
von Markus Wieneke
Inhalt
Auch über drei Jahrhunderte nach dem Niedergang der einst so mächtigen Wirtschaftsgemeinschaft sind Städte wie Lübeck, Hamburg und Bremen nach wie vor eng mit dem Begriff "Hanse" verknüpft. Der Titel "Hansestadt" als Namenszusatz ist nur ein Indiz dafür. Diese Städte – allen voran Lübeck – waren im späten Mittelalter große Handelszentren für Waren aus dem gesamten Ostseeraum und darüber hinaus. Sie waren aber lediglich ein Teil eines Bündnisses, das ohne die Beteiligung westfälischer Kaufleute und Städte wohl niemals eine derartige Bedeutung erlangt hätte.
Die Hanse (althochdeutsch: Hansa = Gruppe, Gemeinschaft) war ursprünglich ein Zusammenschluss von reisenden Kaufleuten aus Norddeutschland. Ihre Anfänge sind eng mit der Gründung der Stadt Lübeck (1159) als "Tor" zwischen West- und Osteuropa verbunden. Von hier aus entwickelte sich eine international agierende Wirtschafts-Allianz, die sich im 14. Jh. mit Handelskontoren vom russischen Nowgorod über Bergen (Norwegen) bis nach Brügge (Belgien) und London erstreckte. In dieser Phase begann sich die Kaufmannsgenossenschaft zur Städtehanse weiterzuentwickeln, bei der sich nun die vielerorts neu entstandenen Handelszentren selbst zu regionalen Bündnissen zusammenschlossen, um ihre Interessen bzw. die der ansässigen Kaufmannschaften nach außen zu stärken und sich vor Übergriffen besser zu schützen. Wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen des Hansebundes wurden ab 1356 auf Hauptversammlungen, den Hansetagen, beschlossen, auf denen die Abgesandten der teilnehmenden Städte über Handelsverträge, Neuaufnahmen und Ausschlüsse von Mitgliedsstädten, Zollerhebungen, Handelsblockaden, militärische Interventionen etc. abstimmten.
Der Blütezeit folgte ab dem 15. Jh. der allmähliche Niedergang. Gründe dafür waren u. a. der Machtverlust der Städte, die sich mehr und mehr den Interessen ihrer Landesfürsten unterordnen mussten, ferner die zunehmende internationale Konkurrenz, v. a. durch den Überseehandel nach der Entdeckung Amerikas, und schließlich der Dreißigjährige Krieg, der die Auflösung des Städtebundes entgültig einleitete. Diese galt 1669 auf dem letzen Hansetag in Lübeck als besiegelt, nachdem letzte Verhandlungen zwischen den wenigen verbliebenen Mitgliedsstädten über ein Fortbestehen der Hanse gescheitert waren.
Letztendlich war der Niedergang der Hanse wohl unvermeidlich. Im Gedächtnis aber bleibt eine europaweit agierende Wirtschaftsgemeinschaft, die immerhin fast ein halbes Jahrtausend Bestand hatte.
Der Begriff "Hanse" oder "Hansa" steht bis heute für eine Erfolgsgeschichte und hat sich auch in Westfalen vielerorts in Straßen-, Gebäude-, Unternehmens- und Vereinsnamen manifestiert. Das Hansaviertel in Münster und die Dortmunder Hansa-Brauerei sind nur zwei von vielen Beispielen. Seit dem Jahr 2012 führen Attendorn und Warburg als erste westfälische Städte offiziell den Namenszusatz "Hansestadt"; bundesweit sind es derzeit 21 (Stand 06/2012). Dazu wird hierzulande der Hanse-Begriff von weiteren Städten für die Identitäts- und Imagebildung verwendet, so z. B. von Breckerfeld, Lemgo und Soest, die sich im Rahmen ihrer Internetauftritte mit dem Titel "Hansestadt" oder "Alte Hansestadt" schmücken.
Gut 300 Jahre nach ihrem Ende wurde 1980 die "neue Hanse" als grenzübergreifende Lebens- und Kulturgemeinschaft ehemaliger Hansestädte ins Leben gerufen. Seither finden auch wieder Hansetage statt, bei denen sich die Partnerstädte auf internationaler Bühne präsentieren und an ihre historische Hanse-Mitgliedschaft erinnern.
Mittlerweile zählt die "Hanse der Neuzeit" europaweit rund 180 Mitglieder (Stand 06/2012) – wie damals unter großer Beteiligung aus Westfalen.
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Dollinger, P. (1998): Die Hanse. Stuttgart |
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Gurk, B. (2000): Die Hanse und Westfalen. Ein Aufbruch nach Europa. Gudensberg-Gleichen |
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Rörig, F. (1933): Rheinland-Westfalen und die Deutsche Hanse. Bonn |
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von Brandt, A. (1963): Die deutsche Hanse als Mittler zwischen Ost und West. Köln |
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http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Westfalens#St.C3.A4dteb.C3.BCnde_und_Hanse |
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http://de.wikipedia.org/wiki/Hanse |
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http://de.wikipedia.org/wiki/Hansestadt |
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www.bochumer-geschichte.de/ursprung-der-hanse-liegt-in-westfalen |
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www.hanse.org |
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www.hansetag-webcam.de/die-hanse.html |
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www.tempus-vivit.net/bibliothek/buch/die-hanse-und-westfalen |
Erstveröffentlichung 2009, Aktualisierung 2012