Weltkarte mit Allegorien der vier Elemente, aus einem Atlas, Amsterdam,
Nicolaes Visscher I (1618 – 1679) und Nicolaes Berchem (1620 – 1683)
um 1660
Kupferstich, Kolorit der Zeit, 47,7 x 56,7 cm (Plattenrand)
Kunstwerk des Monats Oktober 2008 als Download (PDF)
Zeitgleich mit dem Beginn der Ausstellung „Orte der Sehnsucht“ präsentiert der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster als Kunstwerk des Monats Oktober 2008 eine Weltkarte. Nicolaes Visscher I und Nicolaes Berchem haben die „Weltkarte mit Allegorien der vier Elemente“ um 1600 in Amsterdam entworfen.
In Kupfer gestochen und handkoloriert, bildet sie den Auftakt eines prachtvollen Atlanten, der für einen zahlungskräftigen Auftraggeber individuell zusammengestellt wurde.
Innerhalb der Folge von 59 hochkarätigen Karten und Plänen ragt eine der frühesten Ansichten des kleinen niederländischen Vorpostens „Niew Amsterdam“ aus dem Jahre 1656 hervor. Ein Handelsplatz mit Zukunft, den die Engländer bereits acht Jahre später eroberten und in „New York“ umbenannten.
Visscher – Kupferstecher und verantwortlicher Herausgeber der Weltkarte – gehörte einer der typischen Amsterdamer Verleger-Dynastien an, mit deren Hilfe sich das Land- und Seekartengeschäft im frühen 17. Jahrhundert immer mehr von Antwerpen nach der Metropole der nördlichen Niederlande verlagerte. Nicolaes Berchem, der hochgeschätzte Haarlemer Maler und Zeichner, lieferte Visscher die seitenverkehrten Vorzeichnungen für die fantasievollen Allegorien von Feuer und Wasser, Erde und Luft. Sie machen bis heute den besonderen Reiz dieser später oft kopierten Weltkarte aus. Trotz aller barocken Prunkentfaltung rund um die dargestellte Weltkugel präsentiert sich die Bestandsaufnahme der Erdoberfläche selbst als ausgesprochen nüchtern: Die Küstenlinien Australiens und Kaliforniens etwa enden wahrheitsgemäß an den Grenzen des Unerforschten. Schließlich fehlt bei Visscher auch das bei vielen anderen Kartenmachern vorzufindende Phantom eines gigantischen „Südkontinents“.