
von Ulrich Peterwitz
Inhalt
Die Talsperre Haltern ist untrennbar mit dem Wasserwerk Haltern in ihrer Funktion als Vorratsraum für eines der größten Wasserwerke Europas verbunden. Im Laufe der Jahre hat die Talsperre aber in vielerlei Hinsicht an Stellenwert gewonnen bis hin zu der Tatsache, dass die mit ihr verbundene Stadt Haltern am See die Talsperre nunmehr auch in ihrem Namen trägt.
Um jahreszeitlich bedingte Abflussschwankungen des Oberflächenwassers auszugleichen, insbesondere um sommerliche Niedrigwasserperioden überbrücken zu können, entstanden ab 1927 die Talsperre Haltern und ab 1972 die Talsperre Hullern als Rohwasserspeicher. Sie sind durch Ausbaggern des sandigen Untergrundes bis auf 7 m Tiefe im Stevertal entstanden. Als Rohwasserspender dienen die Stever und der Mühlenbach.
Eine Sperre, d.h. eine Wasser-Füllung des ganzen Stevertales im Raum Haltern, wurde zunächst als nicht realistisch betrachtet. Zu groß würden die Schwierigkeiten beim Grunderwerb der Flächen von der Stadt und dem Grafen Westerholt sein. Eine Aufspeicherung von genügendem Wasser an anderen Stellen als in Haltern sei zu prüfen.
Schließlich wurde dann 1926 doch das Recht zum Bau der Talsperre Haltern verliehen, um die Jahresförderung des Wasserwerks Haltern in mehreren Stufen von 18 Mio. m3 pro Jahr auf 80 Mio. m3 jährlich zu steigern. Das Vorhaben der Anlage dieser Talsperre wurde dann in den Jahren 1927 bis 1930 verwirklicht. Der Aufstau der Stever mit einem Walzenwehr um 4,5 Meter ergab 1930 bei Fertigstellung einen Stauraum von 4,0 Mio. m3. Bei der weiteren Ausbaggerung in den Jahren von 1930 bis 1955 wurde ab 1938 ein Eimerketten-Bagger eingesetzt. Volumen der Talsperre 1955: 8 Mio. m3 bei 220 Hektar Wasserfläche und rund 5 Meter Wassertiefe.
Die nur leicht gewellte Landschaft am Südrand der Münsterländischen Bucht erlaubt es nicht, Talsperren, so wie es der Name sagt, in üblicher Weise zu bauen. Deshalb wurde die Vergrößerung der Talsperre Haltern nicht durch Erhöhung eines Dammes erreicht, sondern, bei Erhaltung der ursprünglichen Stauhöhe, durch Erweiterung der Seefläche und Vertiefung des Sees. Ein solches Bauverfahren ist nur bei entsprechend günstigen geologischen Voraussetzungen möglich: das Vorhandensein von Lockergestein. Hier sind es die erst in tieferen Bereichen verfestigten, bis zu 250 m mächtigen und von quartären Decksanden überlagerten so genannten Halterner Sande.
Das Trockenjahr 1959 aktivierte die weiteren Ausbaupläne. Dazu wurde nun ein Schneidkopf-Saugbagger mit vollelektrischer Ausrüstung eingesetzt. Der gewonnene Sand wurde über eine mehrere Kilometer lange Rohrleitung auf große Spülfelder in der Westruper Heide transportiert. 1971 erhielt die Talsperre Haltern die heutige Größe: 20,5 Mio. m3 Staurauminhalt bei einer Wasserfläche von 307 Hektar und einer Wassertiefe von 7 Metern.
Während das Südbecken der Talsperre Haltern dem Wasserwerk als Rohwasserspeicher und Reaktionsbecken dient, entwickelte sich das Nordbecken im Laufe der Jahre zu einem attraktiven Naherholungsgebiet, was sich wiederum positiv auf die Stadt Haltern am See auswirkte
Im April 1930 wurde die Seegesellschaft gegründet. Die Gesellschafter waren das Wasserwerk für das nördliche westfälische Kohlenrevier, der Landkreis Recklinghausen, die Provinz Westfalen, der Ruhrsiedlungsverband und das Amt Haltern. Bereits ein Jahr später eröffnete am 14. Mai 1931 das auch noch heute beliebte Strandbad an der Talsperre Haltern den Betrieb.
Neben dem Baden sind das Angeln, Segeln und Surfen erlaubt. Um den vorrangigen Zweck der Talsperre Haltern, die Wasserversorgung, nicht zu gefährden, unterliegt der Wassersport einer Gemeingebrauchsverordnung, erlassen von der Bezirksregierung Münster in aktueller Fassung am 8. Dezember 2006, sowie einer Surfordnung. Danach sind u.a. nur eine beschränkte Anzahl an Wasserfahrzeugen (330 Segelboote, 1020 Ruder-, Paddel- und Schlauchboote sowie 20 Tretboote) zugelassen, spezielle Vorfahrtregeln für die Betriebsboote der GELSENWASSER AG und das auf der Talsperre betriebene Fahrgastschiff "Möwe" aufgestellt sowie Nutzungsbereiche ("Surfrevier") und Zonen mit Betretungsverbot festgelegt. Insbesondere die Overrathsche Insel darf aus Landschafts- und Vogelschutzgründen nicht betreten werden. Sie ist als Brutstätte für Graureiher und andere Wasservögel von Bedeutung.
Darüber hinaus runden angelegte Wanderwege, Aussichtspunkte und Anlegestellen sowie zahlreiche nach und nach angesiedelte Gaststätten und Hotelbetriebe und ein Motorradtreff das vielfältige Freizeitangebot rund um die Talsperre Haltern ab. Sowohl die Talsperre wie auch die Stadt Haltern am See entwickelten sich damit zu Ausflugszielen, die weit über die lokalen und regionalen Grenzen bekannt sind.
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Bund / Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) (Hg.) (1990): Limnologie und Bedeutung ausgewählter Talsperren in der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden |
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Festschrift (1988): 80 Jahre Wasserwerk Haltern. Gelsenkirchen |
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Schmidt, W.-D. und H. Zander (1986): Die Talsperre Hullern der GELSENWASSER AG - Einklang von Technik und Landschaftsgestaltung. In: GWF Wasser Abwasser, Heft 10/1986. o. O., S. 503-509 |
Erstveröffentlichung 2007