von Bernd Mielke und Kati Schulze
Für viele Planungszwecke und -ebenen werden Informationen über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung benötigt. Die Vorausschätzungen gehen dabei in der Regel von den bisherigen Trends bei den vier Komponenten Geburten, Sterbefälle, Zuzüge und Fortzüge (daher Komponentenmethode) aus - und verlängern diese in die Zukunft. Dabei liegen im Falle der Geburten und Sterbefälle stabile Trends vor, die - aus heutiger Sicht - gute Vorausschätzungen erlauben. Für die Wanderungsströme trifft dies dagegen umso weniger zu, je kleinräumiger und langfristiger die Prognosen sind.
Da die Wanderungen außerdem bei kleinräumigen Prognosen großes Gewicht haben, werden die Berechnungen i.d.R. nur bis zur Ebene der Kreise und für kürzere Zeiträume als Prognosen auf Bundes- und Landesebene durchgeführt. Für die Kreise Westfalens liegen mehrere Prognosen vor, insbesondere die
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des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NRW (LDS) bis 2025 und |
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des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) bis 2020. |
Im Folgenden wird vornehmlich auf die Prognose des LDS eingegangen. Abweichende Ergebnisse der BBR-Prognose werden jedoch angesprochen.
Die längerfristige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wird durch mehrere grundlegende Trends geprägt sein:
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die Bevölkerungsabnahme, |
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die Alterung und |
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die Internationalisierung. |
Grund für die erwartete Bevölkerungsabnahme ist, dass die Zahl der Geburten pro Frau in NRW seit Beginn der 1970er Jahre bei 1,4 und damit deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1 liegt. Um die Bevölkerungszahlen dennoch konstant zu halten, wären stark steigende Einwanderungsüberschüsse erforderlich. Zuwanderung in diesen Größenordnungen wird zurzeit aber als nicht realistisch angesehen.
Die Alterung ergibt sich daraus, dass starke Jahrgänge älter werden, während schwächer besetzte Jahrgänge nachwachsen. Der Alterungsprozess ist in diesem Jahrhundert faktisch irreversibel. Selbst eine deutlich erhöhte Geburtenrate - für die es derzeit keine Anzeichen gibt - würde erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts wieder zu einer positiven natürlichen Bilanz führen. Auch durch Zuwanderungen in einer realistischen Größenordnung kann dieser Prozess nur abgeschwächt, nicht aber gestoppt werden.
Zuwanderungen und höhere Geburtenraten der Zugewanderten führen zu einer Internationalisierung der Bevölkerung in Deutschland. Auch dieser Trend dürfte auf längere Sicht unumkehrbar sein.
Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit den Veränderungen der Bevölkerungszahl sowie der Alterung, da eine Differenzierung zwischen deutschen und nichtdeutschen Einwohnern wegen der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahre 1999 nicht mehr sinnvoll möglich ist.
Die Bevölkerungszahl in Westfalen-Lippe wird nach der Prognose des LDS aufgrund der negativen natürlichen Bilanz im Zeitraum 2005 bis 2025 von 8,47 Mio. Einw. auf 8,03 Mio. Einw. sinken. Nach 2025 werden die Sterbefallüberschüsse immer mehr ansteigen, sodass mit einer sich beschleunigenden Bevölkerungsabnahme zu rechnen ist.
In den Teilräumen wird die Entwicklung jedoch sehr unterschiedlich ablaufen. Während es in Teilen Westfalens deutliche Bevölkerungsverluste geben wird, werden andere Teilräume, zumindest bis 2025, noch Einwohner hinzu gewinnen. Abb. 1 zeigt die prognostizierten Veränderungen für Westfalen.
Für die unterschiedlichen Entwicklungen sind vor allem die Wanderungen ursächlich. Auch die Kreise werden mit Ausnahme des Kreises Paderborn im Prognosezeitraum eine negative natürliche Bilanz aufweisen. Anders als in der Vergangenheit gibt es auch im Hinblick auf die Wanderungsbilanzen nur noch geringfügige Unterschiede zwischen den Kreisen und den kreisfreien Städten (Tab. 1).
In der Alterspyramide wird sich der "Bauch" mit den stärksten Jahrgängen nach oben verschieben. In der Folge vermindert sich insbesondere der Anteil der Altersgruppe der bis zu 19-Jährigen, während der Anteil der über 75-Jährigen deutlich steigt. Die Zahl der Senioren steigt in den ländlichen Kreisen meist überdurchschnittlich an. Dagegen liegen die größeren Städte wie Münster und Bielefeld und die Ruhrgebietsstädte Dortmund, Bochum, Herne und Gelsenkirchen mit einer Veränderung des Anteils von unter 3% unter dem Landesdurchschnitt von 3,6% (Abb. 2).
Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) schätzt die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Westfalen im Allgemeinen etwas günstiger ein als das LDS NRW. Überwiegend liegen die Ergebnisse nah beieinander, im Einzelfall sind die Differenzen aber erheblich (Abb. 3). Dies verdeutlicht, dass es sich um die Vorausschätzung ungewisser zukünftiger Entwicklungen handelt, bei der das Prognoserisiko groß ist.
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Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (2006) (Hg.): ROP 2020/2050 - Raumordnungsprognose 2020/2025. Bonn (CD-ROM) |
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Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen (LDS) (2006) (Hg.): Vorausberechnung der Bevölkerung in den kreisfreien Städten und Kreisen Nordrhein-Westfalens 2005 bis 2025/2050. Düsseldorf |
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www.lds.nrw.de/statistik/datenangebot/daten/b/r311prog.html |
Erstveröffentlichung 2007
