Stefan Gorißen (Hg.):
Ehrenamt und Mäzenatentum. Grundlagen der Zivilgesellschaft im historischen Wandel
Band 55/2005 (ISBN 3-402-09235-2)
Angesichts der fundamentalen Finanzkrise des Wohlfahrtsstaats westlicher Prägung fanden in den letzten Jahren Konzepte einer „civil society“ nicht nur bei Soziologen, Politologen und Historikern zunehmend Aufmerksamkeit, sondern auch bei führenden Politikern der Bundesrepublik. Im Zentrum solcher Konzepte stehen freiwillig, ohne Entgelterwartung erbrachte bürgerschaftliche Leistungen, die den Staat von Teilen seiner Fürsorgepflicht entlasten. Was heute oft auch als „Freiwilligenarbeit“, „Selbsthilfe“ oder „Bürgerarbeit“ bezeichnet wird, hat seine historischen Wurzeln als „Ehrenamt“ in der sich herausbildenden bürgerlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Der von Stefan Gorißen betreute Band versucht, verschiedene Felder eines solchen ehrenamtlichen Engagements in ihrer konkreten historischen Praxis auszuleuchten: den wichtigen Bereich der Förderung von Kunst und Wissenschaft durch Mäzene, aber auch die umfangreiche freiwillige Arbeit im breiten kulturellen Bereich des Vereinswesens; das bürgerschaftliche Engagement im Bereich der politischen Selbstverwaltung, das ebenso wie die Freiwilligenarbeit auf sozial-karitativem Feld auf lange historische Traditionen zurückblicken kann; schließlich die bis heute unverzichtbaren ehrenamtlichen Betätigungen im Bereich der Justiz in Gestalt ehrenamtlicher Richter und Schöffen.
Ein weiterer, von Ralf Blank verantworteter Themenschwerpunkt der Westfälischen Forschungen behandelt das Kriegsende 1945 in Westfalen. Wilfried Reininghaus und Werner Freitag würdigen das Lebenswerk des Landeshistorikers Albert K. Hömberg und ordnen es in den forschungsgeschichtlichen Kontext ein. Bernhard Sicken untersucht das - vergebliche - Bemühen der ostwestfälischen Stadt Herford, in der politisch unruhigen Situation des Vormärz und gegen die Interessen der Nachbarstadt Bielefeld eine Vergrößerung der eigenen Garnison zu erreichen.
Inhalt:
Stefan Gorißen:
Ehrenamt und Mäzenatentum: Eine Einführung, S. 1-16
Nicolas Rügge:
Ehrenämter im frühneuzeitlichen Stadtrat? Überlegungen am Beispiel Herfords im 18. Jahrhundert, S. 17-40
Hans-Walter Schmuhl:
„Mystiker“ oder „falsche Propheten“? Zur religiösen Orientierung Nürnberger Honoratiorenpolitiker im 19. Jahrhundert, S. 41-68
Winfried Herbers:
Selbstverwaltung zwischen Ehrenamt und Beruf -
Der Umgang der Kölner CDU mit der neuen Ordnung der Gemeinden nach 1946, S. 69-97
Volker Friedrich Drecktrah:
Das Amt des Geschworenen. Studien zur Funktion und Bedeutung der Laienrichter in der Elbe-Weser-Region im 19. Jahrhundert, S. 99-113
Jörg Requate:
Kontrolleure oder Vermittler? Zur Geschichte der ehrenamtlichen Richter im 20. Jahrhundert, S. 115-133
Barbara Hausmanns:
Auf der ewigen Suche nach Ruhm und Schönheit - Fürstliches Mäzenatentum im 18. Jahrhundert: das Beispiel Clemens August, Kurfürst von Köln, Fürstbischof von Münster, Paderborn, Osnabrück und Lüttich, S. 135-168
Birgit Biedermann:
Bürgerliches Mäzenatentum im 19. Jahrhundert - Die Rolle des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen als Förderer der Kunst, S. 169-191
Stephen Pielhoff:
Kulturvermittler zwischen Avantgardismus und Konservatismus: zur ästhetischen Codierung der ‚Moderne’ bei Karl Ernst Osthaus und Fritz Thomée, S. 193-238
Frank Hatje:
Zwischen Republik und Karitas: karitative Ehrenamtlichkeit im Hamburg des 18. und 20. Jahrhunderts, S. 239-266
Susanne Kill:
Freiwilligkeit und Assoziation. Zur Entfaltung des bürgerlichen Vereinslebens in Münster in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, S. 267-286
Bettina Hitzer:
Glaube, Gemeinsinn und lokale Macht. Bürgerschaftliches Engagement protestantischer Frauen und Männer im Berlin des 19. Jahrhunderts, S. 287-315
Marcel Boldorf:
Zwischen Nothilfe und Professionalisierung. Ehrenamtliche soziale Arbeit in beiden Teilen Deutschlands nach 1945, S. 317-336
Gabriele Lingelbach:
Die Geschichte des Ehrenamtes im bundesrepublikanischen Sammlungswesen: Über die Grenzen staatlich durchgesetzter Freiwilligenarbeit, S. 337-359
DAS KRIEGSENDE 1945 IN WESTFALEN
Ralf Blank:
Kriegsendphase und „Heimatfront“ in Westfalen, S. 361-421
Armin Nolzen:
Die westfälische NSDAP im „Dritten Reich“, S. 423-469
Gerhard E. Sollbach:
Das Kriegsende 1945 an der mittleren Ruhr und im Großraum Dortmund, S. 471-517
Dieter Pfau:
Kriegsende 1945 in Siegen - Bilanz einer Ausstellung, S. 519-534
ALBERT K. HÖMBERG ZUM 100. GEBURTSTAG
Wilfried Reininghaus:
Albert K. Hömberg (1905-1963). Ein westfälischer Landeshistoriker und Gegner des NS-Staates, S. 535-557
Werner Freitag:
Landesgeschichte im Umbruch: Das Beispiel Albert K. Hömberg, S. 559-567
STADT UND MILITÄR IN WESTFALEN
Bernhard Sicken:
Truppendislokation im Vormärz zwischen kommunalem Wettbewerb und politischem Druck - am Beispiel von Bielefeld und Herford, S. 569-598
JAHRESBERICHTE 2004
Karl Ditt, Bernd Walter:
Westfälisches Institut für Regionalgeschichte, S. 599-604
Anna-Th. Grabkowsky:
Historische Kommission für Westfalen, S. 605-608
Volker Pingel (†), Torsten Capelle:
Altertumskommission für Westfalen, S. 609-611
Christiane Cantauw:
Volkskundliche Kommission für Westfalen, S. 612-614
Klaus Temlitz:
Geographische Kommission für Westfalen, S. 615-619
Hans Taubken:
Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens, S. 620-622
Walter Gödden:
Literaturkommission für Westfalen, S. 623-628
UNVERÖFFENTLICHTE ARBEITEN
Riccardo Bavaj:
Staatsexamens- und Magisterarbeiten zur Geschichte Westfalens, S. 629-638
ZEITSCHRIFTENSCHAU
Klaus Schultze:
Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens in Periodika des Jahres 2004, S. 639-733
BUCHBESPRECHUNGEN
S. 735-866
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