
von Reiner Feldmann und Heinz Lienenbecker
Inhalt
Die Pflanzenwelt unseres Raumes setzt sich aus Arten zusammen, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten eingewandert sind. In der Gruppe der indigenen (altheimischen) Pflanzen überwiegen entsprechend der nacheiszeitlichen Florenentfaltung Arten der Waldgesellschaften. Seit dem Neolithikum und mit dem Sesshaftwerden des Menschen steigt sein Einfluss auf die umgebende Landschaft nach Umfang und Intensität stetig an. Das hat Auswirkungen auf die Flora. Mit dem Ackerbau wird eine Vielzahl von Begleitarten der angebauten Feldfrüchte ("Unkräuter") eingeschleppt. Andere werden als Heilpflanzen (Kalmus, Goldrute, Fingerhut, Eibisch, Engelwurz) oder als Zierpflanzen (Goldlack, Gelber Lerchensporn, Märzveilchen) eingeführt. Diese erste Gruppe gebietsfremder Arten, die bis in das Mittelalter hinein unter direkter oder indirekter, bewusster oder unbewusster Mithilfe des Menschen eingeführt wurden, nennen wir Archäophyten.
Nach der Entdeckung Amerikas bringt der zunehmende weltweite Handel eine Vielzahl neuer Arten nach Mitteleuropa. Ausgehend von den Umschlagplätzen Hafen und Güterbahnhof sowie von den Lager- und Verarbeitungsstätten, breitet sich ein Strom dieser Neophyten, der Neueinwanderer aus der Zeit nach 1500, aus aller Herren Länder aus. Die großen Lieferanten für den Transport und die Einführung der exotischen Arten waren: Wolle und Baumwolle (Verarbeitung der Ballen in Wollkämmereien), Obst und Südfrüchte (Heu und Stroh als Verpackungsmaterial), Ölfrüchte: Raps, Lein, Soja, Erdnuss (Verarbeitung in Ölmühlen), Getreide und Saatgut (auch heute noch: Grünlandeinsaaten mit Luzerne, Lupine, Ackersenf, Ägypterklee u. a.).
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Erstveröffentlichung 2007