Die Weser und ihr Gewässereinzugsgebiet in Westfalen

Die Weser ist der größte, in Westfalen fließende Fluss (Strom) mit einer Gesamtlänge von 451 km und einem Einzugsgebiet von rd. 46.000 km2. Sie entsteht durch die beiden Quellflüsse Werra und Fulda, die ihre Quellen im Thüringer Wald bzw. in der Rhön haben und sich in Hannoversch Münden zur ab hier durchgängig schiffbaren Weser vereinigen. Sie wird unterteilt in Oberweser (bis zur Porta Westfalica bzw. bis zum Wasserstraßenkreuz in Minden), Mittelweser (bis Bremen), Unterweser (bis Bremerhaven) und Außenweser. Weitgehend in ihrem natürlichen Bett fließend, ist sie jedoch bis heute durch den Kalibergbau an Werra und Fulda mäßig bis kritisch belastet.

Abb. 1: Die Weser und ihr Gewässereinzugsgebiet (Quelle: Bartholomew and Times Books 1993; eigener Entwurf)

Das Gewässereinzugsgebiet der Weser reicht im Osten bis nach Sachsen-Anhalt (Aller) und Thüringen (Werra), im Süden bis ins nördliche Bayern (Fulda), im Westen bis ins Rothaargebirge (Eder) und ins Osnabrücker Land (Hunte) sowie im Norden bis zur Mündung in die Nordsee bei Bremerhaven (Abb. 1).

Es wird angenommen, dass bis in die Zeit des Frühneuhochdeutschen (14.–17. Jh.) die heutigen Flüsse Werra und Weser mit einer Gesamtlänge von 751 km als ein Fluss galten und somit die Fulda als Nebenfluss der Weser betrachtet wurde.

Die im Vergleich zur Werra (300 km) mit einer Länge von 220 km vermeindlich kleinere Fulda führt aufgrund ihres größeren Gewässereinzugsgebietes mit einer mittleren Abflussmenge von 67 m3 mehr Wasser zur Weser als die Werra (51 m3) und ist deshalb hydrologisch betrachtet der eigentliche Hauptfluss.

Der längste Nebenfluss der Weser ist mit 214 km die in der Magdeburger Börde entspingende Aller vor der aus dem Wiehengebirge kommenden Hunte (173 km). Allerdings weist die Leine als Nebenfluss der Aller eine Länge von 280 km auf und bringt zusätzlich bei ihrer Mündung auch eine höhere mittlere Abflussmenge als die Aller selbst mit.

Abb. 2: Die Weser und ihr Gewässereinzugsgebiet in Westfalen und in angrenzenden Bereichen (Quellen: Geobasis NRW, Institut für Angewandte Geodäsie; eigener Entwurf)

Die Weser in Westfalen

Westfalen wird vom Lauf der Weser nur in seinem östlichen Bereich berührt. Sie fließt lediglich in mehreren unterbrochenen Abschnitten auf einer Gesamtlänge von 107 km auf westfälischem Territorium. Davon bildet sie auf 28 km die Grenze zu Niedersachsen und auf rd. einem Kilometer die Grenze zu Hessen (Abb. 2).

Über das Gewässereinzugsgebiet der Weser wird zwar rd. 23% der Fläche Westfalens (= 4.900 km2) entwässert, jedoch macht dies nur rd. 10,5% des gesamten Wesereinzugsgebietes aus.

Die Wasserscheide 1. Ordnung führt als westliche Begrenzung des Gewässereinzugsgebiets der Weser in Westfalen von Norden kommend bei Borgholzhausen über die Kämme des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges. Oberhalb und parallel zur Diemel in südwestlicher Richtung sich fortsetzend, erreicht sie die Briloner Hochfläche und anschließend die Kammlagen des Rothaargebirges. Sie trennt hier das Gewässereinzugsgebiet der Weser von dem des Rheins. Bedingt durch den Verlauf der Eder reicht hier das Gewässereinzugsgebiet der Weser keilförmig bis weit ins Sauer- und Siegerland hinein.

Außer dem südlichen Teil des Kreises Siegen-Wittgenstein wird somit der gesamte östliche Bereich Westfalens über die Weser zur Nordsee entwässert. Das sind die gesamten Kreise Minden-Lübbecke, Herford und Höxter sowie Teile der kreisfreien Stadt Bielefeld, der Kreise Gütersloh und Lippe, des Hochsauerlandkreises sowie des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Eder

Die Eder entspringt 621 m ü. NHN auf dem südlichen Rothaargebirge (Ederkopfhöhen) in unmittelbarer Nähe zu den Quellen von Sieg und Lahn (s. Beitrag Pohlmann), die jedoch beide zum Rhein entwässern. Nur ein Abschnitt des Eder-Oberlaufs (ca. 45 km) der gesamten 176 km bis zur Mündung in die Fulda liegt in Westfalen. Die wichtigsten Nebenflüsse/-bäche in diesem Bereich münden linksseitig. Sie entspringen im Rothaargebirge, fließen in südlicher bzw. südöstlicher Richtung zur Eder ab und bilden naturräumlich gemeinsam mit der Eder die "Berleburger Kammer".

Die bereits in Hessen liegende Edertalsperre (ca. 200 Mio. m3 Speicherraum) wurde 1914 u.a. zum Zweck der Wasserstandsregulierung und Sicherstellung des Schiffsverkehrs auf der Oberweser sowie der Wasserversorgung des Mittellandkanals fertiggestellt (Abb. 2).

Die Eder weist bei ihrer Mündung in die Fulda den höheren mittleren Abfluss auf. Da im weiteren Verlauf auch die Fulda der wasserreichere Weserquellfluss ist, befindet sich, hydrologisch betrachtet, der Weserursprung in Westfalen.

Diemel

Die Diemelquelle befindet sich im hessischen Upland nur wenige Meter nördlich der Grenze zu Westfalen (Abb. 2). Auf einer Länge von 176 km fließt sie zunächst im Grenzbereich zwischen dem Nordhessischen Bergland und der Briloner- bzw. Paderborner Hochfläche. Im Oberlauf bildet sie den auf der Grenze zu Westfalen liegenden Diemelsee (ca. 20 Mio. m3 Speicherraum), welcher ebenfalls zu den wasserregulierenden Bauwerken im Einzugsbereich der Weser zählt. Die Diemel mündet im hessischen Bad Karlshafen als südlichster linksseitiger Nebenfluss der Weser.

Nethe und Emmer

Beide Flüsse entwässern den Raum östlich des Eggegebirges bis zur Weser (Abb. 2). Mit einer Flusslänge von 50 km durchfließt die Nethe das Oberwälder Land und bildet im Unterlauf in einem weiten Muldental den nach ihr benannten Nethegau. Die Emmer (62 km) durchfließt die Steinheimer Börde und bildet bei Schieder den Emmerstausee.

Werre

Sie weist bei einer Länge von 71 km in Westfalen das größte Teileinzugsgebiet (rd. 1.500 km2) der Weser auf. Die Werre entwässert gemeinsam mit der Bega das Lipper Bergland (Abb. 2). Da die Bega bis zu ihrer Mündung in die Werre die größere mittlere Abflussmenge bringt, ist sie, hydrologisch betrachtet, der eigentliche Hauptfluss. Bei Löhne mündet als weiterer Nebenfluss die Else. Sie führt auch über die Hase-Else-Bifurkation Wasser aus dem Einzugsgebiet der Ems zur Weser.

Große Aue, Flöthe und Bastau

Die Große Aue entwässert mit ihren Nebengewässern Großer Dieckfluss, Kleine Aue und Wickriede den westlichen Bereich des Kreises Minden-Lübbecke (Abb. 2). Von ihrer Quelle im Wiehengebirge fließt die Große Aue nordostwärts und mündet bei Nienburg in die Mittelweser.

Die Flöthe fließt, aus Entwässerungsgräben des Großen Torfmoores (bei Lübbecke) stammend, wasserscheidenüberschreitend sowohl nach Westen zur Großen Aue als auch nach Osten in die Bastau.

Aue und Gehle

Dies sind die einzigen nennenswerten Flüsse, die in Westfalen rechtsseitig der Weser zufließen. Die Aue (auch Bückeburger Aue) entspringt am Süntel (Abb. 2) und mündet nach ca. 40 km in die Mittelweser. Die Gehle entspringt südöstlich des Schaumburger Waldes, hat eine Länge von 27 km und ist der nördlichste Nebenfluss der Weser in Westfalen.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2016

Publikationsdatum: 07.04.2017

Autoren: Pohlmann (Autor)

Schlagworte: Gewässer, Hydrogeologie, Weser

Region: Weserbergland