Eine Auszeichnung der Paläontologischen Gesellschaft.

Träger, Angehörige und Freunde des LWL-Museums für Naturkunde freuen sich über die von der Paläontologischen Gesellschaft ausgesprochene Auszeichnung „Fossil des Jahres 2008“ für den Riesenammoniten, der sich seit 1895 im Eigentum des Museums befindet. Der Kopffüßer aus Seppenrade wurde zum Wahrzeichen unseres Museums. Umso mehr fühlen wir uns geehrt über die Auszeichnung der Paläontologischen Gesellschaft, einer internationalen Vereinigung für den deutschsprachigen Raum.
Der Träger des Ehrentitels wiegt über 3,5 Tonnen und ist rund 1,80 Meter groß. Sein wissenschaftlicher Name ist Parapuzosia seppenradensis. Benannt wurde er nach seinem Fundort im münsterländischen Seppenrade. Abgüsse des 80 Millionen Jahre alten versteinerten Riesenammoniten sind in fast allen großen Naturkundemuseen der Welt zu sehen.
Schauen Sie sich den Riesen des Meeres im Original an, wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks

Die Versteinerung erregte in der Fachwelt großes Aufsehen - bis zum 23. Februar 1895. Landois erhielt aus Seppenrade ein Telegramm des Kaufmanns, Zoologen und Heimatforschers Theodor Nopto: „Seppenrade. Zweiter Riesenammonit gefunden. Durchmesser 1,80 m. Nopto.“ Tatsächlich hatte man im selben Steinbruch, in dem auch schon der erste Riese entdeckt worden war, ein weiteres Exemplar gefunden.
Der neue Fund ist nach wie vor der größte, der weltweit gefunden worden ist. Landois beschrieb den Neufund und gab ihm den wissenschaftlichen Namen Pachydiscus seppenradensis. Spätere Bearbeiter stellten das Fossil zur Gattung Parapuzosia, so dass er heute Parapuzosia seppenradensis heißt.
Ammoniten waren Kopffüßer aus der großen Tiergruppe der Weichtiere. Sie sind Verwandte von heute noch in den Meeren lebende Tintenfischen und waren eine in der Erdgeschichte außerordentlich erfolgreiche Tiergruppe. Sie existierten vom Unterdevon (vor 417 Mio. Jahren) bis zum Ende der Kreidezeit (vor 65 Mio. Jahren). Die Bezeichnung „Ammonit“ rührt von dem aufgerollten Gehäuse her, das an ein Widdergehörn erinnert. Der altägyptische Gott Amun wurde mit einem Widderkopf dargestellt.
Ammoniten lebten in den Meeren, die damals auch weite Teile des heutigen Westfalens bedeckten. Sie verfügten über ein kalkhaltiges Gehäuse, das ihnen als Außenskelett Schutz und Halt gab. Das Gehäuse war in die eigentliche Wohnkammer und einen Abschnitt mit gasgefüllten Kammern unterteilt, mit deren Hilfe das Tier im Wasser schweben konnte. Die Fortbewegung erfolgte nach dem Rückstoßprinzip. Seit dem Ende der Kreidezeit sind Ammoniten ausgestorben.

Riesenwuchs bei Ammoniten trat in der Erdgeschichte öfter auf. So kamen Großformen im Oberdevon, in der Trias, im Jura und in der Kreide vor. Zu keiner Zeit wurde jedoch die Größe der kreidezeitlichen Riesen erreicht. Diese Großformen entwickelten sich nach einem globalen kräftigem Anstieg des Meeresspiegels. Die Großammoniten lebten in flacherem Wasser, ganz im Gegensatz zu den heute lebenden Riesentintenfischen, die ausschließlich in der Tiefsee leben. Großwüchsigkeit bringt Organismen einige Vorteile, wie z.B. ein höheres Lebensalter und Schutz vor Fressfeinden. Aufgrund ihrer Größe hatten die Großammoniten der Kreide kaum Feinde.
Bildergalerie - Verleihung der Auszeichnung "Fossil des Jahres 2008"
