
von Jürgen Herget
Die Lippe entspringt in 142 m Höhe mehreren Karstquellen in Bad Lippspringe und verläuft über 214 km am Südrand der Westfälischen Tieflandsbucht westwärts, ehe sie bei Wesel in den Rhein mündet. Mit einem durchschnittlichen Gefälle von nur 0,57‰ ist sie als typischer Flachlandfluss zu charakterisieren. Bedeutende Zuflüsse sind die Alme, die große Teile der Paderborner Hochfläche über ein unterirdisches Karstwassersystem entwässert, die Schledden am Haarstrang mit der Ahse und Seseke als größere Bäche sowie die Stever.
Bei einer ersten Betrachtung macht der Talboden einen natürlichen Eindruck. Der mäandrierende Flusslauf ist in die Niederung eingeschnitten und von dichtem Buschwerk begrenzt. Die geomorphologische Struktur des Talbodens der Lippe im Unterlauf westlich von Lünen zeigt eine für die Flussläufe Nordwestdeutschlands einmalige Gliederung der holozänen Flussterrassen. Im Oberlauf bis Lünen ist der Talboden in die hochwasserfreie weichseleiszeitliche Niederterrasse mitsamt der Aue als Hochwasserbett eingeschnitten. Durch Ablagerungen bei Hochwässern zeigt die Aue ein teilweise lebhaftes Kleinrelief mit Sandbänken und Uferwällen.
Unterhalb Lünen jedoch taucht aus dem Niveau der Aue ein weiteres Terrassenniveau auf, das zwischen die weichseleiszeitliche Niederterrasse und die Aue eingeschaltet ist. Dieses Zwischenniveau ist nicht bis zur Mündung der Lippe in den Rhein vorhanden, sondern verschmilzt unterhalb von Dorsten wieder mit der Aue. Im Raum Haltern ist diese Terrasse mit einer Höhe von rund 3 m über der Aue und rund 2 m unter der Niederterrasse am deutlichsten ausgebildet. Die Verebnungsfläche der Terrasse ist durch rund 1 - 2 m tief eingeschnittene Rinnen unterbrochen, was zur inselartigen Ausbildung des Niveaus und zur charakteristischen Benennung als Inselterrasse geführt hat. Die Aue als erstes Terrassenniveau oberhalb der Flussrinne ist typischerweise als schmaler flussrinnenparalleler Streifen von rund 3 m Breite ausgebildet.
Beitrag als PDF-Datei ansehen/speichern (Größe: 1,6 MB)
![]() |
Bremer, E. (2001): Die Nutzung des Wasserweges zur Versorgung der römischen Militärlager an der Lippe. In: Geographische Kommission für Westfalen (Hg.): Siedlung und Landschaft in Westfalen, Nr. 31. Münster, S. 1-111 |
![]() |
Herget, J. (1997): Die Flußentwicklung des Lippetals. In: Bochumer Geographische Arbeiten, Heft 62. Bochum |
![]() |
Herget, J. (2000): Development of the Holocene valley bottom of the River Lippe (Germany): a case study of anthropogenic influence. In: Earth Surface Processes and Landforms, 25-3. o.O., S. 293-305 |
![]() |
Koppe, W. (2004): Die Lippewasserstrasse - Schifffahrt auf Lippe und Lippe-Seitenkanal im Rahmen der nordwestdeutschen Binnenschifffahrtsgeschichte. Bielefeld |
Erstveröffentlichung 2007