
von Karl-Heinz Otto
Inhalt
Naturparke "... bewahren und entwickeln Natur und Landschaft mit und für Menschen" (www.naturparke.de/pages/nature_park). Naturparke sind ausgewiesen worden, um großflächige Kulturlandschaften, die aus Gründen des Naturschutzes und wegen ihrer Eigenart und Schönheit von herausragender Bedeutung sind, zu erhalten, zu pflegen, zu entwickeln oder wiederherzustellen. Naturparke vereinen den Schutz und die Nutzung von Natur und Landschaft. In ihnen wird das Gleichgewicht zwischen intakter Natur, wirtschaftlichem Wohlergehen und guter Lebensqualität angestrebt. Naturparke sind insofern Landschaften mit Vorbildcharakter für die Genese ländlicher Regionen insgesamt und bieten im Besonderen die Möglichkeit, dort die nachhaltige Entwicklung zielführend voranzutreiben.
Naturparke bilden nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) – wie die Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate und Landschaftsschutzgebiete – eine eigene Gebietsschutzkategorie. Naturparke sind gemäß § 27 BNatSchG "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die
1. großräumig sind,
2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind,
3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird,
4. nach den Erfordernissen der Raumordnung für die Erholung vorgesehen sind,
5. der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird,
6. besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern."
Demnach dienen die Naturparke sowohl dem Schutz und Erhalt der gewachsenen Kulturlandschaften mit ihrer Biotop- und Artenvielfalt – dies wird besonders über Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete gewährleistet – als auch der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus sowie einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung.
In Deutschland sind derzeit 101 Naturparke ausgewiesen, die insgesamt ca. 25% der Fläche der Bundesrepublik Deutschland umfassen. Von den 14 Naturparken in Nordrhein-Westfalen, die etwa 30% der Landesfläche einnehmen, liegen fünf Schutzgebiete ausschließlich und vier zum Teil in Westfalen (Abb. 2). Die Gebietsgrößen der rein westfälischen Naturparke reichen von 482 km2 (Arnsberger Wald) bis zu 2.711 km2 (Teutoburger Wald/Eggegebirge).
Naturparke orientieren sich nicht an politischen Grenzen, sondern an Naturräumen. Deshalb gibt es auch länderübergreifende Naturparke in Deutschland (z. B. Naturpark Dümmer, Abb. 2) und staatsübergreifende in Europa (z. B. Naturpark Maas-Schwalm-Nette). In anderen europäischen Staaten (z. B. Österreich, Slowenien) sind ebenfalls Schutzgebiete ausgewiesen, die mit den deutschen Naturparken vergleichbar sind.
Die Geburtsstunde der Naturparke in Deutschland ist am 6. Juni 1956. An jenem Tag hielt der Hamburger Großkaufmann Dr. Alfred Toepfer in der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn einen wegweisenden Vortrag: "Naturschutzparke – eine Forderung unserer Zeit". Darin stellte er erstmals ein Entwicklungsprogramm für 25 Naturparke vor. Dem ersten Naturpark, Hoher Vogelsberg, der 1957 zunächst noch als "Naturschutzpark" bezeichnet wurde, folgten 1958 die Südeifel und der Pfälzer Wald. Bis zur Wiedervereinigung blieb die Anzahl der ausgewiesenen Naturparke mit 64 zunächst lange Zeit konstant. Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 wuchs dann aber ihre Zahl bis heute deutschlandweit auf 101 an.
Am 10. Oktober 1963 erfolgte in Irrel in der Südeifel die Gründung des Verbandes Deutscher Naturparke e. V. (VDN), der seitdem seine Pflichten als nationale Dachorganisation wahrnimmt. Die Ziele und Aufgaben der deutschen Naturparke wurden vom VDN 1984 erstmalig umrissen sowie 1995 und 2001 grundlegend überarbeitet. Anlässlich des 50. Jahrestages der Naturparkidee wurde das Jahr 2006 zum Jahr der Naturparke erklärt, mit dem Motto "Natürlich Naturparke". Bundespräsident Horst Köhler übernahm dafür die Schirmherrschaft. Ein wichtiger Meilenstein, den der VDN in diesem Jubiläumsjahr erarbeitet hat, ist das sog. "Petersberger Programm der Naturparke in Deutschland". Hier wurden Schwerpunkte der Entwicklung der Naturparke in den kommenden Jahrzehnten formuliert, um den Beitrag der Naturparke für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, zur Integration von Naturnutzung und Naturschutz im Zuge einer nachhaltigen Regionalentwicklung sowie zur Erholung, Information und Bildung der Bevölkerung weiter auszubauen. Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, hat der VDN die Qualitätsoffensive Naturparke entwickelt. Sie ist ein Mittel zur Selbsteinschätzung und zur dauerhaften Verbesserung der Qualität von Arbeit und Angeboten in den Naturparken und zugleich ein Instrument, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für eine noch breitere Unterstützung der Naturparke zu gewinnen.
Zu den zentralen Aufgaben jedes Naturparks zählen die Umweltsensibilisierung und die Landschaftsinterpretation. In immer mehr Naturparken werden anspruchsvolle Touren und Vorträge von qualifizierten Natur- und Landschaftsführern angeboten. Neben der Fauna und Flora sowie der Landschaftsgeschichte stehen dabei oftmals auch geographische, geologische, archäologische und/oder kulturelle Aspekte auf der Angebotsliste.
Der Natur vor Ort zu begegnen, ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Vor allem Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen, Familien mit Kindern und älteren Menschen ist dies oftmals gemeinsam nicht oder nur eingeschränkt möglich, weil die Angebote dies vielfach nicht erlauben. Deshalb haben zahlreiche Naturparke in den letzten Jahren Möglichkeiten geschaffen, die es allen Menschen gestatten, Natur und Kulturlandschaften hautnah zu erkunden. Hierzu gehören u. a. barrierefreie Wanderwege, Exkursionen mit Gebärdendolmetschern, tastbare Reliefkarten, Schifffahrten für Rollstuhlfahrer, Duft- und Tastgärten für Blinde (NatKo/VDN 2009).
Zahlreiche Naturparke haben spezielle Angebote für Schulen in ihrem Programm, damit Schülerinnen und Schüler Natur und Kulturlandschaften außerhalb des Klassenzimmers erleben und entdecken können. Eine geführte Exkursion in einen nahegelegenen Wald ist ebenso möglich wie eine Bootstour während der Klassenfahrt oder auch ein Ausflug zum nächsten Naturparkzentrum. Im Rahmen des Projektes "Natur macht Schule", das im Jahr 2007 durchgeführt und von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde, hat der VDN u. a. zahlreiche Unterrichtsmaterialien erstellt, die neben Sachinformationen, Waldspielen und anderen Aktionsideen auch konkrete Arbeitsblätter mit Aufgabenvorschlägen enthalten (VDN 2009).
In Nordrhein-Westfalen wurde in 2008 erstmals ein Naturparkwettbewerb durchgeführt. Die beiden Erstplazierten dieses Wettbewerbs sind im Bereich Westfalen der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge (s. Beitrag Peters) und im Bereich Rheinland der Naturpark Rheinland. Damit haben sie beide das Recht erworben, sich "Naturpark. 2009.Nordrhein-Westfalen" zu nennen. Der Aufruf zur Beteiligung am nächsten Naturparkwettbewerb "Naturpark. 2012. NRW" ist bereits erfolgt.
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LÖBF Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (Hg.) (2005): Natur und Landschaft in Nordrhein-Westfalen 2005. Grundlagen, Zustand, Entwicklung. Recklinghausen |
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MUNLV Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW (Hg.) (2006): Naturparke in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf |
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NatKo Nationale Koordinierungsstelle Tourismus für Alle e. V. und VDN Verband Deutscher Naturparke e. V. (Hg.) (2009): Naturparke für Alle – Barrierefreies Naturerleben in Deutschland. Düsseldorf/Bonn |
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VDN Verband Deutscher Naturparke (Hg.) (2009): Unterrichtsmaterialien: Naturparke machen Schule. Bonn |
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www.naturparke.de |
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www.umweltdigital.de |
Erstveröffentlichung 2009