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Reformation in Westfalen und Lippe

Thomas Küster (Hg.)

Band 66/2016
634 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15399-4

 

Ziel des Themenschwerpunktes 2016 ist es, neue Einsichten in regionale und lokale Charakteristika der Reformation in Westfalen und Lippe zu vermitteln. Welchen „Stellenwert“ besaß Westfalen innerhalb des Reformationsprozesses? Weist Westfalen als trikonfessionelle Region Besonderheiten auf, die z.B. in Südwest- oder Norddeutschland nicht anzutreffen sind? Wie ist die Zuordnung von „Fürstenreformation“, „Stadt-, Bürger- bzw. Gemeindereformation“ und dem Bedürfnis nach Erneuerung in der Bevölkerung zu gewichten?

In der Reformationshistoriographie wurde häufig der Eindruck vermittelt, Westfalen sei überwiegend ein „Nebenland“ der Reformation gewesen. Dabei gab es auch in Westfalen zahlreiche selbständige Versuche, die alte kirchlich-politische Ordnung aufzubrechen und einer partikular organisierten, mehrkonfessionellen Gesellschaft Entwicklungschancen zu eröffnen. Westfalen mit seinen vier Diözesen, einigen kleineren geistlichen Herrschaften und Klöstern, Teilgebieten Jülich-Kleve-Bergs, kleinen Reichsgrafschaften und teilweise autonom agierenden Städten bot von seinen Voraussetzungen her den Nährboden für ein breites reformatorisches Konfliktfeld. Eine der heftigsten politischen Kon-frontationen im Kontext der Reformation fand z.B. in Münster statt, das zum Sammlungsort einer Täuferbewegung wurde, die das bestehende kirchliche System radikal ablehnte. Überhaupt bot die Stadtreformation in Westfalen zahlreiche Varianten der Tolerierung und Eigenständigkeit, zum Teil auch mehrfache Wechsel der Konfession. Allein das rechtfertigt eine Betrachtung der Reformation(en) in Westfalen aus regionaler Perspektive, auch wenn deren Durchsetzung letztlich immer eine Frage der territorialen politischen Verhältnisse blieb. Am Beispiel der Grafschaft Mark, der Städte Dortmund, Bielefeld und Münster sowie der besonderen Situation in Lippe wird gezeigt, dass sich der Protestantismus in Westfalen erst in einem langen Übergangszeitraum und in spezifischen Mischformen aus den katholischen Gemeinden heraus bilden konnte und vor dem 17. Jahrhundert nicht in der Lage war, sich übergemeindlich zu organisieren.

Weitere Beiträge behandeln die biographischen Hintergründe (katholischer) Historiographie im 19. und 20. Jahrhundert, die Sozial- und Gesundheitspolitik der Landschaftsverbände nach 1945 im überregionalen Vergleich (u.a. am Beispiel der Drogenhilfe), die Nutzung von Markwald als Bestandteil der vorindustriellen Landwirtschaft, die Armenhausstiftungen des münsterländischen Adels in der Neuzeit sowie die Handlungsspielräume von Lehrerinnen und Lehrern an einem Gymnasium in Münster zwischen 1933 und 1945. Tagungs- und Jahresberichte, eine Zeitschriftenschau und ein umfangreicher Rezensionsteil beschließen die „Westfälischen Forschungen 2016“.

Alle Angaben ohne Gewähr.

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