Die Ruhr und ihr Gewässereinzugsgebiet

Nach der Lippe (s. Beitrag Pohlmann) ist die Ruhr der zweitlängste in Westfalen fließende Fluss (171 km) mit einer Gesamtlänge von 219 km. Sie entwässert als Gewässer 2. Ordnung mit ihren zahlreichen Nebenflüssen/-bächen den größten Teil des zum Rheinischen Schiefergebirges gehörenden Sauerlandes. Der Bereich von Mülheim bis zur Mündung wird naturräumlich zur Niederrheinischen Bucht gerechnet. Über den Rhein (Gewässer 1. Ordnung) und seinen Mündungsarmen gelangt das Wasser aus dem Bereich der Ruhr zur Nordsee bzw. zum IJsselmeer.

Gewässereinzugsgebiet

Das Gewässereinzugsgebiet der Ruhr umfasst 4.500 km2, davon gehören rd. 4.200 km2 zu Westfalen. Am Ebbegebirge und im Raum Winterberg werden mit bis zu 1.500 mm die höchsten Jahresniederschläge Westfalens gemessen. Die zahlreichen, aus Kluft- und Karstgrundwasserleitern stammenden Austritte im Einzugsgebiet der Ruhr machen 45% aller Quellen Westfalens aus.

Das Einzugsgebiet wird im Norden abgegrenzt durch die Bochumer Lössebene, die Castroper Hochfläche, das Ardeygebirge, den Haarstrang, das Alme-Bergland und die Briloner Hochfläche (Wasserscheide 2. Ordnung zu den Einzugsgebieten von Emscher und Lippe). Die Wasserscheide trennt dabei die Westfälische Bucht vom Sauerland. Im Osten bildet das Willinger Bergland die Wasserscheide 1. Ordnung zum Einzugsgebiet der Weser (s. Beitrag Pohlmann). Der weitere Verlauf wird bestimmt durch die Kammlagen des Rothaargebirges und entspricht etwa der Grenze zum Kreis Siegen-Wittgenstein, wobei südlich die Einzugsgebiete von Eder und Sieg angrenzen. Die Quelle der Bigge markiert im Süden, zusammen mit Wickede im Norden, die größte Nord-Süd-Ausdehnung.

Der weitere Verlauf in nordwestlicher Richtung entspricht z.T. dem Grenzverlauf Westfalens und trennt das Sauerland vom Bergischen Land. Bis auf einen "Grenzübertritt" ins Rheinland bei Radevormwald bleibt das Gewässereinzugsgebiet der Ruhr in diesem Bereich auf westfälischem Boden, bevor es dann nördlich von Wuppertal bis zur Ruhrmündung in den Rhein ca. 30 km in das Rheinland hineinragt.

Wasserwirtschaft

Die Ruhr ist namengebend für Deutschlands größtes Industriegebiet und hält mit ihrem Gewässersystem einen Rohwasserspeicher für ca. 4,6 Mio. Menschen vor. Der wassermengenmäßigen Bewirtschaftung durch den Ruhrverband dient das größte Talsperrensystem Deutschlands. Es sorgt in Trockenzeiten für eine Mindestwasseraufhöhung der Ruhr und vermindert in Phasen starker Niederschläge die Hochwassergefahr durch unterhalb fließende Nebenflüsse und der Ruhr selbst. Die größten Wasserentnahmebereiche zur Trinkwasseraufbereitung (hauptsächlich Flusswasser- und Uferfiltratgewinnung), in denen jährlich über 500 Mio. m3 Wasser entnommen wer den, befinden sich in Meschede-Freienohl, Wickede, Fröndenberg, Schwerte, Witten, Bochum und Essen.

Mit der heute vergleichsweise kleinen Heilenbecketalsperre (Ennepetal) wurde Ende des 19. Jh.s die erste Talsperre im Ruhreinzugsgebiet in Betrieb genommen. Die erst in den 1960er Jahren fertiggestellte Biggetalsperre bei Attendorn (s. Beitrag Krajewski/Schmitz) kann als größter See bis zu 40% des erforderlichen Zuschusswassers aller Talsperren über Bigge und Lenne an die Ruhr abgeben.

Abb. 1: Die Ruhr und ihr Gewässereinzugsgebiet (Quelle: Geobasis NRW; eigener Entwurf)

Verlauf und Nebengewässer

Die Ruhr entspringt aus mehreren Quellen am Ruhrkopf ca. 2,5 km nordöstlich von Winterberg auf 670 m ü. NHN. Bereits nach 16 Flusskilometern droht ihr beim Zusammenfluss mit der Neger der Name verlorenzugehen. Die hydrologische Gesetzmäßigkeit, dass bei einer Einmündung je weils das bis dahin längste und/oder wasserreichste Gewässer seinen Namen behält, wird hier jedoch nicht eingehalten.

Auf den ersten 20 km bis Olsberg verliert die Ruhr aufgrund des starken Sohlgefälles ca. 340 Höhenmeter. Rechtsseitige Nebenbäche sind der Hillebach und der Gierskoppbach. Ab Olsberg findet die Ruhr ihre Hauptfließrichtung: westwärts in Richtung Rhein. Während hier von rechts, aufgrund der nahen Wasserscheide im Arnsberger Wald, keine bedeutenden Zuflüsse zu verzeichnen sind, münden von links die aus dem Bereich der Hunau stammenden Flüsschen Elpe und Valme.

Ab der Einmündung der Henne (Meschede) ist die Ruhr talsperrenbeeinflusst und ihr Wasserstand unterliegt somit nicht mehr der natürlichen Abflussmenge.

Nachdem die Wenne mit ihrem Ursprung im Schmallenberger Land als bis dahin mit 31 km längster Nebenfluss mündet, kommt unterhalb von Arnsberg die Röhr hinzu. Sie hält in ihrem Einzugsgebiet mit der Sorpetalsperre ein weiteres Wasserreservoir vor.

Während auf älteren amtlichen topographischen Karten (vor 1971) die Möhnequelle im Bereich der obersten Goldbachquelle verzeichnet ist, befindet sie sich heute offiziell südlich des Briloner Kurparks. Doch wird der hier entspringende Bach "Hunderbecke" genannt. Erst ab dem Zusammenfluss von Hunderbecke und Aa gilt die Bezeichnung "Möhne" (Möhneursprung). Die Möhne speichert als zweitgrößter Nebenfluss der Ruhr im Möhnesee 25% des Ruhrzuschusswassers.

Hönne, Oese und Baarbach durchfließen in ihren Mittelläufen den Hagen-Iserlohner-Massenkalk und fallen dort zeitweilig trocken, was auch ein möglicher Grund hier fehlender Talsperren sein dürfte.

Die Lenne ist mit 129 km Flusslänge und einem Einzugsgebiet von 1.353 km2 größter und wasserreichster Ruhrnebenfluss und entspringt in einer wenig ergiebigen Quelle am Westhang des Kahlen Astens auf einer Höhe von fast 830 m ü. NHN. Sie bildet ein z.T. enges Erosionstal, wo sich bei Lennestadt und Plettenberg auf einer Fläche von 3 km2 mit bis zu 350 m Höhendifferenzen die größten Reliefenergien Westfalens befinden. Die Lenne mündet am Fuße der Hohensyburg (730 Höhenmeter unterhalb ihrer Quelle) in die Ruhr.

Vom Oberlauf abgesehen, unterliegt die Lenne fast vollständig der Wasserkraftnutzung und ist somit reichlich mit Querbauten versehen. Zusätzlich sind ihre Uferbereiche in den engen Tallagen, vor allem ab Altena, durchgehend mit Verkehrs- und Siedlungsflächen versiegelt.

Bis westlich von Schmallenberg bringen zahlreiche Bäche aus Hunau und Rothaargebirge Wasser aus einem Gebiet mit den höchsten Niederschlägen und der größten Quelldichte Westfalens zur oberen Lenne.

Die Hundem, kürzer als ihre Nebenbäche, sowie die Elspe werden in Lennestadt aufgenommen. Die Bigge, mit 45 km Länge und 370 km2 Einzugsgebiet größter Nebenfluss der Lenne, ist mit Bigge- und Listertalsperre auch wichtigster Wasserhaushaltsregulierer im gesamten Gewässersystem der Ruhr. Ab Einmündung der Bigge ist auch der Abfluss der Lenne talsperrenbeeinflusst. Bei Plettenberg kommt mit der Else und der von der Oester gespeisten Oestertalsperre ein weiteres abflussreguliertes Gewässer hinzu.

Die am Nordwestrand des niederschlags- und quellreichen Ebbegebirges als Fürwigge beginnende Verse steuert mit zwei weiteren, kleinen Stauseen den Abfluss von Lenne und Ruhr. Die unterhalb von Lüdenscheid entspringende Rahmede nimmt in ihrem Mittellauf die weniger als einen Kilometer lange Fuelbecke auf, deren Stausee durch mehrere Quellbäche gespeist wird.

Nahmer von links und Grüner Bach von rechts sind die untersten hier genannten Nebenbäche der Lenne, bevor diese mit einer mittleren Abflussmenge von 25 m3/s das Volumen der Ruhr fast verdoppelt.

Ab der Lennemündung abwärts ist die Ruhr selbst durch fünf Stauseen geprägt: Hengsteysee, Harkortsee, Kemnader See, Baldeneysee und Kettwiger See.

Zwischen Hengstey- und Harkortsee mündet die 51 km lange Volme. In einigen Abschnitten renaturiert, ist sie selbst talsperrenfrei. Ab ihrem Mittellauf wird sie jedoch durch die Stauseen von Jubach und Glör beeinflusst. Die in Hagen einmündende Ennepe weist in ihrem Einzugsgebiet neben der Ennepetalsperre die Heilenbecketalsperre und die Hasper Talsperre auf.

Der in den Kemnader See mündende Oelbach ist das einzige, aus dem Quellgebiet des Castroper Höhenschotter stammende Gewässer, welches zur Ruhr fließt.

Da sich das Einzugsgebiet der Ruhr ab hier zwischen dem der Emscher und der Wupper deutlich verengt, gelangen nur noch kurze Bäche mit geringen Abflussmengen zur Ruhr (u.a. Pleßbach, Deilbach und Rinderbach). In diesem Bereich sind im Vergleich zum oberen und mittlerem Ruhreinzugsgebiet deutlich geringere Jahresniederschläge (730 mm) und eine wesentlich geringere Quellendichte zu verzeichnen.

Ab Mülheim ist die Ruhr auf ihren letzten zwölf Flusskilometern für den Güterverkehr schiffbar. Der führt allerdings ab dem Schloss Styrum nicht durch den natürlichen Ruhrbogen, sondern durch den "Schifffahrtskanal". Nur 3 km weiter westlich mündet unterhalb einer Schleuse der Rhein-Herne-Kanal, bevor die Ruhr in Duisburg-Ruhrort auf 20 m ü. NHN den Rhein erreicht.

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Weiterführende Literatur/Quellen

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Erstveröffentlichung 2016

Publikationsdatum: 26.04.2017

Autoren: Arens (Autorin), Pohlmann (Autor)

Schlagworte: Gewässer, Hydrogeologie, Ruhr, Wasserversorgung

Region: Ruhrgebiet, Sauer-/Siegerland