von Thomas Hauff
Inhalt
Wo stehen Westfalens Städte im Vergleich der Großstädte? Angesichts des verstärkten Standortwettbewerbs gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung. Antworten hierauf versprechen Städterankings, die in den letzten Jahren vermehrt publiziert wurden. Während viele Städterankings aufgrund ihrer methodischen Unzulänglichkeiten trotz des publizistischen Erfolgs kaum seriöse inhaltliche Aussagen zulassen, liefert der "Großstadtvergleich" der IW Consult GmbH im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Wirtschaftswoche durchaus eine tragfähige Grundlage für einen Vergleich westfälischer Städte.
Der 2007 zum vierten Mal durchgeführte Großstadtvergleich berücksichtigt die 50 einwohnerstärksten Städte Deutschlands und stellt auf der Basis von über 100 Indikatoren eines der umfassendsten Städterankings für die deutschen "Großstädte" dar. Im Mittelpunkt stehen die Fragen nach dem größten Wohlstand (gemessen an Einkommen und Beschäftigung) sowie nach der höchsten wirtschaftlichen Dynamik (vgl. im Folgenden IW Consult 2006, 2007). Hierzu wird einerseits in einem Niveauranking der aktuelle Stand verglichen. Das Dynamikranking andererseits bewertet die Entwicklungsleistungen in der Periode 2001 - 2006. Beide Teilrankings fließen zu einem Gesamtranking zusammen.
Niveau- und Dynamikranking bestehen jeweils aus sechs Hauptbereichen, die mit verschiedenen Gewichtungen in das Gesamtergebnis eingehen (Tab.1).
An der Spitze des Städterankings 2007 stehen bundesweit München, Stuttgart und Karlsruhe. Das westfälische Oberzentrum Münster hat 2007 mit Rang 4 die rheinischen Großstädte Bonn (Platz 6) und Düsseldorf (Platz 7) als Spitzenreiter in Nordrhein-Westfalen abgelöst. Unter den westfälischen Großstädten folgen - hinter Münster - Bochum (Platz 29), Hamm (Platz 30) und Dortmund (Platz 31).
Insgesamt berücksichtigt das Ranking 2007 21 Städte aus NRW. Wie Abb. 1 zeigt, rangieren dabei die westfälischen Städte mit Ausnahme von Münster vorwiegend zwischen den Plätzen 30 und 40. Demgegenüber sind die Städte aus dem Rheinland und dem nicht westfälischen Ruhrgebiet eher unter den ersten 20 Plätzen (Bonn, Düsseldorf, Köln, Mülheim, Leverkusen) oder zwischen den Plätzen 20 und 30 (z. B. Krefeld, Solingen, Essen) zu finden.
Eine besondere Qualität des Rankings der IW Consult GmbH besteht darin, dass das Ranking mit gleicher Gewichtung und einem nur leicht veränderten Indikatorensatz 2007 nunmehr zum vierten Mal publiziert wurde (Abb. 1). Zu berücksichtigen ist selbstverständlich ein jeweils aktueller Bezugszeitraum, der für das aktuelle Ranking den Zeitraum 2001 - 2006 einbezieht.
Ein Vergleich der Ergebnisse für die Jahre 2004, 2005, 2006 und 2007 macht deutlich, dass Münster in allen vier Jahren jeweils die bestplatzierte Stadt Westfalens war. Dabei konnte Münster im Jahr 2007 mit Platz 4 die höchste Platzierung erreichen - nach Platz 8 (2004, 2006) und Platz 15 (2005). Dortmund blieb zwischen 2004 und 2006 jeweils die zweitbeste westfälische Stadt, verschlechterte sich allerdings in diesem Zeitraum leicht von Platz 27 (2004) über Platz 28 (2005) auf Platz 32 (2006). Trotz Platz 31 im Jahr 2007 wurde Dortmund von der Vize-Position in Westfalen durch Bochum (Platz 29) und Hamm (Platz 30) verdrängt. Insbesondere Hamm gehört mit einem Plus von 13 Plätzen im Vergleich zu 2006 zu den größten Gewinnern im Ranking des Jahres 2007.
In das Gesamtranking gehen die Ergebnisse des Niveau- und des Dynamikrankings ein, wobei hier die Platzierungen für Niveau und Entwicklungsdynamik deutlich differieren können. Eher von der "Substanz" leben Hagen (Niveau-R. Platz 27, Dynamik-R. Platz 43) und Bielefeld (Niv.-R. Platz 23, Dyn.-R. Platz 46). Demgegenüber profitieren von einer deutlich besseren Entwicklungsdynamik im Vergleich zum Niveauranking vor allem Herne (Niv.-R. Platz 45, Dyn.-R. Platz 12), Hamm (Niv.-R. Platz 37, Dyn.-R. Platz 25) und Dortmund (Niv.-R. Platz 38, Dyn.-R. Platz 26).
Auch bei Münster, dem westfälischen Spitzenreiter, wird die gute Niveau-Platzierung (Platz 8) von einer noch besseren Dynamikplatzierung (Platz 5) übertroffen. Bei im Vergleich zu 2006 gleich guter Niveau-Platzierung führte insbesondere die deutliche Verbesserung beim Dynamikranking (+ 10 Plätze) auf Platz 5 (2007) zum Aufstieg im Gesamtranking von Platz 8 (2006) auf Platz 4 (2007).
Die Gesamtplatzierungen gehen wesentlich auf das jeweilige Abschneiden der Städte in den Bereichen "Wohlstand" und "Arbeitsmarkt" zurück. Gleichwohl belegt die Analyse der Einzelindikatoren, dass die westfälischen Städte trotz eher durchschnittlicher Gesamtplatzierungen in einigen Bereichen Spitzenplätze erreicht haben, ebenso aber auch spezifische Schwächen aufweisen. Dies soll in den folgenden Tabellen aufgezeigt werden.
Das Ranking ermöglicht und erfordert auf der Basis des interkommunalen Vergleichs eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Ergebnissen unter Würdigung der Aussagekraft der einzelnen Indikatoren. Angesichts des verschärften Städtewettbewerbs müssen sich nicht nur die westfälischen Städte trotz möglicher methodischer Relativierungen der Frage stellen, mit welchen spezifischen Strategien sie ihre Stärken ausbauen und ihre Schwächen abbauen können.
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IW Consult GmbH (2006): Deutsche Großstädte im Vergleich. Studie der IW Consult GmbH im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der Wirtschaftswoche. Köln |
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Losse, B. (2004): Städtetest. In: Wirtschaftswoche, Nr. 17/04. Düsseldorf, S. 22-31 |
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Losse, B. (2005): Städtetest: In: Wirtschaftswoche, Nr. 20/05. Düsseldorf, S. 24-36 |
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Losse, B. (2006): Die 50 größten Städte im Test. In: Wirtschaftswoche, Nr. 27/06. Düsseldorf, S. 18-27 |
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www.insm-wiwo-staedteranking.de |
Erstveröffentlichung 2007, Aktualisierung 2008
