von Rudolf Grothues
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Als einer der beiden nordrhein-westfälischen Landschaftsverbände arbeitet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für rund 8,5 Millionen Menschen im gleichnamigen Landesteil.
Etwa 13000 Beschäftigte erfüllen Aufgaben aus den Bereichen Soziales, Psychiatrie, Jugend/Schule und Kultur.Getragen wird der LWL durch die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe (Abb. 1). Die politische Kontrolle liegt bei den 100 Mitgliedern der Landschaftsversammlung, des so genannten "Westfalenparlamentes" (Abb. 2). Sie werden durch die Vertretungen der Kreise und der kreisfreien Städte gewählt. Dabei sind die Parteien genauso stark in der Landschaftsversammlung vertreten, wie sie bei den Kommunalwahlen westfalenweit abgeschnitten haben.
Die Geschäfte der laufenden Verwaltung werden vom LWL-Direktor geführt, seit Juli 2006 Dr. Wolfgang Kirsch. Er vertritt den Verband nach außen, bereitet die Beschlüsse des Landschaftsausschusses und der Fachausschüsse vor und führt sie auch aus.
Der LWL übernimmt Aufgaben, die für einzelne Städte und Kreise zu groß oder zu speziell sind, z.B. psychiatrische Kliniken oder Blinden- und Gehörlosenschulen. Weiterhin übernimmt er Aufgaben, die die ganze Region betreffen und daher einheitlich wahrgenommen werden sollten, wie die Errichtung von Museen. Außerdem übernimmt der Verband Aufträge des Landes und des Bundes wie bspw. die Sicherung und Therapie psychisch kranker Straftäter (Maßregelvollzug).
Der LWL gehört aber nicht zur staatlicher Verwaltung und nicht zur Landesverwaltung, sondern ist ein Kommunalverband in kommunaler Selbstverwaltung. Dies ist eine Tatsache, die in der öffentlichen Debatte zumeist vernachlässigt wird. Im Jahre 2001 griff die Landesregierung stark in den Aufgabenzuschnitt des LWL ein, als die Aufgaben des Straßenbaus verstaatlicht wurden. Vom Gesamthaushalt in Höhe von mehr als zwei Millarden Euro jährlich fließen heute rund 80% in soziale Aufgaben (Abb. 3).
Der LWL engagiert sich vor allem für die Integration alter, kranker und behinderter Menschen in die Gesellschaft. Rund 1,2 Millarden Euro Sozialhilfeleistungen fließen jährlich an ca. 50000 körperlich sowie geistig und seelisch behinderte Menschen in Westfalen-Lippe. Die etwa 87000 behinderten Arbeitnehmer finden im LWL-Integrationsamt einen kompetenten Ansprechpartner. Es schafft und sichert Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in rund 16000 Betrieben in Westfalen-Lippe.
In mehr als 90 Einrichtungen des Psychiatrie-Verbundes, darunter Fachkrankenhäuser, Rehabilitationszentren, Wohnverbünde und Pflegezentren, finden Menschen mit seelischen Erkrankungen kompetente Hilfe (Abb. 4). Dabei handelt es sich um ambulante, teilstationäre sowie stationäre Angebote.
Im Auftrag des Landes NRW betreibt der LWL Maßregelvollzugskliniken, in denen psychisch kranke und suchtkranke Straftäter behandelt und gesichert werden.
Das LWL-Landesjugendamt unterstützt die Jugendämter der Städte, Gemeinden und Kreise sowie die Träger der freien Jugendhilfe in ihrer Arbeit für Kinder, Jugendliche und Familien. Dazu zählen die Beratung, Förderung und Fortbildung der Fachleute. Auch die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderungen wird mit Mitteln unterstützt.
Darüber hinaus unterhält der LWL eigene Bildungsstätten, wie den Jugendhof in Vlotho oder das LWL-Berufskolleg in Hamm (Abb. 4).
In 36 Schulen werden behinderte Kinder unterrichtet und auf Alltag und Beruf vorbereitet. Dabei organisiert der LWL auch den Fahrdienst und die Schulentwicklungsplanung.
Das kulturelle Erbe Westfalen-Lippes macht der LWL den Menschen auf vielfältige Art und Weise zugänglich. Er unterhält Museen und Kulturdienste, unterstützt die landeskundliche Forschung - wie auch dieses Projekt der Geographischen Kommission - und fördert kulturelle Aktivitäten der Kommunen, Kreise und freien Träger.
Die sieben Landesmuseen an 17 Standorten erforschen, dokumentieren und präsentieren die Kultur und Geschichte Westfalen-Lippes (Abb. 4). Daneben werden immer wieder international beachtete Sonderausstellungen erarbeitet, wie im Jahre 2006 die Ausstellung "Canossa - Erschütterung der Welt" in Paderborn. Schon heute wird eine Archäologieausstellung für das Jahr 2009 vorbereitet, in dem sich die berühmte Varusschlacht zum 2000sten Mal jährt.
Fünf Fachämter beraten, fördern und bieten technischen Service rund um das Thema Kultur. Sie widmen sich der Bau- und Bodendenkmalpflege, dem Archivwesen, der Beratung von Museen sowie der Landes- und Baukultur. Das LWL-Medienzentrum für Westfalen produziert u.a. landeskundliche Medien.
In sechs wissenschaftlichen Kommissionen und im LWL-Institut für Regionalgeschichte untersuchen renomierte Wissenschaftler zahlreiche Aspekte der westfälischen Kultur und Geschichte, der Mundart- und Namenforschung, der Volkskunde, Literatur und Geographie.
Darüber hinaus initiiert der LWL westfalenweite, kulturpolitische und kulturfachliche Veranstaltungen und Projekte.
Besonders die zahlreichen Aktivitäten der Kulturabteilung und ihrer Einrichtungen besitzen eine identitätsstiftende Wirkung für die Kulturlandschaft Westfalen-Lippe. Dadurch wird das eigenständige Profil Westfalens sowohl im Bundesland NRW als auch darüber hinaus gestärkt. Die LWL-Kulturarbeit fördert die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Landes und der Menschen, die dort leben und gelebt haben.
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe LWL sieht sich heute als modern aufgestellter Dienstleister innerhalb der kommunalen Familie.
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Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hg.) (2005): LWL-Handbuch. 12. Landschaftsversammlung 2004-2009. Münster |
Erstveröffentlichung 2007
