
von Rudolf Grothues
Inhalt
Neben dem historischen "Langen Haus" aus dem Jahre 1554 und der dazu gehörenden von einem Wasserlauf begrenzten Parkanlage mit altem Baumbestand entstanden zwei Bettenhäuser und die Mensa, die in das ehemalige "Haus Wilpers" (16. Jh.) integriert wurde. 1995 wurde ein weiteres Haus am Ortsrand angemietet. Mit Hilfe des Landes konnte im Juni 2000 ein Bürgerhaus auf der Burg erworben und umgebaut werden. Es steht seit April 2003 als weiteres Gästehaus für Dozenten und Erwachsene zur Verfügung (Abb. 2). Die Akademie verfügt heute über eine Kapazität von 144 Übernachtungsplätzen in überwiegend Doppel- und Einzelzimmern. Außerhalb des Burgbereichs, auf der anderen Seite der Hauptstraße, steht das Herzstück der Akademie, das Musikzentrum, ein weitgezogener, flacher Gebäudekomplex (Abb. 3). Nach modernen Gesichtspunkten funktional gestaltet, genügt das Musikzentrum hohen technischen wie musikakustischen Ansprüchen. Mit seinen drei Sälen, von denen der Konzertsaal bis zu 300 Personen fasst, sieben Seminarräumen, fünf Übezellen, zwei Percussionräumen, dem Tonstudio und der Musikbibliothek sowie dem Verwaltungtrakt beherbergt es den künstlerisch-pädagogischen Bereich und die Verwaltung.
In der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Landesmusikakademie NRW e.V. haben sich neben Institutionen und Verbänden des Musiklebens auch Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie musikinteressierte Bürger zusammengefunden. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Akademieprojekt ideell und finanziell zu unterstützen.
Die Förderung der Laienmusik ist eine der tragenden Säulen der Arbeit der Landesmusikakademie. Zwischen 1991 und 1994 entwickelte sie daher in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Laienmusik des Landesmusikrates NRW e.V., dem Landesverband der Musikschulen in NRW e.V. und dem Verband Deutscher Schulmusiker in NRW e.V. eine Lehrgangsordnung, die 2002 revidiert wurde. Sie gewährleistet in bundesweit einmaliger Form eine vergleichbare Ausbildung aller Lehrgangsstufen auf C- und B-Ebene für Vokalisten, Instrumentalisten und Dirigenten. Die Ausbildungslehrgänge der Qualifikationen C3 und B wenden sich nicht nur an Laienmusiker, sondern dienen auch als Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Musikpädagogen an Schule und Musikschule. Im Auftrag der Trägerverbände werden die Maßnahmen landeszentral in der Landesmusikakademie durchgeführt und von ihr inhaltlich und organisatorisch verantwortet.
Je nach Qualifikationsstufe kommen Laienmusiker und Musikpädagogen an 3 bis 10 Wochenenden über 6 bis 20 Monate verteilt nach Heek, um sich für ihre Tätigkeit in Verein und/oder Schule weiterzubilden. Der erfolgreiche Abschluss wird mit einem Zeugnis und einem Zertifikat bescheinigt, die von den Trägern anerkannt werden.
Die Musikbibliothek der Landesmusikakademie NRW ist die einzige musikalische Fachbibliothek in der näheren Umgebung. Sie beherbergt rd. 8500 Notenausgaben (u.a. Noten von Instrumentalwerken in solistischer und kammermusikalischer Besetzung sowie Klavierauszüge und Partituren von Opern, Chor- und Orchesterwerken), 4000 Bücher (musikpädagogische Literatur und Lehrbücher, musikgeschichtliche Monografien über Komponisten, Gattungen, Werke und Instrumente) sowie 60 Zeitschriften zum aktuellen Musikgeschehen im regelmäßigen Bezug.
Der Bestand ist auch im Internet bei der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (www.ulb.uni-muenster.de/knim) aufzurufen. Noten können in Einzelexemplaren kostenlos entliehen werden, während Bücher und Zeitschriften zum Präsenzbestand gehören.
Ein besonderes Angebot der Landesmusikakademie ist das hauseigene Tonstudio. Ein Diplom-Tonmeister betreibt mit seiner Musikproduktionsfirma Klangport (www.klangport.de) seit Mai 2002 das Studio in eigener Regie. Klangport bietet seine Dienstleistungen allen Musikern an, die ein Aufnahmeteam mit technischem und musikalischem Wissen benötigen - von der Laienmusikgruppe bis zum Profiorchester. Das Tonstudio kann für folgende Zwecke genutzt werden: Audio/Video-Supervisionsaufnahmen, Konzertmitschnitte, Demo-Produktionen sowie professionelle CD-/ DVD-Produktionen.
Die technische Ausstattung basiert auf modernster Digitaltechnik. Der Tonstudiobetrieb bietet die Möglichkeit, die an den Regieraum angrenzenden beiden Konzertsäle der Akademie sowie weitere Aufnahmeräume zu nutzen.
Seit Errichtung der Landesmusikakademie prägen Musikerinnen und Musiker zumeist aus NRW, aber auch aus allen Teilen der Welt, das Ortsbild in der kleinen Gemeinde Heek und insbesondere im Ortsteil Nienborg. Vor allem im Bereich zwischen "Langem Haus" und der Mensa an der Hauptstraße trifft man junge und alte Menschen, häufig mit einem Musikinstrumentenkoffer unter dem Arm.
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Landesmusikakademie NRW "Burg Nienborg" in Heek/Kreis Borken e. V. (Hg.) (2006): Landesmusikakademie NRW. Heek (www.landesmusikakademie-nrw.de) |
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Steinweg, H. (2004): Heek. In: Heineberg, H. und K. Temlitz (Hg.): Städte und Gemeinden in Westfalen, Band 9. Münster, S. 197-210 |
Erstveröffentlichung 2007