von Peter Wittkampf
Da die Ziele und Inhalte des Erdkundeunterrichts nur selten durch unmittelbare "Anschauung" der Objekte, also durch die "originale Begegnung" vermittelt werden können, ist der Einsatz adäquater Darstellungs- und Arbeitsmittel unverzichtbar. Die wichtigsten sind - neben den Texten - vor allem Bilder, Karten und Pläne, Zeichnungen und Skizzen, Diagramme, Filme, Blockbilder und Profildarstellungen, Tabellen und Statistiken.
Diese Darstellungs- und Arbeitsmittel haben jeweils in der Regel noch mehrere "Unterarten". Man denke beispielsweise nur an die verschiedenen Diagrammarten oder Typen von Bildern und Luftbildern. In kaum einem anderen Schulfach ist man so sehr auf die unterschiedlichsten Medien angewiesen wie in der Erdkunde.
In den neueren Schulbüchern nehmen die nicht-textlichen Darstellungs- und Arbeitsmittel inzwischen den meisten Raum, also mehr als die Hälfte des gesamten Platzvolumens, ein. Ihre Auswahl ist dabei u. a. auch lernpsychologisch begründbar. Eine Durchsicht der ab 2003 erschienenen Unterrichtswerke für das Fach Erdkunde für die Gymnasien Nordrhein-Westfalens zeigt, dass innerhalb der nicht-textlichen Darstellungs- und Arbeitsmittel in der Jahrgangsstufe 5 die Fotos mit 48% am häufigsten vertreten sind, gefolgt von Skizzen und Zeichnungen (16%), Karten und Plänen (z. B. Stadtplänen oder Auszügen daraus, 15%). Es folgen Karikaturen, Diagramme und Tabellen, Blockbilder und andere Medien.
In der Jahrgangsstufe 9 unterscheiden sich die Ergebnisse hiervon insofern, als dort die Fotos nur noch etwa 30% der entsprechenden Medien ausmachen. Wichtiger geworden sind hier nun auch z. B. thematische Karten (25%), Tabellen und Statistiken (21%) und Diagramme (11%).
Die Oberstufenbücher weisen in der Regel ein relativ ausgewogenes Verhältnis verschiedener Arbeitsmittel auf, wobei ihr Komplexitäts- und Schwierigkeitsgrad naturgemäß das der unteren Jahrgänge übersteigt. Bemerkenswert ist dabei, wie schnell neue fachwissenschaftliche Erkenntnisse und Ergebnisse (z. B. neue Modelle außereuropäischer Stadttypen, zur Entwicklung des Tourismus in Entwicklungsländern usw.) Eingang in die Materialangebote der Verlage finden.
Das breit gefächerte Angebot an Darstellungs- und Arbeitsmitteln in den Erdkunde-Schulbüchern "konkurriert" mit einer äußerst großen, fast unüberschaubaren Vielfalt an unterschiedlichen Medien, die im außerschulischen Bereich auf die Schülerinnen und Schüler einwirkt. Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio, Handys und das Internet sind dabei die wichtigsten Massenkommunikationsmittel, die in der Regel einen beträchtlichen Anteil an den Tages- und Abendbeschäftigungen der Schülerinnen und Schüler haben. Hinzu kommen, je nach Alltagssituation, Erfahrungen mit einer Fülle weiterer Medien, die teilweise ebenfalls räumliche Bezüge haben - vom Navigationssystem im Auto bis hin zu den bekannten Werbetafeln für Billigflieger an Bushaltestellen.
Für den Bildungsauftrag der Schule und speziell des Erdkundeunterrichts, der ja, wie oben erwähnt, besonders "medienintensiv" ist, ergibt sich aus diesen Feststellungen die Verpflichtung, die "Medienkompetenz" der Schülerinnen und Schüler nach Kräften zu fördern. Der Lehrplan Erdkunde (Sek. I, Gymnasium NRW, S. 83) formuliert dies so:
"Der themengerechte, kritische und kreative Umgang mit Darstellungs- und Arbeitsmitteln stellt einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Medienerziehung dar. Durch die exakte und intensive Auswertung der Arbeitsmittel kann auch der Erdkundeunterricht ein Gegengewicht schaffen zu dem Überangebot an verbalen und visuellen Medien, die auf Schülerinnen und Schüler im außerschulischen Bereich einwirken und oft zu unkritischer und oberflächlicher Verarbeitung verleiten. (…) Zudem erfahren die Schülerinnen und Schüler dadurch, welche Manipulationen durch bestimmte Darstellungsarten möglich sind."
Die Wahl des für den Unterricht jeweils geeigneten Darstellungs- und Arbeitsmittels wird im Prinzip durch das Thema und die Zielsetzung der Unterrichtseinheit sowie den Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler (auch in Bezug auf den Stand ihrer bereits vorhandenen Methodenkompetenz) bestimmt. Umgekehrt gilt aber ebenso, dass manchmal die Verfügbarkeit aktueller, motivierender und aussagekräftiger Medien Einfluss nimmt auf die Thematik und die Gestaltung der Unterrichtseinheiten.
Die Lehrpläne bestimmen in Bezug auf die Methodik des Unterrichts, dass der adäquate Umgang mit Darstellungs- und Arbeitsmitteln integrativ im Zusammenhang mit der Vermittlung der fachlichen Inhalte erfolgen soll.
In der Einführung dieses Bandes wird darauf hingewiesen, dass speziell auch der Nahraum eine unverzichtbare räumliche Dimension bei der Vermittlung geographischer Themen und Inhalte darstellt, der die zu behandelnden überregionalen Strukturen und Prozesse sinnvoll ergänzt. Konsequenterweise sollte dann auch die Möglichkeit bestehen, in diese, thematisch dem Nahraum gewidmeten Unterrichtsstunden auch die Förderung der Methodenkompetenz sinnvoll zu integrieren.
Die Übersichtstabelle "Darstellungs- und Arbeitsmittel" versucht, aus den vielen Beiträgen dieses Bandes einige jener Seiten zu nennen, die in besonderer Weise geeignet erscheinen, die Umsetzung der Lehrplanvorgaben in Bezug auf die methodische Arbeit unterstützen zu können. Dass dies nur in exemplarischer Weise geschehen kann, versteht sich von selbst.
Der Schwerpunkt dieser Hinweise liegt auf den im Erdkundeunterricht besonders relevanten Darstellungs- und Arbeitsmitteln. Es wurde um der besseren Übersichtlichkeit und der rascheren Orientierung willen versucht, solche Kartendarstellungen, Bilder, Tabellen usw. zu nennen, die sich für die methodische Arbeit in der gymnasialen Oberstufe eignen, aber auch solche, die bereits für die Arbeit z.B. in der Jahrgangsstufe 9 oder gar in der Jahrgangsstufe 5 geeignet erscheinen. (Die beiden letztgenannten Jahrgangsstufen sind diejenigen, in denen laut Lehrplan Erdkunde für die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen der Nahraum eine besondere Rolle spielen kann.)
Außer den genannten Darstellungs- und Arbeitsmitteln wurden für die Übersicht noch einige weitere, wichtige methodische Aspekte berücksichtigt, so dass bei der Suche nach geeigneten Umsetzungsmöglichkeiten methodischer Ziele eine rasche Orientierung erleichtert wird.
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Erstveröffentlichung 2007
