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Paderborn-Lippstadt Airport – 40 Jahre Flughafenbetrieb in Südost-Westfalen
von Rudolf Grothues
Schon im Jahre 1966 wurden erste Überlegungen angestrengt, um einen Flughafen im südöstlichen Raum Westfalens zu errichten. Er sollte eine Station für den Werksluftverkehr und gewerblichen Verkehr für größere Flugzeuge darstellen – sowohl für den regionalen
Linienflugverkehr als auch als Zubringer für nationale und
internationale Flughäfen. Außerdem war der Ausbau des Flugtouristikverkehrs geplant.
Am 13. Oktober 1969 unterschrieben Vertreter der damaligen Kreise Brilon, Büren, Höxter, Lippstadt, Paderbron und Warburg den Gründungsvertrag der "Regionalflughafen Südost-Westfalen GmbH". Bis heute kamen weitere Gesellschafter hinzu. Abbildung 1 zeigt, dass der Kreis Paderborn mit über 56% Hauptgesellschafter ist, während sich weitere Kreise und Anteilseigner den Rest teilen.
Abb. 1: Beteiligungen der Flughafengesellschafter am PAD (Quelle: www.flughafen-paderborn-lippstadt.de)
Am 20. Oktober 1971 wurde der Flugbetrieb aufgenommen. 1980 begann der Linienflugbetrieb. Der offizielle Status eines Verkehrsflughafens wurde 1984 durch die Inbetriebnahme der großen Start- und Landebahn mit 1.760 m Länge und 30 m Breite erreicht. Die ersten touristischen
Charterflüge starteten 1988 in Richtung Mallorca und Gran Canaria. Im gleichen Jahr wurde die Bahn auf 2.180 m verlängert und 1994 auf 45 m verbreitert. Start- und Landebahn liegen auf dem Gebiet der Gemeinde Büren, Ortsteil Ahden, direkt an der A 44, mit der nur wenige Autominuten vom Airport entfernten Anschlussstelle Büren. Die A 33, und damit die Verbindung zur wichtigen A 2, ist über die Anschlussstelle Salzkotten ebenfalls schnell zu erreichen. Der Flughafen liegt ca. 16 km südwestlich der Paderborner Innenstadt bzw. rd. 20 km südöstlich der Stadtmitte Lippstadts.
Am 01. Januar 1991 wurde offiziell der Name "Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH" eingeführt. Das internationale Kürzel ist PAD. In den folgenden Jahren wurde der Ausbau konsequent fortgesetzt: Es folgten die Terminals A (1993 eröffnet) und B (1997), die Flugsicherungskanzel (1998), ein neuer Ankunftsterminal (2001) sowie 2004 zwei große Wartungshallen und das Airport-Forum. Im Jahre 2006 entstand direkt gegenüber des Terminalgebäudes das "Airport Hotel Paderborn". Neben kostenpflichtigen Parkmöglichkeiten (u. a. in Parkhäusern) bietet der Flughafen rd. 3.000 kostenfreie Parkplätze in unmittelbarer, fußläufiger Nähe zum Abflugterminal an.
Abb. 2: Entwicklung der Fluggastzahlen 2000–2009 am PAD (Quelle: www.flughafen-paderborn-lippstadt.de)
Momentan gibt es kein Nachtflugverbot für den Flughafen. Von Seiten der Flughafengesellschaft gibt es eine freiwillige Selbstbeschränkung, in der Zeit von 0 bis 5 Uhr auf Starts- und Landungen zu verzichten. In Ausnahmefällen kann hiervon jedoch abgewichen werden.
Heute ist der Airport einer von drei Internationalen Verkehrsflughäfen in Westfalen, neben denen in Dortmund und Münster/Osnabrück (s. Beiträge Ellerbrock und Gerkensmeyer). Dabei ist er mit rd. einer Mio. Passagieren im Jahr der kleinste unter den dreien (s. Beitrag Gerkensmeyer). Knapp 40.000 Flugbewegungen werden mittlerweile auf dem zum "Paderborn-Lippstadt Airport" umfirmierten Flughafen jedes Jahr registriert. Zum 40-jährigen Jubiläum 2009 wurde der neue Name mit einem frischen Corporate Design und neuem Logo der Öffentlichkeit präsentiert. Das neue Logo erinnert an einen Stern und ein startendes Flugzeug und soll damit die Dynamik widerspiegeln, die den Flughafen schon immer ausgezeichnet hat und natürlich weiter auszeichnen soll.
Allerdings musste auch hier in den letzten Jahren ein spürbarer Rückgang verzeichnet werden. Insbesondere im krisengeschüttelten Jubiläumsjahr 2009 sank die Passagierzahl unter die Millionengrenze (984.099). Das bedeutet gegenüber 2008 einen Rückgang um 13,5% (Abb. 2). Damit steht aber Paderborn/Lippstadt nicht allein. Im Jahr der Finanz- und Wirtschaftskrise ist das Passagieraufkommen in ganz Deutschland um 4,6% zurückgegangen, besonders betroffen waren die mittelgroßen Flughäfen, wie z. B. auch Münster/Osnabrück (-12,0%), Hannover (-11,8%), und Dortmund verlor mit -26,3% mehr als ein Viertel aller Passagiere. Die Rückgänge bei den Großflughäfen wie Berlin, Düsseldorf und Frankfurt lagen lediglich bei rd. -2 bis -5%. Beim PAD verteilen sich die Verluste relativ gleichmäßig auf den Charter- und den Linienverkehr.
Abb. 3: Fluggastzahlen im Jahresverlauf 2009 am PAD (Quelle: ADV)
Erwartungsgemäß sind in einem Jahresverlauf die höchsten Passagierzahlen im Sommer (Juli) zu registrieren (Abb. 3). In den Monaten Mai bis Oktober fliegen im Monat rd. doppelt so viele Gäste (rd. 100.000) wie in den Wintermonaten.
Dieser Nachfrage angepasst werden natürlich die Flugpläne, in Form eines Sommer- und eines Winterflugplanes (Abb. 4; beispielhaft für 2010/11). Während die meisten Ziele vor allem in Spanien das ganze Jahr angeflogen werden, gibt es im Winter keine Flüge z. B. nach Tunesien, Griechenland, Bulgarien und in die Türkei. Dafür werden im Winter weitere Ziele in Ägypten, auf Madeira sowie auf den Azoren angeflogen.
Das Hauptmarktgebiet des PAD umfasst den nahen ostwestfälischen Einzugsbereich sowie das Sauerland, südöstliche Teile des Münsterlandes, Südniedersachsen und Nordhessen, so eine repräsentative Ferien-Fluggastbefragung im Jahre 1998 (Neubauer/Heineberg 1999). Danach kamen 13% der Charterfluggäste aus dem Kreis Paderborn, 9% aus dem Kreis Soest, aus Gütersloh 8,5%, Kreis Lippe 6%, Kreise Höxter, Minden-Lübbecke und Herford je 4%, HSK und Bielefeld je 6% und Kreis Warendorf 2%. Nordhessen mit Kassel, Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder wurde mit zusammen 11% gemessen.
Abb. 4: Sommer- und Winterflugziele 2010/2011 am PAD (Quelle: www.flughafen-paderborn-lippstadt.de)
Die mittlere Anreisezeit der befragten Urlauber lag im Untersuchungszeitraum des Sommers 1998 bei 61,5 Minuten. Für rd. 70% war das die maximale Anreisedauer. Zwischen einer und zwei Stunden Anfahrtszeit nahmen 23% der Befragten auf sich. Hauptverkehrsmittel war und ist der Pkw, entweder selbst gefahren (49%) oder durch Bekannte gebracht (47%). Der ÖPNV spielt keine Rolle.
Die meisten der befragten Gäste nutzten den Paderborn-Lippstadt Airport, weil er für sie der nächstgelegene Flughafen war (44%). 15% stellten dann aber das preiswerte bzw. 12% das umfangreiche Parkplatzangebot heraus. Hier spiegelt sich eine der Stärken des Airports wider. Auch ist die angenehme und überschaubare Atmosphäre hervorzuheben (14%). Knapp 40% aller Befragten hatten in ihren Abflugüberlegungen auch Alternativflughäfen in Betracht gezogen, dabei insbesondere die in Hannover, Düsseldorf und Münster/Osnabrück.
Abb. 5: Luftbild des Paderborn-Lippstadt Airports (Quelle: www.flughafen-paderborn-lippstadt.de)
Wichtigste Bewertungskriterien waren 1998 (und das wird sich bis heute kaum verändert haben) die Erreichbarkeit, Übersichtlichkeit, Parkmöglichkeiten und die Dauer der Abfertigung. Hier spielt der "kleinere" Flughafen seine "großen" Vorteile aus (Abb. 5).
Insgesamt bietet der Flughafen mit seinen angrenzenden Unternehmen rd. 1.700 Arbeitsplätze. Wichtige Ausbaupläne sind die Optimierung des Start- und Landebahnsystems, Erweiterung der Flugnavigations- und Flugsicherungsanlagen und die Errichtung eines weiteren Hangars mit Gastronomie und Aussichtsplattform. Dabei geht es auch darum, der gerade in Bau befindlichen neuen Konkurrenz in Kassel-Calden (geplante Neueröffnung 2013) Paroli zu bieten. Dieser neue
Regionalflughafen wird mit Sicherheit einen Teil der bisherigen Fluggäste am PAD abziehen.
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Weiterführende Literatur/Quellen
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Mayr, A. und F. Buchenberger (1994): Luftverkehr und Flugplätze. In: Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Geographisch-landeskundlicher Atlas von Westfalen, 7. Lieferung. Münster
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Neubauer, C. und H. Heineberg (1999): Ferien-Fluggastbefragung am Flughafen Paderborn/Lippstadt 1998. Münster (= Berichte des Arbeitsgebietes "Stadt- und Regionalentwicklung", Nr. 15)
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www.adv.aero (ADV Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen: Monats- und Jahresstatistiken)
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www.flughafenkassel.de
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www.flughafen-paderborn-lippstadt.de
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Erstveröffentlichung 2010
