Chronik
Grafik:Platzhalter
1820 Der vermutete Ort der Varusschlacht auf einer Karte von Wilhelm Tappe von 1820.



 





 
1825: Der kleine Satyr aus dem
2. Jahrhundert n. Chr. ist eines der ersten Stücke in der Sammlung.



 
1938 erscheint der erste Band der "Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskund", die vom 1825 gegründeten Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens herausgegeben wird. Sie erscheint bis heute.



 
1897 F. Philippi war nach der Gründung der Altertumskommission von 1897 bis 1903 Vorsitzender und Geschäftsführer der Altertumskommission.



 
1899 begannnen die Ausgrabungen in Haltern. „Erst seit Haltern weiß man, dass nichts so dauerhaft ist wie ein Loch und dass Erdverfärbungen der gleiche urkundliche Wert zukommt wie den Handschriften der Historiker“. (Zitat von R. Pörtner, Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit)



 
1906 beginnen die Grabungen in den Großsteingräbern von Warburg. 1988 wird ein mit Zeichen verzierter Stein mit einem Kran geborgen.

 
1907 Das Museum in Haltern.
 
1907 Blick in die Ausstellung des Museums in Haltern.












 
Dr. August Stieren (1885-1970), erster Direktor des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte.








 
1959 Die Goldfunde aus dem Grab des "Fürsten von Beckum".








 
1964 Luftbildaufnahme der Ausgrabungen in der Kaiserpfalz Paderborn.
 
1970 Blick in das alte Archäologie-Museum in Münster an der Rothenburg.
 
1975 Eines der Gräber von Warendorf bei der Ausgrabung.
 
1978 Eröffnung des Museums in der Kaiserpfalz in Paderborn.




























































 
1993 Die Architektur des Westfälischen Römermuseums in Haltern erinnert an die Zelte der Legionäre.



 
1995 In Warendorf wird ein Schädelstück eines Neandertalers entdeckt. Es ist heute im Landesmuseum in Herne ausgestellt.



















 
2003 Das neue archäologische Landesmuseum am Europaplatz in Herne



















 
Das Gebäude Nr. 7 in der Speicherstadt in Münster-Coerde
2008 Das neue Domizil der LWL-Archäologie für Westfalen in der Speicherstadt in Münster-Coerde
 
Prof. Dr. Michael M. Rind
2009 Phantombild des Publius Quintilius Varus, erstellt zur Imperium-Ausstellung
 
1507/1508
In der Bibliothek des Klosters Corvey werden die Annalen des Tacitus gefunden, in denen die Varusschlacht erwähnt wird. Daraufhin beginnt vor allem in Westfalen die Suche nach dem Ort der Varusschlacht. Das Interesse an im Boden verborgenen Spuren aus der Vergangenheit setzt ein.

1820
Nach der unsystematischen Suche nach dem Ort der Varusschlacht seit dem 16. Jahrhundert legt Wilhelm Tappe - von 1813 bis 1819 Lippischer Landbaumeister in Detmold - im Jahre 1820 die erste Karte der Grabhügel in der Region Paderborn und Lippe vor. Da viele dieser Hügel schon angegraben sind, stellt die Lippische Landesregierung diese Bodendenkmäler unter staatlichen Schutz.
Noch im gleichen Jahr wird "die Verordnung, das Nachgraben nach Todten-Urnen und sonstigen Althertümern betreffend" von der Lippischen Regierung in Kraft gesetzt. Damit wird erstmalig das Ausgraben ohne ausdrückliche offizielle Erlaubnis unter Strafe gestellt.
Diese Verordnung gilt als der Beginn einer amtlichen Bodendenkmalpflege in Lippe und bleibt für etwa 100 Jahre die einzige staatliche Regelung in der westfälisch-lippischen Region.
Ebenfalls seit 1820 werden auf Verfügung des preußischen Staatskanzlers, Fürst von Hardenberg, die westfälischen Funde im "Antiquitäten-Cabinet für die Rheinisch-Westphälischen Provinzen" in Bonn gesammelt.

1822
Hardenberg beschließt die Gründung eines gesonderten westfälischen Museums und die Gründung eines historischen Vereins in Münster. Daraufhin werden die westfälischen Funde nach Münster gegeben, vermutlich in die Dominikanerkirche, für die das Museum projektiert wird. Die Pläne scheitern.

1824
Der Paderborner Domkapitular Ignaz Meyer ergreift die Initiative und gründet den „Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens“. Dies gilt als Beginn der organisierten, überlokalen archäologischen Forschung in Westfalen.

1824/25
Nach der Paderborner Gründung entsteht auch in Münster ein solcher Verein. Die beiden Vereine schließen sich zusammen zum "Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens" mit den Abteilungen Paderborn und Münster.

1825
Der Münsteraner Lehrer Bernhard Soekeland beantragt beim Oberpräsident der preußischen Provinz Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, eine Sammlung von archäologischen Objekten für den Unterricht am Gymnasium Paulinum in Münster. Daraufhin wird Soekeland beauftragt, ein "Museum Vaterländischer Alterthümer" entsprechend den Plänen von 1822 zu errichten. Grundstock der Sammlung werden die aus Bonn zurück gegebenen Funde.

1826
Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens übernimmt die Betreuung des Projektes.

1836
Die archäologische Sammlung wird im Erdgeschoss des so genannten Stadtkellers in Münster, der vom Westfälischen Kunstverein für dessen Museumszwecke angemietet worden ist, untergebracht und aufgestellt. Es findet die erste Ausstellung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens statt, zu der auch ein Katalog herausgegeben wird. 1840 und 1842 folgen zwei weitere Ausstellungen.

um 1851
Die ehrenamtliche Stelle eines „Museums- und Münzcabinetsvorstehers“ wird eingerichtet.

1872
Der „Westfälische Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst“ konstituiert sich. Der Verein für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens schließt sich als Sektion an den Provinzialverein an. Hauptaufgabe des neuen Provinzialvereins soll die „Sicherung der kulturellen Überlieferung“ sein. Trotzdem werden Ausgrabungen weiterhin zum größten Teil auf private Initiative, überwiegend von kulturhistorisch gebildeten oder vermögenden Bürgern, durchgeführt und nicht als staatlich gelenkte Forschung.

1874
Die archäologische Sammlung des Vereins wird im ehemaligen Krameramtshaus untergebracht, das den Sektionsvereinen vom Provinzialverein zur Verfügung gestellt wird.

1879
Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens zeigt die weit beachtete „Ausstellung westfälischer Alterthümer und Kunsterzeugnisse“ im Ludgerianum am Domplatz.

1887
Der Provinziallandtag kauft den Kerkerinck-Borgschen Hof für ein Provinzialmuseum an.

1889
Der Hof wird dem Provinzialverein überlassen. Außer der Sammlung des Altertumsvereins werden auch die ethnologischen Funde der zoologischen Sektion im „Alterthumsmuseum“ gezeigt.

1891
Der Kerkerinck-Borgsche Hof wird wieder verkauft. Die Sammlung zieht in den Krummen Timpen und in einige Räume des neuen Gebäudes des Westfälischen Provinzialmuseums für Naturkunde.

1895
Die Eigentumsrechte an den Vereinssammlungen werden an die Provinz Westfalen abgetreten – mit Ausnahme der Rechte an Bibliothek und Archiv. Im Gegenzug soll der jährliche Zuschuss aus Provinzmitteln erhöht werden und der Verein soll an der Baukommission für einen geplanten Museumsneubau und dem später zu bildenden Museumskuratorium beteiligt werden.

1896
Der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens beschließt am 19. Januar, zur Erforschung und Veröffentlichung der archäologischen Quellen in Westfalen eine wissenschaftliche Kommission einzurichten.

1897
In Münster gründet sich am 30. Dezember die Altertumskommission für Westfalen. Als ein Ziel heißt es in der Satzung „die Forschungen an den stummen Zeugen der Vergangenheit systematischer anzuregen, einheitlicher zu fördern“.
Die ersten Verdienste der Altertumskommission für Westfalen liegen in der Erforschung der Burgen in Westfalen und der römischen Militäranlagen entlang der Lippe. In den folgenden Jahren erwirbt die Arbeit der Altertumskommission halbamtlichen Charakter, weil sie die Aufgaben des Provinzialverbandes auf dem Gebiet der archäologischen Forschung und Denkmalpflege erfüllt.

1899
In Haltern beginnen die ersten Ausgrabungen in einem römischen Militärlager in Westfalen. Hier wird auch erstmalig die Bedeutung von Erdverfärbungen erkannt, die von vergangenen Pfosten stammen können. Mit Hilfe dieser Standspuren kann die ehemalige hölzerne Bebauung rekonstruiert werden.In den nächsten Jahrzehnten werden die Lippelager in Beckinghausen (1911), in Oberaden (1945), in Holsterhausen (1964) und in Anreppen (1968) entdeckt und untersucht.

1906
Bei Warburg im Kreis Höxter beginnen Ausgrabungen an einem neolithischen Megalithgrab. In den folgenden Jahren werden noch vier weitere Gräber untersucht, darunter auch ein Holzkammergrab.

1907
In Münster beginnt der Umzug und die Aufstellung der Altertumssammlungen im neu erbauten Provinzialmuseum (heute Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte) am Domplatz.
In Haltern wird das Römermuseum eröffnet. Es zeigt die Funde der Ausgrabungen in Haltern. Im Zweiten Weltkrieg wird das Museum vollständig zerstört.

1908
Im neu eröffneten Provinzialmuseum in Münster werden archäologische Funde aus Westfalen in zwei Räumen ausgestellt.

1914
Das Preußische Ausgrabungsrecht tritt am 26. März in Kraft. Es regelt den Verkauf von Fundstücken, die Zuständigkeitsbereiche der Museen und vor allem die Ausgrabungen. Demnach soll keine Grabung ohne staatliche Genehmigung stattfinden. Da es aber kaum ausgebildete Prähistoriker gibt, gehen weiterhin zahlreiche Funde und Befunde durch nicht sachgemäße Bergung verloren. In Westfalen ist die Situation – im Gegensatz zum Beispiel zu Hannover und Sachsen – besonders prekär und wird schon 1912 von Gustav Kossinna, dem ersten Lehrstuhlinhaber für deutsche Vorgeschichte in Berlin, kritisiert.

1920
Die Ausführungsbestimmungen zum Preußischen Ausgrabungsrecht treten in Kraft. Damit werden die westfälischen Geschichts- und Altertumsvereine und die Altertumskommission vom Schutz und der Pflege archäologischer Denkmäler entbunden. Diese Aufgabe wird jetzt endgültig amtlich. In Westfalen werden sechs, regional zuständige „Vertrauensmänner für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer“ ernannt. Die Wissenschaftler kritisieren dieses Gesetz von Anfang an als nicht weitreichend genug und fordern eine stärkere Unterschutzstellung der Bodendenkmäler und mehr finanzielle Mittel für Ausgrabungen.

1925
Am Provinzialmuseum wird eine Assistentenstelle für einen Archäologen geschaffen und am 17. Februar mit Dr. August Stieren besetzt. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen bestätigt, dass Stieren, ab 1928 zugleich Geschäftsführer und ab 1930 Vorsitzender der Altertumskommission, in der archäologischen Denkmalpflege tätig sein soll. Seine vordringliche Aufgabe ist es, mit den sechs Vertrauensmännern möglichst viele ehrenamtliche „Pfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer“ überall im Land zu gewinnen, die in ihren Heimatgebieten für die Denkmalpflege tätig werden.

1930
Die archäologische Abteilung des Provinzialmuseums erhält eigene Räumlichkeiten; sie zieht in die benachbarte ehemalige Domschule.

1933
August Stieren, der nicht Mitglied in der NSDAP ist, wird seines ehrenamtlichen Postens als Beauftragter für die Belange der Bodendenkmalpflege in Lippe, den er seit 1929 bekleidete, enthoben. An der Universität Münster wird die Abteilung für deutsche Vorgeschichte gegründet und mit Stieren besetzt. Damit folgt die Fakultät rein wissenschaftlichen Erwägungen. Ab 1935 ist Stieren Honorarprofessor.

1934
Am 1. Oktober wird die archäologische Abteilung des Provinzialmuseums eigenständige Institution mit dem Namen „Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte“. Sein Direktor August Stieren wird gleichzeitig alleiniger Vertrauensmann für die kulturgeschichtlichen Bodenaltertümer für die gesamte Provinz Westfalen. Stieren behält diesen Posten bis zu seiner Pensionierung 1960. Er gilt heute als ein Beispiel für einen Wissenschaftler, der über eine minimale Anpassung hinaus nicht bereit war, sich aus Karrieregründen mit der NSDAP einzulassen. Das Landesmuseum arbeitet weiterhin eng mit der Altertumskommission für Westfalen zusammen; bis in die 1960er Jahre hinein werden Notgrabungen von ihr finanziell unterstützt.

1939
In Bielefeld und Arnsberg wird je eine Außenstelle des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte eingerichtet, zuständig für die archäologische Denkmalpflege im damaligen Regierungsbezirk Minden (heute Regierungsbezirk Detmold) bzw. im Regierungsbezirk Arnsberg.

1943 und 1945
Das Museum in der ehemaligen Domschule wird im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Die meisten Funde, alle Akten und Fundkarteien können gerettet werden.

1947
Die Altertumskommission wird in der ersten Sitzung nach dem Krieg am 17. April aufgelöst und konstituiert sich neu. Die alte Satzung von 1930 tritt wieder in Kraft.

1959
Der Architekt Hans Spiertz, Köln, gewinnt den Wettbewerb zum Wiederaufbau der beiden Landesmuseen zwischen Domplatz und Rothenburg in Münster.

In Beckum im Kreis Warendorf wird ein Friedhof mit 120 Bestattungen untersucht. Ein Grab aus der Zeit um 600 ragt mit seinen reichen Beigaben und Pferdebestattungen besonders heraus, der Tote wird als „Fürst von Beckum“ berühmt. Er dürfte zur europäischen Elite seiner Zeit gehört haben.

1960
Museumsdirektor Prof. Dr. August Stieren geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Dr. Hans Beck. Dieser bleibt bis zu seiner Pensionierung 1973 im Amt.

1961
Die Außenstelle Arnsberg des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte wird geschlossen.

1963
An der Rothenburg 30 wird der Grundstein für das neue Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte gelegt.

1964
In Paderborn sorgt die westfälische Archäologie europaweit für Schlagzeilen: Unmittelbar nördlich des Domes werden die Grundmauern der Kaiserpfalz von Karl dem Großen aus dem späten 8. Jahrhundert und deren Nachfolgebauten entdeckt. Damit ist ein Ort wiederentdeckt, an dem sich welthistorische Ereignisse abgespielt haben: 799 trafen sich hier Karl der Große und Papst Leo und bereiteten die Krönung Karls zum Kaiser im folgenden Jahr in Rom vor. Die archäologischen Untersuchungen der Anlagen dauern bis 1978.

1970
Im April öffnet das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster wieder, bis 1981 werden die einzelnen Abteilungen eingerichtet. Sie präsentieren archäologische Funde aus Westfalen von der Steinzeit bis zum 8. Jahrhundert.

1973
Museumsdirektor Dr. Hans Beck geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Dr. Bendix Trier, der bis zu seiner Pensionierung 1995 im Amt bleibt.

1974 bis Anfang der 90er
Im mittelalterlichen Stadtkern in Minden findet die erste, mehrere Parzellen übergreifende Flächengrabung in einer westfälischen Stadt statt, die in natürlichen Schichten untersucht werden kann. Minden gilt heute als die archäologisch am besten erforschte Stadt Westfalens.

1975 bis 1987
In Warendorf wird auf über 8 Hektar das größte zusammenhängende Gräberfeld der Bronze– und Eisenzeit in Nordwesteuropa an den heutigen Kottruper Seen untersucht. 341 Gräber in denen Erwachsene, Kinder, Familien und Hunde bestattet worden waren, können die deutschen und niederländischen Archäologen freilegen. Angehörige bestatteteten hier vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. ihre Toten .
Die Funde werden nach Münster ins Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte gegeben. Im gleichen Zeitraum entdecken die Archäologen in Warendorf Spuren einer Siedlung aus dem 7. oder 8. Jahrhundert. Sie bestand aus 5 Gehöften mit ca. 190 Holzbauten.

1977
Zur Vorbereitung des geplanten Denkmalschutzgesetzes in Nordrhein-Westfalen erfolgt eine Inventarisation aller in Westfalen bekannten Denkmäler. Dieses Programm zur „Erfassung des denkmalwerten Kulturgutes“ – die so genannte Schnellinventarisation – wird vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert und läuft bis Ende 1989. Die Archäologen beginnen damit, die obertägigen Bodendenkmäler aufzunehmen. Die Inventarisation der untertägigen konnte bis heute nicht abgeschlossen werden.

1978
Am 16. Juli eröffnet das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn. Es ist eingerichtet in den Räumlichkeiten der wieder aufgebauten ottonischen Pfalzanlage. Eigentümer der Anlage ist das Domkapitel des Erzbistums Paderborn, Träger des Museums ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

1980
Am 1. Juli tritt in Nordrhein-Westfalen das Denkmal-schutzgesetz in Kraft und löst das Preußische Ausgrabungsrecht von 1914/1920 ab. Damit wird der Zweigleisigkeit in der amtlichen Bodendenkmalpflege ein Ende gesetzt: Das Kultusministerium hebt die Beauftragung des „Staatlichen Vertrauensmannes für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer“ auf. Das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte erhält mit dem Amt für Bodendenkmalpflege ein unabhängiges Fachamt für die Bodendenkmalpflege in Westfalen-Lippe. Oberstes Ziel der Archäologen sind der Schutz und die Pflege der Bodendenkmäler.

Am 1. August wird das Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte umbenannt in „Westfälisches Museum für Archäologie/Amt für Bodendenkmalpflege“. Das Referat „Archäologische Bauforschung“ des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege wird als Fachreferat für „Mittelalter-und Neuzeitarchäologie“ dem neu organisierten Museum zugeordnet. Es bleibt in seinem Domizil in der Salzstraße. Neu eingerichtet wird das Fachreferat für paläontologische Bodendenkmalpflege.

1981
Der Landesverband Lippe und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe schließen einen Vertrag über die gemeinsame Arbeit im Bereich der Bodendenkmalpflege. Das Lippische Landesmuseum übernimmt die Belange der amtlichen Bodendenkmalpflege im Kreis Lippe im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

1982
In Olpe wird eine Außenstelle des Amts für Bodendenkmalpflege eingerichtet, zuständig für alle Belange der archäologischen Denkmalpflege im Regierungsbezirk Arnsberg. Damit ist erstmals seit 1961 die archäologische Denkmalpflege wieder vor Ort in Südwestfalen.

1984
Im Sommer zieht das Gebietsreferat Münster, zuständig für die Belange der archäologischen Denkmalpflege im Regierungsbezirk Münster, aus der Zentrale an der Rothenburg aus. In seinem neuen Domizil am Bröderichweg steht den Mitarbeitern wesentlich mehr Platz zur Verfügung. Dadurch entspannt sich auch die räumliche Situation in der Zentrale.

1988
Das Westfälische Museum für Naturkunde in Münster übernimmt in Amtshilfe die Aufgaben der paläontologischen Bodendenkmalpflege in Westfalen-Lippe.

Von 1988 bis 2004 werden im Inneren des Römerlagers Anreppen große Flächen ergraben. Im Lager können unter anderem ein Kommandeurshaus, Wohngebäude, Wirtschaftsgebäude und Mannschaftsunterkünfte identifiziert werden. Das Lager wird in das erste Jahrzehnt n. Chr. datiert.

1989
Das 1977 begonnene Inventarisierungsprogramm zur „Erfassung des denkmalwerten Kulturgutes“ läuft aus. In den 13 Jahren konnten die obertägigen Bodendenkmäler wie Grabhügel und Wallburgen erfasst werden. Erst begonnen werden konnte mit der Aufnahme der untertägigen Bodendenkmäler auf dem Lande, zum Beispiel Siedlungen und Friedhöfe. Die untertägigen Bodendenkmäler in den Städten konnten mit Hilfe der Schnellinventarisation vollständig aufgenommen werden. Die zusammengetragenen Unterlagen bilden die Grundlage für die Anträge an die Unteren Denkmalbehörden auf Unterschutzstellung der wichtigsten Bodendenkmäler und für die Raumordnungsverfahren.

1991
Die Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe beschließt, die Schausammlung des Westfälischen Museums für Archäologie nach Herne zu verlagern.

1993
In Haltern eröffnet am 25. November auf dem Gelände des ehemaligen römischen Hauptlagers das Westfälische Römermuseum Haltern. Es lässt die 28-jährige Geschichte der Römer in Westfalen lebendig werden.

1995
Museumsdirektor Dr. Bendix Trier geht in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird Dr. Gabriele Isenberg.

Ein Saugbagger fördert bei Warendorf ein Schädelfragment eines Neandertalers zutage. Damit ist erstmalig die Anwesenheit von Neandertalern in dieser Region direkt belegt. Der Neandertaler aus Warendorf, dessen Geschlecht man noch nicht bestimmen konnte, war etwa 20 bis 30 Jahre alt und litt an einer Hirnhautentzündung. Ob er daran auch starb, ist bis heute fraglich.

1999
In Herne beginnt der Neubau des Westfälischen Museums für Archäologie.

2000
Am Stichtag 1. Januar sind in Westfalen-Lippe mehr als 20.000 archäologische Fundstellen registriert. Davon sind 2.334 als Bodendenkmäler in die Denkmallisten der Gemeinden eingetragen und damit geschützt.

2001
Die Schausammlung des Westfälischen Museums für Archäologie in Münster an der Rothenburg verabschiedet sich mit einem zweitägigen Fest von seinen Besuchern und schließt am 15. Juli endgültig seine Pforten. Von 1970 bis 2001 hat es insgesamt 1,1 Millionen Besucher gezählt und 50 Sonderausstellungen gezeigt.

2002
Das Westfälische Museum für Archäologie / Amt für Bodendenkmalpflege heißt seit 19. April „Westfälisches Museum für Archäologie – Landesmuseum und Amt für Bodendenkmalpflege“.

Die Provinzialrömische Archäologie sowie die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie müssen ihr Domizil erneut räumen. Sie ziehen in die Zentrale an der Rothenburg, wo Räume der ehemaligen Schausammlung des Museums zu Büros umgebaut worden sind.

2003
Am 28. März öffnet das Westfälische Museum für Archäologie an seinem neuen Standort am Europaplatz in Herne. Mit seiner einzigartigen Konzeption und Gestaltung gehört das archäologische Landesmuseum zu den modernsten Museen in Europa. In dem rund 28 Millionen Euro teuren Neubau stehen rund 4000 Quadratmeter für Ausstellungen zur Verfügung. Die 2900 Quadratmeter große Dauerausstellung zeigt 250 000 Jahre Menschheitsgeschichte in Westfalen.

Das zentrale Magazin, das Fotolabor, die Restaurierungs- und Dokumentationswerkstätten ziehen von April bis Juni aus ihren Räumlichkeiten im alten Münsteraner Museum an ihren neuen Standort in Münster-Coerde. Das neue Gebäude ist auf dem modernsten Stand der Technik. Rund 8,5 Kilometer laufende Regalmeter stellen die Bewahrung des Fundgutes unter besten klimatischen Bedingungen sicher. Das Westfälische Museum für Archäologie kommt damit seiner Verantwortung, die dinglichen Hinterlassenschaften für zukünftige Generationen zu sammeln, zu dokumentieren und zu bewahren, in vorbildlicher Weise nach.

2005
Am Stichtag 1. Januar sind in Westfalen-Lippe 2.469 Bodendenkmäler in die Denkmallisten der Gemeinden eingetragen.

Die Sonderausstellung „Die letzten Stunden von Herculaneum“ im Westfälischen Römermuseum Haltern ist mit 128.000 Besuchern die erfolgreichste rein archäologische Ausstellung in Westfalen.

2007
Im Februar beschließt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine weit reichende Namensänderung. Der Name des Gesamthauses „Westfälisches Museum für Archäologie - Landesmuseum und Amt für Bodendenkmalpflege“ wird geändert in „LWL-Archäologie für Westfalen“. Das archäologische Landesmuseum in Herne heißt jetzt „LWL-Museum für Archäologie“, das Römermuseum in Haltern am See „LWL-Römermuseum“.

2008
Im Juli wird die Direktorin der LWL-Archäologie für Westfalen, Dr. Gabriele Isenberg, pensioniert. Dr. Christoph Grünewald, Leiter der Außenstelle Münster, übernimmt die Leitung des Gesamthauses kommissarisch.

Im Oktober ziehen die letzten Abteilungen der LWL-Archäologie für Westfalen aus der Rothenburg aus. Ihr neues Domizil finden sie in einem umgebauten Silo in der Speicherstadt in Münster-Coerde. Hier befinden sich seit 2003 schon die technischen Dienste des Hauses.

2009
Am 1. Januar wird Prof. Dr. Michael M. Rind neuer Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen.

2000 Jahre nach der Varusschlacht zeigt das LWL-Römermuseum die Sonderausstellung IMPERIUM. Die Schau ist Teil des Ausstellungsprojekt IMPERIUM.KONFLIKT.MYTHOS, das in Haltern am See, Kalkriese und Detmold unterschiedliche Facetten des historischen Geschehens beleuchtet.

2010
Im Januar zieht die Außenstelle Münster, bisher am Bröderichweg beheimatet, in die Speicherstadt nach Münster-Coerde. Damit sind alle Münsteraner Abteilungen am neuen Standort der LWL-Archäologie für Westfalen vereint.

2011
Im Juli zieht die Außenstelle Bielefeld von ihrem alten Domizil in der Kurzen Straße 36 in das Lenkwerk in der Straße Am Stadtholz 24 a.

Im Oktober vermelden die LWL-Archäologen die Entdeckung eines neuen Römerlagers in Olfen. Der Komplex ist über 5 Hektar groß und stammt aus der Zeit von 11 bis 7 vor Chr. Der Größe des Lagers, der Beschaffenheit der Holz-Erde-Mauer und der Lage an der Lippe nach zu urteilen, handelte es sich um ein Versorgungslager.

Grafik:Platzhalter
Zum Seitenanfang 
 
Startseite |  www.archaeologie-in-westfalen-lippe.de |  Impressum