Band 61/2011
691 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15394-9
Die Erwerbsverhältnisse und Lebensgrundlagen der modernen Industriegesellschaft im 20. Jahr-hundert veränderten sich bei weitem nicht so eindimensional, wie es sich Geschichtstheoretiker und Sozialwissenschaftler um 1900 vorstellten. Zwar ging die Zahl selbständiger Bauern langfristig zu-rück, doch parallel zur Verstädterung und zur Ausbreitung der Konsumgesellschaft bebauten immer mehr Arbeitnehmer ein Stück Land, um sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Diese Form der Subsistenzwirtschaft entwickelte sich im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts zu einem Massen-phänomen. In vielen Regionen – dem Saarland, Südwestdeutschland, dem Ruhrgebiet, Ostwestfa-len verdichtete sich die Verbindung von Lohnarbeit und Selbstversorgung zu markanten, langfristig stabilen Konstellationen. Dabei blieb die Selbstversorgung keine Privatsache. Vertretern der Kirchen, konservativen Sozialreformern, selbst Vertretern der Arbeiterbewegung galt sie als Voraussetzung erstrebenswerter wirtschaftlicher und sozialer Krisenfestigkeit.
Die Beiträge des Themenschwerpunktes beschreiben den Umfang des beschriebenen Phänomens, seine Wurzeln und langfristige Entwicklung. Sie gehen diesem Prozess in verschiedenen Regionen nach, vor allem dort, wo diese Kombination zu einem „Markenzeichen“ regionaler Wirtschafts- und Sozialstruktur wurde. Der Band beschäftigt sich darüber hinaus mit der Politisierung des Phäno-mens, mit dem Versuch, eine Alternative zum Aufstieg der modernen Massenkonsumgesellschaft zu entwickeln, den Widersprüchen, aber auch den eigentümlichen Verbindungen, die sich zwischen den Visionen der Knappheit und des Überflusses ergaben.
Weitere Beiträge des Jahresbandes behandeln – ebenfalls an regionalen Beispielen − das Verhältnis von Wissenschaft und staatlichem Einfluss, untersuchen anhand neuer Quellen den Blick der Verwaltung auf ihre Klientel und berichten über verschiedene vom LWL-Institut für westfälische Re-gionalgeschichte veranstaltete Tagungen. Die Westfälischen Forschungen beinhalten darüber hinaus – wie in jedem Jahr − eine landeskundliche Zeitschriftenschau und einen umfangreichen Rezensi-onsteil.
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