Willkommen beim LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster, <br />Außenstelle Schloss Cappenberg, Selm
Karl Freiherr vom Stein als preußischer Staatsminister 1804. Gemälde von J. Chr. Rincklake (LWL-LMKuK, Leihgabe der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege an den Freundeskreis des Landesmuseums)

Der Freiherr vom Stein

Leben und Werk

Geboren 1757 in eine alte evangelische reichsritterschaftliche Familie, war er 1780 in den preußischen Staatsdienst eingetreten. Stein stieg rasch auf und wurde 1796 Oberpräsident der preußischen Westprovinzen. Ab 1802 hatte er die Integration der säkularisierten westfälischen Bistümer in den preußischen Staat zu organisieren, 1804 wurde er Finanzminister in Berlin.


Als leitender Minister 1807/1808 begann er das Reformwerk, das nach der Niederlage gegen Napoleon 1807 den preußischen Staat wieder in den Kreis der Großmächte zurückführen sollte. Stein setzte auf die Mobilisierung der bisher als "Untertanen" behandelten Einwohner als "Staatsbürger" für den Staat (Bauernbefreiung, Städteordnung).


1808 mußte Stein ins Exil nach Böhmen gehen und trat 1812 in die Dienste des russischen Zaren. Während der Befreiungskriege von der napoleonischen Vorherrschaft 1813‑1814 und während des Wiener Kongresses 1814/15 übernahm er, u.a. als Berater des Zaren, wichtige Aufgaben. Da er sich mit seinen Vorstellungen über die Neugestaltung der politischen Ordnung in Deutschland nicht durchsetzen konnte, zog er sich in das Privatleben zurück und erwarb 1816 Schloss Cappenberg.


Von seinem Wohnsitz Cappenberg aus förderte er die Erforschung der Geschichte Deutsch­lands im Mittelalter, in dem er einen Höhepunkt der nationalen Geschichte sah. Als Berater des Königs nahm er durch Denkschriften starken Einfluß auf die Einführung von Provinzial­ständen 1818/23 und gilt als Begründer der landschaftlichen Selbstverwaltung


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Stein über Cappenberg, 1816

Ich rechne sehr auf Ihren Besuch in Cappenberg ... Sie werden sich freuen über die herrliche Vegetation unserer Eichen und Buchen, über den ernsten Charakter der stark und schön bewaldeten Gegend auf der einen Seite der Umgebungen und den weiten, freien Blick in eine große, schöne, von den Gebirgen des Sauerlandes begrenzte Ebene auf der entgegengesetzten, die man aus dem an dem Abhang einer Anhöhe kühn aufgebauten Kloster überblickt. Der Gottesdienst in der ganz nahe gelegenen Kirche, begleitet von dem schönen Geläute und Orgel, die mannigfaltigen Gegenstände der Erinnerung an die frommen Stifter Gottfried und Otto Grafen von Cappenberg, deren Gebeine im Chor aufbewahrt werden, alles dieses gibt eine ernste, feierliche, höchst beglückende Stimmung, die so sehr mit meiner Neigung zur Abgeschiedenheit und Einsamkeit übereinkommt.

Man erscheint sich selbst doch sehr erbärmlich, wenn man bedenkt, daß diese edlen, mächtigen Grafen unermeßliche Besitzungen aufgaben, ao. 1120 vier große Klöster stifteten, bedeutende Güter dem Bischof von Münster, den Herzog Friedrich von Hohenstaufen schenkten und Gott in der Abgeschiedenheit eines Klosters dienten und sich allen Entbehrungen und Beschränkungen des Mönchslebens unterwarfen ? und welchen Gebrauch mache ich von dem durch die segnende Hand der Vorsehung mir zugefallenen Teil dieses Vermögens?


Aus einem Brief des Freiherrn vom Stein an seine Schwägerin Gräfin von Kielmannsegg, 4. September 1816

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Der Freiherr vom Stein & Cappenberg