
von Andrea Altenähr
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Oft in Kleingruppen laufen Menschen verschiedenen Alters offensichtlich suchend durch die Gegenden Westfalens. Immer wieder ist der Blick auf ein Handgerät gerichtet, doch Vermesser sind es nicht. Dass die Entwicklungen des Militärs zur satellitengestützten Bestimmung der Bodenposition von Objekten Einzug in die zivile Freizeitgestaltung fand, nahm einige Zeit in Anspruch und startete in den USA im Jahr 2000.
Geocaching ist eine neuartige Form des Kinderspiels "Schnitzeljagd", die mit Hilfe von GPS-Daten und -geräten durchgeführt wird. Das Wort "Geocaching" leitet sich vom griechischen Wort "geo" (Erde) und vom englischen Wort "cache" (Versteck) ab. Geocaching funktioniert, indem der "Owner" (engl. für Besitzer) einen Cache versteckt und dessen Daten auf einer offiziellen Geocaching-Website bekannt gibt. Die Suchenden, sog. Cacher, können dann diese Daten auf ihr GPS-Gerät laden und sich auf die Fährte begeben. Der Cache oder auch Geocache besteht traditionell aus einem wasserdichten Behälter, der kleine Beigaben ("Goodies") und ein Logbuch enthält, in dem der Finder die erfolgreiche Suche dokumentieren und evtl. noch Hinweise oder Kommentare hinterlassen kann (Abb. 1).
Es gibt viele verschiedene Arten von Caches: Am häufigsten kommt in Deutschland der "Traditional Cache" vor (57,5%) – mit einem wasserdichten Behälter, Logbuch und Goodies (Groundspeak Inc., 22.05.2011). Beim "Mystery-Cache" (20,8%) handelt es sich um ein Rätsel, das gelöst werden muss, um die Koordinaten für den nächsten Cache zu erhalten. Der "Multi-Cache" (19,7%) besteht aus einer Reihe von Caches, deren Lösung jeweils zum nächsten Cache führt. Auch die Größe der Caches kann stark variieren. Die kleinsten Caches haben ein Fassungsvermögen von unter 100 ml und sind etwa so groß wie ein Daumennagel. Jedoch hat der Großteil der Caches ein Volumen von 100 ml bis zu 1 l, typischer Weise werden hierfür alte Film- oder Butterbrotdosen verwendet. Allerdings findet man auch Caches, die trotz ihrer Größe sehr gut getarnt sind, z. B. als Tannenzapfen oder Vogelhaus. Die Tarnart der Caches wird vorher meist über die Schwierigkeitsstufe auf den Geocaching-Websites bekannt gegeben. Gleiches gilt auch für die Geländeart, denn Caches können sich auch in Bäumen befinden bzw. auch im Gebirge oder sogar in einem See versteckt sein.
Die aktive Beteiligung am Geocaching kann sowohl als Suchender als auch als Versteckender erfolgen. Um sich auf die Suche nach einem Cache zu begeben, muss man sich zunächst auf einer der offiziellen Geocaching-Webseiten die Koordinaten für den erwählten Cache auf sein GPS-Gerät laden. Danach geht es auf die Suche. Sobald der Cache gefunden ist, trägt man sich in das Logbuch im Cachebehälter ein und ebenfalls auf der Geocaching-Website, von der die Koordinaten stammen. Das sog. doppelte Loggen stellt eine zusätzliche Verifizierung des Fundes dar.
Das Verfahren für das Verstecken des Caches ist ähnlich. Man sucht sich zunächst den Ort des Verstecks, notiert die GPS-Daten dieser Stelle und bereitet den Cache-Behälter mit Logbuch und evtl. Goodies vor. Nach der Platzierung werden die GPS-Daten des Caches auf einer der offiziellen Geocaching-Websites eingetragen.
Insgesamt befanden sich Anfang des Jahres 2012 knapp 12.000 Caches in Westfalen (Abb. 2). Weltweit wird von mehr als 5 Mio. Caches und 1,7 Mio. Aktiven gesprochen, wobei in Deutschland über 250.000 Caches unter www.geocaching.com, der internationalen Plattform, gemeldet sind (Stand 06/2012). Seit 2007 wurden mit konstanter Dynamik jährlich rd. 5.000 neue Caches in Deutschland auf www.opencaching.de (Internetseite für den deutschsprachigen Raum) eingetragen.
Die häufigste Art, die man in Westfalen vorfinden kann, ist der Traditional Cache mit rd. 7.200 Caches (61,5%), gefolgt von den Rätsel-Caches mit einer Anzahl von 2.600 (22,0%). Die Multi-Caches sind mit rd. 1.900 (1,6%) eher seltener vertreten. Dieser Trend kann in nahezu allen Gemeinden beobachtet werden.
Ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Caches und der Fläche bzw. Zahl der Einwohner lässt sich vor allem in Großstädten, wie z. B. Münster herstellen. Allerdings gibt es auch Abweichungen wie im Ruhrgebiet (Hagen, Hamm) oder auch in ländlichen Regionen (Kreise Gütersloh, Herford; Abb. 2). Ein wichtiger Faktor, der hier beachtet werden muss, ist, wie viele Owner in den jeweiligen Gegenden leben bzw. dort ihre Caches versteckt haben.
Die Deutsche Wanderjugend unterscheidet auf ihrer Website (www.geocaching.de) einige Kategorien von Caches. In der Kategorie "Landschaften & Kultur" wird Wert auf besondere landschaftliche Gegebenheiten und deren spezielle Kultur gelegt. Hierunter ist der "Ruhrpott Megacache" ein Multi-Cache, der quer durch das Ruhrgebiet führt und dabei acht besondere Orte im Ruhrgebiet hervorhebt. Die Kategorie "Besondere Touren" führt den Cacher sowohl auf schöne Wanderrouten (z. B. zu Naturschauspielen), in sehenswerte Stadtteile als auch auf gruselige Nachtwanderungen. Weitere Kategorien sind "Rätselcaches" und "Mathematische Caches", bei denen erst ein (mathematisches) Rätsel geknackt werden muss, um die Koordinaten für den nächsten Cache zu bekommen. Beispielsweise führt der "Mons arcanus II crutiatus" durch das Landschaftsschutzgebiet Herforder Bergland. Bei der Kategorie "Besondere Ausrüstung" kann es schon einmal hoch hinaus gehen, dann kann auch mal eine professionelle Kletterausrüstung benötigt werden oder der Cache nur per Boot erreichbar sein.
Dem neuen Trendsport Geocaching wird sehr viel Potenzial beim Einsatz in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen zugeschrieben, da hierdurch sowohl technisches Verständnis als auch Orientierung im Raum sehr anschaulich vermittelt werden können. Vor allem bietet der Einsatz im handlungsorientierten Geographieunterricht eine große Chance, neue Motivation für geographische Exkursionen zu vermitteln (Abb. 3). Die Schüler können die Umgebung mit Hilfe eines GPS-Geräts eigenständig erkunden und werden dennoch geleitet. Die räumlichen Ziele können sich am jeweiligen Unterrichtsstoff orientieren, so dass Inhalte und Aufgabenstellungen aus den Bereichen Geologie, Geomorphologie, Siedlungs-, Stadt- und Wirtschaftsgeographie bearbeitet werden können (Goschkowski 2009; Zecha 2009).
Geocaching ist eine neue, aber innerhalb kürzester Zeit sehr etablierte Trendsportart, die sich vor allem durch ihre dynamische Entwicklung auszeichnet. Als neue Sportart stellt sie mit der kreativen Vielfältigkeit der Verstecke ein "Abenteuer im Alltag" dar und motiviert zahlreiche Menschen. Des Weiteren bietet das Geocaching Anreize für viele weitere Sportarten wie Wandern, Rudern oder Klettern, und ist damit als integrativer Sport anzusehen.
Die Verbreitung von Geocaching in Westfalen ist ebenfalls schon sehr weit fortgeschritten und dokumentiert sich neben den zahlreichen Zielen in vielen Clubs und Vereinen, in denen Geocaching als Sportart angeboten wird.
Ein großes Potenzial wird dem Geocaching als neue Form der Exkursion zugeschrieben. Vor allem im schulischen Bereich motiviert es die Schüler, sich mit dem Raum oder der Funktionsweise von Geosystemen auseinander zu setzen. Mit Hilfe von speziellen Caches kann man Unterrichtsinhalte vor Ort erläutern und zudem werden geographische Fähigkeiten (z. B. Karten lesen, Raumorientierung) spielerisch erlernt.
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Fischer, U.(2011): Die Jagd nach dem Schnitzel in der Dose. Moderne Schatzsuche mit Geocaching. Norderstedt |
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Goschkowski, S. (2009): Geocaching? Geocaching! Neue Motivation für geographische Exkursionen. In: Geographie heute, Heft 271/272. Seelze, S. 72–77 |
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Gründel, M. (2009): Geocaching. Welwer (= Outdoor – Basiswissen für draußen, Nr. 203) |
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Zecha, S. (200 9): Geocaching. Förderung der Orientierungskompetenz mit GPS. In: Praxis Geographie, Heft 11/2009. Braunschweig, S. 18–20 |
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www.geocaching.com (Groundspeak Inc., abgerufen am 22.05.2011) |
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www.geocaching.de (Deutsche Wanderjugend, abgerufen am 18.03.2012) |
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www.opencaching.com (Garmin, abgerufen am 24.05.2011) |
Erstveröffentlichung 2012