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Ausgrabungen in Westfalen
Die LWL-Archäologie für Westfalen führt ausschließlich Notgrabungen durch. Es werden also nur Bodendenkmäler ausgegraben, die unabweisbar von Zerstörung bedroht sind. Deswegen hängt die Zahl und der Umfang der archäologischen Untersuchungen pro Jahr unmittelbar von der Zahl der Bodeneingriffe zum Beispiel durch Bauprojekte ab. Die Spanne reicht von eintägigen Baustellenbeobachtungen bis zu mehrjährigen Ausgrabungen. Einige Ausgrabungen und Funde der letzten Jahre:
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Castrop-Rauxel - Ickern (Kreis Recklinghausen)
In der Flur Ickern liegen die Überreste eines etwa 2000 Jahre alten Gehöfts. Die Menschen wohnten hier in bis zu 25 Meter langen Wohnstallhäusern, lagerten ihre Vorräte in Speicherbauten und umgaben ihre einzeln stehenden Gehöfte mit Zäunen. Die Holzbauten sind längst vergangen. Ihre Spuren lassen sich aber noch heute in der Erde erkennen und ermöglichen ihre Rekonstruktion. Tausende Funde von zerbrochenen Keramikgefäßen und Webgewichten, Mühlsteinfragmenten, Metallgeräten und anderen Gebrauchsgegenständen zeugen bislang vom Alltagsleben der damaligen Menschen. Amphorenscherben und andere Überreste römischer Waren zeigen, dass es zumindest Berührungspunkte zwischen der germanischen Bevölkerung an der Emscher und den Gallo-Römern jenseits von Rhein und Donau gegeben hat. Noch bis Mitte 2010 haben die LWL-Archäologen Zeit für die Untersuchung der zehn Hektar großen Fläche, bevor die Emschergenossenschaft hier im Zusammenhang mit dem Umbau des Emscher-Systems ein Hochwasser-Rückhaltebecken baut.
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Porta Westfalica-Barkhausen (Kreis Minden-Lübbecke)
In Porta Westfalica-Barkhausen (Kreis Minden-Lübbecke) wurden im Sommer 2008 die Spuren eines römischen Marschlagers entdeckt. Seitdem legen die Archäologen auf der 2,4 Hektar großen Fläche dort außerdem zwei Gräberfelder aus dem 2. bis 1. Jahrtausend v. Chr. bzw. dem frühen Mittelalter frei. Weitere Funde reichen von Keramikscherben aus der Jungsteinzeit bis zu einer Telefonleitung aus der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg.
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Olfen (Kreis Coesfeld)
Bei Probegrabungen waren 2007 in Olfen auf dem Gelände des geplanten Naturerlebnisbades mehrere archäologische Fundstellen entdeckt worden. In einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Archäologischer Denkmalpflege wurde ein Kompromiss gefunden, der sowohl den Bau des Bades ermöglichte als auch Teile des Bodendenkmals auf Dauer erhält. Damit blieb nur ein kleiner Teil des Areals vor dem Baubeginn 2009 archäologisch zu untersuchen. Dabei legten die Archäologen Teile eines Gräberfeldes der Bronze- und vorrömischen Eisenzeit sowie Siedlungen aus der vorrömischen Eisenzeit und dem Mittelalter frei.
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Erwitte-Bad Westernkotten (Kreis Soest)
Der Neubau einer Schießhalle in Bad Westernkotten war der Grund für eine Untersuchung in diesem Bereich. Das Gelände ist nicht nur durch historische Quellen als Siedlung „Hocelhem“ bekannt, sondern auch durch zahlreiche archäologische Funde als frühgeschichtliches Siedlungsareal. Die in mehreren Kampagnen zwischen 2005 und 2008 entdeckten Siedlungsbefunde und Funde zeigen die Struktur der Siedlung und belegen, dass dieser Ort vom 7. bis 14. Jahrhundert durchgehend besiedelt war. Damit ist Hocelhem mindestens 600 Jahre älter, als die schriftlichen Quellen glauben machen. Ein kleines kobaltfarbenes Fragment eines keltischen Glasarmringes und einige Scherben prähistorischer Machart sind daneben Hinweise auf eine Besiedlung des Fundplatzes bereits in der jüngeren Phase der vorrömischen Eisenzeit.
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Die Falkenburg bei Detmold-Berlebeck (Kreis Lippe)
Seit 2005 untersucht die LWL-Archäologie zusammen mit der Kreisarchäologie Lippe die Falkenburg. Ab 1194 durch Graf Bernhard II. errichtet und seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verlassen, wurde die einst mächtige Falkenburg 1802 zum Steinbruch erklärt und weitgehend abgetragen. Ihre Baustrukturen waren nur noch zum Teil obertägig erkennbar. Die Archäologen waren daher von der guten Erhaltungssubstanz beeindruckt und können die Geschichte dieser klassischen hochmittelalterlichen Höhenburg immer besser rekonstruieren. Ein besonderer Fund im Jahr 2009 waren die ersten Wolfsangeln in Westfalen. Die Ausgrabungen stehen im Zusammenhang mit der voraussichtlich bis 2015 dauernden Gesamtsanierung der Burg.
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Ense-Bremen (Kreis Soest)
Bei der Untersuchung einer über zehn Hektar großen Fläche wurden weitere 155 Gräber eines seit 1961 bekannten Gräberfeldes freigelegt. Bei den meisten Gräbern handelte es sich um Brandbestattungen aus der Bronzezeit oder um Körpergräber aus dem frühen Mittelalter. Einzigartig war eine rund 20 Meter lange Grabanlage in Form einer „8“ aus dem frühen Mittelalter. In ihrem nördlichen Kreis war ein Mann mit nur wenigen Beigaben bestattet worden. Nach Abschluss der Ausgrabungen wurde die Fläche 2007 mit einem Kreisverkehr bebaut.
Literaturhinweis: Stephan Deiters, Das Gräberfeld von Ense-Bremen, Münster 2007, 36 S. mit 51 Abb., 2,50 Euro. Erhältlich nur im LWL-Museum für Archäologie in Herne.
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Petershagen-Lahde (Kreis Minden-Lübbecke)
In Petershagen-Lahde hat die Außenstelle Bielefeld in drei Kampagnen zwischen 2005 und 2007 eine mittelalterliche Siedlung und ein Gräberfeld des 8. bis 13. Jahrhunderts untersucht. Mit rund 22 Metern Länge und neun Metern Breite ist eines der Häuser das bislang größte in Ostwestfalen. Zu diesem Hallenhaus gesellen sich Gruben, Grubenhäuser und ein Brunnen. Ein kurioser Fund war ein über 12.000 Jahre alter Mammutzahn, den die Menschen im Mittelalter wohl gefunden und aufgehoben haben. Die Untersuchung wurde notwendig, da hier ein Neubaugebiet entsteht.
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Paderborn, Kötterhagen
Auf dem Areal zwischen Rathaus und „Grube“ legte die Stadtarchäologie Paderborn Siedlungsspuren aus neun Jahrhunderten bis in eine Tiefe von sieben Metern frei. Keller und Grundmauern der Häuser lagen in einem ehemaligen Verteidigungsgraben und Steinbruch, in dem noch Bischof Meinwerk im 11. Jahrhundert die Kalksteine für seine großen Bauprojekte brechen ließ: den Neubau des Doms und der Pfalz, seinen Bischofspalast und die neue Mauer um die Domburg. Als im frühen 12. Jahrhundert die Paderborner Bischöfe die Stadt Paderborn gründeten, ließen sie den Steinbruch zur Hälfte zuschütten, um Bauland zu gewinnen. Auf den neu vermessenen Grundstücken errichteten nun Bürger ihre Häuser. Die Straßennamen „Grube“ und „Krumme Grube“ erinnern heute noch an ein Leben in mehreren Metern Tiefe. Die Ausgrabung am Kötterhagen war notwendig geworden, da hier ein ein Bankgebäude und ein Kammerspiel-Theater entstehen. Die 18-monatige Grabungskampagne ging 2006 zu Ende.
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Schloss Horst in Gelsenkirchen
Bedingt durch die Sanierung und Restaurierung von Schloss Horst in Gelsenkirchen musste die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie seit 1990 großflächige Ausgra-bungen vornehmen, die 2005 abgeschlossen wurden. Sie erbrachten einen hervorragenden Einblick in die Baugeschichte des Schlosses und seiner Vorgängeran-lagen: Von einer Hofstelle des 11./12. Jahrhunderts über eine hölzerne Wehranlage im 13. und eine Steinburg im 14./15. Jahrhundert bis hin zur Errichtung des Schlosses im 16. Jahrhundert konnten 1000 Jahre Siedlungsgeschichte dokumentiert werden.
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Dorpede bei Marsberg (Hochsauerlandkreis)
Dorpede bei Marsberg-Westheim ist eine Wüstung - ein aufgegebenes Dorf -, das um 1400 verlassen wurde und aus schriftlichen Quellen bekannt ist. Die wichtigste Entdeckung bei der Grabung war die Kirche, denn zum ersten Mal konnte in Westfalen die Kirche eines mittel-alterlichen Ortes zusammen mit einem Teil der umge-benden Besiedlung freigelegt werden. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, die Wüstung selbst ist aber wesentlich älter. Denn unter dem Kirchenfußboden wurde Keramik aus dem 9. Jahrhundert geborgen. Die Ausweisung eines Gewerbegebietes hatte die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie 2003 bis 2005 zur Untersuchung der Fläche gezwungen.
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Sendenhorst (Kreis Warendorf)
In Sendenhorst haben Archäologen der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie bei der Ausgrabung eines mittelalterlichen Adelshofes aus dem 11. bis 12. Jahrhundert zwei Backgammon-Steine und zwei Schachfiguren gefunden, die zu den ältesten und aufwändigsten ihrer Art in Europa gehören. Für den größeren Backgammon-Stein gibt es in Europa bislang überhaupt keine vergleichbaren Stücke. Das Gehöft, in dem die Steine gefunden wurden, könnte auch ein großer Bauernhof sein. Aber Schach und ähnliche Spiele waren im Mittelalter eine Sache der Elite, deshalb müssen hier Adelige gewohnt haben. Die Ausgrabung war 2003 und 2004 wegen einer geplanten Erweiterung eines Firmengeländes notwendig geworden. Die Steine sind seit 2007 im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.
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Borken-Südwest (Kreis Borken)
Zwischen 1998 und 2004 wurde in Borken-Südwest eine über zehn Hektar große Fläche untersucht, da hier ein Neubaugebiet entstehen sollte. Vier Besiedlungsschwerpunkte stellte die Außenstelle Münster fest: Neolithikum, vorrömische Eisenzeit, römische Kaiserzeit und Frühmittelalter. Über 35.000 Jahre alt ist der älteste Fund: ein Winkelschaber aus Feuerstein. Aus der Eisenzeit stammen zahlreiche Wohn-Stall-Häuser und tausende Scherben. Die Eisenzeit ist die hier am häufigsten vertretene Periode. Durch die Größe der untersuchten Fläche ließ sich für die Eisenzeit eine regelrechte Siedlungslandschaft aus mehreren Höfen erfassen.
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Hamm, Westhafen
Im Westhafen von Hamm wurden Ausgrabungen vor dem Bau eines Logistikzentrums notwendig. 2001 bis 2002 musste die Außenstelle Olpe eine Fläche von 4,1 Hektar untersuchen – immerhin die größte zusammenhängende Fläche, die bisher auf Hammer Stadtgebiet vollständig archäologisch untersucht wurde. Es traten über 1000 Jahre Siedlungsgeschichte zutage: von der vorrömischen Eisenzeit bis zum Hochmittelalter im 13. Jahrhundert. Zu einem Hof aus dem 11. und 12. Jahrhundert gehörte mit 35 Metern Länge ein außergewöhnlich großes Haus. Aufgrund vieler besonderer Funde, zum Beispiel einem Kerzenleuchter in Form eines Hirsches, kann man hier wohl von einem Herrenhof sprechen.
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Dorsten-Holsterhausen (Kreis Recklinghausen)
Von 2000 bis 2002 untersuchte die Außenstelle Münster in Dorsten-Holsterhausen, einem der römischen Militärstandorte an der Lippe, eine Fläche von etwa 12 Hektar. Es konnten mehrere Phasen sowohl einer germanischen Siedlung, die ihre Lage mehrfach änderte, als auch von römischen Marschlagern aus der Zeit um Christi Geburt dokumentiert werden. Die größte Überraschung war die Entdeckung eines römischen Hortfundes mit 36 silbernen Denaren in einem Lagergraben. Wahrscheinlich hatte hier ein Legionär sein Geld vergraben und nicht wieder mitnehmen können. Außerdem wurde eine frühmittelalterliche Siedung aus dem 8./9. Jahrhundert untersucht. Die Grabung wurde notwendig, da hier Wohnhäuser entstehen.
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