
von Karl-Heinz Otto
Findlinge, die man in der geologischen Fachsprache auch "erratische Blöcke" oder "Großgeschiebe" nennt, sind in Westfalen vielerorts zu finden. Zu den bekanntesten Findlingen im westfälischen Raum zählen der "Große Stein" von Tonnenheide nahe Rahden, der mit einem Gewicht von 271,3 t und einem Volumen von 102,4 m3 zugleich der größte Findling Westfalens ist, der "Große Johannisstein" in Lage bei Detmold (103,6 t/39,1 m3) und das "Holtwicker Ei" (28,3 t/10,8 m3) (Speetzen 1998).
Bis Anfang des 19. Jh.s galten die zum Teil riesigen Blöcke bei vielen Forschern als Zeugen der Sintflut. Der Schweizer Louis Bourguet sah um 1740 die Findlinge des Alpenvorlands als vom Himmel gefallene Steine an. Sein Landsmann J. A. de Luc hielt sie 1779 für vulkanische Auswürflinge. Der deutsche Geologe Leopold von Buch betrachtete 1811 große Blöcke als das Resultat urplötzlicher, gigantischer Sturzfluten, die unter den Alpen hervorgebrochen seien. Er übertrug diese Deutung auf die Findlinge im norddeutschen Tiefland. Johann Wolfgang von Goethe glaubte 1828, die Erratica seien bodenständige Trümmer ehemaliger Felsmassen. Erst als der schwedische Geologe Otto Torell im Jahr 1875 in der Nähe von Berlin Gletscherschrammen auf den Geschiebeblöcken entdeckte und damit der Inlandeistheorie zum Durchbruch verhalf, wurde das Rätsel um die Findlinge endgültig gelöst. Findlinge sind demnach eiszeitliche (glaziale) Ablagerungen, die durch Inlandeis- oder Gletscherströme an ihre gegenwärtigen Positionen transportiert wurden.
Die Findlinge Westfalens sind während der vorletzten großen Vereisungsperiode in Nordeuropa, der Saale-Eiszeit (vor 240.000 - 125.000 Jahren), an ihre Ablagerungsstellen verdriftet worden. Während der Saale-Vereisung erfolgte der weiteste Vorstoß der Eismassen in Westfalen in südlicher Richtung; und zwar im Drenthe-Stadium. Dabei erreichte das Inlandeis etwa die Linie Düsseldorf - Dortmund - Paderborn (s. Beitrag Liedtke). Diese ist damit zugleich die südlichste Grenze der glazialen Verbreitung der Findlinge in Westfalen (Abb. 2).
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Holtwicker Heimatverein (1992): Holtwicker Dagblatt. Holtwick |
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Otto, K.-H. (2004): Der Kreis Borken - Lage und Naturraum. In: Heineberg, H. und K. Temlitz (Hg.): Städte und Gemeinden in Westfalen, Band 9. Münster, S. 1-40 |
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Schallreuter, R. (1987): Geschiebekunde in Westfalen. In: Geol. Paläont. Westf., Nr. 7. Münster, S. 5-13 |
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Schleicher, L. (1995): Der "Gronauer Brocken". Größter Findling im Westmünsterland. In: Der Oberkreisdirektor, Borken (Hg.): Westmünsterland. Jahrbuch des Kreises Borken 1995. Borken, S. 59-66 |
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Speetzen, E. (1993): Großgeschiebe (Findlinge) in der Westfälischen Bucht und angrenzenden Gebieten und ihre Bedeutung für die Eisbewegung. In: Skupin, K., E. Speetzen und J. G. Zandstra (1993): Die Eiszeit in Nordwestdeutschland. Zur Vereisungsgeschichte der Westfälischen Bucht und angrenzender Gebiete. Krefeld, S. 34-42 |
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Speetzen, E. (1998): Findlinge in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Gebieten. Krefeld |
Erstveröffentlichung 2007