von Manfred Nolting
Inhalt
Vom 28.4. bis 12.10.2008 findet in Rietberg die Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen (LGS) statt. Damit wird für die Stadt Rietberg ein Vorhaben verwirklicht, dessen Idee 1999 vom damaligen und jetzigen Bürgermeister André Kuper geboren wurde und das einen fast 10jährigen Meinungsbildungs-, Entscheidungs- und Planungsprozess durchlaufen hat. Eckpunkte dieses Prozesses waren die Machbarkeitsstudie von Prof. Heinz Hallmann, der fast einstimmige Ratsbeschluss für eine Bewerbung im Jahr 2001, die Entscheidung der Landesregierung NRW von 2005, auch weiterhin Landesgartenschauen stattfinden zu lassen, und schließlich der Zuschlag durch die Landesregierung im Jahr 2006. Im selben Jahr erfolgte mit der Gründung der Landesgartenschau Rietberg-Park 2008 GmbH der Einstieg in die engere Planungs- und Umsetzungsphase. Als Pilotprojekt diente die erfolgreiche Teilnahme an der "Entente Florale" im Jahr 2006. Die Entscheidungs- und Planungsprozesse und die Umsetzung des Projektes LGS folgten bestimmten Leitsätzen:
Der fast einstimmige Beschluss des Rates war Ausdruck einer breiten Akzeptanz für das Projekt LGS in der Rietberger Bürgerschaft. Sie war in Dutzenden Veranstaltungen vor der allgemeinen Öffentlichkeit, vor Vereinen, Verbänden, Organisationen und der heimischen Wirtschaft gewonnen worden. Von Beginn an gab es den Grundsatz, die LGS zu einem Anliegen der gesamten Bürgerschaft und der heimischen Wirtschaft zu machen und diese in Planung und Durchführung einzubeziehen. So arbeiteten die Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen Rietbergs und der heimischen Wirtschaft in drei speziellen Planungsgruppen mit, die die GmbH bei der Umsetzung des Projektes berieten. Für die Durchführung der LGS selbst konnten insgesamt 1.000 freiwillige Helfer gewonnen werden. Die aktive Unterstützung drückt sich ebenso aus in Geldspenden der Sparkasse und der Volksbank sowie in Sachleistungen der heimischen Wirtschaft bei der Ausstattung des Ausstellungsgeländes. Hierzu müssen die zahlreichen privaten Investitionen gerechnet werden, wie die Umgestaltung von Gärten, die Renovierung von Häusern, Fassaden und Fabrikgebäuden oder die Restaurierung jahrzehntelang leerstehender historischer Gebäude. Das Projekt LGS ist so zu einer Gemeinschaftsaufgabe geworden, die den Zusammenhalt der Bürgerschaft stärkt und die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt fördert.
Der im Zusammenhang der LGS wiederhergestellte Markenbach, der neu geschaffene Überlauf aus dem Dortenbach und die neu angelegten Teiche im Themenbereich "Kultur trifft Natur" der LGS sind Teil einer Gewässerregulierung im Osten von Rietberg und Neuenkirchen und stellen künftig einen wichtigen Hochwasserschutz dar.
Die im Zuge der LGS fertig gestellte Entlastungsstraße von der B64 zur L782 ist gleichzeitig das erste Teilstück der zukünftigen westlichen Umgehung Rietbergs und trägt wesentlich zur Beruhigung des historischen Stadtkerns bei. Die neue Verbindung von der K9 zur Konrad-Adenauer-Straße, die während der LGS die Verkehrsströme zum Landschaftspark Nord lenkt, ist Teil der Traversale zwischen Rietberg und Neuenkirchen, die künftig den Ortskern von Neuenkirchen entlasten soll. Die Verdichtung und Ausweitung des Radwegenetzes dienten während der LGS zur Verbindung der verschiedenen Themenbereiche und zur Verknüpfung des LGS-Geländes mit der umgebenden Landschaft. Nach der LGS wird durch den Ausbau des Radwegenetzes der innerörtliche Schülerverkehr sicherer gemacht. Die verschiedenen Ortsteile erhalten eine zusätzliche Verknüpfung untereinander und mit dem Zentrum Rietbergs. Die Region an der Oberen Ems hat dadurch an Attraktivität für den Radtourismus gewonnen.
Der Neue Park Rietberg-Neuenkirchen als weitläufigster Bereich der LGS ist durch die Aufschüttung des bei der Auskofferung der Teiche gewonnenen Bodens hochwassersicher gestaltet worden. Er wird über die LGS hinaus in seiner Gesamtheit als Landschaftspark erhalten bleiben und eine zusätzliche Klammer zwischen den Ortsteilen Rietberg und Neuenkirchen darstellen.Wie die übrigen weiter bestehenden Anlagen der LGS wird er zudem die Wohnqualität der Stadt Rietberg erhöhen.
Nach dem Ende der LGS sollen Sportanlagen, die sich zurzeit noch an einem peripheren Standort im Ortsteil Neuenkirchen befinden, im Neuen Park Rietberg-Neuenkirchen verortet werden. Zusammen mit der Verlagerung soll eine erforderliche Modernisierung der Anlagen erfolgen. Durch die Umsiedlung sind die Sportstätten aus den Ortsteilen Neuenkirchen, Rietberg und Westerwiehe besser erreichbar. Der bisherige Standort hingegen kann für eine Erweiterung des Gewerbeflächenangebotes genutzt werden.
Das Gelände der LGS erstreckt sich über 3,3 km von der Delbrücker Straße im Süden bis zur Konrad-Adenauer-Straße im Norden. Kleinlandschaftlich gehört das LGS-Gelände zur Rietberger Emsniederung, die wegen ihres Muldencharakters und des über der Landfläche liegenden Wasserspiegels der Ems seit alters her von Überschwemmungen heimgesucht wurde und deshalb große Flächen an Bruchland und Feuchtwiesen aufweist. Da die landwirtschaftliche Nutzung nur eingeschränkt möglich ist, entstand hier die bekannte Rietberger Teichlandschaft als Kern des heutigen umfangreichen Naturschutzgebietes, das die östliche Begrenzung des LGS-Geländes darstellt. Westlich grenzt das LGS-Gelände an die historische Altstadt von Rietberg und reicht an den Ortsrand von Neuenkirchen (Abb. 1). Dieser Bereich zwischen den Ortskernen von Rietberg und Neuenkirchen und dem Naturschutzgebiet, für den es in der Vergangenheit unterschiedliche Nutzungsvorschläge gab, hat durch die LGS seine endgültige Funktion als naturnaher Freizeit- und Erholungsraum gefunden.
Die Stadt Rietberg ist 1987 in das Programm "Historische Stadtkerne Nordrhein-Westfalen" (s. Beitrag Althaus) aufgenommen worden. Die in diesem Zusammenhang erfolgende denkmalpflegerische Ausgestaltung der historischen Altstadt hat mit der Ausrichtung der LGS noch einmal einen kräftigen Schub erfahren. Die öffentlichen Maßnahmen bestanden im Wesentlichen in der Neugestaltung der Bereiche um das Nord- und Südtor, in der Wiederherstellung des Markengrabens sowie der südlichen und westlichen Umflut mit den dazugehörigen Wällen bzw. Umgängen. Daneben fallen vor allem die zahlreichen Renovierungen und Restaurationen an Privathäusern ins Auge, so dass insgesamt das farbige Bild einer ostmünsterländischen Fachwerkstadt weiter vervollkommnet worden ist. Die unmittelbare Nähe des LGS-Geländes und die programmatische Einbeziehung machen die historische Altstadt für die meisten Besucher zu einem integralen Bestandteil der Gartenschau.
Das Gelände der LGS gliedert sich in drei Bereiche, in denen Landschaftselemente der Parklandschaft des Ostmünsterlandes und die Ems direkt oder als Bezugselement Wasser eine prägende Rolle spielen. Die Bereiche stehen jeweils unter einem bestimmten Thema: "Lebendige Kulturgeschichte" im südlichen Bereich (Abbn. 1 u. 2), "Kultur trifft Natur" (Abbn. 1 u. 3) im mittleren Bereich jenseits der Ems und "Neuer Park Rietberg-Neuenkirchen" (Abbn. 1 u. 4) als Landschafts- und Themenpark zwischen den Ortsteilen Rietberg und Neuenkirchen. Entsprechend konzipiert sind Ausgestaltung und Angebot. Das Gesamtangebot der LGS 2008 wird am Ende die Zahl von 2.000 Veranstaltungen, Vorführungen und Events für die unterschiedlichsten Zielgruppen erreicht haben. Die drei Bereiche sind durch Rad- und Fußwege miteinander verbunden und besitzten jeweils einen eigenen Zugang mit dazugehörigen großflächigen Parkplätzen für Pkw und Busse. Für Besucher der LGS besteht zusätzlich ein kostenloser Buspendelverkehr zwischen den verschiedenen Bereichen und zu den Parkplätzen, eingeschlossen Haltestellen in der historischen Altstadt. Für diese, die umgebende Landschaft an der Oberen Ems und für Abstecher zu Sehenswürdigkeiten in den übrigen Ortsteilen Rietbergs sind Routen ausgearbeitet worden.
Nach 69 von insgesamt 171 Tagen gab es bereits rd. 350.000 Besucher, bei einem ursprünglich gesteckten Ziel von insgesamt 450.000. Ein ähnlich positives Ergebnis gibt es bei den Dauerkarten, die bis Anfang Juli 25.000 mal verkauft worden sind, bei einer ursprünglich prognostizierten Gesamtzahl von 8.500. Bei Stichproben auf den drei Großparkplätzen Anfang Juli zu Herkunft der Besucher anhand der Autokennzeichen nahm der Kreis Gütersloh die erste Stelle ein. Es folgten die Nachbarkreise Paderborn, Lippe, Warendorf und Soest. Insgesamt besaß die Region Ostwestfalen bei den Besuchern ein Übergewicht gegenüber den anderen Regionen Nordrhein-Westfalens, von denen das Münsterland und die westfälischen Ruhrgebietsstädte noch wichtige Quellgebiete der Gäste darstellten. Über Nordrhein-Westfalen hinaus kamen Einzelbesucher und Besuchergruppen vor allem aus den angrenzenden Regionen in Niedersachsen und Hessen.
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www.landesgartenschau-rietberg.de |
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www.stadt-rietberg.de |
Erstveröffentlichung 2008
