von Jörg Gierse
Die Halle Münsterland kann auf eine wechselvolle und insgesamt erfolgreiche Vergangenheit zurückblicken. Als dieses Veranstaltungszentrum am 17. und 18. April 1926 feierlich eröffnet wurde, war es bereits das größte und vielseitigste der Region Münsterland. 80 Jahre später hat sich daran nichts geändert. Zehntausende von Veranstaltungen fanden in den vergangenen Jahrzehnten auf dem traditionsreichen Gelände am Albersloher Weg in Münster statt: Internationale Messen, wissenschaftliche Fachkongresse und große Sport-Events gehörten ebenso dazu wie unzählige Konzerte - von Louis Armstrong mit seiner Jazzband über die Rolling Stones bis zu den Wiener Philharmonikern. Heute präsentiert sich die Halle Münsterland als moderner Dienstleister für Veranstaltungen aller Art und unterschiedlichster Größe.
Am Eröffnungstag vor achtzig Jahren weihten die westfälischen Reit- und Fahrvereine - unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste - den imposanten Neubau mit einem großen Schauturnier ein. Zugegen war auch der damalige Oberbürgermeister der Stadt Münster, Dr. Georg Sperlich, der - zusammen mit den landwirtschaftlichen Zuchtvereinigungen des Münsterlandes - die treibende Kraft hinter den Neubauplänen gewesen war. Schon Jahre zuvor war klar, dass die aufstrebende Stadt Münster eine große Halle benötigte: Für Viehmärkte und Tierauktionen, aber auch für Versammlungen, Ausstellungen, Messen und Sportveranstaltungen. Die Stadt Münster investierte 753000 Reichsmark in die Gebäude, die ab 1925 auf dem Gelände einer ehemaligen städtischen Gasanstalt entstanden. Architekt Felix Sittel hatte einen modernen, 180 Meter langen und 45 Meter breiten Zweckbau entworfen. Über der fast 3500 m2 großen zentralen Halle, in der bis zu 6000 Personen Platz fanden, wölbte sich in 16 Metern Höhe ein geschwungenes Holzdach. Darunter fanden in den ersten Jahren vor allem landwirtschaftliche Veranstaltungen statt. Von sich reden machte die Halle Münsterland aber mit ihrem wachsenden Ruf als Stätte für Kultur und Sport. Klassische Chor- und Orchesterkonzerte standen genauso auf dem Programm wie Zirkusgalas, Turnfeste und Karnevalsfeiern. Highlights der frühen Jahre waren die Radrennen, die regelmäßig Tausende von Zuschauern in die Halle lockten.
In den 1930er-Jahren vereinnahmten die Nationalsozialisten die Halle Münsterland zunehmend für Massenkundgebungen und Parteiversammlungen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges diente sie als Verpflegungslager, Verladestation und Pferdelazarett. Von 1941 bis 1943 trafen das Gelände mehrere schwere Bombenangriffe. Als der Krieg vorbei war, standen am Albersloher Weg nur noch ein paar Mauern. Doch obwohl ganz Münster in Schutt und Asche lag, begann die Stadt schon bald mit dem Wiederaufbau der Halle: Die Landwirtschaft brauchte einen Ort für ihre Märkte, um die Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen.
1948 begannen die Bauarbeiten für die neue Halle Münsterland, die noch heute - als "Große Halle" - den Kern des Messegeländes bildet. Das wertvolle Holz für ihr charakteristisches, halbrundes Tonnendach kam aus Bayern - "schwarz" getauscht gegen 120 Pferde, die die Münsteraner in den Süden lieferten. Die erste und zunächst größte wieder aufgebaute Veranstaltungshalle Deutschlands wurde bis 1952 komplettiert: Es entstanden Büros und ein Foyer, eine neue Viehmarkthalle, ein Restaurant und der "Weiße Saal" als Tagungsraum für 500 Personen. Die Leitung der neuen "Halle Münsterland GmbH" übernahm von 1949 bis 1964 Franz Odenbreit.
Die Wirtschaftswunderzeit brachte auch für die Halle Münsterland goldene Jahre. Absoluter Besuchermagnet war das jährliche Sechstagerennen, bei dem ab 1950 die besten Radfahrer des Landes im Kreis rasten (Abb. 1). Bereits im Jahr zuvor war wieder das Reit- und Springturnier gestartet, das bis heute als "Rolinck-Cup" die Pferdefreunde begeistert. Die Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker brachten klassische Hochkultur nach Westfalen; Herbert von Karajan und Leonard Bernstein attestierten der Halle internationales Konzertniveau. Daneben setzte der neue Geschäftsführer Hans-Joachim Hangstein (1964-1991) aber auch verstärkt auf Ausstellungen und Tagungen: Landwirtschaftsschauen und Automärkte, Parteitage und Fachkongresse jeder Art zogen Aussteller und Besucher nach Münster. Die "Münsterlandschau", größte Verbrauchermesse der Region, und die Gartenmesse "Frühling - Blumen - Freizeit" wurden zu festen Veranstaltungen.
Die Rock- und Pop-Revolution erlebte die Halle Münsterland an vorderster Front. 1965 trieben die damals noch jungen Rolling Stones bei ihrem ersten Deutschland-Konzert die Fans zu gesitteter Hysterie. Zu den Höhepunkten zählten auch die Auftritte von Jimi Hendrix (1969), Deep Purple (1970) und Pink Floyd (1971). Die deutsche Erstaufführung des Hippie-Musicals "Jesus Christ Superstar" brachte die Halle 1972 landesweit in die Schlagzeilen. Santana, Ike & Tina Turner, Jethro Tull, Frank Zappa, Rod Stewart oder Depeche Mode: Wer in der Rockmusik einen Namen hatte, kam nach Münster. Ikonen wie Ray Charles, Bob Dylan, Joan Baez oder Johnny Cash spielten am Albersloher Weg. Dazu gesellten sich nationale Stars wie Udo Jürgens, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Reinhard Mey oder Herbert Grönemeyer, die regelmäßig hier gastierten und der Halle zum Teil bis heute die Treue halten.
Zum 50. Geburtstag spendierte die Stadt Münster ihrem Aushängeschild ein neues Gesicht. 1976 eröffnete die runderneuerte Halle Münsterland ihren Congress-Saal, in dem seither Tagungen und Konzerte mit bis zu 1000 Besuchern stattfinden können. Doch schon bald reichten die Raumkapazitäten nicht mehr aus - besonders für Messen und Kongresse, die als Geschäftsfeld immer wichtiger wurden. In der Amtszeit von Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Gaida (1993-2002) veränderte sich das Erscheinungsbild der Halle Münsterland so stark wie nie zuvor. 1994 stellte die Stadt insgesamt 82 Mio. DM für Renovierungen, An-, Um- und Neubauten zur Verfügung (vgl. neue Eingangsfront, Abb. 2). Bis 2002 entstanden das neue Südfoyer sowie drei Messehallen mit insgesamt knapp 16000 m2 Fläche, deren größte, die Messehalle Mitte, bis zu 11000 Personen fasst.
"Heute, in ihrem 80. Jahr, präsentiert sich die Halle Münsterland fit für die Zukunft", resümiert die jetzige Geschäftsführerin Dr. Ursula Paschke. Für die rund 280 Veranstaltungen unterschiedlichster Art, die hier jedes Jahr stattfinden, bietet die Halle beste Voraussetzungen. Ob festliche Atmosphäre oder modernste Technik gewünscht werden: Die Räume des neu gestalteten Congress-Centrums werden diesbezüglich unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht. Einzeln oder kombiniert sind sie geeignet für Kongresse, Tagungen, Seminare, Workshops, Empfänge und begleitende Fachausstellungen - mit 10, aber auch mit bis zu 4000 Teilnehmern.
In den drei Messehallen finden regelmäßig namhafte internationale Ausstellungen statt - so z.B. die "Teddybär total", die weltweit größte Teddybären-Messe, die in jedem Frühjahr Tausende von Fans nach Münster lockt. Die Veranstalter der "Internationalen Ausstellung für Fahrwegtechnik" (iaf) waren vom direkten Gleisanschluss der Halle so angetan, dass sie ihre Messe auch 2006 wieder in Münster abhielten. Hinzu kommen die etablierten und neuen Fachmessen der Halle Münsterland, etwa die IT-Messe "business online" und die "Diabetes" (Abb. 4). Das umgestaltete Gelände mit seinen 20000 m2 Ausstellungsfläche bietet zudem noch genug Platz für inzwischen gut eingeführte Publikumsmessen - wie die "Antiquitäten-Tage", die "x-tra sport" oder die "bauen & wohnen".
Und nicht zuletzt ist die Halle Münsterland immer noch ein bedeutender Ort für Konzerte, Shows und Feste. So kommen etwa jedes Jahr im November aus dem ganzen Bundesgebiet ca. 40000 Partyfreunde nach Münster, um an vier Tagen "Europas größte Kegelparty" zu feiern. Um den Jahreswechsel verzaubern die Eislaufkünstler von "Holiday on Ice" seit Jahrzehnten ihr Publikum. Internationale Größen wie Coldplay oder David Copperfield, Rock- und Pophelden wie BAP oder Rosenstolz, Stars der leichten Muse wie André Rieu oder Eros Ramazzotti, Comedians wie Helge Schneider oder Atze Schröder und viele, viele mehr: Sie alle schätzen die Halle Münsterland als ein herausragendes Veranstaltungszentrum.
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Wilbrand, Chr. (2001): Die Halle Münsterland 1926 bis 2001. Münster |
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www.halle-muensterland.de |
Erstveröffentlichung 2007
