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Aufgabe und Organisation der (elektronischen) Fahrgastinformationen in Westfalen
von Inga Deibel
Fahrgastinformationen spielen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eine zentrale Rolle. Der Fahrgast kann die Verkehrsdienstleistung erst dann in Anspruch nehmen, wenn er weiß, wo, wann und wie er diese erhalten kann. Die Fahrgastinformationen stellen dabei den kommunikativen und interaktiven Dialog zwischen Fahrgast und Verkehrsunternehmen dar. In Westfalen gibt es Fahrgastinformationen in unterschiedlichster Form. Dazu gehören Printmedien, wie zum Beispiel Stadt- und Gemeindefahrpläne, telefonische Auskünfte, persönliche Auskunftsstellen bis hin zu elektronischen Informationsmedien, Haltestellen- und Fahrzeuginformationen.
Bis in die 1980er Jahre ergab sich durch die zahlreichen klein- und mittelständischen Verkehrsunternehmen in Westfalen, die untereinander kaum abgestimmte Verkehrsleistungen erbrachten, für die Nutzer ein konfuses Bild des ÖPNV-Angebotes. Bis dahin bestand das Verkehrsangebot aus unabgestimmten Fahrplänen und Tarifen sowie unterschiedlichen Beförderungsbedingungen und Fahrgastinformationen.
Abb. 1: Übersicht der in den NRW-Kooperationsräumen eingesetzten Fahrplanauskunftssysteme (Entwurf: I. Deibel)
Um eine abgestimmte Planung des ÖPNV zu gewährleisten, wurde der ÖPNV in NRW organisatorisch in neun Regionen, so genannte Kooperationsräume, aufgeteilt (Abb. 1). Entsprechend dieser Kooperationsräume gibt es neun Verkehrsverbünde und -gemeinschaften, zu denen sich die Verkehrsunternehmen zusammengeschlossen haben (Abb. 2). Im Münsterland und im Raum Ruhr-Lippe sind dies die Verkehrsgemeinschaft Münsterland (VGM) und die Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe (VRL). Bei der VGM und der VRL handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse von westfälischen Verkehrsunternehmen mit dem Ziel, das vielfältige ÖPNV-Angebot der Region und die Fahrpreise abzustimmen und zu vereinheitlichen. Im Zuge der Regionalisierung des ÖV Mitte der 1990er Jahre ist in NRW die Zuständigkeit für die Planung, Organisation und Ausgestaltung des ÖPNV auf die Kreise und kreisfreien Städte übertragen worden. Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) sind im betrachteten Raum die beiden Zweckverbände SPNV Münsterland (ZVM) und Ruhr-Lippe (ZRL), zu denen sich die Kreise und kreisfreien Städte des jeweiligen Kooperationsraumes zusammengeschlossen haben.
In Deutschland haben sich in den 1990er Jahre mehrere Hersteller von elektronischen Fahrplanauskunftssystemen etabliert. In den einzelnen Bundesländern werden verschiedene Auskunftssysteme eingesetzt. Innerhalb der neun nordrhein-westfälischen Kooperationsräume werden derzeit die drei Fahrplanauskunftsprogramme "EFA", "ASS" und "BUSSPUR" eingesetzt (vgl. Abb. 2). Hinzu kommt das Programm HAFAS der Deutschen Bahn AG. In den Kooperationsräumen Münsterland und Ruhr-Lippe haben die kommunalen Verkehrsunternehmen der VGM/VRL bereits Mitte der 1990er Jahre die Bedeutung der elektronischen Fahrplanauskunft erkannt und die gemeinsame Beschaffung eines Systems (EFA) vorgenommen.
Abb. 2: Datenpool NRW (Entwurf: I. Deibel)
Da die einzelnen Fahrplanauskunftssysteme in NRW in der Regel nur die Daten der mit dem gleichen System arbeitenden Unternehmen bzw. Verbünde integriert hatten, wurden im Rahmen des Projektes "Landesweiter Verkehrsdatenverbund des ÖV in NRW" die organisatorischen, technischen und finanziellen Voraussetzungen für eine landesweite elektronische Fahrplanauskunft geschaffen. Die landesweite Datenbasis wird folgenderweise umgesetzt: Grundlage der elektronischen Auskunftssysteme sind umfangreiche Datenbestände einzelner Verkehrsunternehmen, die Informationen über Haltestellen, Linien und Fahrpläne beinhalten. Die Daten der Verkehrsunternehmen werden in regionalen Koordinierungsstellen gesammelt (Abb. 2). Zwischen den Kooperationsräumen, die das gleiche Auskunftsprogramm nutzen, läuft der Datenaustausch systemintern automatisch ab. Für den Datenaustausch zwischen Kooperationsräumen, die nicht das gleiche Auskunftssystem einsetzen, sind Schnittstellen erforderlich. Die Aufgabe dieses Datenabgleichs und der datentechnischen Organisation wird vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr als zentrale Koordinierungsstelle in Nordrhein-Westfalen übernommen. Hier werden die regionalen Fahrplandaten der neun Kooperationsräume in einem festgelegten Datenformat zu einer landesweiten Fahrplandatenbasis zusammengefasst und allen anderen Koordinierungsstellen für das jeweilige Auskunftssystem zur Verfügung gestellt.
Die Datengrundlage steht allen beteiligten Verkehrsunternehmen und damit auch den lokalen Servicezentralen, der Telefonauskunft und Fahrplanauskünften im Internet zur Verfügung. So kann ein hohes und einheitliches Informationsniveau erreicht werden.
Abb. 3: Kartographische Darstellung einer Fahrplananfrage (Quelle: Elektronische Fahrplanauskunft "EFA")
Durch die Weiterentwicklung der einzelnen Fahrplanauskunftssysteme können weitere Funktionen wie zum Beispiel Tarifauskünfte, Auskünfte von Haustür zu Haustür und eine entsprechende kartographische Darstellung der Wege integriert werden (Abb. 3). Zukünftig sollen insbesondere Abfragen über Mobiltelefone mit Hilfe von SMS und WAP und die Bedienerfreundlichkeit elektronischer Auskunftssysteme optimiert werden. Außerdem gibt es seit Mai 2000 in Nordrhein Westfalen eine Service-Telefonnummer für den gesamten Nahverkehr in NRW, die rund um die Uhr genutzt werden kann. Unter einer Universalnummer 0 180 3 - 50 40 30 können Fahrplan- und Tarifauskünfte erfragt, aber auch Anregungen und Kritik geäußert werden. Weiterhin informieren die Servicezentralen der jeweiligen Verkehrsunternehmen über das ÖPNV-Angebot von Bus und Bahn.
Die Vorzüge elektronischer Fahrgastinformationen werden von den Kunden erkannt (s. Beitrag Deibel). Elektronische Auskünfte haben zwar eine hohe Bedeutung als Ergänzungsmedium, können aber die traditionellen Informationsmedien nicht ersetzen.
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Weiterführende Literatur/Quellen
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Erstveröffentlichung 2007