Der Westfälische Heimatbund (WHB)

Der Westfälische Heimatbund e.V. (WHB) nimmt als Dachverband für etwa 550 Heimatvereine und rund 700 ehrenamtliche Kreis-, Stadt- und Ortsheimatpfleger in Westfalen Aufgaben der regionalen Heimat- und Kulturpflege wahr. Sein Sitz ist in Münster.

Er vertritt einen Personenkreis von ca. 130.000 heimatverbundenen Menschen in Westfalen. 1915 wurde er für das Gebiet der damaligen Provinz Westfalen gegründet. Heute umfasst sein Tätigkeitsbereich den Landesteil Westfalen im Bundesland Nordrhein-Westfalen, aufgeteilt in neun sog. Heimatgebiete.

Seit dem 1. Juli 2014 bekleidet der Jurist Matthias Löb das Amt des Vorsitzenden. Löb ist zugleich Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) (s. Beitrag Grothues). Die Geschäftsführung übernahm zum 1. August 2017 die Historikerin Dr. Silke Eilers. Die Organe des WHB sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und der Verwaltungsrat. Zudem begleitet und unterstützt ein Kuratorium die Arbeit des WHB.

Heimatgebiete

Die neun Heimatgebiete umfassen jeweils das Gebiet mehrerer Kreise bzw. kreisfreier Städte (Abb. 1). In jedem Heimatgebiet werden regelmäßig Heimatgebietstage veranstaltet, welche die Möglichkeit bieten, der Öffentlichkeit Ziele und Anliegen der Heimatpflege zu vermitteln.

Abb. 1: Die neun Heimatgebiete des Westfälischen Heimatbundes (Quelle: Westfälischer Heimatbund)

Aufgaben des WHB

Auftrag des WHB ist es, aufbauend auf den langen Traditionen landschaftlicher Kulturpflege in Westfalen, die Kultur und Geschichte Westfalens in ihrer Vielfalt zu bewahren, zu erforschen, sichtbar zu machen sowie für Gegenwart und Zukunft zu gestalten.

Der Verband versteht sich als Sprachrohr und Serviceeinrichtung für die Menschen, die sich ehrenamtlich für Kultur, Natur und Heimat in der Region engagieren. Zielsetzung ist es, Bewährtes zu erhalten, Neues zu entwickeln sowie Partizipation und Integration zu ermöglichen.

Die Arbeit des WHB wie auch seiner Mitgliedsvereine ist vielfältig und interdisziplinär. Sie umfasst Themen wie Kulturlandschaftspflege, Umwelt- und Naturschutz, Regional- und Ortsgeschichte, Baukultur und Denkmalpflege, immaterielles Kulturerbe, Niederdeutsche Sprachpflege sowie Volkskunde.

Unterstützer des bürgerschaftlichen Engagements

Heimatpflege erfordert bürgerschaftliches Engagement vor Ort und zugleich adäquate Rahmenbedingungen. Der WHB setzt sich für eine Stärkung, Beratung, Unterstützung und Begleitung der ihm angeschlossenen Vereine ein. Der WHB möchte auf die Belange seiner Mitglieder aufmerksam machen, auf Problemlagen hinweisen und Verbesserungen erzielen. Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder regional und überregional gegenüber Politik, Verbänden und Öffentlichkeit.

Abb. 2: Der Westfälische Heimatbund pflegt das Wanderwegenetz im Münsterland (Foto: Ulrike Steinkrüger/WHB)

Sprachrohr und Serviceeinrichtung

Der WHB bietet seinen Mitgliedern ein breites Portfolio an Serviceleistungen. Er dient den westfälischen Heimatvereinen und Heimatpflegern als erster Ansprechpartner, gibt Hilfe zur Selbsthilfe, qualifiziert mittels Seminaren und fördert aktiv den Austausch unter den Vereinen. Er informiert über interessante Projekte, Veranstaltungen und Fortbildungen, Fördermittelakquise, Preise und Wettbewerbe sowie Publikationen und Forschungsergebnisse. Regelmäßig bringt er seine Kompetenzen in fachliche Netzwerke ein.

Durch Publikationen, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit trägt der WHB die Themen seiner Mitglieder in breite Kreise. Er engagiert sich dafür, die Öffentlichkeit für den Erhalt und die Pflege des westfälischen kulturellen Erbes zu sensibilisieren. Der WHB gibt neben der Verbandszeitschrift "Heimat Westfalen" u.a. die ständigen Reihen "Westfälische Kunststätten" und "Technische Kulturdenkmale in Westfalen", das "Jahrbuch Westfalen", Monographien und Wanderführer heraus. Seine Funktion als Dachverband sieht er auch darin, innovative und engagierte Initiativen zu würdigen und Vereinen zu helfen, starke lokale und regionale Bündnispartner zu finden und Kooperationen ins Leben zu rufen, die dauerhaft die Ziele und Struktur des Vereins stützen.

Der Westfälische Heimatbund mit seiner über 100-jährigen Tradition setzt sich für eine weltoffene und zukunftsgewandte Ausgestaltung von Heimat ein.

Der WHB kooperiert mit unterschiedlichen Akteuren aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft. Westfälische Städte, Kreise und Gemeinden, die die Arbeit des WHB oder der ihm angeschlossenen Mitglieder fördern und mitgestalten sind wichtige Partner. Projektkooperationen und fachliche Zusammenarbeit pflegt der WHB mit weiteren Verbänden, Vereinen, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Der WHB arbeitet zudem mit den zwei weiteren Heimatbünden in NRW – Lippischer Heimatbund und Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz –, dem bundesweiten Dachverband Bund Heimat und Umwelt in Deutschland sowie dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen zusammen.

Verbandszeitschrift "Heimat Westfalen"

Die jährlich sechs Ausgaben der Zeitschrift sind einem Jahresthema gewidmet und setzen jeweils einen eigenen Schwerpunkt. In jeder reich illustrierten Ausgabe erscheinen Beiträge von renommierten Fachleuten zu den gesetzten Themenschwerpunkten. Neben Leitartikeln beinhaltet jede Ausgabe Rubriken, wie eine Best Practice-Rubrik, welche gute Beispiele aus der Arbeit der Heimatvereine vorstellt, sowie Empfehlungen aus dem WHB-Servicebüro. Hinzu treten Nachrichten zu Veranstaltungen, Tagungen und zur Fachstellenarbeit, zu Ausstellungen von Heimatmuseen und über renommierte Persönlichkeiten sowie westfälische Neuerscheinungen und Buchbesprechungen. Jedes Heft steht auf der Internetseite des WHB dauerhaft als Online-Ausgabe zur Verfügung.

Westfalentag

Der Verband richtet jährlich den Westfalentag als große regionale Veranstaltung aus. Dieser findet in wechselnden Städten Westfalens statt und wurde erstmals 1920 durchgeführt. Die Mitgliederversammlung des Westfälischen Heimatbundes ist Teil des umfangreichen Programms, zu welchem u.a. Vorträge und Diskussionsrunden zu aktuellen Themenfeldern sowie Exkursionen zählen. Behandelt wurden beispielsweise gesellschaftsrelevante Aspekte wie erneuerbare Energien im Spannungsfeld zum Kulturlandschaftsschutz oder Migration und Integration.

Innovationspreis

Um ehrenamtliches Engagement zu würdigen und zu fördern, hat das Kuratorium des WHB einen Innovationspreis für Heimatvereine gestiftet. Der Preis wird in einem zweijährigen Rhythmus vergeben. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe und die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung sind Träger der beiden Preiskategorien (je 4.000 Euro). Erstmals wurde der Preis 2015 anläss­lich des 100-jährigen Bestehens des Westfälischen Heimatbundes vergeben.

Wanderwegenetz im Münsterland

Zusätzlich betreut der WHB das ca. 3.000 km lange Wanderwegenetz im Münsterland. Der Westfälische Heimatbund hat die Befugnis der höheren Landschaftsbehörde, die Wanderwege fast in diesem gesamten Bereich zu zeichnen. Das abwechslungsreiche Streckennetz gliedert sich in 25 Hauptwanderwege, die die Orte in der malerischen münsterländischen Parklandschaft und in den Höhen des Teutoburger Waldes miteinander verbindet. Verbindungswege, Kurzstrecken und Rundwanderwege ergänzen das Angebot. Rund 40 ehrenamtlich Engagierte sorgen ständig für wandersichere Markierungen. In regelmäßigen Abständen gehen sie die Wanderwege ab, um Markierungsschäden zu beseitigen, Verwittertes neu zu markieren oder landschaftlich reizvollere Abschnitte ausfindig zu machen. Die Wegezeichnerinnen und Wegezeichner sind vom Westfälischen Heimatbund formell bestellt und werden stetig in ihrer Arbeit unterstützt.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2018

Publikationsdatum: 24.04.2018

Autoren: Eilers (Autorin), Hoffschulte (Autorin)

Schlagworte: Westfalen, Westfälischer Heimatbund

Region: Westfalen gesamt