Das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte entstand, wie in vielen anderen deutschen Bürgerstädten, die nicht auf eine fürstliche Sammlung zurückgreifen konnten, im Zeitalter der Romantik durch die Initiative des Westfälischen Kunstvereins (von 1832) und des Altertumsvereins für Westfalen. Beide Vereine schufen während des 19. Jahrhunderts den Grundstock für das heutige "LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte".
Das zentrale Kunstmuseum Westfalens befindet sich seit 1908 im Stadtzentrum am Domplatz in Münster. 1970 wurde ein Neubau im damaligen Stil an das Gebäude angebaut. Im Mai 1999 wurde der Altbau des Museums, der große Teile der Sammlung beherbergt, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, die fast vier Jahre dauerten, wieder eröffnet. Träger des Landesmuseums ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der seine Wurzeln in der Selbstverwaltung der preußischen Provinzen hat.
Das Museum umfaßt in seinen historischen Beständen bedeutende Kunstwerke seit dem frühen Mittelalter, die in der Region und in den Nachbarschaften entstanden sind, mit Schwerpunkten wie der romanischen und gotischen Monumentalskulptur und der frühwestfälischen Tafelmalerei. Höhepunkte, denen das Museum internationale Anerkennung verdankt, sind das Soester Antependium, die Überwasserskulpturen aus Münster, die Bilder von Konrad von Soest, Johann Koerbecke, die Tafeln von Derick Baegert sowie das Werk des letzten großen Meisters der westfälischen Skulptur Heinrich Brabender.
Ergänzt wird dieser Bestand mittelalterlicher Kunst durch die nicht-westfälische Sammlung mittelalterlicher Glasscheiben des Freiherrn vom Stein, u. a. die weltberühmten romanischen Glasfenster des Meisters Gerlachus. Die Renaissance ist hervorragend vertreten durch die münstersche Malerfamilie tom Ring (siehe Hermann tom Ring, Ludger tom Ring d. Ä.), aber auch durch ein Meisterwerk deutscher Intarsienkunst, den sogenannten Wrangel Schrank. Die großen Ereignisse der Geschichte in Westfalen, wie die Wiedertäuferzeit und der Westfälische Friede spiegeln sich ebenso in der Sammlung wie die Barockzeit.
Neben der älteren Kunst ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Sammlung und Ausstellungstätigkeit die Moderne Galerie mit einem umfangreichen Gemäldebestand vom deutschen Impressionismus mit Liebermann, Slevogt und Corinth, dem Expressionismus (Brücke und Blauer Reiter mit besonderem Gewicht auf den aus Westfalen stammenden August Macke) über die Bauhauszeit und die Kunst der fünfziger Jahre bis zur internationalen Avantgarde. Große Retrospektiven haben in den letzten Jahren Hunderttausende von Besuchern angezogen. So gilt die internationale Aussstellung Skulptur Projekte von 1977, 1987, 1997 und 2007 mittlerweile als Musterbeispiel für die Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum.
Die Retrospektive von Chaim Soutine gilt auch heute noch als Standard. Die August Macke-Ausstellung von 1987 hat mit ihren über 300.000 Besuchern das Phänomen der erfolgreichen Sonderausstellungen mitbegründet. Die Retrospektive des amerikanischen Malers Ellsworth Kelly, die Münster in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris und der National Gallery Washington erarbeitet hat, wurde in den Medien als ein hervorragendes Beispiel für internationale Kooperationen genannt.
So gewann das ursprüngliche Provinzialmuseum, das zur Bewahrung und Forschung der Geschichte und Kunst der Landschaft Westfalen im Rahmen der Kulturpolitik der preußischen Selbstverwaltung gegründet wurde, an Aufmerksamkeit über die Region hinaus. Das inzwischen internationale Prestige hat sich auf der Grundlage der Sammlung und vor allem durch die Ausstellungen des Hauses entwickelt.
Bedeutende übergreifende Sammlungsabteilungen sind die Landesgeschichte, das Münzkabinett mit über 100.000 Exponaten sowie das Porträtarchiv Diepenbroick mit über 120.000 Porträts in verschiedenen druckgrafischen Techniken. Seit dem Frühjahr 1996 stellt das Museum ebenfalls im Kloster Bentlage bei Rheine aus. Dort zeigt die neu gegründete "Westfälische Galerie" Werke von Morgner, Hermann tom Ring, Rohlfs, Böckstiegel und Macke sowie Beispiele der Neuen Sachlichkeit und der Abstraktion in Westfalen bis zur Jahrhundertmitte. Seit Mai 2000 wird im Schloß Cappenberg bei Lünen die ständige Ausstellung "Der Freiherr vom Stein und Cappenberg" gezeigt.