von Rudolf Grothues
Noch nie hat sich ein Kommunikationsmedium so schnell und vor allem so Flächen deckend verbreitet wie das Internet. Auch in Deutschland hat dieses Medium Mitte der 1990er Jahre seinen Siegeszug angetreten. Grundlage sind Millionen von Computer, die im Netz über so genannte IP-Adressen (z. B. 194.246.96.50) verbunden sind. Zum besseren Verständnis ist ein Domainnamensystem entwickelt worden, da sich Namen leichter merken lassen als Zahlenkombinationen. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Domains von einem Server auf einen anderen wechseln (umziehen) können und dabei nur eine neue Adresse zugeteilt bekommen. Der Name bleibt. Dieser Vorteil hat u. a. dazu geführt, dass sich mittlerweile Millionen von Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen "ihre" Domain haben sichern lassen.
Dabei taucht jeder Name nur einmal auf, lediglich unterschieden nach Länderkürzeln wie .de für Deutschland oder .at für Österreich oder nach Organisationskürzeln wie .com, .net oder .org. Insgesamt gibt es von diesen so genannten Top Level Domains (TLD) rd. 240 auf der Welt. Gerade wird die neue TLD .eu für Europa eingeführt.
Innerhalb Deutschlands spielt selbstverständlich die Endung .de die wichtigste Rolle, wobei aber auch zahlreiche Domains mit anderen TLD’s von Deutschen genutzt werden (z. B. www.lwl.org für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe). Vor gerade einmal 10 Jahren waren lediglich rd. 11.000 .de-Domains registriert (März 1996). Heute hat sich diese Zahl vervielfacht und liegt mittlerweile bei über 10,8 Mio., wobei noch immer knapp 6.000 Adressen jeden Tag hinzukommen (Stand: April 2007). Damit ist die Endung .de die zweithäufigste auf der Welt, nur hinter .com, welche allerdings über 64 Mio. mal vorkommt.
Von den über 10,8 Mio. .de-Domains befinden sich rd. 80% bei Privatpersonen, der Rest sind Unternehmen und Organisationen. Die regionale Verteilung innerhalb Deutschlands weist durchaus Unterschiede auf: Während in den Ballungsräumen eine hohe Zahl von Domains zu verzeichnen sind, nimmt sie in den ländlichen Regionen deutlich ab. Hier spiegelt sich natürlich die absolut höhere Anzahl von Unternehmen, aber auch von Internetnutzern wider.
Bezogen auf die Bundesländer weist Hamburg im Verhältnis Domains pro 1.000 Einwohner mit 179 den höchsten Wert auf (Stand: Ende 2004). Es folgen dann die weiteren Stadtstaaten sowie die Flächenländer NRW, Schleswig-Holstein, Hessen und Bayern mit Werten um 100. Die niedrigsten Werte sind zur Gänze in den neuen Bundesländern zu finden, mit Sachsen-Anhalt (39) am Ende der Aufzählung.
Innerhalb von NRW sind rd. 1,9 Mio. Domains registriert. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land bzw. Ballungsräumen und ländlicher Zone. Das bestätigt daneben auch ein Blick auf die Internetnutzung nach Regierungsbezirken 2005 (Abb. 1). Die Bezirke Düsseldorf und Köln weisen in den letzten Jahren besonders hohe Steigerungsraten der Onliner auf. Die Zahl der Nutzungsplaner, also derjenigen, die ein Onlinegehen beabsichtigen, ist relativ gleich verteilt, während der geringste Anteil der Offliner wieder im Reg.-Bezirk Köln anzutreffen ist.
Von den 10 Städten und Kreisen in Deutschland mit den meisten .de-Domains pro 1.000 Einwohner kommen immerhin vier Städte aus Nordrhein-Westfalen, allerdings mit Münster nur eine Stadt aus Westfalen (Tab. 1). Mit einem Wert von rd. 179 weist Münster innerhalb von Westfalen die größte Dichte auf (Abb. 2; Tab. 2). Mit Abstand folgen die ebenfalls kreisfreien Städte Bielefeld (108), Bochum (102) und Dortmund (97). Mit einem Wert von 95 folgt der erste Flächenkreis, der Kreis Paderborn, vor dem Ennepe-Ruhr-Kreis mit 93. Am Ende der Rangfolge liegen die Kreise Warendorf (66) und Höxter (57) sowie die kreisfreien Städte Herne (64) und Gelsenkirchen (63).
Zu vermuten ist, dass die .de-Statistik u. a. auch die wirtschaftliche Situation der Regionen widerspiegelt. Besonders wenig angemeldete Internetdomains pro 1.000 Einwohner befinden sich in den strukturschwachen Städten der Emscher-Lippe-Zone sowie in den ländlich strukturierten Flächenkreisen.
Die größte absolute Anzahl von .de-Domains in Westfalen ist in Dortmund zu finden, gefolgt von Münster und dem Kreis Recklinghausen. Weniger als 10.000 Adressen gibt es jeweils in den Kreisen Olpe und Höxter sowie in der kreisfreien Stadt Bottrop (Tab. 2).
Die größten Steigerungen der letzten fünf Jahre sind überwiegend in den Flächenkreisen zu finden, angeführt vom Kreis Coesfeld, der von 1999 bis 2004 seine .de-Domainanzahl um mehr als 800% steigern konnte. Aber auch die Kreise Recklinghausen (721%), Steinfurt (728%), Unna (783%), Borken (741%), Olpe (727%) und der Hochsauerlandkreis (731%) weisen überdurchschnittliche Entwicklungen auf. Bei den kreisfreien Städten fällt vor allem Hamm mit einer Steigerung von 792% auf. Insgesamt haben die bisher unterdurchschnittlich mit .de-Domains ausgestatteten Kreise und Städte aufgeholt.
Auffallend geringe Steigerungsraten, bei schon unterdurchschnittlicher Gesamtanzahl, sind wiederum in den vom Strukturwandel und von Bevölkerungsverlusten besonders betroffenen Städten des Ruhrgebietes anzutreffen, vor allem in Bottrop, Herne und Hagen.
Daher ist festzuhalten, dass die Ausstattung mit .de-Domains und vor allem die Steigerungsraten von neuen Adressen auch auf wirtschaftliche Veränderungen und Bevölkerungsentwicklungen Hinweise geben können.
Im deutschlandweiten Vergleich weist Nordrhein-Westfalen mit 104 .de-Domains pro 1.000 Einwohner ein überdurchschnittliches Ergebnis auf. Dieser Wert wird aber im Landesteil Westfalen nur von Münster, Bochum und Bielefeld erreicht. Besonders in weiten Teilen der überwiegend ländlich geprägten Kreise ist ein Defizit zu verzeichnen. Hier gilt es, den Privatpersonen, aber vor allem den Unternehmern die Bedeutung und Außenwirksamkeit einer Internetadresse deutlich zu machen. Gleiches gilt auch für die Nutzung des Internets insgesamt.
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Krymalowski, M. D. (2000): Die regionale Verteilung von Domainnamen in Deutschland. Diplomarbeit im Fach Wirtschafts- und Sozialgeographie der Universität zu Köln. (www.denic.de/media/pdf/dokumente/da_krymalowski.pdf) |
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TNS Infratest (Hg.) (2005): (N)Onliner Atlas 2005. Eine Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland. Eine Untersuchung in Zusammenarbeit mit der Initiative D21. o. O. (www.initiatived21.de; abgerufen im April 2006) |
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www.denic.de (DENIC Domain Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft eG, verschiedene Statistiken; abgerufen im April 2006) |
Erstveröffentlichung 2007
