Das LWL-Museum für Naturkunde besitzt die größte botanische Sammlung in Nordrhein-Westfalen.
Das Herbarium des Museums umfasst mehr als 200.000 Einzelbelege.
Was ist ein Herbarium?
Ein Herbarium dient als Archiv. In ihm werden Pflanzen archiviert, die getrocknet und gepresst wurden. Jeder Pflanzenbeleg liegt auf einem Herbarbogen. Dort sind u.a. Fundort und Datum vermerkt. Die Pflanzen verlieren in aller Regel ihre natürliche Färbung, sind im herbarisierten Zustand jedoch sehr lange aufzubewahren. Alle für die Identifikation notwendigen Merkmale bleiben erhalten. Diese Pflanzen sind für die Bestimmung genauso gut geeignet wie frische und deutlich besser geeignet als Zeichnungen oder Fotos, weshalb man sie heute noch genauso zur Bestimmung nutzt wie früher.
Erforschung der Pflanzenwelt
Die intensive floristische Erforschung Westfalens begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nachdem es zunächst Ärzte und Apotheker waren, die sich mit der heimischen Pflanzenwelt beschäftigten, waren es zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend Lehrer, die die Erforschung der heimischen Flora und die Vermittlung botanischen Wissens vorantrieben. Insgesamt fanden die Naturwissenschaften mehr Beachtung. Davon profitierte auch die floristische Erforschung Westfalens und das allgemeine Interesse an heimischen Pflanzen. Die Herbarien vieler westfälischer Botaniker der ersten Stunde befinden sich heute im LWL-Museum für Naturkunde.
Bemerkenswerte Sammlungen und Sammler
Zu den wertvollsten Sammlungen in Münster gehört das Herbarium des Arztes Johann Albert Luyken (1784 bis 1867), der bereits als Schüler in der Umgebung von Detmold Pflanzen sammelte und diese Sammlung bei seinen zahlreichen Reisen vergrößerte. Die Sammlung von Luyken kam im Jahr 1936 als Schenkung in das Museum.
Die erste westfälische Flora, das heißt ein Verzeichnis der in Westfalen vorkommenden Pflanzen, erschien im Jahre 1837. Aber das heute wichtigste Florenwerk für Westfalen ist die von Conrad Friedrich Ludwig Beckhaus (1821 bis 1890) verfasste und erst nach seinem Tode erschienene „Flora von Westfalen“ aus dem Jahr 1893. Sein umfangreiches Herbarmaterial ist in Münster erhalten geblieben.
Weitere bemerkenswerte Sammler und Sammlungen sind: Ludwig Volrad Jüngst, Rudolf Simon Brandes (1795 bis 1842), Karl Ernst August Weihe (1779 bis 1834) und Clemens Maria Franz von Bönninghausen (1785 bis 1864).

