Kultur --> IWR --> Publikationen --> Westfälische Forschungen --> Band 56 (2006)
   
zurück   zurück
Barbara Stambolis (Hg.):
Konfessionelle Kulturen in Westfalen



Band 56/2006 (ISBN 3-402-09236-0)


Konfessionsgeschichtliche und konfessionsräumliche Fragen beschäftigen die Religions-, die Sozial- und die Mentalitätengeschichte ebenso wie die Geographie und die empirischen Kulturwissenschaften. Interdisziplinarität und räumliche Differenzierung stehen deshalb auch im Vordergrund des Themenschwerpunkts, der in diesem Jahr von Barbara Stambolis betreut wird. Westfalen eignet sich für die Untersuchung konfessioneller Kulturen besonders gut, weil hier mehrheitlich protestantische Teilregionen und überwiegend katholische ebenso anzutreffen sind wie gemischt-konfessionelle. Darüber hinaus finden sich in diesen Regionen zahlreiche Spielarten des Protestantismus. Zudem prägten und prägen konfessionsräumliche Gliederungen die „mental geographies“ in Westfalen: Die Grenzlinien zwischen konfessionsverschiedenen Herrschaftsgebieten sind bis ins 20. Jahrhundert hinein zu verfolgen. Auch aus diesem Grund gilt die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft wieder verstärkt der Tatsache, dass die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts in hohem Maße christlich geprägt und von konfessionellen Gegensätzen durchzogen war. Es ist davon auszugehen, dass es vielfältige regionale und lokale Varianten im Mit- und Gegeneinander der Konfessionen gab. Die Identifizierung und der Vergleich dieser unterschiedlichen Ausprägungen sollen einen differenzierteren Blick auf die frühneuzeitlichen Konfessionalisierungsprozesse und den „Dämon des Konfessionalismus“ in der Neuzeit ermöglichen.

Weitere Beiträge befassen sich mit den Anfängen des Königreichs Westphalen im Raum Minden, mit den Aktivitäten der nationalliberalen Parteien im Ruhrgebiet vor dem Ersten Weltkrieg und mit dem Stellenwert der SED-Überlieferung im Staatsarchiv Leipzig für die Geschichte der westfälischen SPD nach 1945. Riccardo Bavaj diskutiert methodische Neuorientierungen, die unter dem Begriff „spatial turn“ zusammengefasst werden und Impulse für die moderne Regionalgeschichte liefern können. Publikations- und Forschungsberichte, die Jahresberichte der wissenschaftlichen Kommissionen für das Jahr 2005, eine umfangreiche Zeitschriftenschau und ein Rezensionsteil mit über 60 Einzelbesprechungen runden den Band ab.




Inhalt:


Barbara Stambolis:
Einführung, S. 1-22

Harm Klueting:
Westfalia catholica im 16. und 17. Jahrhundert, S. 23-63

Andreas Holzem:
Katholische Konfessionskultur im Westfalen der Frühen Neuzeit. Glaubenswissen und Glaubenspraxis in agrarischen Lebens- und Erfahrungsräumen, S. 65-87

Johannes Burkardt:
Reformierte, Lutheraner, Pietisten. Ein Beitrag zur Konfessionsgeschichte Wittgensteins vom 17. bis 19. Jahrhundert, S. 89-116

Claus Bernet:
Die Gründung von Friedensthal 1792: Ein heterodoxes Siedlungsunternehmen im konfessionellen Umfeld,
S. 117-141

Hertha Sagebiel:
Die Erweckungsbewegung in Westfalen und ihr Einfluss auf die Diakonie, S. 143-163

Barbara Stambolis:
Koexistenz und Konkurrenz von Katholiken und Protestanten im 19. Jahrhundert. Zur Diskussion um ein „Zweites Konfessionelles Zeitalter“ am Beispiel Soests, S. 165-186

Christoph Sturm:
„Wer die Schule besitzt, der besitzt die Herrschaft über die Zukunft und über die Welt“ -
Die Auseinandersetzungen um die katholischen Elementarschulen in Münster während des Kulturkampfes (1872-1888), S. 187-212

Wolfhart Beck:
Die protestantische Lebenswelt und ihre Schule -
Der Wandel des Bekenntnisschulwesens im Kirchenkreis Lübbecke zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, S. 213-236

Norbert Fasse:
„... all die Geisteskämpfe, die unbewußt die Volksseele durchkämpft“ - Zum „weltanschaulichen Gepäck“ des katholischen Milieus im westlichen Münsterland 1918-1933,
S. 237-264

Reinhard van Spankeren:
Können Protestanten feiern? Zur Festkultur im Sozialen Protestantismus in Westfalen im
19. und 20. Jahrhundert,
S. 265-279

Frank-Michael Kuhlemann:
Zwischen Anpassung und Widerstand. Konfessionelle Identitäten und politisches Verhalten am Beispiel der Kirchlichen Hochschule Bethel 1930-1945, S. 281-307

Gunnar Grüttner:
Das St. Hedwigswerk. Integration von katholischen Vertriebenen im Erzbistum Paderborn 1947-1967, S. 309-343

Kerstin Winkler:
Demut, Dienst, Beruf und Familie. Die Westfälische Diakonissenanstalt Sarepta zwischen diakonischem Leitbild und Frauenberufsarbeit, S. 345-364

Ute Gause:
Die Freudenberger Friedenshortdiakonissen, S. 365-377



WEITERE BEITRÄGE

Helmut Stubbe da Luz:
General Gobert, Napoleons „Zweites Gouvernement der eroberten Länder“ und die Anfänge des Königreichs Westphalen, S. 379-402

Heinz-Joachim Barsickow:
Säkulare Fundamentalpolitisierung in der Industrieprovinz - Der Nationalliberalismus im Raum Herne vor dem Ersten Weltkrieg, S. 403-429



PROJEKTBERICHTE

Wilfried Reininghaus:
Das Handbuch der historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. Ein Erfahrungsbericht anlässlich des Erscheinens der dritten Auflage, S. 431-434

Philipp Dotschev:
Profan und heilig: Kirchhöfe als Orte und Räume symbolischer Kommunikation in der ländlichen Gesellschaft Westfalens (15.-18. Jahrhundert), S. 435-444

Thomas Küster:
Urbanisierung und Moderne aus der Perspektive des ländlichen Raums (1870-1930),
S. 445-455



DISKUSSIONSFORUM

Riccardo Bavaj:
Was bringt der „spatial turn“ der Regionalgeschichte? Ein Beitrag zur Methodendiskussion,
S. 457-484



ARCHIVE - BIBLIOTHEKEN - MUSEEN

Andreas Mueller-Andriessen:
Das Psychiatrie-Museum Warstein. Aufbau und Konzeption,
S. 485-493

Hans-Christian Herrmann:
„Rote Paten“ für Westfalen. Die SED-Überlieferung im Staatsarchiv Leipzig und ihre Bedeutung für die Geschichte der westfälischen SPD nach 1945, S. 495-505



JAHRESBERICHTE 2005

Karl Ditt:
Westfälisches Institut für Regionalgeschichte, S. 507-511

Anna-Th. Grabkowsky:
Historische Kommission für Westfalen, S. 512-518

Torsten Capelle:
Altertumskommission für Westfalen, S. 519-523

Christiane Cantauw:
Volkskundliche Kommission für Westfalen, S. 524-527

Klaus Temlitz:
Geographische Kommission für Westfalen, S. 528-533

Hans Taubken:
Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens, S. 534-535

Walter Gödden:
Literaturkommission für Westfalen, S. 536-541



ZEITSCHRIFTENSCHAU
Klaus Schultze:
Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens
in Periodika des Jahres 2005, S. 543-620



BUCHBESPRECHUNGEN
S. 621-734