
von Peter Wittkampf
Das Kreidebecken des Münsterlandes wird aus Schichten der Ober- und der höheren Unterkreide gebildet. Sie sind in der Regel mehrere hundert Meter, zum Teil etwa tausend Meter mächtig. Ein jüngerer Teil dieser Gesteine tritt z. B. in den Beckumer Bergen zutage (s. Beitrag Temlitz).
Die relativ flach gelagerten Kreidegesteine haben vielfach tonig-mergelige Schichten ausgebildet, die das Grundwasser entweder gar nicht (sog. Aquiclude) oder nur schlecht (sog. Aquitarde) leiten können. Brunnen zur Grundwassergewinnung sind hier sehr unergiebig.
Bis zur Saaleeiszeit, hatten Ems und Werse tiefe Rinnen in den leicht erodierbaren Kreide-Untergrund gegraben. Diese bilden heute das Ur-Ems- bzw. das Ur-Ems-Werse-Rinnensystem (Abb.1). Es wurde erst in den letzten Jahren geologisch genauer erforscht.
Im Verlauf der pleistozänen Kalt- und Warmzeiten sowie im Holozän haben dann die Ems und die Werse sowie ihre jeweiligen Nebenbäche, z. B. Axtbach, Hessel, Angel usw., mächtige Sedimentdecken über dem Kreideuntergrund abgelagert und auf diese Weise einen "Sandgürtel" von teilweise bis zu 20 km Breite und durchschnittlich etwa 15 m Mächtigkeit geschaffen. Im Bereich der früher entstandenen Ur-Ems(-Werse)-Rinnen, wo also alte, schmale, tief in die Tonmergel-Gesteine eingeschnittene Kerbtäler verliefen und zunächst aufgefüllt wurden, erreichten die Sedimentschichten Mächtigkeiten von insgesamt etwa 20 bis 30 m (Abb. 2).
Die Ur-Ems-Rinne verläuft ungefähr im Bereich des heutigen Ems-Flussbettes, oft parallel hierzu, manchmal kreuzt sie es. Der heutige Emsverlauf ist also nicht völlig identisch mit dem der Ur-Ems. Etwas geringer ist die Abweichung zwischen der Ur-Werse und dem heutigen Werseverlauf (Abb. 1).
Auch andere Städte, von Harsewinkel über Warendorf, Telgte und Greven, gewinnen einen großen Prozentsatz ihres benötigten Wassers aus der Ur-Ems-Rinne.
Während die mengenmäßige Verfügbarkeit des Wassers in der Regel kein Problem darstellt, muss in qualitativer Hinsicht vor allem die Nitratbelastung des Wassers als Problem beachtet werden, das sich im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft ergab (s. Beitrag Lethmate). Gerade wegen der sandigen Böden meinten viele Landwirte bis in die 1980er Jahre in Bezug auf den Düngemitteleinsatz noch: "Viel nützt viel". Die Folge waren z. T. sehr deutliche Überschreitungen der Nitrat-Höchstwerte (=50 mg/l) vor allem in den oberflächennahen Bodenschichten. Die Probleme waren auch deshalb dringend, weil z. B. im Kreis Warendorf selbst die Flächen der Trinkwassergewinnungsgebiete zu zwei Dritteln landwirtschaftlich genutzt werden und die Waldfläche nur 19% beträgt.
Nitrat kann nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht für den Menschen zur Gefahr werden, sondern auch – durch Veränderung der Sulfat- und der Eisengehalte infolge chemischer Prozesse – die Wasserhärte erhöhen und den Wasserwerken technische und betriebliche Probleme bereiten, z. B. bei der Wasseraufbereitung und der Nutzungsdauer der Brunnen.
Bereits um 1990 wurden deshalb in den betroffenen Gebieten Kooperationsvereinbarungen zwischen der Landwirtschaft und der Wasserwirtschaft getroffen, um die Probleme nachhaltig lösen oder doch zumindest so weit reduzieren zu können, dass alle Beteiligten auf Dauer sicher sein konnten, ihre jeweils eigenen Aufgaben erfüllen und ihre Interessen wahren zu können. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehörten z. B. intensive Düngeberatungen, genaue Düngeplanung und -berechnung, Bodenanalysen, Abgabe überschüssiger Gülle usw.
Die Erfahrungen, die mit diesen Kooperationen gemacht wurden, waren so gut, dass gegenwärtig nach diesem Muster auch in jenen Einzelregionen, in denen keine solchen Kooperationsverträge bestanden, durch die Landwirtschaftskammer entsprechende Beratungen durchgeführt werden. Die immer noch erhöhten Nitratwerte bleiben allerdings eine Herausforderung, obwohl die Werte z. B. im Werse- und im Emsgebiet südlich bzw. östlich von Münster zurückgegangen sind und sie im Trinkwasser letztlich deutlich unter den Grenzwerten liegen (vgl. hierzu MUNLV NRW 2008, S. 30 ff.).
Bei anderen möglichen Belastungsfaktoren des Grundwassers sind vor allem die Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln (PSM) zu beachten. In einigen Wasserwerken, z. B. in Telgte und Everswinkel-Raestrup, wurden bereits technische Maßnahmen ergriffen, um das gewonnene Wasser ohne nennenswerte PSM-Rückstände anbieten zu können. Hierzu zählt z. B. die Aktivkohle-Behandlung.
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Kooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft im Kreis Warendorf (Hg.) (1994): Kooperation Landwirtschaft/Wasserwirtschaft im Kreis Warendorf. Drei Jahre Kooperation zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft. Warendorf |
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Lenz, A. (2005): Die integrierte geologische Kartierung in der Emsniederung. Basisdaten für Grundwasserschutz und Wassergewinnung. In: Geologischer Dienst NRW (Hg.): GeoLog 2005. Arbeitsschwerpunkte des Geologischen Dienstes NRW. Krefeld (www.gd.nrw.de/zip/geolog05.pdf) |
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Liersch, L. (o. J.): Auswirkungen von Landnutzungsänderungen und umweltgerechten Bewirtschaftungsmethoden auf den Wasser- und Stoffhaushalt des Einzugsgebietes der Ems in Nordrhein-Westfalen. Potsdam (Diplomarbeit an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam) (www.ufz.de/data/DiplomLiersch49225966.pdf) |
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MUNLV Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2008): Mehr Leben für die Ems und Co. Die Fließgewässer und das Grundwasser im Gebiet "Ems-Hauptfluss" – Zustand, Ursachen von Belastungen und Maßnahmen. Düsseldorf (www.flussgebiete.nrw.de/berichte/erlaeuterungsberichte/Erlaeuterungsbericht_PE_EMS_1000.pdf) |
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Erstveröffentlichung 2010