von Wolfgang Seidel
Inhalt
Seit dem 14. Mai 2006 sind erste gestaltete Bereiche des Landschaftsparks Emscherbruch für die Bevölkerung freigegeben.
Ein 750 ha großes, bisher vom Bergbau geprägtes Gebiet im Süden der Städte Herten und Recklinghausen - zwischen der Autobahn A 2 im Norden und der Emscher im Süden - erhält ein neues Gesicht; Raum wird zurückgewonnen für Mensch und Natur, für Naherholung, Landschafts- und Naturschutz, Flächen werden erschlossen für wirtschaftliche Impulse und zukunftsfähige Arbeitsplätze.
Seit Jahren vollzieht sich parallel zum Rückzug des Steinkohlebergbaus auch im Emscher-Lippe-Raum ein regionaler Strukturwandel großen Ausmaßes, der ehemals vom Bergbau geprägten Stadt- und Landschaftsräumen eine neue Bestimmung gibt und zukunftsorientierte Nutzungen schafft. Der Landschaftspark Emscherbruch ist ein Leitprojekt dieses Strukturwandels.
Seit dem Jahr 2000, der Stilllegung des Bergwerkes Ewald, engagieren sich am Projekt die Städte Herten und Recklinghausen, der Regionalverband Ruhr und die Deutsche Steinkohle GmbH auf der Grundlage eines gemeinschaftlich vereinbarten Masterplans "Neue Horizonte - Landschaftspark Emscherbruch" (Abb.1), der die unterschiedlichen Teilräume miteinander verbindet und die verschiedenen Nutzungsinteressen aufeinander abstimmt. Die finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen unterstreicht die besondere Bedeutung des Vorhabens.
Kernelemente des Landschaftsumbaus sind die Gestaltung der Bergehalde Hoheward für Naherholung, Freizeit- und Kulturaktivitäten, die Öffnung und Anbindung des bisher nahezu unzugänglichen Gebietes mit entsprechenden Wegeverbindungen, die Sicherung und behutsame Entwicklung wertvoller Naturräume und die landschaftsgestalterische Einbindung wichtiger Wirtschaftsflächen wie den Zukunftsstandort Ewald und das Industriegebiet Herten-Süd (s. Beitrag Seidel). Im Süden verbindet sich die Gestaltung des Landschaftsparks mit dem Umbau des Emschersystems, einer eigenen planerischen Generationenaufgabe.
Bestimmendes Element des Landschaftsparks Emscherbruch ist die rd. 220 ha umfassende Haldenlandschaft. Sie wird gebildet aus der 60 ha großen Bergehalde Hoppenbruch, die ab Anfang der 1990er Jahre durch eine preisgekrönte Rekultivierung als eine der ersten Halden im Ruhrgebiet für die Naherholung erschlossen wurde. Mitten in der Gestaltung befindet sich die Halde Hoheward, mit 160 ha Grundfläche die wohl größte Bergehalde Europas. Der Masterplan, der zurückgeht auf einen Wettbewerbsentwurf des Siegers Prof. Henri Bava, entwickelt die landschaftsästhetische Gestaltung aus einem "Konzept sich schichtender Horizonte", das die Elemente Himmel und Erde auf unterschiedlichen Horizonten erlebbar werden lassen soll. Der oberste Horizont wird eine Höhe von 152 m ü. NN erreichen und damit eine der höchsten Erhebungen im weiten Umfeld sein (zum Vergleich: Stimberg als höchste natürliche Erhebung in der Haard 156 m). Auf ihm werden Elemente der Horizontastronomie installiert werden, mit deren Hilfe archaische Formen der Himmelskörperbeobachtung auf einem "neuen Horizont" mitten im dichtesten Siedlungsgebiet Europas ermöglicht werden. Ein Obelisk als Sonnenuhr ist als erstes Element bereits errichtet und zieht die Besucher an, das Horizontobservatorium mit 50 m hohen Meridianbögen wird im Jahr 2007 gestaltet sein. Eine Wasserfläche wird als "Himmelssee" das Haldentop ergänzen.
Eine Balkonpromenade erschließt die Halde Hoheward rundum auf halber Höhe und gibt von Balkonen Ausblicke auf die umgebende Stadtlandschaft. Den Fuß der Halde umschließt eine ca. sechs km lange Ringpromenade, von der aus Wegeverbindungen zu den benachbarten Siedlungsgebieten und Landschaftsräumen führen. Serpentinen und Treppen verbinden die unterschiedlichen Ebenen der Halde. Die nordöstlichen Teilbereiche der Haldengestaltung sind realisiert; die übrigen Abschnitte werden bis zum Jahr 2008 abgeschlossen und damit für die Bevölkerung nutzbar sein.
Ebenfalls in der abschließenden Gestaltung befindet sich das Gartenband als grüner Puffer zwischen der Halde Hoheward und dem sich östlich anschließenden Ortsrand von Recklinghausen-Hochlarmark.
Ein wesentliches Element der Erschließung des Landschaftsparks ist die nordsüdlich durch das neu erschlossene Ewald-Gelände führende Ewald-Promenade (als Teil der Ringpromenade).
Mit ihrer Fertigstellung im Sommer 2006 erhält der Wirtschafts- und Zukunftsstandort Ewald einen parkartigen Charakter; damit wird auch gestalterisch der Anspruch an "neues Arbeiten" eingelöst. Die Zielsetzung, ca. 1000 neue Arbeitsplätze am Standort Ewald anzusiedeln, ist mit der Ansiedlung erster Betriebe bereist drei Jahre nach Stilllegung des Bergwerkes und durch die Ausrichtung auf neue Technologien bereits ein gutes Stück eingelöst. Das zentrale Thema wird hier die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie sein.
Ein "Bioptopkorridor" wird die Halde Hoheward mit der Emscher im Süden verknüpfen und sich als grünes Landschaftsband mit Wegeverbindungen durch das Industriegebiet Herten-Süd ziehen. Ökologische und Freizeitansprüche werden damit auch in einem industriellen Umfeld, das u.a. Standort des Rohstoffrückgewinnungszentrums Ruhr ist, eingelöst. Flächen der ehemaligen nationalen Kohlenreserve unmittelbar nördlich der Emscher werden zu einem Standort für die Last Mile Logistik entwickelt.
Mit der Unterschutzstellung großer Teile der Hertener Mark im Westen des Landschaftsparks, die auch formal bis zum Jahr 2008 erfolgt sein wird, erhalten die Belange des Naturschutzes dort ihren Vorrang, wo durch Bergsenkung entstandene Feuchtgebiete, sog. Sekundärbiotope, einen nachhaltigen Beitrag zum Naturhaushalt leisten.
Der Landschaftspark Emscherbruch - ein ambitioniertes Zukunftsprojekt und ein wichtiger Baustein der Landesinitiative "Neues Emschertal" - ist in wesentlichen Teilen bereits Realität.
Die Lage des Landschaftsparks Emscherbruch zwischen den historischen Parklandschaften der Wasserschlösser Herten und Strünkede in Herne schafft eine besondere räumliche Spannung, die im Rahmen der Beiträge zur Kulturhauptstadt Europas 2010 im Ruhrgebiet unter dem Thema "Industrielandschaft zwischen Barock und 21. Jh." dargestellt werden wird.
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Seidel, W. (2003): "Landschaftspark Emscherbruch" in Herten und Recklinghausen - ein Leitprojekt für den regionalen Strukturwandel. In: Heineberg, H. und K. Temlitz (Hg.): Siedlung und Landschaft in Westfalen, Nr. 32. Münster, S. 135-154 |
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www.landschaftspark-emscherbruch.de |
Erstveröffentlichung 2007
