von Peter Wittkampf
WESTFALEN REGIONAL kann insgesamt zweifellos entscheidende Beiträge für den Unterricht der Sekundarstufe I liefern. In welcher Weise aber auch jeweils einzelne Beiträge aus WESTFALEN REGIONAL nützlich sein können, um bei den Schülern die geforderten Kompetenzen zu fördern, soll an einem Beispiel zu zeigen versucht werden, und zwar exemplarisch anhand des Beitrages "2003 und 2005 - zwei magere Windjahre in Westfalen" von Julius Werner.
Zu den Sachkompetenzen kann der Aufsatz z. B. zu folgenden vertiefenden Überlegungen bzw. Analysen beitragen oder Anregungen geben (wobei allerdings teilweise eine generelle Beschäftigung mit dem Thema "Windkraft" ergänzend erforderlich ist):
| 1 | Mit den beiden Karten kann man die geforderte "Orientierungsfähigkeit auf allen Maßstabsebenen" trainieren. |
| 2 | Es geht unter anderem um die Erfassung klimatischer Voraussetzungen, was den Sachbereich der "naturgeographischen Strukturen und Prozesse" unmittelbar betrifft. |
| 3 | Windparks haben Auswirkungen auf die Umwelt und die "geoökologischen Kreisläufe" (z. B. durch die Verringerung der CO2-Emissionen). |
| 4 | Die Windkraft ist geradezu ein Paradebeispiel für die "Verzahnung von naturgeographischen Bedingungen, Wirtschaft und Politik" und die dadurch veränderten Raumnutzungsmuster. |
| 5 | Wenn manche Landwirte zu "Energiewirten" werden, indem sie auf ihrem Grund und Boden Windkraftanlagen bauen lassen, berührt dies den "Strukturwandel im primären Wirtschaftsbereich". |
| 6 | Viele Windparks wurden in wirtschaftlich strukturschwachen Regionen errichtet. Sie können zu einer "Verringerung von Disparitäten" beitragen. |
| 7 | Die Politiker sowohl des Bundes als auch der Länder streben eine Erhöhung des Beitrages regenerativer Energien zur Energieversorgung an. Diese "veränderten politischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen" und der dadurch bedingte "Wandel von Raumnutzungsmustern" können unmittelbar mit der Nutzung der Windkraft im Zusammenhang gesehen werden. |
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Der Beitrag von Julius Werner verwendet verschiedene "Fachbegriffe", die die Kenntnisse der Schüler erweitern. |
Zusätzlich zu den Sachkompetenzen kann der Beitrag auch folgende Methodenkompetenzen fördern helfen:
| 1 | Die Fähigkeit der "Orientierung mit Hilfe von Karten" kann durch die beiden zu dem Beitrag von Julius Werner gehörenden Karten geübt werden. |
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Die Forderung, Schüler selbstständig "raumbezogene Fragestellungen entwickeln" zu lassen, lässt sich hervorragend am Beispiel des Themas "Windkraft" bzw. "Windkraftnutzung in Westfalen" usw. realisieren. Dieses Thema bietet außerdem viele Möglichkeiten, "Arbeitsschritte zur Informations- und Erkenntnisgewinnung" anzuwenden, wobei z. B. die Internetquellen eine wichtige Rolle spielen. Die folgende Übersicht gibt zu diesen wissenschaftspropädeutischen Zielen einige Anregungen. Sie listet einige mögliche Fragen auf, die sich im Zusammenhang mit dem Thema "Windkraft" ergeben können, und verweist auf Internetveröffentlichungen, die zur Beantwortung und weiteren Sacharbeit herangezogen werden können. |
| Frage | geeignetes Material bei: |
| Welche Anteile an der Energieerzeugung, am Energie- und Stromverbrauch hat die Windkraft in Deutschland - und wie entwickelt sich dieser Anteil? | • www.erneuerbare-energien.de • www.wupperinst.org/uploads/tx_wibeitrag/1111-report.pdf • www.env-it.de/umweltdaten/publik/ theme.do?nodeIdent=2322 • www.erneuerbare-energien.de ⇒Publikationen⇒Broschüre "Erneuerbare Energien in Zahlen" |
| Welche Politik verfolgt die (gegenwärtige) Bundesregierung in Bezug auf die Windkraft? | • www.erneuerbare-energien.de (BMU-Thesenpapier "Windenergie", September 2006) |
| Welche gesetzlichen Grundlagen sind in Bezug auf Windenergieanlagen und ihre Nutzung zu beachten? | • www.erneuerbare-energien.de |
| Welches Windpotenzial gibt es in Deutschland? | • www.dwd.de/windkarten • www.wind-energie.de/de/technik/windentstehung/windpotential/ • Diercke-Weltatlas 2007, S. 55, Karte 1 |
| Welches Windpotenzial gibt es in Nordrhein-Westfalen? | • www.iwr.de/buch/Planungsleitfaden2002_hoch.pdf |
| Welche Energiequellen werden in NRW genutzt? Wie entwickelt(e) sich die Bedeutung der Windkraft in NRW? | • www.iwr.de (u. a.: Allnoch, N. und R. Schlusemann: Zur Lage der Regenerativen Energiewirtschaft in Nordrhein-Westfalen 2004) • www.wind-energie.de/fileadmin/dokumente/Laenderdokumente/ nordrhein_westfalen/perspektiven_windkraft_nrw.pdf • www.energieagentur.nrw.de/infografik • www.wdr.de/themen/politik/nrw03/energieversorgung/index.jhtml |
| Welche tatsächlichen Windstromerträge wurden in Westfalen erzielt? | • 2003 und 2005 - zwei magere Windjahre in Westfalen • www.iwr.de/buch/Planungsleitfaden2002_mittel.pdf (S. 37-38) |
| Welche planungsrechtlichen Aspekte gelten in NRW in Bezug auf Windkraftanlagen? | • www.iwr.de/buch/Planungsleitfaden2002_hoch.pdf |
| Welche Argumente werden pro und contra Windkraft vorgebracht? | • www.windkraft.dnr.de/index.php?id=30 • www.energieverbraucher.de/index.php?itid=1119&st_id=1119&content_news_detail=2364&back_cont_id=1119 |
| Welche Argumente haben speziell die Befürworter? | • www.wind-energie.de • www.sl-windenergie.de • www.wvwindkraft.de/seite2.shtm?http://www.wvwindkraft.de/info/1/pro-und-contra.htm • www.sfv.de/lokal/mails/kd/windkraf.htm |
| Welche Argumente haben speziell die Windkraftgegner? | • www.windkraftgegner.de • www.schulphysik.de/energie/krus/index.html • www.iavg.org/iavg175.pdf • www.windkraftgegner-thransheide.de/html/der_windmuhlen_wahn.html |
| Wie entwickelt sich die Offshore-Windkraftnutzung? | • www.offshore-wind.de (mit Links und Downloads) |
| 3 | Die "Arbeitsschritte zur Erkenntnisgewinnung" werden in Werners Beitrag zu Beginn des Textes eigens thematisiert. Er geht dort nämlich zunächst der Frage nach, wie man überhaupt Erkenntnisse über das Windpotenzial eines Raumes gewinnen kann, um (im wissenschaftlichen Sinne) zu "sauberen" Werten und aussagefähigen Zahlen zu kommen. Solche Überlegungen sind natürlich auch bereits für Schülerinnen und Schüler in der Abschlussklasse der Sekundarstufe I des Gymnasiums wichtig. |
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Ein zusätzliches Angebot macht Werner in Bezug auf die Erkenntnisgewinnung, indem er die Internetadresse des IWR angibt. |
Zur Entwicklung der Urteilskompetenz könnte der Beitrag von J. Werner ebenfalls beitragen:
| 1 | Dass man bei vermeintlich klaren Materialaussagen vorsichtig sein und lernen muss, die "Aussagekraft von Darstellungs- und Arbeitsmitteln" richtig einzuschätzen, ist ein Ziel, das es für die Schüler im Rahmen der Entwicklung ihrer Urteilskompetenz weiter zu entwickeln gilt. Werner geht in seinem Beitrag ausdrücklich zu Anfang auf die Frage ein, wie man überhaupt Windstromerträge erfassen und kartographisch darstellen kann. Da viele verschiedene Ausgangsgrößen (z. B. die Größe der berücksichtigten Anlagen) eine Rolle spielen, sind natürlich auch die dargestellten Ergebnisse immer mit Vorbehalt zu interpretieren. Damit wird also auch für Schüler z. B. der 9. Klasse klar, wie vorsichtig man gegenüber Materialaussagen sein und dass geklärt sein muss, worauf sich die Materialaussagen genau beziehen, welche Daten ihnen zugrunde liegen usw. |
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Ein weiteres Ziel im Zusammenhang mit der Urteilskompetenz betrifft das kritische Bewusstsein gegenüber einer möglichen "interessengeleiteten" Darstellung bestimmter Themen in den Medien. Gerade beim Thema Windkraft gibt es in den Medien immer wieder Berichterstattungen aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln und Grundeinstellungen. So lautete beispielsweise am 29. 1. 2007 die Titelzeile eines Berichtes einer großen deutschen Tageszeitung - mit dem Foto eines Windparks in einer schönen Mittelgebirgslandschaft: "Wer das schön findet, sieht den Wald vor lauter Windrädern nicht mehr". Am Ende seines Textes weist J. Werner ausdrücklich darauf hin, dass es in Bezug auf die Windkraftnutzung "kontroverse Diskussionen" gebe u. a. über die "vermeintliche Allgegenwart von WEA in unseren Kulturlandschaften". In diesen Zusammenhang passt das im Lehrplan formulierte Ziel, die Schüler und Schülerinnen sollten fähig und bereit sein, "Interessen und Raumansprüche verschiedener Gruppen bei der Nutzung und Gestaltung des Lebensraumes ernst zu nehmen und abzuwägen". Es böte sich sogar - im Sinne eines fachübergreifenden Arbeitens - an, in der Jahrgangsstufe 9 die Pro- und Contra- Argumente zur Windkraft zum Gegenstand einer Erörterung zu machen, die ja eine wichtige Textform des Deutschunterrichts in dieser Jahrgangsstufe ist. Dies entspräche der Forderung, "unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven begründete Urteile zu fällen und sie argumentativ zu vertreten". |
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Ein weiteres Ziel der Urteilskompetenz betrifft die Beurteilung von Maßnahmen zur Sicherung einer "nachhaltigen Entwicklung". Auch dies ist natürlich im Zusammenhang mit der Windkraft ein wichtiger Aspekt. J. Werner schreibt hierzu: "Dieser Beitrag des Geofaktors Wind zur Schonung von globalem Klima und nicht erneuerbaren Energiequellen gehört zur Diskussion des Für und Wider von WEA" |
Schließlich noch ein Blick auf die eventuelle Möglichkeit, Handlungskompetenz (im engeren Sinne) zu fördern:
| 1 | Die oben skizzierten Möglichkeiten einer Pro-Contra-Argumentation können natürlich auch in mündlicher Form, z. B. als Podiumsdiskussion, durchgeführt werden. |
| 2 | Eine sachgerechte Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den Potenzialen der Windkraft - auch im Nahraum - eröffnet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich an der öffentlichen Diskussion z. B. um neu zu errichtende Windkraftanlagen etwa mittels eines Leserbriefes zu beteiligen ("demokratische Einflussnahme"). |
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Ob die Auseinandersetzung mit den Energieressourcen bei den Schülerinnen und Schülern dazu führt, "im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens im eigenen Umfeld ökologisch verantwortungsbewusst zu handeln", bleibt abzuwarten. |
Erstveröffentlichung 2007
