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Barbara Krug-Richter / Herbert Reinke (Hg.):
Von rechten und unrechten Taten. Zur Kriminalitätsgeschichte Westfalens von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert



Band 54/2004 (ISBN 3-402-09233-6)


Die Historische Kriminalitätsforschung zählt seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu den boomenden Themenbereichen der sozial- und kulturhistorischen Forschung in Deutschland. Historische Kriminalitätsforschung untersucht abweichendes Verhalten im Spannungsfeld von Normen, Instanzen und Medien sozialer Kontrolle. Im Unterschied zu älteren rechtsgeschichtlichen Forschungen rücken in der modernen historischen Kriminalitätsforschung auch die gesellschaftlichen Konstruktionsprozesse von Devianz und Kriminalität in ihren historischen und kulturellen Bezügen ins Blickfeld. Kriminalitätsgeschichte fungiert somit zugleich als Sonde, die es erlaubt, gesellschaftliche und politische Verhältnisse zu analysieren. Der von Barbara Krug-Richter und Herbert Reinke betreute Band setzt sich zum Ziel, die Geschichte der Kriminalität in Westfalen von der Frühen Neuzeit bis in die 1970er Jahre - auch - als Geschichte der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu deuten. Neben Beiträgen zur Delinquenz einzelner gesellschaftlicher Gruppen (u.a. Studenten, Adel, Bauern und ländliche Unterschichten, Rocker) stehen solche, die bestimmte Delikte in den Blick nehmen (Gewalt, Diebstahl, Sexualdelikte, Schmuggel etc.).

Der Band enthält Beiträge des Kolloquiums, das Anfang des Jahres aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte (WIR) veranstaltet wurde; er präsentiert außerdem neue Untersuchungsergebnisse zur Leistungsfähigkeit der westfälischen Landwirtschaft am Vorabend der Agrarreformen 1822/35 und zur Darstellung der Polen in der Literatur über das Ruhrgebiet vor 1945. Berichte über eine Tagung zur historischen Einordnung der napoleonischen Modellstaaten Westphalen und Berg und zum Forschungsprojekt „Kommunale Gebietsreform in den 1960er und 1970er Jahren“ des WIR sowie Einblicke in das neu formierte Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, in das Unternehmensarchiv der Bertelsmann AG sowie die Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Münster runden den Band ab.


Inhalt:

Barbara Krug-Richter:
Von rechten und unrechten Taten: Eine Einführung, S. 1-17

Erika Münster-Schröer:
„Vort sullen wir roiff ind brandt ... weren mit unser gantzer macht“ - Brand und Mordbrand: Regionale Befunde und Überlegungen zur Deutung, S. 19-37

Margarete Wittke:
Vollzug und Androhung von Geldstrafen - Die pekuniäre Strafpraxis in der Stadt Warendorf und im Kirchspiel Füchtorf um 1600, S. 39-55

Arnold Beuke:
Diebe im Münsterland. Pferdediebstahl und andere Beschaffungskriminalität vor und während des Dreißigjährigen Krieges, S. 57-98

Christine Schmidt:
„Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch?“ - Jüdische Delinquenz im Fürstbistum Münster während der Frühen Neuzeit, S. 99-120

Barbara Krug-Richter:
„Mordsache“ Canstein 1677 - Formen und Kontexte adliger Konfliktkultur im frühneuzeitlichen Westfalen, S. 121-143

Marian Füssel:
Devianz als Norm? Studentische Gewalt und akademische Freiheit in Köln im 17. und 18. Jahrhundert, S. 145-166

Jutta Nowosadtko:
Der Militärdienst als Räuberschule? Anmerkungen zu einer verbreiteten Argumentationsfigur der historischen Kriminalitätsforschung, S. 167-175

Urte Evert:
Fußspuren, Blut und Samenflecken. Polizeiliche Ermittlungsarbeit am Beispiel eines Sexualmordes im Münsterland des späten 19. Jahrhunderts, S. 177-207

Uwe Fraunholz:
Verkehrssünder, Attentäter und Denunzianten. Anti-automobile Gewalt und polizeiliche Aufsicht über den Straßenverkehr in Westfalen während des Kaiserreichs, S. 209-226

Gerburg Harenbrock:
„... vielleicht etwas illegal, aber eigentlich machten das alle“: Kriminalität in Münster nach 1945, S. 227-263

Klaus Weinhauer:
Jugendsubkulturen und Polizei in Ostwestfalen in den 1960/70er Jahren, S. 265-277



PERSPEKTIVEN DER LANDES- UND
REGIONALGESCHICHTE

Bernd Walter:
75 Jahre Westfälisches Institut für Regionalgeschichte, S. 279-289

Werner Freitag:
Landesgeschichte als Synthese - Regionalgeschichte als Methode?, S. 291-305



WEITERE BEITRÄGE

Michael Kopsidis:
Die Leistungsfähigkeit der westfälischen Landwirtschaft am Vorabend der Agrarreformen 1822/35 (im statistischen Vergleich von 79 Abschätzungsverbänden), S. 307-377

Uwe-K. Ketelsen:
Dichterische Symbolpolitik - Die Figur des Polen in der deutschsprachigen Literatur über das Ruhrgebiet vor 1945, S. 379-398

Christoph Dartmann:
Korrektur zu „Schiedgerichtsbarkeit und die gütliche Beilegung von Konflikten“ (Westfälische Forschungen 53, S. 241-272), S. 399


TAGUNGSBERICHT

Armin Owzar:
Das Königreich Westphalen und das Großherzogtum Berg. Quellen - Forschungen - Deutungen, S. 401-414




FORSCHUNGSPROJEKT

Sabine Mecking:
Kommunale Gebietsreform(en) in der Bundesrepublik in den 1960er und 1970er Jahren. Forschungsstand und Untersuchungsperspektiven, S. 415-432



ARCHIVE - BIBLIOTHEKEN - INTERNET

Wilfried Reininghaus:
Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Entstehung und aktuelle Aufgaben, S. 433-437

Uwe Tack:
Das Unternehmensarchiv der Bertelsmann AG. Eine Zwischenbilanz, S. 439-448

Diethard Aschoff:
Die Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Münster - eine Fundgrube zur Geschichte der Juden im Hochstift Münster in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, S. 449-467



JAHRESBERICHTE 2003
S. 469-498


ZEITSCHRIFTENSCHAU

Klaus Schultze:
Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens in Periodika des Jahres 2003, S. 499-593


BUCHBESPRECHUNGEN
S. 595-741
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