
von Karl Teppe
In Westfalen und Lippe gibt es neun Landesmuseen. Gemeinsam haben sie das Merkmal der nichtstaatlichen Trägerschaft. Während das Lippische Landesmuseum in Detmold vom Landesverband Lippe unterhalten wird, befinden sich sieben Landesmuseen, die wiederum 10 Außenstellen haben, in der Zuständigkeit des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) (s. Beitrag Grothues). Diese Besonderheit, dass nämlich in NRW kommunalverfasste Verbände die Träger von Landesmuseen sind, hat zwar auch historische Gründe, sie hängt aber vor allem mit der inneren Gründungsgeschichte des Landes zusammen, in der politische Ziele wie Kommunalisierung und Dezentralisierung eine strukturbildende Kraft besaßen, so dass diese Trägerschaft in der Landesverfassung ihren Niederschlag gefunden hat (vgl. § 5 der LVerbO in Verbindung mit Art. 18 Abs. 1 LVerfNW).
In diesem Zusammenhang bildet das in Münster ansässige "Westpreußische Landesmuseum" einen Sonderfall und soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Es befindet sich in der Trägerschaft der "Kulturstiftung Westpreußen" und verfolgt den Auftrag, das Kulturgut der ehemals preußischen Provinz Westpreußens in seiner ganzen Vielfalt zu präsentieren und im Gedächtnis der Nachwelt wachzuhalten.
Allerdings – und das unterscheidet die Landesmuseen des LWL wie auch die des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) von den übrigen im Bundesgebiet – , sie alle firmieren zunächst als Museen des Trägers, des LWL, während das international eingeführte Prädikatsmerkmal "Landesmuseum" wie auch der territoriale, d. h. der westfälische Bezug, nachgeordnet geführt werden.
Eine wesentliche Gemeinsamkeit dieser Landesmuseen liegt in ihrer räumlichen Orientierung. Damit ist gemeint, dass sie ihren musealen Auftrag primär aus der "historischen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Vielfalt" der Region bzw. der Landschaft herleiten, in denen sie verankert sind, und dass diese Landschaft im Zentrum ihrer Arbeit steht. In diesem Fall also die Kulturlandschaft Westfalens unter Einschluss von Lippe.
Neben den dargestellten Gemeinsamkeiten gibt es im Spektrum der Landesmuseen in Westfalen bemerkenswerte Unterschiede. So repräsentiert das Lippische Landesmuseum den Typus eines Landesmuseums gleichsam in klassischer Weise, indem es sich als Ort versteht, wo die Geschichte Lippes und ihrer kulturellen Zeugnisse in ihrer ganzen Bandbreite gebündelt, gesammelt, erforscht, dokumentiert und präsentiert werden. Unter dem Dach dieses einen Museums, das zunächst als naturhistorisches Museum gegründet wurde, befinden sich daher neben Zeugnissen der Urund Frühgeschichte eine völkerkundliche Sammlung, Werke der bildenden Kunst sowie Relikte der Alltagskultur.
Demgegenüber ist festzustellen, dass die sieben Landesmuseen des LWL zum Teil eine andere Entwicklung genommen haben, zum Teil unter anderen kulturpolitischen und -fachlichen Vorzeichen und Zielsetzungen gegründet wurden. Aufs Ganze gesehen und typisierend lässt sich sagen, dass diese sieben Landesmuseen in gewissem Sinn thematische Spartenhäuser sind, oder anders formuliert, die dezentralisierte Form des klassischen Landesmuseums darstellen. Dieser Tatbestand hängt zum einen mit der Größe und kulturellen Vielfalt Westfalens zusammen, zum anderen spiegeln sich darin gesellschaftliche und kulturelle Differenzierungsprozesse.
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www.lippisches-landesmuseum.de |
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www.lwl.org/LWL/Kultur/Kulturabteilung/Landesmuseen |
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www.westpreussisches-landesmuseum.de |
Erstveröffentlichung 2009