
von Reinhard Köhne
Inhalt
Der Hochsauerlandkreis liegt überwiegend auf der Nordwestabdachung des süderländischen (= südwestfälischen) Mittelgebirges mit Höhenlagen zwischen 200 und 800 Metern. Die naturräumliche Ausstattung mit Bodenschätzen, Buchenwäldern und der Gewässerreichtum boten seit Jahrhunderten die Standortfaktoren für die Gewinnung, Verhüttung und Verarbeitung von Metallen. In den Gesteinsspalten des Gebirgssockels finden sich überwiegend Eisen-, Blei- und Kupfererze. Die archäologische Forschung hat die Anfänge der Kupferverhüttung für das 7. und 8. Jh. in der Diemelaue östlich von Marsberg nachgewiesen. Der zugehörige Bergbau liegt südlich der Wüstung Twesine auf dem angrenzenden Buchen- und Ohmberg in Form von Pingenbezirken, deren Abraumhalden Malachit anzeigen. Der Bleibergbau auf der Briloner Hochfläche weist ein auffälliges Nebeneinander von germanischen Siedlungen der römischen Kaiserzeit mit trapezförmigen, gelochten Bleibarren und Relikten des Bleibergbaus auf, ohne dass die Zeitgleichheit bisher exakt nachgewiesen wurde. Aus den alten Stollen des Bleibergbaus am Bastenberg bei Ramsbeck erbrachte Holzkohle eine Datierung in das 10. Jh. Obwohl Eisenerz sehr häufig vorkommt, konnten erst 2006 auf einem Siedlungsplatz der vorrömischen Eisenzeit bei Brilon-Madfeld Schlacken der Eisenverhüttung archäologisch nachgewiesen werden.
1497 gibt Godert de Wrede von der Burg Schellenstein in Olsberg-Bigge bei einem Streit um Rechte auf dem Eisenberg zu Protokoll, dass man dort gutes Erz gewinnen könne. Davon ließe sich Eisen "blasen" - also in einem Schachtofen, der über einen wasserradbetriebenen Blasebalg mit Sauerstoff versorgt wird, Roheisen erzeugen. Diese neue Technologie findet seit dem 13. Jh. Eingang in die Täler des Mittelgebirges. Zuvor wurde Eisenerz in kleinen Rennöfen gewonnen, wie ein Pingenfeld mit Schlackenhalden in 700 m Höhe am Schmalenberg bei Olsberg belegt. Offensichtlich eignete sich der Roteisenstein vom Eisenberg wegen seines Kalkanteils gut zur Verhüttung.
Als um 1820 englisches Eisen preisgünstig auf den Markt drängte, reagierten die Eigentümer 1823 mit dem Bau eines modernen Schleifwerkes und eines neun m hohen Kupolofens, dessen Zylindergebläse durch ein Wasserrad mit sechs m Durchmesser angetrieben wurde - nach Bewertung des Oberbergamtes eine vorzügliche und beispielhafte Anlage.
Der Urhandriss 1830 zeigt die Lage der Eisenhütte am Hangfuß des Lingelscheids, in dem neben einer Diabaslinse auch Eisenstein gebrochen wurde. Ein zwei km langer Obergraben in der Hüttenwiese leitete das Wasser des Gierskoppbaches zum Hüttengebäude. Am Wege nach Elleringhausen standen kleinere Gebäude der "Hüttenkaserne" für Berg- und Hüttenarbeiter, Köhler und Fuhrleute. 1854 wurde neben dem Hochofen ein neuer Kupolofen errichtet, dessen Gebläse nun unabhängig von der Wasserführung des Baches von einer Dampfmaschine angetrieben wurde. Damit verlagerte sich der Produktionsschwerpunkt von der Roheisenerzeugung zum Guss von eisernen Haushalts- und Heizgeräten.
Die Wärmeenergie lieferte nach einer Verknappung der Holzkohle um 1856 nunmehr die spätestens mit dem Eisenbahnbau 1872 günstiger angelieferte Steinkohle. Diese Phase der Umstellung mit der neuen Konkurrenz der Großanlagen aus dem Ruhrgebiet bedeutete für die meist verkehrsfern gelegenen sauerländischen Eisenhütten das wirtschaftliche Ende. Nachdem bereits 1890 der Verkauf von Eisenerz in das Ruhrgebiet unrentabel geworden war, wurde der Bergbau am Eisenberg 1916 eingestellt.
1866 ersetzten zwei Turbinen das Wasserrad, die mit der Reserve des neuen Hüttenteichs das Gebläse und das Pochwerk antrieben. Der Hüttenteich liefert heute das erforderliche Kühlwasser. Mit dem Anschluss der Olsberger Hütte an das elektrische Stromnetz im Jahre 1910 ersetzt die neue Antriebs- und Heizenergie endgültig die traditionellen Standortfaktoren Wasserkraft und Holzkohle und gewährleistet die Wettbewerbsfähigkeit der Olsberger Hütte. Roheisen und Eisenschrott speisen heute die Öfen.
Die Bewertung durch ältere Mitarbeiter charakterisiert die Einstellung der Belegschaft gegenüber dem mittelständischen Unternehmen und seinen Inhabern, das seit 150 Jahren zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region gehört. Seit 1882 vertritt eine Belegschaftsvertretung die Interessen der Mitarbeiter, heute organisiert in der Industrie Gewerkschaft Metall, die durch Fleiß, Kreativität und Loyalität stets zur Zukunftssicherung ihrer "OH" beigetragen haben.
In den letzten Jahrzehnten wurde das Unternehmen durch Edward und Ralf Kersting weitgehend und ständig umstrukturiert. Neben der Ausrichtung auf die Investitionsgüterindustrie in den Gießereien wurden mit Kaminöfen und elektrischen Heiz- und Lüftungssystemen in differenzierten Vertriebswegen weltweit neue Absatzmärkte erschlossen.
Außer an dem traditionellen Standort Olsberg fertigt das Unternehmen daher heute auch in Brilon, in Königshütte und in Kistokaj, Ungarn. Über eine eigene Vertriebsgesellschaft mit über 20 Mitarbeitern vertreibt die Olsberger Gruppe auch Produkte in Japan. Damit ist Olsberg eine heimische Erfolgsgeschichte im Zeitalter der Globalisierung.
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Baumeier, S. und K. Schlimmgen-Ehmke (Hg.) (2001): Goldene Zeiten. Sauerländer Wirtschaftsbürger vom 17. bis 19. Jh. Essen |
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Reininghaus, W. und R. Köhne (2008): Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Münster |
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Vorderwülbecke, P. (1993): Die Olsberger Hütte. Bad Schmallenberg-Fredeburg |
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Westfälisches Museum für Archäologie – Landesmuseum und Amt für Bodendenkmalpflege (Hg.) (2007): Neujahrsgruss 2007. Jahresbericht für 2006. Münster, S. 84 (www.lwl.org/wmfah-download/pdf/NG2007_web.pdf) |
Erstveröffentlichung 2008