
von Wolfgang Peters
Inhalt
Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge liegt im Nordosten Nordrhein-Westfalens an der Grenze zwischen den deutschen Mittelgebirgen und dem Norddeutschen Tiefland (Abb. 1).
1965 wurde er als Zweckverband gegründet. Zu seinen Mitgliedern gehören die Kreise Höxter, Lippe, Paderborn, Gütersloh und der Hochsauerlandkreis sowie die kreisfreie Stadt Bielefeld.
Namengebend waren bei seiner Gründung die beiden landschaftlich prägenden Mittelgebirgszüge Teutoburger Wald und Eggegebirge, die – bezogen auf die Entwicklung des Naturparks – zunächst sein Kern- und Gründungsgebiet ausmachten. Durch ständige Erweiterungen der Gebietskulisse umfasst er heute eine Fläche von 2.711 km2 und ist damit der größte Naturpark in NRW.
Die vielfältigen Naturräume werden durch die unterschiedlichen geologischen Formationen geprägt. Neben den erwähnten Gebirgszügen liegen das Lipper Bergland, das Oberwälder Land, Teile der Karstlandschaft der Paderborner Hochfläche als Übergangsräume zwischen Mittelgebirge und Tiefland sowie Teile der Senne im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge. Die höchste Erhebung ist der Köterberg als Teil des Weserberglandes mit 496 m über NN.
Der Waldanteil – wesentlich geprägt durch Buche, Eiche, Fichte und Kiefer – umfasst rd. 30% der Naturparkfläche und hat damit einen deutlich höheren Flächenanteil als im Landesdurchschnitt; bemerkenswert ist der hohe Laubwaldanteil. Ca. 75% der Fläche sind Landschaftsschutzgebiete, 10% sind als Naturschutzgebiete und 14% als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen.
Klimatisch befindet sich der Naturpark im Übergangsbereich vom atlantisch zum kontinental geprägten Klima. Es dominiert ein Schonklima mit leichten bis mäßigen Klimareizen, das durch den Waldreichtum beeinflusst wird. Der Grenzverlauf zwischen atlantischem und kontinentalem Klima ist im Naturpark durch die Verbreitung klimatypischer Pflanzenarten erkennbar. So ist die Stechpalme als Vertreterin des atlantischen Klimas im Teutoburger Wald und im Eggegebirge zu finden, wo sie z. T. ausgedehnte Dickichte bildet. In den ostwärts liegenden Wäldern des Lipper Berglandes kommt sie dagegen nicht mehr vor. Auf den neu eingerichteten "KlimaErlebnisRouten" des Naturparks erfährt der Besucher Interessantes über die Wechselwirkungen von Klima, Natur und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und wie sich die Klimaverhältnisse aus historischer Zeit noch heute in der Landschaft ausprägen.
Die unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse spiegeln sich auch in den jährlichen Niederschlagsmengen wider; sie liegen zwischen 625 mm bei Warburg und 1.132 mm bei Feldrom am Eggegebirge.
Verschiedene artenreiche Buchenwaldtypen bestimmen das Bild der Landschaft. Im Teutoburger Wald und Eggegebirge nimmt auch die Fichte große Flächen ein. Am Westrand der Gebirgszüge finden sich verschiedene Moore, die wegen ihrer Seltenheit unter Naturschutz stehen. Grünland gibt es im Naturpark in ganz unterschiedlichen Formen. Neben dem Wirtschaftsgrünland sind viele Magerrasenareale und Feuchtwiesen als wertvolle und artenreiche Lebensräume erhalten geblieben.
Die vielfältigen Naturräume bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Oft sind bei Wanderungen Reh-, Rot-, Dam- und Schwarzwild zu sehen. Die großen und unzerschnittenen Wälder bieten aber auch sehr störungsempfindlichen Tierarten Raum zum Überleben. Zu diesen Tieren zählt u. a. der Schwarzstorch, der – im Gegensatz zu dem häufiger zu sehenden Weißstorch – ein Waldbewohner ist. 6% der Naturparkfläche mit Schwerpunkten im Teutoburger Wald und der Egge sind Vogelschutzgebiete. Auch die sehr seltene Wildkatze, die bis auf Restpopulationen im Harz und der Eifel in Deutschland schon als ausgestorben galt, kommt im Naturpark vor. Die größte Gefährdung für das sehr scheue und nachtaktive Tier geht heute von der intensiven Nutzung der Landschaft durch Landwirtschaft, Besiedlung und Verkehr aus.
Verkehrstechnisch günstig gelegen und von den Ballungszentren des Ruhrgebiets oder den Großstädten Kassel und Hannover leicht zu erreichen, bietet der Naturpark von seiner Landschaftsästhetik her viele Möglichkeiten zur Erholung und Freizeitgestaltung. Das Gebiet zwischen Teutoburger Wald und Weser ist besonders reich an natürlichen Heilmitteln wie Moor, Sole, Thermal- und Mineralquellen. Dazu kommt das milde Schonklima. Wegen der großen Dichte an Kurorten hat die Region auch den Beinamen "Heilgarten Deutschlands" erhalten (s. Beitrag Gerbaulet). Zu den bekannten Heilbädern Bad Salzuflen, Bad Meinberg und Bad Driburg kommen noch zahlreiche (Luft-)Kurorte.
Ein umfassendes Wander- und Radwegenetz bietet Möglichkeiten zu erlebnisreicher Aktiverholung. Mit den Hermannshöhen, die den Hermannsweg und den Eggeweg als traditionsreiche Wanderstrecken zusammenführen, führt einer der Top-Trails Deutschlands durch den Naturpark.
Der Naturpark besitzt eine Vielzahl an Natur- und Kultursehenswürdigkeiten. Die bekanntesten sind zweifellos die Externsteine, das Hermannsdenkmal und das ehemalige Kloster Corvey mit seinem beeindruckenden Westwerk (Abb. 2). Neben den über 1.000 Naturdenkmalen sind das wild-romantische Silberbachtal, die Hardehauser Klippen sowie der nördlichste Vulkan Deutschlands bei Sandebeck beachtenswert. Zu den kulturgeschichtlichen Höhepunkten zählen u. a. die vielen historischen Stadtkerne, die große Dichte an Schlössern, Burgen, Parks, Museen und zahlreiche alte Klöster in den großen südlichen Landschaftsräumen des Naturparks.
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Lippert, W. (1996): Das Eggegebirge und sein Umland. Bad Driburg |
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Schierholz, S. (2009): Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge. Bielefeld |
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www.naturpark-teutoburgerwald.de |
Erstveröffentlichung 2009