von gut 30 fachkundigen Autoren aus Wissenschaft und Verwaltung werden Themen wie Natur/Umwelt, Entwicklung der Innenstadt, Bevölkerungsentwicklung, Wohnen/Soziales, Verkehrsentwicklung, Münster als Dienstleistungsmetropole, Bildungs- und Wissenschaftsstadt sowie Kultur, Freizeit und Sport praxisorientiert dargestellt. Lesen Sie hier weiter
Die erste Schriftenreihe der Geographischen Kommission für Westfalen 'Arbeiten der Geographischen Kommission' wurde von 1937 bis 1942 aufgelegt. Nun, fast 75 Jahre nach erstmaligem Erscheinen, wurde die Reihe vollständig gescannt und steht dem Leser kostenfrei zur Verfügung. Bitte hier entlang...
Westfalen/Stuttgart (lwl). Einen Erfolg kann die Geographische Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) feiern: Die Nominierung ihres Projektes "Westfalen Regional" für den Deutschen Bildungsmedien-Preis "digita 2011". Der "digita" zählt zu den renommiertesten Preisen der Bildungswirtschaft im deutschsprachigen Raum.
Zwar schaffte es letztlich das Projekt "Westfalen Regional", das von der Manfred-Engel-Stiftung in Bielefeld finanziell unterstützt wird, nicht bis nach ganz oben aufs Siegertreppchen, da die Juroren in diesem Jahr vor allem Medien für die Vorschulerziehung in den Vordergrund stellten. Dennoch gehört laut Jury der westfälische Wettbewerbsbeitrag zu den Projekten, "die das Lernen und Lehren beispielgebend unterstützen sowie inhaltlich und formal als herausragend gelten können". Hier geht es weiter
... ist eine Vereinigung anerkannter Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus Wissenschaft und Praxis.
Sie betreibt, unterstützt und dokumentiert geographisch-landeskundliche Forschung zu den unterschiedlichsten geographischen Themen, die den Raum Westfalen betreffen:
Landesnatur (Böden, Relief, Klima), Ökologie, regenerative Energien, Siedlungsentwicklung, Bevölkerungsstruktur, Kultur und Bildung, Wirtschaft, Verkehr, Tourismus, Administration und Landesplanung.
Weitere Informationen erhalten Sie unter dem Punkt "Über uns".