Funde aus Westfalen
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Keramik ist die häufigste Fund-gattung. Diese Töpfe stammen aus einer frühmittelalterlichen Kirche in Meschede wo sie in den Wänden wohl zur Verbesserung der Akustik eingebaut worden waren.
 
Das einzige Schädelfragment eines Neandertalers aus Westfalen stammt aus Warendorf und ist heute im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.
 
Die mit 300 Jahren älteste Zahnbürs-te Europas wurde 2003 bei der Aus-grabung eines ehemaligen Hospitals in der Mindener Innenstadt entdeckt.
 
Die Urne von Gevelinghausen ist eines der Highlights westfälischer Archäologie: von diesem Typ sind weltweit nur 6 Funde bekannt. ca. 750 v. Chr.
 
Die vergoldete Bronzefibel aus dem frühen Mittelalter stammt aus Borken und ist mit der Darstellung der Taube ein frühes Symbol der Christiani-sierung.
 
Keramikeier als Schleudergeschosse aus der vorrömischen Eisenzeit aus Hamm-Herringen.
 
Ausgrabungen in Westfalen

Die LWL-Archäologie für Westfalen führt ausschließlich Notgrabungen durch. Das heißt, es werden nur Bodendenkmäler ausgegraben, die unabweisbar von Zerstörung bedroht sind. Deswegen hängt die Zahl und der Umfang der archäologischen Untersuchungen pro Jahr unmittelbar von der Zahl der Bodeneingriffe zum Beispiel durch Bauprojekte ab. Die Spanne reicht von eintägigen Baustellenbeobachtungen bis hin zu mehrjährigen Ausgrabungen. Einige Ausgrabungen und Funde der letzten Jahre:
 
Blick auf zwei Gräber: links eine Kreisgrabenanlage, rechts das Grab in Form einer 8..
Ense-Bremen(Kreis Soest)
Bei der Untersuchung einer über zehn Hektar großen Fläche wurden weitere 155 Gräber eines seit 1961 bekannten Gräberfeldes freigelegt. Bei den meisten Gräbern handelte es sich um Brandbestattungen aus der Bronzezeit oder um Körpergräber aus dem frühen Mittelalter. Einzigartig war eine rund 20 Meter lange Grabanlage in Form einer "8" aus dem frühen Mittelalter. In deren nördlichen Kreis war ein Mann mit nur wenigen Beigaben bestattet worden. Nach Abschluss der Ausgrabungen wurde die Fläche 2007 mit einem Kreisverkehr bebaut.
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Grabungsleiter Dr. Werner Best legt ein Pferdegrab frei. Foto: LWL/Wibbe.
Petershagen-Lahde (Kreis Minden-Lübbecke) In Petershagen-Lahde hat die Außenstelle Bielefeld in drei Kampagnen zwischen 2005 und 2007 eine mittelalterliche Siedlung und ein Gräberfeld des 8. bis 13. Jahrhunderts un-tersucht. Mit rund 22 Metern Länge und neun Metern Breite ist eines der Häuser das bislang größte in Ostwestfalen. Zu diesem Hallenhaus gesellen sich Gruben, Gruben-häuser und ein Brunnen. Ein kurioser Fund war ein über 12 000 Jahre alter Mammutzahn, den die Menschen im Mittelalter wohl gefunden und aufgehoben haben. Die Untersuchung wurde notwendig, da hier ein Neubaugebiet entsteht.
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Paderborn, Kötterhagen
Auf dem Areal zwischen Rathaus und "Grube" legte die Stadtarchäologie Paderborn Siedlungsspuren aus neun Jahrhunderten bis in eine Tiefe von sieben Metern frei. Keller und Grundmauern der Häuser lagen in einem ehemaligen Verteidigungsgraben und Steinbruch, in dem noch Bischof Meinwerk im 11. Jahrhundert die Kalksteine für seine großen Bauprojekte brechen ließ: den Neubau des Doms und der Pfalz, seinen Bischofspalast und die neue Mauer um die Domburg. Als im frühen 12. Jahrhundert die Paderborner Bischöfe die Stadt Paderborn gründeten, ließen sie den Steinbruch zur Hälfte zuschütten, um Bauland zu gewinnen. Auf den neu vermessenen Grundstücken errichteten nun Bürger ihre Häuser. Die Straßennamen “Grube“ und „Krumme Grube“ erinnern heute noch an ein Leben in mehreren Metern Tiefe. Die Ausgrabung am Kötterhagen war notwendig geworden, da hier ein ein Bankgebäude und ein Kammerspiel-Theater entstehen. Die 18-monatige Grabungskampagne ging 2006 zu Ende.
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Schloss Horst in Gelsenkirchen. Foto: LWL/R. Klostermann.
Schloss Horst in Gelsenkirchen
Bedingt durch die Sanierung und Restaurierung von Schloss Horst in Gelsenkirchen musste die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie seit 1990 großflächige Ausgra-bungen vornehmen, die 2005 abgeschlossen wurden. Sie erbrachten einen hervorragenden Einblick in die Baugeschichte des Schlosses und seiner Vorgängeran-lagen: Von einer Hofstelle des 11./12. Jahrhunderts über eine hölzerne Wehranlage im 13. und eine Steinburg im 14./15. Jahrhundert bis hin zur Errichtung des Schlosses im 16. Jahrhundert konnten 1000 Jahre Siedlungsgeschichte dokumentiert werden.
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Die freigelegten Grundmauern der Kirche.
Dorpede bei Marsberg (Hochsauerlandkreis)
Dorpede bei Marsberg-Westheim ist eine Wüstung - ein aufgegebenes Dorf -, das um 1400 verlassen wurde und aus schriftlichen Quellen bekannt ist. Die wichtigste Entdeckung bei der Grabung war die Kirche, denn zum ersten Mal konnte in Westfalen die Kirche eines mittel-alterlichen Ortes zusammen mit einem Teil der umge-benden Besiedlung freigelegt werden. Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, die Wüstung selbst ist aber wesentlich älter. Denn unter dem Kirchenfußboden wurde Keramik aus dem 9. Jahrhundert geborgen. Die Ausweisung eines Gewerbegebietes hatte die Mittelalter- und Neuzeitarchäologie 2003 bis 2005 zur Untersuchung der Fläche gezwungen.
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Sendenhorst (Kreis Warendorf)
In Sendenhorst haben Archäologen der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie bei der Ausgrabungen eines mittel-alterlichen Adelshofes aus dem 11. bis 12. Jahrhundert zwei Backgammon-Steine und zwei Schachfiguren ge-funden, die zu den ältesten und aufwändigsten ihrer Art in Europa gehören. Für den größeren Backgammon-Stein gibt es in Europa bislang überhaupt keine ver-gleichbaren Stücke. Das Gehöft, in dem die Steine gefunden wurden, könnte auch ein großer Bauernhof sein. Aber Schach und ähnliche Spiele waren im Mittelalter eine Sache der Elite, deshalb müssen hier Adelige gewohnt haben. Die Ausgrabung war 2003 und 2004 wegen einer geplanten Erweiterung eines Firmengeländes notwendig geworden. Die Steine sind seit 2007 im LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen.

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Im gelben Boden zeichnet sich dunkel ein fünfeckiger Grundriss aus Flechtwerkwänden aus der Eisenzeit ab. Solche Häuser dienten vermutlich der Kleintierhaltung.
Borken-Südwest (Kreis Borken)
Zwischen 1998 und 2004 wurden in Borken-Südwest über 10 ha untersucht, da hier ein Neubaugebiet ent-stand. Vier Besiedlungsschwerpunkte stellte die Außen-stelle Münster fest: Neolithikum, vorrömische Eisenzeit, römische Kaiserzeit und Frühmittelalter. Über 35 000 Jahre alt ist der älteste Fund: ein Winkelschaber aus Feuerstein. Aus der Eisenzeit stammen zahlreiche Wohn-Stall-Häuser und tausende Scherben. Die Eisenzeit ist die hier am häufigsten vertretene Periode. Durch die Größe der untersuchten Fläche ließ sich für die Eisenzeit eine regelrechte Siedlungslandschaft aus mehreren Höfen erfassen.
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In der Luftbildaufnahme zeichnen sich die ehemaligen Standorte der Pfosten des großen Hauses als schwarze Verfärbungen im gelben Boden ab.
Hamm, Westhafen
Im Westhafen von Hamm wurden Ausgrabungen vor dem Bau eines Logistikzentrums notwendig. 2001 bis 2002 musste die Außenstelle Olpe eine Fläche von 4,1 Hektar untersuchen – immerhin die größte zusammen-hängende Fläche, die bisher auf Hammer Stadtgebiet vollständig archäologisch untersucht wurde. Es traten über 1000 Jahre Siedlungsgeschichte zu Tage: von der vorrömischen Eisenzeit bis zum Hochmittelalter im 13. Jahrhundert. Zu einem Hof aus dem 11. und 12. Jahrhundert gehörte mit 35 Metern Länge ein außergewöhnlich großes Haus. Aufgrund vieler besonderer Funde, zum Beispiel eines Kerzenleuchters in Form eines Hirsches, kann man hier wohl von einem Herrenhof sprechen.

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Dorsten-Holsterhausen (Kreis Recklinghausen)
Von 2000 bis 2002 untersuchte die Außenstelle Münster in Dorsten-Holsterhausen, einem der römi-schen Militärstandorte an der Lippe, eine Fläche von etwa 12 ha. Es konnten mehrere Phasen sowohl einer germanischen Siedlung, die ihre Lage mehrfach änderte, als auch von römischen Marschlagern aus der Zeit um Christi Geburt dokumentiert werden. Die größte Überraschung war die Entdeckung eines römischen Hortfundes mit 36 silbernen Denaren in einem Lagergraben. Wahrscheinlich hatte hier ein Legionär sein Geld vergraben und nicht wieder mitnehmen können. Außerdem wurde eine frühmittelalterliche Siedung aus dem 8./9. Jh. untersucht. Die Grabung wurde notwendig, da hier Wohnhäuser entstehen.



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