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Visuelles und Virtuelles
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Wenn Sie den roten Balken auf der Zeitleiste verschieben, haben Sie Einblick in die verschiedenen Zeitzonen der Ausstellung.
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| Die Dauerausstellung |
ein virtueller Rundgang
Schauen Sie sich doch einmal in unserer Ausstellung um und
lesen Sie mehr über 250 000 Jahre Menschheitsgeschichte in
Westfalen. Bewegen Sie den Zeitstrahl und klicken Sie auf die rote
Markierung, um mehr über eine Epoche zu erfahren.
In der unterirdisch gelegenen Ausstellungshalle ist nach dem Vorbild einer archäologischen Ausgrabung eine so genannte Grabungslandschaft eingebaut.
Sie erzählt die Geschichte der Menschen in der Region so, wie sie sich den Archäologen unmittelbar im Boden offenbart. Hier erzählen die Funde ihre Geschichte: der 250 000 Jahre alte Faustkeil im Geröll der letzten Eiszeit, der Bronzeschmuck einer Frau in ihrem Grab aus der Zeit von 550 v. Chr., der Puppenkopf im Bombenschutt des Zweiten Weltkriegs - zusammen erzählen sie die Geschichte der Menschen in Westfalen von der Steinzeit bis heute.
Wie auf einer richtigen Ausgrabung führt ein Steg durch den chronologisch angelegten Rundgang, vobei an Gräbern und Brunnen im Boden, durch
ein Erdwerk der frühen Bauern und eine Kirche der ersten Christen, in eine Höhle und in eine Stadt.
In der Wand öffnen sich Fenster in die zeitgleiche Geschichte jenseits von Westfalen, zu den ägyptischen Pyramiden, Mohammed, der Entdeckung Amerikas... Und die Archäologen öffnen den Horizont noch weiter. In vier Grabungszelten inszenieren sie vier existenzielle Bereiche des menschlichen Lebens: Klima, Zeit, Schrift, Sexualität.
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| Bewegtes Leben |
Jagen, Sammeln, Fischen
Länger als 150 000 Jahre lebten Menschen im heutigen Westfalen als Jäger
und Sammler. Extreme Klimaschwan- kungen prägten diese Zeit. Jahrtausendelange
Kalt- und Warmphasen wechselten sich ab. Um zu überleben, mussten sich
die Menschen - Neandertaler und Homo sapiens - anpassen. Archäologen haben
herausgefunden, dass die Menschen das Feuer beherrschten und Geräte aus
Holz, Knochen und Stein herstellten. Sie lebten zeitweise in Höhlen, zogen
aber vor allem durch das Land und errichteten dort ihre Jagdlager und
Wohnplätze.
In den trockenen Kaltphasen spielte die Jagd auf Mammuts, Rentiere, Wildpferde
und andere eiszeitliche Tiere die wichtigste Rolle. Herden durchzogen
die weiten und grasreichen Kälte- steppen. Eiskalte Staubstürme prägten
die Winter, Mücken- plagen die Sommer. Während der regenreicheren Warmphasen
sammelten die Menschen pflanzliche Nahrung und ergänzten damit die Jagdbeute.
Vor etwa 30 000 Jahren war die Zeit der Neandertaler vorbei. Nur noch
der Homo sapiens, der moderne Mensch, bevölkerte die Welt. Erst am Ende
der letzten Eiszeit stabilisierte sich das Klima und ermöglichte eine
andere Art zu wirtschaften. |
| Wurzeln schlagen |
Die ersten Bauern
Im 6. Jahrtausend v. Chr. drangen Ackerbauern und Viehzüchter aus Südost-
und Westeuropa in das heutige Westfalen ein. Sie besiedelten das Land
der Jäger und Sammler und verdrängten sie nach und nach.
Die neuen Siedler rodeten den Laubwald und bauten Getreide an. Sie lebten
in größeren Gemeinschaften, errichteten Häuser, betrieben Handel und nutzten
neue Techniken wie Töpfern, Schleifen und Bohren von Stein. Über mehrere
Generationen begruben sie ihre Toten auf Friedhöfen oder bestatteten sie
in Großsteingräbern. Die Menschen orientierten sich an Sternen und Mondphasen,
um das Jahr einzuteilen und Zeiten für Aussaat und Ernte festzulegen.
Gemeinsam bauten sie riesige Wall- und Grabenanlagen, so genannte Erdwerke,
die den Urgeschichtlern heute noch Rätsel aufgeben.
In dieser Zeit veränderte der Mensch erstmals massiv seine Umwelt. Die
Natur- wandelte sich zunehmend zur Kultur- landschaft. Durch die neue Lebensweise
stieg die Bevölkerung stark an; doch führten Missernten oft zu Hungerkatastrophen
und Krankheiten. |
| Neue Wege |
Bronzehandel und Grabwandel
Was wir aus der Zeit von 2800 bis 750 v. Chr. wissen, wissen wir fast
nur aus Gräbern.
Bis 1300 v. Chr. bestatteten die Hinterbliebenen nur einzelne Personen
unter großen, teilweise aufwändig gebauten Grab- hügeln. Die Toten waren
meistens Männer, denen ihre Angehörigen Waffen aus Stein, Kupfer oder
Bronze ins Grab legten. In den wenigen Frauengräbern hat man Bronzeschmuck
gefunden. In den Bestatteten sehen die Archäologen eine Oberschicht, die
Unterschicht kennen sie noch nicht.
Kupfer und Zinn, die Rohstoffe für die Bronze, gab es in Westfalen nicht.
Händler brachten sie ins Land. Flüsse und Fernwege wuchsen zu einem europäischen
Verkehrsnetz zu- sammen. Entlang dieser Wege versteckte man Waffen und Schmuck
und legte die Gräber an.
Ab 1300 v. Chr. änderten sich die Bestattungssitten: Nun verbrannten die Angehörigen alle Toten auf Scheiterhaufen. Die Asche begruben sie auf großen Friedhöfen.
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| Fremde Sitten |
Das Eisen und die Folgen
Im 7. Jahrhundert v. Chr. kamen Fremde in das Wesertal, um Handel zu treiben.
Sie brachten ein neues Metall mit: das Eisen. Einige von ihnen ließen
sich sogar dort nieder. Ihre fremden Sitten behielten sie bei, zum Beispiel
bestatteten sie ihre Verstorbenen weiterhin unverbrannt.
Das Eisen war es auch, das Menschen im 5. Jahrhundert v. Chr. in das unbewohnte
Siegerland lockte. Bergleute aus dem Süden suchten nach Lagerstätten des
neuen Metalls. Mit ihnen kamen Handwerker und Händler. In den Bergregionen
errichteten die Bewohner Befestigungen auf Bergkuppen. Im Sauerland nutzten
sie die Höhlen für Kulthandlungen und Menschenopfer.
Dagegen schien die Zeit bei den Bauern in der westfälischen Bucht stehen
geblieben zu sein. Weiterhin lebten sie auf Einzelhöfen und produzierten
ihre Lebensmittel und Textilien selbst. Erst im 3. Jahrhundert v. Chr.
begannen auch sie, Eisen zu verhütten. |
| Über den Rhein |
Kontakt mit der Weltmacht Rom
In den Jahrzehnten um Christi Geburt gerieten die Bewohner des heutigen
Westfalen in Konflikt mit der Weltmacht Rom. Caesar hatte das benachbarte
Gallien erobert und die Grenze des Römischen Reichs an den Rhein vorgeschoben.
Er war es auch, der die Menschen rechts des Flusses unter einem Namen
zusammenfasste: Germanen.
Diese fielen immer wieder plündernd in Gallien ein. Deshalb schickte Kaiser
Augustus 12 v. Chr. seine Legionen nach Germanien und ließ an der Lippe
Militärlager errichten. Nicht ohne Widerstand. 9 n. Chr. vernichteten
die Germanen in der "Schlacht im Teutoburger Wald" drei römische
Legionen. Kurz darauf zogen sich die Römer an den Rhein zurück.
War nach dem Abzug der Römer wieder alles beim Alten? Auf den ersten Blick
ja: Die Menschen wohnten auf Einzelhöfen, betrieben Handwerk, opferten
ihren Göttern, verbrannten ihre Toten. Doch Kontakt zu den Römern müssen
die Germanen noch gehabt haben. Denn in jeder germanischen Siedlung finden
Archäologen Waren aus dem Römischen Reich. |
| Nach dem Sturm |
Unterwegs zu neuen Reichen
Im 4. Jahrhundert überfluteten Völker aus dem Osten das Römische Reich.
Einige Menschen aus dem heutigen Westfalen wanderten mit, um links des
Rheins zu siedeln, Beute zu machen oder als Söldner für die Römer zu kämpfen.
Heimkehrer brachten römisches Gold nach Westfalen - und die Sitte, die
Toten unverbrannt zu bestatten.
Links des Rheins entstand im 5. Jahrhundert das Frankenreich. Sein Einfluss
reichte bis ins westfälische Gebiet: Hier gründeten die Menschen jetzt
größere Siedlungen mit mehreren Höfen. Über Generationen wohnten sie am
selben Platz. Reiche und Mächtige ließen sich nach Vorbildern aus dem
Frankenreich mit großem Aufwand begraben.
Aber friedlich war es damals nicht: Von Norden drängten die Sachsen seit
dem 7. Jahrhundert durch Westfalen bis ins Frankenreich. Karl der Große,
König der Franken, schlug zurück - auch auf westfälischem Gebiet gab es
Krieg. |
| Zwischen Himmel und Erde |
Reich und Religion
Am Ende des 8. Jahrhunderts gliederte Karl der Große, König der Franken,
das Gebiet des heutigen Westfalens in sein Reich ein und ließ die Bewohner
zum Christentum bekehren. Der Alltag der Menschen änderte sich.
In den neuen Klöstern und Domschulen lernten und lehrten Mönche und Nonnen
lesen und schreiben. Rechtshandlungen werden seitdem in Urkunden festgehalten.
Die ersten Münzen in Westfalen ließ Ludwig der Fromme, Nachfolger von
Karl dem Großen, prägen. Es dauerte aber ein paar Jahrhunderte, bis auch
in entlegeneren Gegenden die Menschen nur noch mit Geld bezahlten.
Aus manchen Orten entwickelten sich befestigte Städte mit gewähltem Rat.
Die meisten Menschen lebten jedoch weiterhin auf dem Land. Die einzelnen
Höfe mussten Grundherren Abgaben und Frondienste leisten. Die Grundherren
gingen dazu über, ihre Höfe auszubauen und mit Gräben oder Mauern zu umgeben.
So entstanden besonders im 12. Jahrhundert viele Burgen. Bedeutende Herrscher
stellten Verwalter ein, die sich ebenfalls eine Burg oder zumindest ein
steinernes Wohnhaus errichteten. |
| Ans Licht gebracht |
Entdecker neuer und alter Welten
Eine neue Epoche begann, als sich am Ende des 15. Jahrhunderts Seefahrer
aufmachten, um neue Welten zu ent- decken: Sie erweiterten damit den Horizont
der Alten Welt.
Sie brachten exotische Dinge an die europäischen Fürstenhöfe. Zur gleichen
Zeit begannen Gelehrte, die Überreste der Antike zu erforschen. Alte Schriften
wurden Grundlage für neue Wissenschaften. Durch die gerade erfundene Buchdruckkunst
verbreitete sich das Wissen schnell.
Viele dieser Bücher sind bis heute erhalten. Trotzdem ergänzen für diese
Zeit Archäologen zusammen mit Historikern und anderen Forschern das Geschichtsbild.
So überprüfen sie Pläne und historische Abbildungen von Schlössern oder
Gärten anhand ihrer Überreste im Gelände. Ausgrabungen in Industrierevieren
helfen, frühe technische Anlagen zu rekonstruieren.
Die Archäologie ist
auch deshalb wichtig, weil viele Aufzeichnungen und Archive bei Bombenangriffen
im Zweiten Weltkrieg verbrannt sind. Anderes, zum Beispiel das Konzentrationslager
in Witten, wurde der Nachwelt absichtlich nicht überliefert. |
| 250 000 bis 5000 v. Chr. |
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Zwei Schädelstücke - zwei Menschenarten.
Im Zelt "Evolution" diskutieren Archäologen, Theologen und andere
Wissen- schaftler über die Herkunft des Menschen.
Foto: S.Brentführer/LWL. |
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| 5500 bis 2700 v. Chr. |
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Eine Auswahl aus der Produkt- palette der ersten Töpfer in Westfalen vom 6. bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. Foto: S.Brentführer/LWL. |
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| 2800 bis 750 v. Chr. |
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Eines der größten Gräberfelder in Westfalen haben Archäologen
in Warendorf (Kreis Warendorf) ausgegraben. Im Museum ist der Friedhof
als begehbares Modell gestaltet, 36 der Gräber vom 3. Jahrtausend
bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. sind herausgehoben.
Foto: S.Brentführer/LWL.
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| 750 bis 12 v. Chr. |
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Wie die Bergleute vor 2500 Jahren Eisen herstellten und aus dem Rohmaterial Meißel, Waffen und andere Gegenstände entstanden, zeigt ein Film in einem Feld aus Schlacke. Foto: S.Brentführer/LWL. |
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| 12 v. bis 400 n. Chr. |
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Rinder und Hunde haben die Germanen den Göttern auf dem Gelände der späteren Zeche Erin in Castrop-Rauxel (Kreis Recklinghausen) geopfert. Im 3. und 4. Jahrhundert unterhielten sie dort einen einen Handels- und Kult-platz. Foto: H.Menne/LWL.
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| 400 bis 800 n. Chr. |
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Durch einen Wald von Lanzen, untermalt von Kriegsgeschrei, geht es am Ende des 8. Jahrhunderts. Die Inszenierung lässt die 30 Jahre dauernden Sachsenkriege gegenwärtig werden, mit denen Karl der Große Westfalen in sein Reich eingliederte. Foto: H.Menne/LWL. |
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| 800 bis 1450 n. Chr. |
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Ein viereckiges Metallgeflecht steht für die Wehrhaftigkeit der Burgen und ist bestückt mit Teilen von Rüstungen, Lanzenspitzen und Granaten. Foto: S. Brentführer/LWL.
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| 1450 n. Chr. bis heute |
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Der Rundgang endet im Bomben- schutt des Zweiten Weltkriegs. Die Archäologen fanden darin diesen Puppenkopf - was ist mit dem Mädchen geschehen, das mit der Puppe gespielt hat? Foto: S.Brentführer/LWL.
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