von Guido Baranowski und Birgit Henschel-Neumann
Die konzeptionelle Idee zur Errichtung eines Technologiezentrums in Dortmund entstand Anfang der 1980er Jahre. Die Vision eines "Silicon Dortmund" stand bei den Gründungsvätern des Technologiezentrums im Focus. Ausschlaggebend für die Planung des Technologiezentrums waren die Vorbilder in den USA und England. Aber auch in Deutschland gab es schon erste Einrichtungen oder Planungen zu diesen Technologieschmieden, wie z. B. in Berlin und Aachen.
Das TechnologieZentrumDortmund und der dazugehörige Park entstanden aus einer der größten Krisen des östlichen Ruhrgebietes heraus. Mit dem Niedergang der traditionellen Arbeitsfelder Kohle und Stahl hatte die Stadt Dortmund den Verlust von großen Montanunternehmen und damit einhergehend einen starken Rückgang an Industriearbeitsplätzen zu verkraften. Ein Mittel der Krise entgegenzuwirken war, wie in einigen anderen Städten im Ruhrgebiet auch, die Einrichtung von Hochschulen. Durch die Investition in "Wissen" erhoffte man sich neue Zukunftsperspektiven für den Standort Dortmund und das östliche Ruhrgebiet.
Die Stadtrandlage der Ende der 1960er Jahre gebauten Universität galt lange Zeit als nachteilig - vor allem bei den Studenten und Mitarbeitern der Universität. Diese Lage erwies sich nun bei der Planung eines Technologiezentrums mit dem ebenfalls in die Planung einbezogenen Technologiepark als Vorteil, da die Universität auf einer riesigen Freifläche am westlichen Stadtrand von Dortmund aufgebaut worden war. Die verkehrliche Anbindung mit Autobahnen und öffentlichem Nahverkehr waren ein nützlicher Standortvorteil (Abb. 1).
Diese besondere Stärke erkannte man in Dortmund und wollte die einmalige Lage, das reichliche Angebot an Freiflächen und nicht zuletzt das Angebot an Lehr- und Forschungseinrichtungen der Universität, Fachhochschule und verschiedenen wissenschaftlichen Institute und nicht zuletzt das hochqualifizierte Personal stärker nutzen.
Mit Gründung des Fraunhofer Institutes für Transporttechnik- und Warendistribution (ITW) als Meilenstein für die spätere Errichtung des Technologiezentrums wurde der erste entscheidende Eckpfeiler gesetzt. Ein wichtiger Schwerpunkt des Technologiezentrums/-parks lag und liegt nach wie vor im Bereich der Logistik. Das Fraunhofer Institut nutzte als ein wichtiger Mieter die Infrastruktur des neuen Technologiezentrums, welches in direkter Nachbarschaft zum ITW gebaut worden war.
Am 6. Mai 1985 wurde das TechnologieZentrumDortmund mit einer 4.000 m2 großen Halle und einem 800 m2 großen Bürotrakt in einem großen Festakt in direkter Nachbarschaft des Campus eingeweiht. Weitere fünf Ausbaustufen erfolgten in den nächsten 20 Jahren, so dass das Technologiezentrum jetzt über eine gesamt Bruttogeschossfläche von über 80.000 m2 verfügt. Mit dem Wachstum des Technologiezentrums wuchs auch der Technologiepark, da viele Firmen, die im Technologiezentrum gestartet waren, im angrenzenden Park ihr eigenes Firmengebäude bauen konnten.
Die Nähe zu den wissenschaftlichen Einrichtungen wurde konsequent genutzt und verhalf dem Technologiezentrum zum einzigartigen Erfolg. Die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter und auch studentischer Hilfskräfte aus dem wissenschaftlichen Umfeld ist ein wesentlicher Standortvorteil für die zumeist technisch orientierten Unternehmen. Angezogen vom wissenschaftlich-technologischen Umfeld, den technologie-orientierten Unternehmen und dem klaren Wirtschaftsförderungskonzept siedelten sich viele weitere Unternehmen im Technologiepark an, die nicht zunächst im Technologiezentrum gestartet waren.
Das Technologiezentrum hat von Anfang an Schwerpunkte gebildet, die später bei der Bildung der Kompetenzzentren intensiviert wurden (Abb. 3). Beispiele solcher Kompetenzzentren sind z. B. das BioMedizinZentrum (BMZ), das Mikrostrukturzentrum (MST.factory) und das Zentrum für Produktionstechnologie (ZfP). Das TechnologieZentrumDortmund profitiert dabei von dem in Dortmund vorhandenen Potenzial in Wissenschaft und Wirtschaft.
Das neue Kompetenzzentrum für Produktions- und Fertigungstechnologie Dortmund (ZfP) wird als neuer Baustein des Technologiestandortes Dortmund die bestehenden Kompetenzzentren ergänzen. Dazu wird das bestehende Robotik- und AutomatisierungsCenter Dortmund (Race) ausgebaut. Als Querschnittstechnologie vereint die Produktionstechnik unter ihrem Dach eine Vielzahl von Einzeltechnologien. Durch die thematische Nähe zu den Dortmunder Zukunftbranchen - IT, MST, Logistik und Biotechnologie - und den anderen Kompetenzzentren - MST.factory dortmund, e-Port, BMZ - sowie durch die enge Verknüpfung zu Hochschul- und Forschungseinrichtungen ergibt sich auch hier wieder für dieses Technologiefeld ein großes Synergiepotenzial. Gemeinsam mit der MST.factory dortmund, in deren direkter Nachbarschaft das Zentrum entstehen soll, wird das neue Kompetenzzentrum den Nukleus für die weitere Entwicklung des Zukunftsstandortes Phoenix-West bilden.
Phoenix-West ist die neue Adresse, die durch die Grenzen der Ansiedlungsmöglichkeiten im Technologiepark entwickelt und aufbereitet wurde. Der Technologiepark hat 20 Jahre nach Gründung des Technologiezentrums und Parks nur noch begrenzt Flächen zur Bebauung zur Verfügung. Phoenix-West liegt südlich der Innenstadt im Ortsteil Hörde und ist ein ehemaliges Schwerindustriegebiet, was zurzeit komplett neu entwickelt wird. Wo früher Arbeiter Stahl kochten, stellen heute Mikrosystem-Experten winzige Bauteile und Sensoren her. Im Frühjahr 2005 wurde die Fabrik für Mikrosystemtechnik (MST.factory dortmund GmbH) offiziell auf dem neu entwickelten Gelände eröffnet und bildet den Nukleus für weitere Entwicklungen am Standort.
Ein weiterer Standort außerhalb des Technologieparks liegt in der Nordstadt Dortmunds. Dort wurde das Kompetenzzentrum Logistik, die e-port-dortmund GmbH, weiter ausgebaut. Unter einem Dach soll die Ansiedlung von Firmen aus der Logistikbranche gefördert werden. Im ehemaligen Hauptgebäude des Logistikdienstleisters Rhenus AG, im Hafengebiet von Dortmund, findet diese Standortgemeinschaft ihre Bleibe. Ziel des Logistikzentrums ist die Schaffung neuer, zukunftsorientierter Arbeitsplätze im Umfeld der Logistik. In Dortmund gibt es ca. 250 Transport- und Logistik-Unternehmen. Sie beschäftigen rund 22.000 Menschen. Dieses Potenzial gilt es gezielt zu nutzen.
Das TechnologieZentrumDortmund wirkt auch in die Region des östlichen Ruhrgebietes hinein. Schon Ende der 1980er Jahre wurde ein Kooperationsvertrag zwischen den Technologiezentren Dortmund, dem neu eingerichteten Technologiezentrum in Hamm (Hamtec) sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna geschlossen. Daraus entstand u. a. das Projekt "Wissenschaft vor Ort" ein Projekt, an dem auch die Hochschulen Dortmunds maßgeblich beteiligt sind. Ziel dieses Projektes ist es, das in den in Dortmunder Hochschulen vorhandene wissenschaftliche know-how auch in die Region zu transferieren.
Heute arbeiten die Technologie- und Gründerzentren Dortmund, Kamen, Lünen, Hamm und Schwerte in der Arbeitsgemeinschaft TEC5plus intensiv zusammen. Ein Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Technologiezentren ist das Projekt Regionales PreIncubator Center PINC. Es bietet Gründungsinteressierten ein erfolgreiches Unterstützungsangebot in allen Phasen der Unternehmensgründung mit dem Ziel, die Projektrealisierung in Bezug auf die Projektidee, Finanzierung, Marktakzeptanz, Gründerteam etc. zu überprüfen und den Zeitraum von der Idee bis zur Unternehmensgründung deutlich zu verkürzen. Neben der Bereitstellung eines Büroraumes steht den Gründungsinteressierten das gesamte Infrastruktur, Service- und Beratungspaket der Technologiezentren zur Verfügung. Initiiert wurde das Projekt PINC im Rahmen des Projektes GDUR, das jungen Wissenschaftlern den Weg in die Selbständigkeit erleichtern soll.
Mit diesem Projekt ist auch das Angebot für ExistenzgründerInnen in den letzten 20 Jahren im TechnologieZentrumDortmund systematisch erweitert und angepasst worden.
Heute nach 20 Jahren TechnologieZentrumDortmund sind rund 250 Unternehmen im TechnologieParkDortmund angesiedelt worden, die insgesamt 8.500 Mitarbeiter beschäftigen. Eine erfolgreiche Bilanz, die auch mit den neu entwickelten Standorten im Stadtgebiet und in der gesamten Region weiterhin Erfolgsmeldungen erwarten lässt.
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Erstveröffentlichung 2007
